Varianz oder schlechtes Spiel?

    • VitaminB5
      VitaminB5
      Bronze
      Dabei seit: 25.01.2007 Beiträge: 227
      Hallo alle zusammen!

      Eigentlich habe ich immer gedacht, dass ich das Psychologie Forum nie brauchen werde. Aber nun möchte ich euch doch einmal nach Rat fragen.
      Meine Bankroll ist fast vierstellig, aber leider kommt das nicht vom Pokern selbst, sondern das meiste durch irgendwelche Boni. Ich spiele zur Zeit FL FR 25c/50c. Habe bisher auf diesem Limit etwa 40k Hände gespielt. Das ist natürlich für viele recht wenig. Doch für mich als "Pokeranfänger" doch eigentlich recht viel.
      Aber nun zum eigentlichen Problem: Seit über 20k Händen auf diesem Limit geht es nicht vorwärts. Ich stehe auf der Stelle. Das mag nichts besonderes sein, aber doch ist es für mich etwas belastend. Ich spiele etwa nur 500 Hände pro Tag/Session. Das Belastende an der ganzen Sache für mich ist, dass ich nicht weiß, was eine "normale Session" ist. Seit ein paar Monaten geht es an einem Tag entweder 20-40 BB nach oben, am nächsten wieder 20-40 BB nach unten, sodass ich nach diesem Tagespaar wieder da bin, wo ich angefangen habe. Zwischen durch gibt es auch mal eine Session in der ich im Prinzip absolut breakeven aufhöre. Aber normalerweise verläuft es wie oben geschildert: Ein tag rauf, am nächsten runter, und immer so zwischen 20-40BB pro Session/Tag. Über einen Zeitraum von über 2 Monaten jeden Tag diese "krassen" Sprünge machen mich etwas stutzig. Ich spiele immer Abends auf PartyPoker und die meisten Gegner auf diesem Limit spielen, meiner Meinung nach, wirklich unterirdisch schlecht. Aber ich kann das vermutlich einfach nicht richtig ausnutzen. Wenn ich viel Geld gegen einen schlechten Spieler verliere, dann rege ich mich natürlich erst einmal darüber auf, dass er am River noch seinen 2-Outer oder der gleichen trifft. Aber schon wenig später ist es mir wieder relativ egal, weil ich daran denke, dass von solchen Spielern letztendlich das Geld kommt. Nur kommt es bisher nicht zu mir. Dennoch starte ich jeden Tag die Session wieder mit einer gesunden Portion Optimismus und Ehrgeiz. Aber langsam bekomme ich das Gefühl, dass es sinnlos wird, dass ich mich im Kreis drehe. Ich halte nicht viel von der "Downswingausrede". Ich bin auch davon überzeugt, dass zu viele Pokerspieler hier den Begriff "Downswing" verwenden und sich damit etwas vor machen. Ich vermute bei meinem Problem wohl eher ein schlechtes Spiel oder mangelnde Konzentration. Aber da bin ich mir eben nicht ganz sicher.
      Und deswegen wollte ich nach Rat fragen. Wie gehe ich mit dieser Situation um? Was kann ich tun, wie kann ich mich weiter motivieren? Was ist eine "normale" Session? Gibt es sie überhaupt?

      Vielen Dank für euren Rat.
  • 2 Antworten
    • McKenna
      McKenna
      Bronze
      Dabei seit: 31.05.2006 Beiträge: 247
      Die Antwort ist natürlich klar: Es liegt an deinem schlechten Spiel.

      Mit dieser Antwort wirst du angehalten, mehr für deinen Skill zu tun.
      Die andere Antwort (Es liegt an der Varianz) würde dich nämlich möglicherweise von der Verantwortung entheben, weiter an deinem Spiel zu arbeiten.
      Wenn du dagegen wegen der Ergebnisse zunehmend unter Druck geraten solltest, wäre es ratsam, die Schuld bei der Varianz zu suchen, um dich selbst zu entlasten und weiter motiviert zu bleiben. Du siehst, eine mögliche Antwort hängt von deinem individuellen Hintergrund ab.

      Zu deiner Frage: Was ist eine normale Session?
      Dahinter steckt ein Normierungswunsch, bzw. dein Wunsch nach Anhaltspunkten von Anderen, ob du gut spielst oder nicht. Ich glaube, du bist in Bezug auf dein Spiel noch sehr unsicher. Hier gibt es aber auch keine endgültigen Antworten. Für mich persönlich heißt eine gute Session, dass ich meinen üblichen Rhythmus habe, d.h. mein Spiel mache ohne abgelenkt, angenervt (Tilt) zu sein, ohne besondere Aggression oder die Absicht, besonders tricky spielen zu müssen. BadBeats habe ich gut im Griff, sie bringen mich dann nicht aus der Ruhe. ich bin ausgeruht, entspannt und leicht gleichgültig gegenüber dem Spiel. Business as usual. Gewinne oder Verluste sind mir (in einem gewissen Rahmen) egal. Eine Session ist also nicht etwa nur dann erfolgreich, wenn ich gewinne. Eine Session ist dann gut, wenn ich voll konzentriert, aber nicht angestrengt bin, in meiner Mitte und in meinem Rhythmus. Rhythmus, also das eigene Spiel spielen, unbeeinflusst von Tagesform, Karten, Gewinnen oder Verlusten, oder dem Spiel der Anderen, ist sehr wichtig.

      Wenn ich dir einen Rat geben darf: Ich glaube, du hast deinen Rhythmus, deinen Flow, dein Spiel, whatsever noch nicht gefunden. Spiel einfach weiter, du kannst den Prozess dahin nicht unbedingt beschleunigen. Ich meine, neben Content, Coachings, Videos, Blabla braucht manches eben seine Zeit. Und vor allem viele Hände. Irgendwann wirst du ein Gespür dafür entwickeln, wann du nu getiltet, wann einfach schlecht gespielt und wann gebadbeatest wurde. Und dann hat sich die Frage erledigt. Und du weißt, wo du mit deinem Spiel stehst.
    • VitaminB5
      VitaminB5
      Bronze
      Dabei seit: 25.01.2007 Beiträge: 227
      Hallo McKenna,

      vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Das hat mich ein ganz schönes Stück weiter gebracht.