Einkommenssteuer auf Pokergewinne? Bericht von einem Fachanwalt für Steuerrecht

    • goldenanton
      goldenanton
      Bronze
      Dabei seit: 17.02.2005 Beiträge: 529
      Hab das mal gepostet, da es für mich eine neue Erkenntnis war, dass wenn man mehr Geld beim Pokern als im Beruf verdient Steuern zahln muss (bzw müsste) :rolleyes: .


      "Einkommenssteuer auf Pokergewinne?
      Wie viel von dem Gewinn gehört mir und wie viel dem Finanzamt?

      Die Lieblingsantwort aller Juristen: Es kommt darauf an!
      1. Fall – Legales Pokern als Freizeitbeschäftigung

      Einnahmen aus legalen Glücksspielen betreffen die private Vermögensebene und sind damit steuerfrei.

      Auch Poker ist in den Augen der deutschen Justiz ein Glücksspiel, genauso wie Lotto und sämtliche Casinospiele (Roulette, Blackjack etc.). Steuerlich ist dies ein Vorteil, da damit alle Gewinne aus Casinos und Pokerspielen im ersten Schritt erst mal steuerfrei sind. Das gilt auch für einen Millionengewinn in Las Vegas!

      Die aus den Gewinnen resultierenden Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden usw.) unterliegen dagegen schon der Besteuerung. Werden Gewinne also angelegt, müssen die Erträge in der Steuererklärung angegeben werden.

      Gelegentliche Homegames, auch wenn um Geld gespielt wird, sind übrigens legal, wenn diese in geschlossener Gesellschaft und nicht gewohnheitsmäßig stattfinden (§§ 284, 285 StGB).

      Da also Gewinne aus legalem Gelegenheitsspiel nicht versteuert werden müssen, können im Gegenzug auch keine Verluste, Reisekosten, Übernachtungen und sonstige im Rahmen des Spieles entstandenen Kosten von der Steuer abgesetzt werden.
      2. Fall – Legales Pokern als Profi

      Ein Profispieler erzielt gewerbliche Einkünfte nach § 15 EstG (Einkommenssteuergesetz) und muss diese versteuern. Dies hat das Bundesfinanzgericht in zwei Entscheidungen geklärt (BFH XI R 48/91; BFH/NV 94,622). Entschieden wurde ein Fall, dass ein Kartenspieler täglich sechs Stunden spielte und dabei einen Reingewinn in Höhe von €1.500 erzielt hat. Dieser war nach Auffassung des Gerichts zu versteuern.

      Die Abgrenzung zwischen Freizeitspieler und Profi wird in der Praxis dadurch vorgenommen, ob der Großteil der Arbeitszeit mit Pokern verbracht wird, ob noch andere Einkünfte erzielt werden und ob eine ernsthafte Gewinnabsicht verfolgt wird. Die Höhe der Steuer wird an den tatsächlichen Einnahmen festgemacht, also abzüglich aller in diesem Rahmen erfolgten Aufwendungen (Turnier-Buy-ins, Verluste etc.). Ein Profispieler sollte daher alle Ausgaben sehr detailliert aufzeichnen und sich diese eventuell auch von Mitspielern bestätigen lassen.
      3. Fall – Illegales Pokern

      Die bisherige Rechtsmeinung ist, dass Einnahmen aus illegalem Glückspiel ebenfalls nur dann steuerpflichtig sind, wenn das Pokern regelmäßig als gewerbliche Tätigkeit einzustufen ist. Wird also der Großteil des Lebensunterhaltes durch z. B. Onlinepoker finanziert, so ist der Gewinn steuerpflichtig. Auch hier können dann aber Verluste steuerlich geltend gemacht werden, sofern diese nachweisbar sind. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass allein die Teilnahme am Onlinepoker noch nicht zu einer Steuerpflicht führt, wenn nur unregelmäßig und nicht im gewerblichen Sinne gespielt wird. Das hat aber keinen Einfluss auf die Strafbarkeit von Onlinepoker!

      Zusammenfassend ist also zu sagen, dass ein Gewinn aus der Teilnahme an Liveturnieren, Live-Cashgames und Onlinepoker nur dann versteuert werden muss, wenn der Spieler hauptberuflich Poker spielt, unabhängig davon, ob dieser Gewinn legal oder illegal erzielt wurde. "

      Gaius von der Locht
      Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Arbeitsrecht
      Klenzestraße 22
      80469 München
      Telefon: 089-26019900
      vdlocht@anwalt-muc.de
  • 28 Antworten
    • Nafti
      Nafti
      Bronze
      Dabei seit: 08.01.2007 Beiträge: 4.005
      Hast du den Anwalt beauftragt?

      Ein für viele hier interessanter Punkt dürfte wohl sein: Spielt XY hauptberuflich Poker, so sind seine Gewinne steuerpflichtig. Solange man als Student nicht 24/7 spielt, ist man immernoch hauptberuflich Student. Und viele hier sind ja Studenten...
    • hwoarang84
      hwoarang84
      Black
      Dabei seit: 24.03.2006 Beiträge: 5.044
      Hast du Gaius von der Locht beauftragt? :tongue:
    • HanniMaus
      HanniMaus
      Bronze
      Dabei seit: 02.09.2007 Beiträge: 546
      Original von hwoarang84
      Hast du Gaius von der Locht beauftragt? :tongue:

      :heart: :heart: :heart: :heart:

      Pure Gold :)
    • Tosian
      Tosian
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2006 Beiträge: 330
      Original von hwoarang84
      Hast du Gaius von Luft beauftragt? :tongue:
      FYP :D

      Da hat wohl einer von der 'intelligenten Seite' geklaut...
    • goldenanton
      goldenanton
      Bronze
      Dabei seit: 17.02.2005 Beiträge: 529
      genau :D . Hab ned gewusst ob ich das posten darf =)
    • pittche
      pittche
      Bronze
      Dabei seit: 17.12.2006 Beiträge: 17
      [quote]Original von goldenanton
      Hab das mal gepostet, da es für mich eine neue Erkenntnis war, dass wenn man mehr Geld beim Pokern als im Beruf verdient Steuern zahln muss (bzw müsste) :rolleyes: .


      "Einkommenssteuer auf Pokergewinne?
      Wie viel von dem Gewinn gehört mir und wie viel dem Finanzamt?

      Die Lieblingsantwort aller Juristen: Es kommt darauf an!
      1. Fall – Legales Pokern als Freizeitbeschäftigung

      Einnahmen aus legalen Glücksspielen betreffen die private Vermögensebene und sind damit steuerfrei.

      Auch Poker ist in den Augen der deutschen Justiz ein Glücksspiel, genauso wie Lotto und sämtliche Casinospiele (Roulette, Blackjack etc.). Steuerlich ist dies ein Vorteil, da damit alle Gewinne aus Casinos und Pokerspielen im ersten Schritt erst mal steuerfrei sind. Das gilt auch für einen Millionengewinn in Las Vegas!

      Die aus den Gewinnen resultierenden Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden usw.) unterliegen dagegen schon der Besteuerung. Werden Gewinne also angelegt, müssen die Erträge in der Steuererklärung angegeben werden.

      Gelegentliche Homegames, auch wenn um Geld gespielt wird, sind übrigens legal, wenn diese in geschlossener Gesellschaft und nicht gewohnheitsmäßig stattfinden (§§ 284, 285 StGB).

      Da also Gewinne aus legalem Gelegenheitsspiel nicht versteuert werden müssen, können im Gegenzug auch keine Verluste, Reisekosten, Übernachtungen und sonstige im Rahmen des Spieles entstandenen Kosten von der Steuer abgesetzt werden.
      2. Fall – Legales Pokern als Profi

      Ein Profispieler erzielt gewerbliche Einkünfte nach § 15 EstG (Einkommenssteuergesetz) und muss diese versteuern. Dies hat das Bundesfinanzgericht in zwei Entscheidungen geklärt (BFH XI R 48/91; BFH/NV 94,622). Entschieden wurde ein Fall, dass ein Kartenspieler täglich sechs Stunden spielte und dabei einen Reingewinn in Höhe von €1.500 erzielt hat. Dieser war nach Auffassung des Gerichts zu versteuern.

      Die Abgrenzung zwischen Freizeitspieler und Profi wird in der Praxis dadurch vorgenommen, ob der Großteil der Arbeitszeit mit Pokern verbracht wird, ob noch andere Einkünfte erzielt werden und ob eine ernsthafte Gewinnabsicht verfolgt wird. Die Höhe der Steuer wird an den tatsächlichen Einnahmen festgemacht, also abzüglich aller in diesem Rahmen erfolgten Aufwendungen (Turnier-Buy-ins, Verluste etc.). Ein Profispieler sollte daher alle Ausgaben sehr detailliert aufzeichnen und sich diese eventuell auch von Mitspielern bestätigen lassen.
      3. Fall – Illegales Pokern

      Die bisherige Rechtsmeinung ist, dass Einnahmen aus illegalem Glückspiel ebenfalls nur dann steuerpflichtig sind, wenn das Pokern regelmäßig als gewerbliche Tätigkeit einzustufen ist. Wird also der Großteil des Lebensunterhaltes durch z. B. Onlinepoker finanziert, so ist der Gewinn steuerpflichtig. Auch hier können dann aber Verluste steuerlich geltend gemacht werden, sofern diese nachweisbar sind. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass allein die Teilnahme am Onlinepoker noch nicht zu einer Steuerpflicht führt, wenn nur unregelmäßig und nicht im gewerblichen Sinne gespielt wird. Das hat aber keinen Einfluss auf die Strafbarkeit von Onlinepoker!

      Zusammenfassend ist also zu sagen, dass ein Gewinn aus der Teilnahme an Liveturnieren, Live-Cashgames und Onlinepoker nur dann versteuert werden muss, wenn der Spieler hauptberuflich Poker spielt, unabhängig davon, ob dieser Gewinn legal oder illegal erzielt wurde. "
    • pittche
      pittche
      Bronze
      Dabei seit: 17.12.2006 Beiträge: 17
      ups da lief was falsch
    • kufufra
      kufufra
      Bronze
      Dabei seit: 17.07.2006 Beiträge: 11
      Jetzt oute ich mich als Newbie :D aber wann ist denn Poker legal und wann illegal?
    • Carlosmuc
      Carlosmuc
      Bronze
      Dabei seit: 13.11.2006 Beiträge: 4.460
      Original von kufufra
      Jetzt oute ich mich als Newbie :D aber wann ist denn Poker legal und wann illegal?
      Legal is es eigentlich nur im staatlichen Casino.
    • CardQueen
      CardQueen
      Bronze
      Dabei seit: 18.04.2008 Beiträge: 169
      also ist "Onlinepoker" illegal????
    • fischief
      fischief
      Bronze
      Dabei seit: 20.08.2006 Beiträge: 4.801
      Original von CardQueen
      also ist "Onlinepoker" illegal????
      facepalm
    • Rebhino
      Rebhino
      Bronze
      Dabei seit: 01.10.2007 Beiträge: 2.046
      Und wenn man jetzt Steuern zahlt und die vom Finanzamt wissen, dass man illegales Glückspiel betreibt hat das keine Konsequenzen :rolleyes: ?
    • doubleJay
      doubleJay
      Black
      Dabei seit: 09.10.2006 Beiträge: 6.232
      nich noch son thread..

      alarm

    • matze0815
      matze0815
      Bronze
      Dabei seit: 21.01.2006 Beiträge: 2.097
      Interessante News

      war das schon immer so?
    • Ohjay
      Ohjay
      Bronze
      Dabei seit: 09.09.2007 Beiträge: 5.797
    • twopair
      twopair
      Bronze
      Dabei seit: 11.01.2008 Beiträge: 2.549
      meiner meinung nach schauffeln die pokerspieler aktuell ihr eigenes grab, weil in der szene viel zu viel über dieses thema diskutiert wird nur weil ein paar "profis" die in der öffentlichkeit stehen von finanzamt überpüft wurden.

      einfach schön den ball flach halten u über die brücke gehen wenns so weit ist....
    • Blacklord1
      Blacklord1
      Bronze
      Dabei seit: 24.07.2006 Beiträge: 874
      Original von twopair
      meiner meinung nach schauffeln die pokerspieler aktuell ihr eigenes grab, weil in der szene viel zu viel über dieses thema diskutiert wird nur weil ein paar "profis" die in der öffentlichkeit stehen von finanzamt überpüft wurden.

      einfach schön den ball flach halten u über die brücke gehen wenns so weit ist....
      agree
    • durrian
      durrian
      Bronze
      Dabei seit: 07.03.2009 Beiträge: 934
      Das vom Anwalt zitiert Urteil kann nicht als Vergleich hergenommen werden.
      Bei dem "Berufskartenspieler",(den übrigens seine geschiedene Alte auf Unterhalt verklagt hat,nur so kam der Fall ins Rollen),handelt es sich um einen VERANSTALTER von Spielen,(Im Übrigen überwiegend Geschicklichkeitsspiele wie Skat,Romme,Backgammon und keine Glücksspiele wie Poker).Der Veranstalter stellte seine Zeit sowie Karten,Brett etc zur Verfügung, und übte damit ein Gewerbe aus.
      Ein Spieler, der im Casino sitzt, ist somit ein völlig anderer Fall,da hier das Casino der Veranstalter ist , somit das Gewerbe ausübt,und seine Einnahmen auch versteuert.
    • busfahrer09
      busfahrer09
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2006 Beiträge: 10.676
      Original von Ohjay

      :heart: :heart: :heart:
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