Reads und ihre Verlässlichkeit

    • storge
      storge
      Bronze
      Dabei seit: 09.08.2005 Beiträge: 22.519
      Hey,
      wenn wir bspw. am River in einer Situation davon ausgehen, profitabel cc mit A high spielen zu können (bspw. gegen busted draws) und nur jedes zehnte Mal vorne sein müssen, woher wissen wir, dass das Play profitabel ist? Klar, man kann einen Gegner durch sein Verhalten schon relativ gut einschätzen, aber wenn der check/call nur jedes zehnte Mal gelingen muss, müssten wir ja theoretisch (in Anbetracht der Varianz) sehr häufig check/callen, ohne nur ein einziges Mal die Hand zu gewinnen. Die subjektive Wahrnehmung ist da doch sehr negativ und es enstehen einige Zweifel an der Verlässlichkeit eines solchen Reads bzw. der Gegnereinschätzung.

      Alternativ eine Situation im DS bspw., in der wir bei jeder Hand, mit der wir am Turn b/f ffSD spielen, gecheckraised werden und folden müssen.

      Klar, man darf das nicht zu oft machen bzw. muss einfach mal callen, damit die Gegner uns nicht exploiten können, aber 1. frage ich mich, ob Fische sowas überhaupt merken und 2. ist der Move doch (insbesondere wenn Fische das nicht merken und da oft nur mit besseren Händen checkraisen) sehr -ev.

      Sind die Situationen zu engstirnig betrachtet und man muss das alles im größeren Kontext betrachten? Bspw., dass wir durch einen slightly -ev Calldown oder c/c, den Gegner insgesamt dazu bewegen, -ev gegen uns zu valuebetten/checkraisen?
  • 4 Antworten
    • FjodorM
      FjodorM
      Bronze
      Dabei seit: 14.02.2006 Beiträge: 11.238
      Naja du musst wirklich zwischen Fischen und Regs unterscheiden. Gerade wenn so ein Regular an 3en meiner Tische sitzt, ergibt sich schon eine Sessiondynamik die die Spielweise von Händen beeinflusst. Insbesondere sollte man in dem Fall auf Nummer Sicher gehen und im Zweifel eher die showdown-Line bevorzugen. Gegen Fische würd ich mir keine Sorgen ums Metagame machen, die meisten sieht man eh selten wieder. Höchstens so offensichtliche Sachen, daß wenn du zweimal b b c/f gegen einen Fisch gespielt hast, das nächste mal mit TP einen River c/r einstreuen.
    • kombi
      kombi
      Bronze
      Dabei seit: 20.08.2006 Beiträge: 9.244
      Ich verstehe deinen ersten Absatz nicht. Wenn du am River denkst profitabel check/callen zu können, dann tust du es einfach. Meinst du jetzt, dass du zweifelst, ob du profitabel callen kannst? Ja, hmm, das ist eben gerade die Kunst: abschätzen zu können wie wahrscheinlich der Gegner welche Linie spielt. Wenn man auf dieses Abschätzen ganz verzichten will, bleibt nur noch die Flucht in die Spieltheorie (mit der man die Gegner allerdings nicht exploiten kann!).

      Doch so leicht zweifelt man ja gar nicht an seinen Reads? Ich habe schon sehr oft am River gecrying/callt und natürlich verloren. Aber da ich schon vorher erwartet habe zu verlieren, hat sich das auch nicht sonderlich in meiner subjektiven Wahrnehmung festgesetzt. Eigentlich ist es ja gerade andersrum, nämlich dass man sich an die Calls, bei denen man überraschend einen Bluff gecatcht hat, besonders erinnert. Zumindest ist das bei mir so. Wenn man wirklich zweifelt, dann ist es oftmals auch berechtigt. ZB b/f am Turn. Wenn ich da ständig gecheck/raised werde, ich meinen Gegner aber so einschätze, dass er nur mit starken Händen check/raist, dann würde das bedeuten, dass er sehr oft starke Hände hat. Das ist aber eben nicht sonderlich wahrscheinlich und daher ist es schon sinnvoll meinen Read in Frage zu stellen und etwas looser runterzucallen. Die Frage bleibt dann natürlich ab wann man zweifeln sollte. Wenn man drei mal hintereinander gecheck/raised wird, geht das noch. Wenn es dann aber 6 mal sind, sollte man schon zweifeln!

      Dieses Verfahren kann man auch auf bestimmte Gegnergruppen erweitern. Es ist nicht so wichtig, ob ich nun gegen Gegner X oder Gegner Y spiele, sofern die beiden ungefähr den gleichen Spielstil haben. Das heißt ich muss mir nicht gegen Gegner X und Gegner Y eine seperate Sample Size aufbauen, sondern kann die Erfahrung gegen die beiden Zusammenfassen und erhalte so einen besseren Überblick. Wenn man an seiner Fähigkeit zur Einschätzung zweifelt gibt es auch eine Möglichkeit das zu überprüfen: In den entsprechenden Situationen schätzt man die Chance vorn zu liegen ab und notiert sich diese. Gleichzeitig notiert man sich ob man am Ende gewonnen hat oder nicht. Wenn man dann genügend Ereignisse zusammen hat, addiert man die jeweils notierten Wkt. und dividiert sie durch alle Ereignisse. Die Summe müsste in etwa der relativen Anzahl gewonnener Showdowns entsprechen. Ich habe diese Methode allerdings nicht in der Praxis getestet. :)

      Oder gehts ums Metagame? Das spielt nur gegen gute Spieler eine Rolle und auch nur dann, wenn man es auch ausnutzen kann. Wenn ich zB immer sehr loose runtercalle um meinem Gegner zu zeigen, dass er mich nicht bluffen kann, dann bringt das nur etwas, wenn ich vor habe in Zukunft tighter zu folden. Denn falls ich nicht vor habe zu folden, sondern weiter loose runtercallen will, dann will ich den Gegner ja gar nicht dazu bewegen mit dem Bluffen aufzuhören, im Gegnteil würde es mich freuen wenn er weiterblufft.
    • gesil
      gesil
      Bronze
      Dabei seit: 22.06.2007 Beiträge: 785
      Original von kombi
      die jeweils notierten Wkt.
      Zwischenfrage (da ich das letztens schon mal irgendwo gelesen habe):
      was sind Wkt.?
    • Speedy84
      Speedy84
      Bronze
      Dabei seit: 12.02.2007 Beiträge: 2.974
      Ich tippe mal auf Wahrscheinlichkeit.

      Wobei die Methode aber schon eine recht große Samplesize benötigt, damit sich die Varianz einigermaßen relativiert. Und das dann mit Pen und Paper, viel Spaß. Erfahrung und Einschätzung ist halt ne Sache, die SEEEHHHHR lange daurert.

      Gruß,
      Stefan.