Tilt-Phänomen

    • ertzkuh
      ertzkuh
      Global
      Dabei seit: 25.03.2007 Beiträge: 5.186
      Ich kenne das schon aus den Limits davor. Ich bin mir sehr sehr sicher, dass ich es viel besser drauf habe, aber man baut immer viel zu viel Mist. Das Verwunderte daran ist, dass ich dabei anscheinend mehr oder weniger genau break-even spiele. Wenn ich ins Minus abrutsche, zwing ich mich (unterbewusst?!), mehr Mühe zu geben, wenns gut läuft, ists schön, aber man macht mal einen schlechten Call. Und wens in einer Session so lala läuft, macht man mal einen Fehler und arbeitet sich wieder auf Null hoch.

      Langsam muss ich aus dem Arsch kommen. Das ist bei Poker so krass und überhaupt nicht mit normaler Arbeit vergleichbar. Dort würde man nie und nimmer so viele schlechte Entscheidungen fällen, weil man da angschissen werden würde. Bloß der Unterschied ist noch, dass es sich beim Pokern auch direkt aufs Gehalt auswirkt...

      Kommentare sind sehr erwünscht!

      Mein NL50-Graph:


      Und hier noch mein NL25-Graph, wobei ich das nicht mehr spiele. Bin dort sogar nach wieder Erreichen von 1000 $ aufgestiegen, damit ich eine Herausforderung habe, besser zu spielen, was nach kurzen Anlaufschwierigkeiten und einem Minidownswing auch gut geklappt hat.
  • 11 Antworten
    • schusti
      schusti
      Bronze
      Dabei seit: 12.11.2006 Beiträge: 547
      Ich habe auch immer wieder Probleme zu tilten. Mein Spiel verschlechtert sich vor allem dann rapide wenn ich einen suck out nach dem anderen bekomme von richtig dicken fischen, die einfach null plan haben und treffen ohne Ende. Macht mir irgendwie weniger aus, wenn ich gegen einen anderen guten Spieler verliere.

      Meiner Meinung nach ist "psychische Stärke" für einen erfolgreichen Pokerspieler sogar eine sehr viel wichtigere Eigenschaft als einfach nur "pokertechnische Skills". Mal ehrlich, wie oft spielen wir wirklich genau so gut, wie wir wissen zu spielen? Wirklich nur sehr selten. Es ist immer die Rede davon, man solle sein A-game bringen, wenn man am Table sitzt, aber in der Praxis ist das denke ich nicht möglich. Viel zu viele unterbewusste triebe verleiten uns dazu von Zeit zu Zeit schlecht zu spielen, einer der wichtigsten davon ist das "Ego". Das gilt es in den Griff zu bekommen. "It's not about honor or pride, it's just about money" (Rounders). Ein wirklich ausgezeichnetes Zitat, dass es wirklich auf den Punkt bringt.

      Aber was tun, um sich zu bessern? Hatte früher viel größere Probleme mit dem Tilten, aber von Zeit zu Zeit passiert es, und denke eigentlich, das ist sehr menschlich. Ich habe erst 1 Buch gelesen mit dem Thema Pokerpsychologie ("Your worst Poker enemy" Alan N. Schoonmaker) und es hat mir auf alle Fälle mal geholfen zu verstehen WAS mich und andere Spieler eigentlich beeinflusst schlecht zu spielen.

      Ein guter erster Ansatz, der mir persönlich sehr geholfen hat, ist es Poker nicht ZU ernst zu nehmen. Es ist und bleibt ein Spiel und mal gewinnt man und mal verliert man (auch wenn wir auf lange Sicht natürlich gewinnen wollen und werden). Mir ist auch extrem aufgefallen, dass ich SEHR viel besser Spiele, wenn ich nicht so oft Spiele, meine Winrate ist ungefähr doppelt so hoch, wenn ich nur 2-3x pro Woche spiele im Vergleich zu Zeiten wo ich täglich spiele. Die balance ist sehr wichtig, damit meine ich, dass Poker auf keinen Fall eine zu dominante Rolle in seinem Leben spielen sollte. Auch ist es sehr wichtig, keine zu langen Sessions zu spielen, je länger man am Tisch bleibt, desto eher neigt man zu titlen. Die Konzentration schwindet einfach nach einiger Zeit, auch wenn man selbst noch denkt, man ist top fit.

      Hoffe ich konnte dir vielleicht ein paar Denkanstöße in die richtige Richtung geben.

      MfG STefan
    • ertzkuh
      ertzkuh
      Global
      Dabei seit: 25.03.2007 Beiträge: 5.186
      Also ein paar Sachen sind mir auch aufgefallen:

      - am besten läuft es, wenn es allgemein gut läuft und ich nur 1 - 2 Sessions à 1 Stunde à 4 Tische spiele
      - wenn man dabei ein Video dreht, darf man keine Fehler machen, weil man, wie beim Arbeitgeber kontrolliert wird.
      - weniger als einen Stack am Tag zu verdienen, kommt mir nicht wie ein Erfolg vor, sodass ich eher gewillt bin, diesen zu erreichen, auch wenn ich 20 PTBB/100 h nach einer Stunde hab
      - wenn man anfängt, shit zu bauen, überlegt man nicht, ob das gegen den Gegner sinnvoll ist. Hab gestern an einen Tisch geblufft, weil ich eigentlich Value gegen einen richtig schlechten Gegner haben wollte, wobei der Agressor ein ganz anderer in dieser Hand war. Zu jedem Unnütz, hab ich die Hand so grottig gepspielt, dass ich selbst gecallt hätte, hätte jemand anders so gespielt, weil es wie ein Bluff rüberkam.
      - ich überlege anscheinend in etwas kniffligeren Situationen zu wenig und missachte mir zur Verfügung stehende informationen.

      Ich glaube, ich werde jetzt wieder anfangen, mein Spiel aufzuzeichnen. Wenn ich das Hauptproblem darin sehe, dass die Kontrolle fehlt, schaffe ich mir mein eigenes Kontrollorgan.
      Außerdem brauche ich wieder ein Ziel vor Augen. Da Geld verdienen zwar Hauptgrund aber nicht Hauptmotivationsgrund ist, werde ich mir NL100 als Ziel nehmen. Bis dahin ist es eigentlich mein Ziel, 20000 Hände mit 10 PTBB/100 h zu schlagen.

      Und ich werde hier berichten, wenn cih weiter breakeven spiele.

      Kommentare sind weiterhin sehr erwünscht.
    • CorPOK
      CorPOK
      Bronze
      Dabei seit: 24.03.2007 Beiträge: 501
      ist zwar ärgerlich und mühsam, aber auch breakeven über viele tausend hände gehört eben dazu. meine letzten 7000 hände nl25 hätte ich mir so gesehen auch sparen können, da bin ich glaub ich jetzt nen knappen stack im +. andererseits sammelt man eben auch erfahrung, grade auch um eine gewisse psychische ''Abgestumpftheit'' zu entwickeln. von daher mag ich das gar nicht missen, is auch immer noch besser als über noch mehr hände im minus zu sein.

      bleib einfach dran. meine zielvorgabe ist eigentlich bloss noch eine gewisse anzahl hände pro session zu spielen. gewinne, verluste sind da eher sekundär.

      Original von ertzkuh
      ..., werde ich mir NL100 als Ziel nehmen. Bis dahin ist es eigentlich mein Ziel, 20000 Hände mit 10 PTBB/100 h zu schlagen.
      10PTBB/100 sind ja 20BB/100. das ist ein verdammt ehrgeiziges um nicht zu sagen zu hohes ziel. du weisst ja selbst, dass kurzfristige ereignisse im poker kaum zu steuern sind und 20000 hände sind nun wirklich nicht so viel, dass da die varianz kaum noch reinspielt.
      dein problem scheint mir zu sein, dass du viel zu viel erwartest. schreibst ja selbst, dass du sessions, die net mit mind. einem stack im plus enden, für dich nicht wirklich erfolgreich sind. solltest dir vllt eine andere zielsetzung angewöhnen, da du durch zu hohe ziele schnell frustriert werden kannst, was dann bei dir scheinbar in tilt ausschlägt.
    • Buzibaer
      Buzibaer
      Black
      Dabei seit: 07.06.2006 Beiträge: 3.315
      Ich tilte so dermaßen grässlich, dass es oft in einer session Hände gibt, die ich nie und nimmer posten würde, und nicht mal irgendeinem Freund zeigen würde, weil ich mich nachher so dafür schäme.

      Bei mir äußert sich das dann auch oft in einem "eingrenzen der Handrange".
      Wenn bspw. FD am Flop liegt und ich hab TPTK und Gegner raised mich setz ich ihn auf FD. Kommt dann der FD an, setz ich ihn am Turn auf TPGK, nur damit ich mich meine schlechten calls "legitimieren" kann...
    • ertzkuh
      ertzkuh
      Global
      Dabei seit: 25.03.2007 Beiträge: 5.186
      10 PTBB/100 Hands ist für mich ein realistisches Ziel. Mögen manche anders sehen, aber naja. Sagt niemand, dass ich es über längere Zeit schon erreicht habe;) Edit: Naja doch, auf NL25, wobei das auch nicht rosig aussieht. Dann gings mit Tilt los und nicht mit einem Downswing. Downswing ist mir weitesgehend fremd.

      Mir gehts in diesem Thread vorallem auch darum, dass man nicht nur tiltet, sondern einfach auf der Stelle tritt, also eben breakeven spielt. Ich spreche hiermit niemanden an, der tiltet, aber vorankommt oder alles vertiltet.
      Also gibt Leute, bei denen die Graphen wie bei mir aussehen, obwohl sie es besser könnten?
    • bigbusinnes
      bigbusinnes
      Bronze
      Dabei seit: 06.07.2007 Beiträge: 1.552
      Original von ertzkuh
      10 PTBB/100 Hands ist für mich ein realistisches Ziel.

      hi, sry aber das ist wirklich unmöglich. sowas kann man über 3000 hände im up mal spielen, aber auf dauer ist sowas nicht machbar ( NL5/10 mal ausgenommen )
    • ertzkuh
      ertzkuh
      Global
      Dabei seit: 25.03.2007 Beiträge: 5.186
      Ich will dadrüber keine Diskussion anfangen. Man muss von sich nicht auf andere schließen, ist das eine. Von meinem Bruder weiß ich, dass er NL25 auf Dauer mit 10 PTBB/100 h spielt, obwohl da auch noch einiges an Tilt mit bei ist. Auch ich habe es hingekriegt mit Anlaufschrierigkeiten, bis das tilten angefangen hat. Also wird auch NL50 mit 10 PTBB/100 h zu schlagen sein.

      Ich sehe keinen Sinn darin, dadrüber zu diskutieren, weil jeder sich bei seiner Meinung an seinen Werten orientiert.
      Mir wird die Disziplin fehlen, mein Maximum zu erreichen.

      Vergiss bitte auch nicht, dass es stark drauf ankommt, wann man spielt. An einem Freitag abend sollte man beispielsweise locker 20-30 PTBB/100 h erreichen können. Ich spiele meistens abends und verstärkt am Wochenende, sodass ich potenziell eine höhere Winrate habe/voraussetze als jemand, der am Tag spielt.
    • CorPOK
      CorPOK
      Bronze
      Dabei seit: 24.03.2007 Beiträge: 501
      will jetzt auch keine diskussion darüber anfangen, aber aus anderen gründen als du.
      ich ''schlage'' nl/pl25 fr mit 17bb/100 auf ca 23k hände, nl25 sh sogar mit 30bb/100 auf nur 5k hände. ich denke auch, dass solche winraten auf den micro-stakes nicht so selten vorkommen, u trotzdem brauchst du dir nur ein paar threads hier u auf 2+2 anschauen um festzustellen, dass zum einen 30k hände keine ausreichende samplesize ist, u zum anderen für nen guten spieler realistischer vllt 10bb/100 sind. du sagst doch selbst, dass dir downswings fremd seien. da würde ich mal auf die idee kommen, dass du halt bisher die positive seite der varianz kennen gelernt hast.
    • ertzkuh
      ertzkuh
      Global
      Dabei seit: 25.03.2007 Beiträge: 5.186
      Boa, zum kotzen. Ich hab es geschafft, nicht zu tilten, bis auf die letzte Hand, die mich einen Stack gekostet hat (ich hatte OESFD, raise flop und calle allin, als der flush ankommt am turn, was mit 6 high totaler shit war. Der andere hatte auch OESFD, aber das obere ende. hatte am River also 1 Out;) )

      Aber ich hab nichts getroffen, und wenn, dann gabs nur einen halben Stack oder irgendwer hat ein besseres FH geluckt, echt zum kotzen. Kamen sau oft die Karten, die ich nicht sehen wollte. Oder die blödste Callingstation ever macht Pair am Turn und 2pair am River, ahhhhh. Alle anderen haben von ihm Geld gekriegt, außer ich.

      Echt shit, das ist jetzt das 2. Mal auf NL50, dass ich sau viel pech habe...und das in so kurzer Zeit, das kannte ich früher nie.


      Macht ~170 $ minus bzw. ~-7.5BB/100 h

      Das blöde ist, dass einem das gerade passiert, wenn dermaßen viele Fische unterwegs sind :(
    • ertzkuh
      ertzkuh
      Global
      Dabei seit: 25.03.2007 Beiträge: 5.186
      Falls noch jemand mein Werdegang interessiert: habs am ende doch geschafft, mich auf 500 $ runterzudonken. Ab dann NL25 gespielt und auf 425 $ gelandet. Dann hab ich mich irgendwie zusammengerissen und hab schnell die 600 $ erreicht und dann mit NL50 auch schnell auf 850 $ gekommen. War halt Wochenendplay, wobei ich heute auch gut zu beigetragen hab (und gestern 30 $ minus). Also mein NL50-Graph sieht jetzt so aus:



      Bei Bedarf würde ich noch einen nach 40k Händen posten bzw., wenn ich auf NL100 aufsteige.

      Und hier noch mein notgedrungener Ausflug auf NL25. Trotz anfänglichen down dank des heiligen Freitags noch 13,9 PTBB/100 hands gerockt...
    • lionix2006
      lionix2006
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 20.05.2006 Beiträge: 21.227
      Ich wundere mich schon, was einige hier an Vorstellungen haben.

      10 ptBB ?

      Das packst Du auf eine ordentliche Samplesize niemals - ich rede hier mal von 100 k oder mehr Händen.

      25.000 Hände haben z.B. null Aussagekraft.

      Tiltphänomen kenne ich auch zu gut.

      Keine Ahnung, was man da machen kann - bin mittlerweile da echt überfragt.