Sind die Schachspieler im Vorteil?

    • chrifro
      chrifro
      Bronze
      Dabei seit: 30.01.2005 Beiträge: 266
      Hallo!
      Ich wollte mal fragen, ob ihr glaubt, dass die ehemaligen und aktiven Schachspieler einen Vorteil gegenüber den Nicht-Schachern haben?

      Im Schach (ich verstehe nicht viel davon also nicht schlagen wenns nicht stimmt) kommt es ja häufig vor, dass man bekannte oder ähnliche Spielsituationen nachvollzieht und daraus sein weiteres Spiel aufbaut. Habe früher im TV zu später Stunde "Schach der Grossmeister" geschaut und da kam es häufig vor dass jemand sowas wie "eine ähnliche Konstellation habe ich aus 1965 Petrosjan gegen Tal im Kopf, da hat...."

      Im Hold'em ist es, der Theorie nach, ja auch wichtig gleiche Hände zu rekapitulieren und eine optimale Spielweise, welche man vielleicht schon einmal durchgeführt hat, hieraus auszuführen. Glaubt ihr die Vorteile der Schachspieler mit dieser Vorgehensweise vertraut zu sein, sind nur sehr gering oder schon nicht zu verachten?

      Ich für meinen Teil kann mir eh fast nix merken und aktiv kann ich mich nicht errinnern schonmal ein deja vue gehabt zu haben. Sicher unterbewusst ziehe ich Schlüsse aus allen meinen gespielten Händen zusammen aber, dass ich sagen kann, "Mensch sowas hatte ich schonmal, da mach ich nu das" kam noch nie vor und wird meiner Einschätzung nach bei mir auch nie vorkommen.

      Aber es gibt ja sehr viele verschieden Hold'em Stile und vielleicht spielt jemand ja nur so?
  • 9 Antworten
    • lordTasse
      lordTasse
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 3.847
      nicht nur schach spieler sind im vorteil sondern einfach halbwegs intelligente menschen -_-
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      Ich kann aus "Schachspielersicht" meine Gedanken dazu äußern, dabei muß ich aber sagen, daß Matthias Wahls da wohl anderer Meinung sein wird. (Wir sprachen mal am Telefon darüber und ich konnte seine Argumentation gut verstehen, halte aber den unten stehenden Punkt für gleichwertig wesentlich)

      Du zielst mit der Frage sicherlich auf "Mustererkennung" ab.
      Ich denke schon, daß Schachspieler da einen gewissen Vorteil haben, weil sie genau das eben schon so lange in ihr Denken aufgenommen haben.Sie sind sozusagen in ßbung. Es kommt natürlich drauf an, wie gut man es dann auch umsetzt. Es soll ja auch grottenschlechte Schachspieler geben...

      Ein Punkt, den Matthias mir überhaupt erst näher gebracht hat ist der, daß Schachspieler verlieren gelernt haben. Schacher spielen tendenziell sehr oft gegen etwa gleich starke Gegner. Das heißt, man bekommt doch sehr häufig einen auf die Nuß. Man lernt mit dem verlieren umzugehen mit der Zeit (und ein wenig goodwill^^).

      Meiner Beobachtung nach stehen dem aber auch schwerwiegende Nachteile gegenüber!
      Schachspieler ab einem gewissen Level sind doch recht selbstbewusst, wenn es um das lernen angeblich "überschaubarer" Spiele geht. Da kann ich mich leider nicht ausschließen.
      Man neigt dann recht fix dazu, mehr verstanden haben zu wollen als die Realität hergibt. Das sehe ich bei mir selbst hin und wieder, und das fällt mir bei Schachern aus meinem Bekanntenkreis häufig auf. Bei anderen ist es ja auch leichter zu sehen...
      Ich denke, ohne diese Vorbelastung lernt es sich evtl. leichter.

      Bevor ich hier wieder anfange, Romane zu schreiben, bremse ich mal lieber ab...

      Nur die Weisheit zum Schluß: Hat wie alles Vor- und Nachteile.
    • sholvar
      sholvar
      Bronze
      Dabei seit: 18.01.2005 Beiträge: 4.826
      Ich denke im Großen und Ganzen kann es schon sein, dass gewisse andere Hobbies und Berufe bestimmte Eigenschaften bevorteilen die in Poker überwiegen und dafür viele der Nachteiligen Eigenschaften eher nicht so schwer wiegen, was in der Summe einen Vorteil für diese bringt. Ich glaube aber nicht, dass dies eine große Rolle spielt.
      Viel wichtiger sind imo Charaktereigenschaften (wie Geduld, Selbstbewusstsein, innere Ruhe die man zwar auch teilweise trainieren kann aber im großen und ganzen entweder hat oder halt nicht) und Intelligenz.
      Die allerwichtigste Eigenschaft die man imo aber braucht ist spass an dem Spiel. Nur wer spass hat, kann sich soweit öffnen um zugehöriges Wissen schnell zu lernen, sich ausdauernd genug damit zu beschäftigen um viel Erfahrung zu sammeln und am Ball zu bleiben auch wenn es mal nicht so läuft.
      Und Freude kann man an diesem Spiel haben egal ob man Schachspieler, Bäcker oder Nutte ist.

      speziell bei Schachspielern ist es imo +/-0, weil er zum einen an das Lernen mit Büchern gewohnt ist, über Grundkonzepte die alle Strategiespiele teilen bescheid weiß und diesen Analysepart beherrscht. Allerdings ist genau diese Erfahrungsbasierte Analyse bei Poker ein recht zweischneiidiges Schwert. Es gibt Hände wie zB AK oder KQ mit denen man nicht so oft gewinnt wie AA oder KK und wenn man verliert, ist es meist nicht wenig weil man viel Staub mit ihnen aufbläst. Deshalb könnte man zu dem Schluss kommen, diese Hände überbewertet zu haben und sie niedriger einstufen. Dass man aber gerade wegen dieser eigenen Aggressivität mit diesen Händen und der guten Standfestigkeit bei Gegenwind oft große Pötte hat, wenn man gewinnt und mit diesen großen Pötten durchaus seine Verluste wieder wettmacht, merkt man so garnicht, weil sich die Sachen die man dazu in Erinnerung behalten müsste über ein so weites Feld von Spielen verteilt ist, dass das Gehirn nicht in der Lage ist es richtig zu analysieren.

      Wenn man in Poker unüberlegt und wild rumraised hat man im schlimmsten Fall schlechte Chancen den Pot zu gewinnen aber wenn man im Schach einfach unüberlegt losattackiert, Zusammenhalt der Figuren und Deckung völlig ausser Acht lässt hat man doch in den allerwenigsten Fällen auch nur die geringste Chance auf Sieg.
      Das sorgt dafür, dass Schachspieler eher unüberlegt zurückhaltend sind als unüberlegt aggressiv. Beim Poker ist dies allerdings ein Fehler, weil man sehr viele Gegner durch unheimliche Aggression dazu bringt Angst zu haben. Wenn ihr 73o habt der Flop ist 49Jo und euer Gegner hat KTo, dann hat er eine deutlich bessere Hand als ihr. Wenn ihr aber bettet oder raised, vielleicht schon preflop geraised habt und auch am Turn raised, werdet ihr vermutlich unverdienter Weise den Pot gewinnen, weil der Gegner sein KTo nur in der Hand behalten kann, wenn er Q oder K trifft.
    • Xblood
      Xblood
      Black
      Dabei seit: 15.01.2005 Beiträge: 1.007
      Original von lordTasse
      nicht nur schach spieler sind im vorteil sondern einfach halbwegs intelligente menschen -_-

      agreed ^^
    • OnkelHotte
      OnkelHotte
      Black
      Dabei seit: 16.01.2005 Beiträge: 18.432
      ich glaube nicht, dass schachspieler im vorteil sind, ich glaube eh nicht an diesen ganzen *ich mache irgendwas mit ansatzweise ähnlichen skillz also kann ich dann das andere auch besser*-dinge.

      wenn jemand gut in geometrie ist, dann kann er auch nicht besser billard spielen und ich kann auch nicht von natur aus besser tippen, nur weil ich klavier spiele.
    • Rifter
      Rifter
      Bronze
      Dabei seit: 16.01.2005 Beiträge: 547
      ich sehe die pc spieler eher im vorteil als die schachspieler.
      die haben vieleicht mehr theorieverstaendnis, aber sind sicher eher überfordert mit multitabling.
      8 sh tische traue ich eigentlich nur bwlern zu :)
      theorie bringt vieleicht 0,5 oder 1 bb 100 mehr, aber ich spiele lieber mehr tische - da bin ich auch nicht so varianzgefährdet.

      fazit: alles hat seine vor- und nachteile
    • Vienna
      Vienna
      Einsteiger
      Dabei seit: 30.01.2005 Beiträge: 567
      Durch Studium und Erfahrung erlernte "Mustererkennung", ist meiner Meinung nach eine wichtige Eigenschaft für einen Pokerspieler. Wie gute Schachspieler einen "Blick" für eine Stellung der Figuren auf dem Brett haben, so wird der geübte Kartenspieler einen "Blick" für eine Hand haben.

      Darum halte ich es für äußerst wichtig, dass sich Anfänger keine falschen "Muster" einprägen. Egal für welchen Zweck auch immer.

      Ich denke, ein geübter Schachspieler wird sich die "Muster" eines Kartenspieles leichter merken, weil sein Gedächtnis dafür bereits trainiert ist.

      Gibt es beim Schach einen Faktor "Glück"? Beim Poker ist der sehr sehr groß! Könnte mir vorstellen, wie dies einen aktiven Schachspieler aus der Fassung bringt.

      Wer Schach spielt, wird sicher Freude am Schachspiel haben. Wenn ein Schachspieler an 4 Tischen gleichzeitig Poker spielt, kann ich mir nicht vorstellen, dass ihm das Spielen mit Karten Spaß macht. Da wird es wohl eher die Freude am Geldgewinn sein?

      "PC Spieler" zu sein ist sicher keine Voraussetzung, um Multitabling zu spielen. Bis wer einmal den sicheren "Blick" für das Blatt hat (welcher wichtiger als schnelles Klicken ist), kann er auch mit der Maus umgehen.
    • soLidas
      soLidas
      Bronze
      Dabei seit: 16.01.2005 Beiträge: 914
      Wie wärs mit: derjenige, der sowohl Schachspieler als auch Bw-Gamer ist, ist im Vorteil :P
    • mike1234
      mike1234
      Bronze
      Dabei seit: 31.01.2005 Beiträge: 147
      Ob Schachspieler im Vorteil beim Poker sind, weiß ich nicht. Aber ich denke schon, daß ein Schachspieler viele Grundvorraussetzungen hat, die auch ein guter Pokerspieler haben muß. Diese Grundvorraussetzungen können aber auch Menschen haben, die kein Schach spielen. Was Matthias Wahls betrifft, so finde ich es aber schon erstaunlich, daß er erst knapp ein Jahr Poker spielt und damit schon sein Geld als Profi verdient.

      Gruß
      Mike