Tisch voller Maniacs?

    • sinisterdexter
      sinisterdexter
      Bronze
      Dabei seit: 03.08.2006 Beiträge: 220
      Hallo,

      also eigentlich sollte man ja denken, dass das ein Luxusproblem ist. Ich sass gestern abend bei Titan an einem 0.50/1 SH Tisch, zusammen mit lauter Vollfischen (VPIP so 60-90), die allerdings offensichtlich schon leicht angetrunken und aggressiv (AF zwischen 2 und 4) waren.

      Aber ich bin damit so ueberhaupt gar nicht klargekommen, der Spass hat mich letzten Endes 80BB gekostet. Ok, manchmal war da auch schlicht Pech dabei, z.B. nachdem ich Quads gefloppt hatte, und der Typ sich doch tatsaechlich seinen 1-Outer und hoehere Quads zusammenluckt. Aber so generell fuehlte ich mich voellig verloren, es war komplett unmoeglich, aus dem Betverhalten auch nur ansatzweise auf die Karten zu schliessen. Mal bekomm ich einen Calldown mit einem gefloppten Set, mal Raises auf allen Streets mit komplettem Trash.

      Was macht man da? Ich hab auf gute Haende gewartet, und die dann halt stoisch bet/calldown gespielt. Ist doch korrekt, oder? Muss ich das jetzt unter Varianz und "haette auch 200BB up gehen koennen" verbuchen?
  • 6 Antworten
    • Nakaschi
      Nakaschi
      Bronze
      Dabei seit: 17.02.2008 Beiträge: 1.340
      An solchen Tischen geben sich die Idioten gegenseitig die Potodds für die schlechtesten Starthände. Ich spiele dann lieber Karten wie suited connectors und hohe connected cards als AK AQ AJ. Bitter wirds für JJ - AA wenn zu viele dabei sind. Wenn ich meine Spielweise auf die hohen Potodds einstelle komm ich meistens mit solchen Tischen klar. Also TPTK eher mal ablegen und kaum noch contibets, dafür auf straßen, flushes und sets setzen.
    • kombi
      kombi
      Bronze
      Dabei seit: 20.08.2006 Beiträge: 9.244
      Gegen Maniacs ist die Varianz sehr groß. Das Ergebnis einer Session kann da schon sehr stark vom wahren EV abweichen. Nichtsdestotrotz ist es sehr profitabel.

      Je nachdem wie braindead und aggro die Gegner nun spielen, gibt es verschiedene Strategien. Die Grundstrategie besteht darin auf richtige Premiumhände wie TT+, AQs+, AK zu warten. Gegen Gegner die pre- und postflop sehr viel Geld verdonken, reicht diese Strategie schon aus um +EV zu sein.

      Je nachdem wie aggro oder passiv die Gegner sind, kann man dann noch mehr Hände dazunehmen. Gegen passive Gegner kann man schon einige Hände (besonders in Position) spielen. Sind die Gegner dagegen wahre Manaics, sollte man marginale Hände eher vermeiden, weil man preflop selten die Odds bekommt um zu drawen. Gegen mehrere überaggressive Spieler hat man auch Reverse Implied Odds weil die die Action gegenseitig hochschaukeln und eine 2nd best Hand dann schnell mal teuer werden kann. In solchen Fällen ist es dann am besten auf Premium Hände zu warten, weil deren Edge groß genug ist um die Reverse Implied Odds auszugleichen. (Das soll natürlich nicht heißen, dass man diese Hände postflop nicht folden kann, auf unschönen Boards!)

      Es macht natürlich nicht sonderlich viel Spaß die ganze Zeit nur auf Premium Hände zu warten und selbst wenn man dann mal eine bekommt, ist das noch lange keine Garantie auch den Pot zu gewinnen, aber overall ist diese Spielweise gegen spewy Gegner +EV, auch wenn die Varianz erhöht wird.
    • slowworm
      slowworm
      Bronze
      Dabei seit: 16.07.2006 Beiträge: 269
      Also TT, JJ spiel ich nicht gerade gerne mit vielen Aggro-Leuten am Flop. Wenn Overcards kommen (und das ist sehr häufig), hat man ein dickes Problem. Die Overcards als Scare-Cards zu benutzen geht oft schief, Donks, Floating und (Bluff)Turnraises/3Bets sind ja die Standardmoves von vielen Maniacs. Auch Raise+3bet auf die eigene Conti am Flop ist nicht gerade selten und zumindest für mich ziemlich unangenehm, folden geht oft nicht (die betten/raisen ja alle Draws inkl. Gutshots, und pure Bluffs sind auch in der Range)
      AJ, KQ o.ä. sowie gute suited Hände spielen sich in meinen Augen leichter. Trifft man, freut man sich über die großen Pötte, trifft man nicht, geht man halt raus. Die Beats + Suckouts sollten da auch kein großes Thema sein, die sind ja nicht maniacspezifisch, sondern Alltag mit TPTK/TPGK.

      Solange nicht allzuviel preflop gecappt wird, spielen sich Pockets für Setvalue aber gar nicht übel, eben aufgrund der hohen implied Odds, wenn man hittet.

      Generell sollte man gegen Maniacs ganz besonders auf Position achten. IP kann man den Pot viel besser kontrollieren. Wenn jemand anderes für einen die Action macht, kann man sich da schön zurückhalten und wird auf einen Draw gesetzt.

      Für den Maniac muss man natürlich auch seine Lines anpassen. Dazu gibts hier auch einige Strategie-Beiträge.
      Beispiel: Da viele Maniacs unabhängig von der vorherigen Action HU den River fast immer betten (Stats gucken), kann man hier mit einer starken Hand sehr gut c/r als Value Line spielen. Nicht mal selten setzt uns der Maniac immer noch auf eine schwächere Hand, macht die 3Bet und wir haben mit unserem Monster den Cap geschafft. Mit Bet/3bet hingegen als Line aus der Initiative vom Turn heraus bekommen wir den Cap praktisch nie und eine gecallte 3-Bet ist selten.
    • kombi
      kombi
      Bronze
      Dabei seit: 20.08.2006 Beiträge: 9.244
      Hi slowworm,

      wenn du AJ, KQ lieber als JJ, TT spielst, dann ist deine Strategie deutlich fehlerhaft. Oder anders gesagt: Wenn AJ, KQ preflop in einer bestimmten Situation profitabel zu spielen ist, dann ist es definitiv auch JJ, TT. Andernfalls macht man irgendetwas verkehrt. (Zum Beispiel muss man JJ, TT ja nicht zwangsläufig postflop weiterspielen, wenn Overcards fallen. Und contibetten muss man gleich gar nicht.)
    • sinisterdexter
      sinisterdexter
      Bronze
      Dabei seit: 03.08.2006 Beiträge: 220
      Dank an alle für die Beiträge. Dann lag ich mit meiner Strategie schon mal gar nicht so grundlegend verkehrt, und hab halt Pech mit der Varianz gehabt. Den Hinweis auf die verschiedenen Value Lines werde ich aber mal im Hinterkopf behalten.
    • slowworm
      slowworm
      Bronze
      Dabei seit: 16.07.2006 Beiträge: 269
      Original von kombi
      Hi slowworm,

      wenn du AJ, KQ lieber als JJ, TT spielst, dann ist deine Strategie deutlich fehlerhaft. Oder anders gesagt: Wenn AJ, KQ preflop in einer bestimmten Situation profitabel zu spielen ist, dann ist es definitiv auch JJ, TT. Andernfalls macht man irgendetwas verkehrt. (Zum Beispiel muss man JJ, TT ja nicht zwangsläufig postflop weiterspielen, wenn Overcards fallen. Und contibetten muss man gleich gar nicht.)
      Du hast mich missverstanden. Mit nicht so gerne spielen meine ich, das ich es nicht mag, nicht dass ich es nicht tue.
      Die Entscheidungen postflop sind halt recht schwierig, auf set value zu spielen ist ja hier viel zu weak. Reads und Boardtexturbeachtung sind dann das A und O, es gibt so viele verschiedene Spielertypen und Situationen, auch Maniac ist ja nicht gleich Maniac.
      Ein Draw spielt sich vergleichsweise leichter als eine schwache made Hand, zumindest auf den Mikros. Es ist ziemlich klar, gegen wen man Fold Equity hat und semibluffen kann und gegen wen man nur nach Odds&Outs callt.

      JJ und auch noch TT ist bei mir (natürlich) profitabler als AJ, aber der Großteil kommt da von den Fällen, wo keine Overcard kommt und man ausbezahlt wird von TP und natürlich von den Sets. Die hab ich hier natürlich ausgeklammert, da man da auf den Mikros korrekterweise fast immer stupide durch alle Streets valuebettet/raist.