Selbstanalyse - Warum ich in Downs rausche [NL10]

    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      So, ich hab in kurzer Zeit mittlerweile 3 Phasen gehabt, in denen ich nach steiler Kurve in ein Tal gefallen bin. Ich weiss nicht, ob meine Analyse richtig ist, aber mir ist dabei etwas aufgefallen - eine Gemeinsamkeit bei allen Downs.
      Anmerkung: Die Effekte hier sind nicht so extrem, wie sie beschrieben scheinen, aber ein Shift von +/- 10% in eine Richtung kann bei der geringen Edge im Poker schon eine Lawine der Folgen auslösen.

      Phase 1. Start eines Winning Streaks:
      Anfangs spiele ich vorsichtig, achte auf Potcontrol. Pushe nicht viel im Flop, overplay kaum Hände und lege auch Sets auf gefährlichen Boards gegen Donk mal weg. Ich nenne das "Dodging Bullets". Damit gehe ich Bad Beats aus dem Weg. Natürlich folde ich so manchmal die beste Hand, aber die großen losses bleiben aus. Mit der Taktik fahre ich viele mittlere Gewinne ein, steige aus einigen spekulativen "Staged Pots" rechtzeitig aus und meine Kurve arbeitet sich stetig nach oben. Einige große Pots werden mit den Nuts oder 2nd Nuts ebenfalls kassiert.

      Phase 2. Der schmale Grat:
      Nach und nach werde ich durch die winnings zuversichtlicher. Unbewusst riskiere ich mehr, weniger und weniger werfe ich Sets und "wahrscheinlich" stärkste Hände weg. Ich fange an, häufig im Flop zu pushen . Pot control wird unwichtiger. Ich bin jetzt im 50/50 Modus. Eine Zeit lang geht es so ganz gut weiter. Einige stacked Pots werden gewonnen. Das A-Game wandert langsam ab.

      Phase 3. Overplay
      Ermutigt durch zahllose Winnings und 10 Stacks up in der Streak verliere ich die Tuchfühlung für riskante Blätter. Ich folde so gut wie keine "wahrscheinlich" besten Hände mehr (z.B. middle Set auf drawheavy board) und fange an, Villain keine Nuts mehr zu glauben. Calle donks, pushe im Flop gegen offensichtliche Drawing Hands (die ermutigt auf 2 Streets to go alle callen) und verliere die ersten stacked Pots. Kommen jetzt noch 1-2 "echte" BadBeats hinzu ist die Saat der Verderbnis gelegt. Die Kurve senkt sich nach unten.

      Phase 4. Break-Even-Trauma
      Ich verstehe nicht rechtzeitig, was los ist, habe doch die ganze Zeit so viele Stacks gewonnen? Ich versuche die verlorenen Stacks rauszuholen und die losing Session umzuwandeln. Dadurch spiele ich noch riskanter. Overplay von TPTK kommt vor, ich committe mich teils mit marginalen Händen, Sets wandern gar nicht mehr in den Muck selbst bei offensichtlichen FDs oder Straights. Der Effekt verstärkt sich lawinenartig. Die Stacks rasseln nur noch runter. Der Down beginnt.

      Phase 5. Der Crushed-Effekt
      Schon wieder ein Down. Man kassiert "Bad Beats", die man selbst zulässt und in die man offensichtlich reinrennt. Die ein oder andere echte unglückliche Hand ist natürlich dabei. Man fängt an, gegenteilig zu spielen - man glaubt, jetzt in jeder Hand zu verlieren. Foldet viel zu häufig. Der Down zieht sich weiter hin, das Spiel ist total Off-Balance - der freie Fall der Kurve ist aber durch das Ausbleiben riskanter Moves gebremst.

      Phase 6. Besinnung
      Langsam pendelt man sich wieder ein. Durch die übertriebene Vorsicht gewinnt man einige Hände. Das Selbstvertrauen kehrt langsam zurück. Man spielt nach und nach wieder A-Game, was aber viele hundert Hände dauern kann. Die Tuchfühlung ist wieder vorhanden. Die Kurve steigt wieder nach oben --- und man beginnt den Teufelskreis wieder in Phase 1.
  • 34 Antworten
    • funmaker
      funmaker
      Global
      Dabei seit: 04.01.2006 Beiträge: 7.367
      Hallo, torytrae!

      Da hast Du dich ja mal ausführlich mit Dir und Deinem Spiel auseinander gesetzt! Wenn das aber immer so abläuft bei Dir, dann beende doch einfach eine Sitzung, wenn Du z.B. wie hier beschrieben, 10 Stacks vorne bist. Was ja auch nur selten vorkommt, denke ich! ;) Oder setz Dir eine vernünftige Grenze. Bei 3-4 stacks vorne beende ich die Session! Genauso eine Grenze nach unten: Bei 3 stacks hinten höre ich auf! Das fällt mir jetzt erstmal dazu ein!

      Bis dann....
    • infecteeed
      infecteeed
      Bronze
      Dabei seit: 17.02.2007 Beiträge: 3.523
      Schliesse mich mal funmaker an.

      Aber wenn ich in einen Tilt gerate merke ich das eingentlich ziemlich schnell. So 10 min. Meine Denkweise ändert sich dann total...Kennt man ja...
      Ich lasse mich dann sofort ausblinden. Auf dem weg dahin verlier oder gewinn ich noch ein bisschen...Hab in FL aber noch nie mehr als 1 1/2 Stacks verbraten...

      Was mich dann runterholt sind Coachingvids oder einfach nochmal einen Artikel lesen. Dann merk ich erstmal wie dumm das war und bekomme meine Professionelle Einstellung wieder.

      Neulich war ich in 'nem Coaching wo sich der Coach enorm drüber aufgregt hat nie in die P & F phase während eines Coachings zu kommen. Das tat gut. Man ist halt nicht alleine und das ist alles ganz normal...

      gruss
    • blackcobra212
      blackcobra212
      Bronze
      Dabei seit: 08.11.2007 Beiträge: 530
      Das Problem habe ich auch!

      Ich spiele am Anfang der Session meistens relativ gut. Etwa 50BB/100 auf NL10 und werde ich mir zu sicher und laufe mit A High oder so total unprofitablen Situationen hinterher.
      Ich habe mir schon überlegt immer wieder mal Pausen so etwa alle 30min einzuplanen.
      Glaubt ihr wäre das hilfreich?
    • infecteeed
      infecteeed
      Bronze
      Dabei seit: 17.02.2007 Beiträge: 3.523
      Pause ohne Theorie muss bei mir minimum 24 Std. gehen sonst verfall ich aus ärger zu schnell wieder in den Tilt...Wenn ich dort in 30 min. überhaupt rauskomme...
    • schlepplifthasser
      schlepplifthasser
      Bronze
      Dabei seit: 15.05.2006 Beiträge: 796
      das mit den pausen hat bei mir gut funktioniert.
      ich spiele eine weile, 30min-60min und analysiere dann erst mal die interessanten hände.denn wenn man ehrlich ist und genau hinschaut, kommen selbst bei einer halben stunde schon genügend hände zusammen in denen man sich nicht sicher war, oder wo es zumindest mehrere möglichkeiten gab, die hand zu spielen.
      wenn ich on tilt bin spiel ich immer viel zu lange.
      es ist sehr profitabel kurze sessions zu machen, und die hände sofort zu analysieren, da man sich dann auch noch besser an die hand erinnert.
    • Trixi85
      Trixi85
      Bronze
      Dabei seit: 10.01.2007 Beiträge: 1.719
      über wieviel hände reden wir hier?

      gehst du während einer session durch phase eins bis sechs, oder zieht sich das über tage/wochen?
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Phase 1 - 6 geht über ca. 10 k Hände. Bisher 3 mal erlebt, also über 30k Hände derzeit NL10.
    • Sargey
      Sargey
      Bronze
      Dabei seit: 01.05.2007 Beiträge: 545
      Original von torytrae
      Ich folde so gut wie keine "wahrscheinlich" besten Hände mehr (z.B. middle Set auf drawheavy board)
      Dein A-Game besteht darin, n Set aufm drawheavy board bei viel Action zu folden?
    • Tornano
      Tornano
      Bronze
      Dabei seit: 11.12.2007 Beiträge: 1.351
      Original von blackcobra212
      Das Problem habe ich auch!

      Ich spiele am Anfang der Session meistens relativ gut. Etwa 50BB/100 auf NL10 und werde ich mir zu sicher und laufe mit A High oder so total unprofitablen Situationen hinterher.
      Ich habe mir schon überlegt immer wieder mal Pausen so etwa alle 30min einzuplanen.
      Glaubt ihr wäre das hilfreich?
      Dein Problem liegt woanders...
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Original von Sargey
      Original von torytrae
      Ich folde so gut wie keine "wahrscheinlich" besten Hände mehr (z.B. middle Set auf drawheavy board)
      Dein A-Game besteht darin, n Set aufm drawheavy board bei viel Action zu folden?
      Je nach Board und je nach Action und je nach Street und je nach Reads - ja.

      btw. no strategy here pls. Ich poste genug in die Bewertungsboards.
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Hier die Stats:



    • cybergnom
      cybergnom
      Bronze
      Dabei seit: 11.04.2007 Beiträge: 2.372
      Sag mal... sehe ich das richtig, dass Du 28/3/0.5 spielst?

      Wenn dem so ist, ist das ne absolute Katastrophe. Das sind die Spieler, die in Coachings immer Calligsations genannt werden...
    • infecteeed
      infecteeed
      Bronze
      Dabei seit: 17.02.2007 Beiträge: 3.523
      wofür steht der wert 0.5?
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Original von cybergnom
      Sag mal... sehe ich das richtig, dass Du 28/3/0.5 spielst?

      Wenn dem so ist, ist das ne absolute Katastrophe. Das sind die Spieler, die in Coachings immer Calligsations genannt werden...
      Ja, ich war zu loose und zu passiv. Aber das ist mittlerweile nicht mehr so, mittlerweile bin ich eher TAG - wobei ich noch ein Tick zu oft openlimpe und ein Tick aggressiver sein könnte.
      Runtercallen mach ich nur für potcontrol und das sehr selten.
    • Cosler
      Cosler
      Bronze
      Dabei seit: 19.06.2006 Beiträge: 905
      Sag mal, habe ich etwas verpasst oder lese ich deine Stats nicht richtig? Du schlägst doch NL10 mit 4.84BB/100. Das ist doch sehr solide.

      28/3/0.5 ist natürlich weniger optimal. Daher solltest du die Aggressivität trainieren, selbst wenn das etwas gegen deine Natur ist. Beim Pokern braucht man Aggressivität einfach. Auch wenn dir dieser Tipp vielleicht 'abartig' erscheint, aber die SSS eignet sich hervorragend dafür das zu erlernen und die Benutzung des 'Call-Button' auf ein Minimum zu beschränken. Daher ist es vielleicht eine Überlegung wert, gelegentliche Shots auf deinem nächsten Limit (NL25) mit der SSS anzugehen. Da verbindest du das Angenehme (Limit kennenlernen bei übersichtlichem Risiko) mit dem Nützlichen (TAG Style praktizieren). Und eine gewisse Diversifikation im Spiel verbunden mit einem konzipiertem Limitaufstieg schadet eh nicht. So am Anfang Phase 3, wenn du voller Energie bist und niemand dich erschrecken kann, da würde ich so ein Unternehmen ab und an mal angehen. Vielleicht entkommst du so dem beschriebenen Muster und 10 gewonnene BSS-Stacks auf NL10 kann man mit NL25 SSS auch mal eben nicht schnell verheizen ;)

      Thema Steals solltest du auch angehen. Ist auf NL10 sicher nicht so relevant, aber 5% mit BSS finde ich selbst da zu nit. Ist auch so eine 'Sache der Gewohnheit' (und eine Sache der Aggressivität btw.) und je eher man sich das angewöhnt und damit Erfahrungen sammelt, umso einfacher und selbstverständlicher wird es in der weiteren Entwicklung.

      Als letzten Tipp für heute empfehle ich dir, dich nicht nur mit deinem eigenem Spiel auseinander zu setzen sondern auch mit dem Spiel deiner Gegner. Damit meine ich, bevor ich mich nach einer 2-stündigen Session 30 Minuten nur mit meinen Händen beschäftige, teile ich das lieber auf in 15-15 und schaue mir auch ein paar Hände aus Sicht meiner Gegner an. Oft lassen sich gewisse, sich wiederholende Setzmuster erkennen, welche man mit dem Verlauf des Spiels in Einklang bringen kann. Damit meine ich nicht Hände von irgendwelchen 90/x/x Vollfischen, die einen mit 75o weglucken, sonder 'relativ' regulär gespielte Hände.
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Merci Cosler. Hast sicher Recht. Bin manchmal zu passiv irgendwie. An sich hab ich kein Problem mit Aggressivität wenn ich eine starke Hand halte (two Pair aufwärts), das Problem ist vielleicht falsche Zurückhaltung mit marginalen Händen. Flop ich z.B. TP med Kicker, dann bette ich das nicht in 3 Vs rein - ich raise auch nicht eine bet von V damit, weil ich mich da nicht comitten will. In so einem Fall call ich das und hoffe auf two pair oder sowas im Turn.

      Bisher hab ich immer 4Tabling gespielt. Gestern das erste mal 8Tabling und es ist ganz gut gelaufen. Aufgrund der vielen Tables kann ich mich auf die guten Hände beschränken (18% VSPIP) und komm nicht auf "fancy moves" Gedanken. :)
    • funmaker
      funmaker
      Global
      Dabei seit: 04.01.2006 Beiträge: 7.367
      @ Cosler
      Das ist es, was ich meinte: Deinen Beitrag, in dieser Art und Weise, finde ich sehr gut. Hilfsbereit, informativ und es bringt dem OP auch viel. So macht das Forum einfach Spass! :P (Und Deinen Beitrag im BBV hab´ ich übersehen! ;) )
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Original von funmaker
      Hilfsbereit, informativ und es bringt dem OP auch viel.
      Ja, das sind ja 3 Wünsche auf einmal ... man könnte fast meinen, Cosler hatte heute zum Frühstück ein Überraschungsei ;) :D :heart: :heart: :heart:
    • cybergnom
      cybergnom
      Bronze
      Dabei seit: 11.04.2007 Beiträge: 2.372
      Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du beim 4tabling schlecht - oder zumindest suboptimal - spielst und beim 8tabling dann plötzlich stärker wirst.
      Du spielst vielleicht automatisch weniger Hände - die dann aber sicher nicht besser als beim 4tabling.

      Original von torytrae
      Flop ich z.B. TP med Kicker, dann bette ich das nicht in 3 Vs rein - ich raise auch nicht eine bet von V damit, weil ich mich da nicht comitten will. In so einem Fall call ich das und hoffe auf two pair oder sowas im Turn.
      Warum raised Du das nicht? Worauf hoffst Du? Du triffst den Flop nur in ca. 1/3 der Hände die Du spielst und selbst davon gewinnst Du nicht immer!

      Wenn Du so passiv spielst ist es nur eine Frage der Zeit, bis Du Dein Geld in ner Session verlierst!
      Ich würde Dir dringenst empfehlen, Dein Spiel mal von nem "erfahrenen/erfolgreichen" User hier überprüfen zu lassen oder ein Video aufzunehmen.
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