Zukunftsparas

    • feYVGaMbLe
      feYVGaMbLe
      Bronze
      Dabei seit: 18.05.2007 Beiträge: 478
      Hey,

      da hier offenbar auch viele Studenten unterwegs sind, die sich sicherlich
      schon mit Berufsaussichten etc. beschäftigt haben, hoffe ich, dass mir
      eventuell einige von euch hier ein bisschen Orientierung geben können.
      Ich komm' nämlich derzeit sowas von gar nicht mehr mit mir, meinem Studium
      und vor Allem mit meiner Zukunfsperspektive klar.

      Ich bin 25 und studiere jetzt im kommenden 10. Semester Deutsch/Geschichte
      auf Lehramt Gymnasium und letztens hats bei mir "Klick" gemacht: ich will das
      nicht! Wie kam es zu diesem Studium? Viele werden sich jetzt sicherlich
      einscheissen und fragen, warum einem das nicht früher klar wird ... warum
      erst im 10. Semester - quasi kurz vor Abschluss. Ich versuch's zu erklären:

      Ich bin zweitältestes Kind einer achtköpfigen Familie (Eltern inkl. ;-)). Da mein
      Vater fett verdient (dafür hab' ich ihn auch kaum zu Gesicht bekommen) und
      meine Mutter immer alles gemacht hat und für uns immer da war, musste ich
      mir nie um was Sorgen oder 'n Kopf machen. Es lief halt immer alles von allein.
      Auf der anderen Seite war ich vielleicht deshalb auch total gedankenlos:
      Schule? Klar, muss man hin. Hab ich gemacht und Abitur ohne Lernaufwand
      abgerissen. Über das was danach kommt hab ich mir allerdings keinen Kopf
      gemacht, genauso wie über die Schule. Klar, ich wollte studieren, DAS wusste
      ich aber das war's dann auch schon. Dann wurde ich sehr kurzfristig beim
      Sozialdienstantritt vom Amtsarzt wegen 'ner anstehenden OP ausgemustert
      und musste mich dann innerhalb von 2 Wochen für einen Studiengang
      entscheiden (Immatrikulationsfrist war fast abgelaufen - die Frist für
      NC-Studiengänge war schon vorrüber).

      Dann kam plötzlich mein Vater "Hey, Du hast jetzt wegen Deiner
      Ausmusterung die Chance ein Jahr früher mit dem Studium zu beginnen als
      andere: Das muss genutzt werden!". Also schnell nachgeschaut, wo man sich
      noch einschreiben kann und so stand ich 'ne halbe Woche später vor der Tür
      der Universität Rostock und musste mir überlegen was ich studiere.
      Ich überlegte kurz und dachte: "Hey, was war denn ganz lustig in der
      Schule?", und schrieb mich für Geschichte und Deutsch auf Lehramt Gymnasium ein.

      Dann hat mein Vater mir am gleichen Tag 'ne Wohnung besorgt, 200 E in die
      Hand gedrückt, mein Bett, 'n Fernseher und 'ne Couch ausgeladen und ist
      dann wieder zurück nachhause gefahren. Ich musste mich dann irgendwie mit
      der neuen Stadt, der Studienorganisation (keine Ahnung von gehabt) und
      dem alltäglichen Leben (z.B. kochen o_O) arrangieren. Von all dem hatte ich
      keinen Plan. Also bin ich mit voller Motivation drauf los: hab'n Hausstand
      aufgebaut, mich in die Studienorganisation eingearbeitet (ich wusste nichtmal
      wo die Fakultäten, Hörsäle etc. waren) und gelernt - so räudig wie das
      klingen mag - für mich selbst zu sorgen *totlach* - ich wusste nichtmal wie
      man Kartoffeln kocht o_O.

      Nun, das Studium war vom Anspruch bisher kein Problem - eher ein Kampf mit
      dem inneren Schweinehund. Ich hab' von Anfang an sehr ausschließlich
      gedacht á la du wirst jetzt Lehrer also identifiziere Dich mit Deinem Studium
      und dem Berufsbild.

      ... und da steh ich nun.

      Deutsch kotzt mich nur noch an, wohingegen ich Geschichte noch was
      abgewinnen kann. Aber allein das im Studium vermittelte Berufsbild eines
      Lehrers stößt mich immer mehr ab. Ich war die ganze Zeit so darauf
      konzentriert mich zwanghaft mit diesem Studium zu identifizieren, dass ich
      gar nicht gemerkt hab' wie falsch das für mich ist und wie fertig und
      unglücklich mich das macht. Hinzu kommt, dass man mit
      Deutsch/Geschichte-Lehrern die Straße Pflastern kann und die
      Einstellungsaussichten beschissen aussehen - auf die Idee mich frühzeitig
      darüber zu informieren, kam ich natürlich auch nicht.

      Ich bin jetzt 25, im 10. Semester und studiere eine Fächerkombi mit der man
      nichtmal großartig Quereinsteiger spielen kann. Ich weiß, dass ich auch viele
      andere Sachen hätte studieren können und weiß o_O jetzt sogar, was mich
      wirklich interessieren könnte... aber was hab' ich jetzt noch für Optionen?
      Mit 25 finde ich hier in Mecklenburg-Vorpommern wahrscheinlich keine
      Ausbildungsstelle mehr (hab' mich schon informiert). In einem anderen
      Bundesland würde das wohl auch nicht anders aussehen und zudem hat
      meine Verlobte hier oben einen Job und ich würd' ungern 'ne Fernbeziehung führen.

      Einfach nochmal von vorne beginnen und was anderes studieren?
      Bin ich dafür nicht zu alt?
      Sollte ich mein Studium abschließen (rechne noch mit max. 2 Semestern) und
      dann schauen, ob ich ins Referendariat komme, um dann zu merken, dass ich
      nur noch abkotze, um später dann bestenfalls 'ne befristete 1/3 Stelle zu bekommen?

      Ich bin gerade total orientierungslos und könnt' mich kreuzigen, dass ich nie
      auf die Idee kam mal drüber nachzudenken was ich da mache -.-

      Sry, dass der Text jetzt solang' geworden ist aber ich denke die Hälfte wird
      ihn sowieso nicht lesen. Der anderen Hälfte wäre ich für Ratschläge und Tipps
      dankbar, die meine Gedanken überhaupt mal wieder in ne ergebnisorientierte
      Richtung bringen könnten.

      feY
  • 7 Antworten
    • alaris
      alaris
      Bronze
      Dabei seit: 07.09.2006 Beiträge: 9.558
      Zieh das Studium durch. Die 2 Semester noch..

      Nur weil es auf LA ist, ist man ja nicht gezwungen Lehrer zu werden. Kannst auch easy was in Richtung Medien/Journalismus damit machen. Oder mit dem Geschichtswissen in 'nem Museum oder sonst wo arbeiten.


      Am Ende ist es allerdings deine Entscheidung - wo dir keiner von hier helfen kann.
    • DagobertSuper
      DagobertSuper
      Bronze
      Dabei seit: 08.05.2006 Beiträge: 223
      Hallo,

      also ich würd dir auch empfehlen auf jeden fall das Studium zu Ende zu machen. Die 2 Semester (und wenns 3 werden) reisst du doch noch locker runter. Jetzt alles hinschmeissen ist m.M. nach der größte Fehler den du machen kannst.

      Und nach dem Studium schaut das alles ganz anders aus. Habe genug Freunde (bin selber 25 und im 11. sem) die nach abgeschlossenem Studium in eine ganz andere Richtung gegangen sind und jetzt beruflich komplett was anderes machen als sie studiert haben. Aber beenden solltest du auf jeden Fall (v.a. da es ja nur noch kurz is, klar mit ner menge stress wegen prüfungen und so, aber 10 sem. umsonst ist schlimmer).

      Grüße der Dago
    • feYVGaMbLe
      feYVGaMbLe
      Bronze
      Dabei seit: 18.05.2007 Beiträge: 478
      Hmm, danke für die Antworten.

      Das Studium werde ich auf jedenfall abschließen, nur was danach kommt weiß
      ich nicht wirklich. Ich informier' mich über Berufsalternativen und Möglichkeiten
      zum Quereinstieg wo und wann ich es kann. Jedoch siehts auch einfach mit
      der Fächer Kombi Deutsch/Geschichte in der freien Wirtschaft bescheiden aus.

      Das steigert natürlich die eigene subjektive Perspektivlosigkeit, in der ich mich
      momentan befindet. Ich habe mich auch schon in Richtung
      Journalismus/Medien informiert und einige Mails an Zeitungen etc. geschickt
      (was für Vorraussetzungen denn für den Job erfüllt werden müssen etc.). Da
      siehts aber wohl auch nicht so rosig aus
      -> es gibt halt studierte Journalisten, die schon Praktika, prakt. Arbeiten und
      'ne Fachausbildung vorweisen können.

      So wie es aussieht, kommt wohl erstmal nur die Schule oder ein
      Nachhilfezirkel als Arbeitgeber für mich in Frage -.-
      Die Geschichten von Leuten, die in ihrem Studium fernen Bereichen arbeiten
      kennt man ja zuhauf. Meist haben diese Leute aber auch etwas
      "wirtschaftsorientiertes/taugliches" studiert ...

      Naja, ich werde mich weiter umschauen und erstmal mein Studium
      abschließen... ich ringe halt gerade nur um eine Perspektive mit der ich leben kann.

      Wenn jemand noch Ideen oder gar Erfahrungen mit dererlei Situationen hat,
      wäre ich demjenigen sehr dankbar, wenn er hier mal was tippt.
      Vielleicht weiß ja jemand aus eigener Erfahrung, was man noch mit dem
      Abschluss anstellen kann?!

      feY
    • alaris
      alaris
      Bronze
      Dabei seit: 07.09.2006 Beiträge: 9.558
      Journalist kann sich jeder nennen. Bewerb dich für ein Volontariat oder so.
      Ich kenne jemanden der hat Fahrzeugtechnik studiert und ist jetzt Redakteur.

      Du solltest das alles nicht sooo eng sehen.
    • DasWiesel
      DasWiesel
      Bronze
      Dabei seit: 30.06.2005 Beiträge: 1.185
      sollte auch helfen wenn du ab und an mal nen Leserbrief schreibst. Noch besser ists natürlich wenn der auch gedruckt wird. Da kannste dann inner Bewerbung auch schon drauf verweisen.
    • matusow
      matusow
      Bronze
      Dabei seit: 23.10.2006 Beiträge: 8.296
      mir gehts genau gleich.
      bin 26, studiere immer noch (jura) und hab einfach keine motivation es durchzubringen.
      bei mir ist der grund ein anderer. das lernen ist so unglaublich zääääääh, ich packs nicht.
    • edelgrieche
      edelgrieche
      Bronze
      Dabei seit: 23.06.2006 Beiträge: 1.682
      Hast du denn schon Praxiserfahrung gesammelt? Also hast du mal einer Klasse Unterricht gegeben? Lehrer ist doch ein schöner Beruf, man ist ständig mit jungen Leuten zusammen und kann seine Arbeit (den Unterricht) fast völlig frei gestalten.

      Also:
      Geht dir die Theorie auf den Sack oder die Aussicht vor einer Klasse zu stehen?