Semi-Bluffs Theorie und Praxis, Version 3.0

  • 34 Antworten
    • DasWiesel
      DasWiesel
      Bronze
      Dabei seit: 30.06.2005 Beiträge: 1.185
      cooler Artikel, sogar so cool daß er nen eigenen Thread verdient hätte ;)

      Man könnte von der Grafik http://resources.pokerstrategy.com/Strategy/images/fixed/fl_semibluff_3.png noch ne Druckversion anhängen (dina4 und dann mehr potgrößen :D )
      Wäre denk ich ne Hilfe, weil man die direkte Berechnung wieviel foldequity man braucht ja nicht am Tisch machen kann. Aber auf die Grafik gucken kann man auch beim Spielen schnell mal eben.^^

      Übrigends hat bryce nen Tool gemacht, daß einem die Handkombos ausrechnet. Denn daß von Hand zu machen kann bei weiten ranges ja doch etwas mühseelig sein ;)
      Das tool gibts hier.

      Ist noch openBeta, danach wirds wohl nur noch für stoxpoker member umsonst sein. ^^
    • beni
      beni
      Black
      Dabei seit: 17.10.2006 Beiträge: 11.684
      So also nochmal feedback zum neuen Artikel:

      H = Betgröße von Hero (Du) – bei einem Raise bei Fixed Limit entspricht H = 2 EQ = deine Equity; Üblicherweise zählen wir hier in Outs, diese lassen sich aber einfach umrechnen: 1 Out entspricht ungefähr 2.2% Equity – mit einem simplen Flushdraw am Turn macht das grob EQ = 20% bzw. EQ = 0.2
      Das versteh ich nicht, warum ist H bei einem raise nicht einfach 2 und bei einer einfach bet 1? Bei V wurde auch einfach gesagt "V = Betgröße von Villain (Gegner) – setzt er 1 BB, dann ist V = 1"


      Bevor ich nicht weiß, was H genau ist kann ich leider nicht weiter lesen.

      Jetzt zum AQs Beispiel, dieses Beispiel ist dem Beispiel in Weighing your odds (seite 135-139) sehr ähnlich, beide male hat hero 15 outs, nur ist bei WTO der Pot größer, trotzdem kommt hier eine niedrigere benötigte FE raus (8,4% vs. 10,7%), was bedeutet, dass eine der beiden Rechnungen falsch sein muss bzw. ungenau.

      In dem Artikel steht ja, dass ihr implied odds für den river weggelassen habt, das geht aber gar nicht. Weglassen heißt doch im Endeffekt nichts anderes als dass ihr annehmt, dass der river dann check, check gespielt wird. Das ist meiner Meinung nach eine sehr unrealistische Annahme. Die Annahmen aus WTO

      -wenn man den turn raised und nicht hittet blufft man am river nicht mehr
      - wenn man raised und hittet wird der Gegner zu 50% am river nochmal callen
      - wenn man den turn nur called und hittet wird man am river immer eine BB einkassieren
      - wenn man called und nicht hittet foldet man

      finde ich da realistischer.


      Vergleich: Betrachtet wir mal die AQ hand im Artikel.

      Mit eurer EV(call) Formel ohne implied odds kommt man auf einen ev von:
      (3,25+2)*(15/46)-1=0,712

      Wenn man sich im Falle des hittens 1 BB implied odds gibt komm man auf

      (15/46)*5,25-(31/46)*1=1,038

      Der Unterschied zwischen 0,712 und 1,038 ist einfach ziemlich groß.

      Wie bereits geschrieben hab ich mal das AQ Beispiel mit den Annahmen aus WTO durchgerechnet und kam auf eine benötigte FE von ca. 14%.



      Meine allgemeine Formel dabei war:



      F war die FE
      P der Pot am turn nach der bet von villain
      U die Anzahl der Outs

      Die Formel beschreibt EV(semibluff)-EV(call)=0

      das kann man dann nach F auflösen und erhält:



      Ich hoff mal das war jetzt nicht zu wirr.
    • hazz
      hazz
      Black
      Dabei seit: 13.02.2006 Beiträge: 4.771
      h ist nicht immer 2, weil du die formel auch für nl benutzen kannst.

      und mit anderen annahmen gibts andere ergebnisse - ist doch logisch. kein grund die sachen als falsch zu bezeichnen..
    • beni
      beni
      Black
      Dabei seit: 17.10.2006 Beiträge: 11.684
      Original von hazz
      h ist nicht immer 2, weil du die formel auch für nl benutzen kannst.
      Ok, war nur kurz verwirrt weil ich H=2*EQ gelesen hab, statt H=2 und EQ=usw.

      Hab eure Formel nochmal angeschaut es ist die gleiche wie in WTO nur eben, dass bei euch sämtliche IO Null sind.



      und mit anderen annahmen gibts andere ergebnisse - ist doch logisch. kein grund die sachen als falsch zu bezeichnen..
      Ja gut, aber letztlich ist hier anders als normalerweise das Ergebnis entscheidend und nicht der Rechenweg. Ob man 8% oder 14% FE braucht ist halt schon ein krasser Unterschied.
    • JollyRoger183
      JollyRoger183
      Bronze
      Dabei seit: 03.02.2007 Beiträge: 8.874
      Hab es mal reinkopiert wie Hotte wollte :)

      "Hab die 3 Seiten erstmal nur überflogen, und muss sagen, dass es otpisch schonmal sehr viel her macht.
      ​Vor allem die Grafiken sind toll und geben ein ganz gutes Gefühl worauf es ankommt bei +ev SemBlu.

      ​Bsp. 2 gefällt mir nicht so, denn der TAG wird hier nach der SB complete oftmals eine madehand (TP, set) betten, die er imo wenn es HU wird auch nicht mehr aufgibt, eben, weil FD möglich ist. In kleinen Pötten brauchen semibluffs sehr große FE, die ist bei ner 4handed Donk eines TAGs imo nicht gegeben.

      ​Hab neulich selbst 2 interessante semibluffs gehabt, die ich dann im Diskussionsthre​ad mal posten werde."


      Die Berechnung zum FD-semibluff 4h am Flop kann ich mal machen, wenn ich meinen 3h OOP OESD c/r semibluff auch mit poste, dann können wir da nochmal drüber diskutieren.
    • OnkelHotte
      OnkelHotte
      Black
      Dabei seit: 16.01.2005 Beiträge: 18.435
      @Jolly und Swissdave:
      nochmal wegen Beispiel 2: Wie gesagt, der Pot ist klein, aber Hero hat mit FD ja superequity, weil wir noch am Flop sind. Im unraised Pot betten viele Spieler einfach any Pair. und Hero muss doch eh den River sehen. Er kann sich ne Freecard nehmen, kann Valuecaps einstreuen, balanced seine Raises nebenbei und ich gebe ich Brief und Siegel, dass die Bet nicht automatisch ein SD-commitment beinhaltet. Sollte man so einen read haben, dann natürlich nur Call. Außerdem kann der Raise ja auch domination Outs freiboxen und und und.

      ​Ich fände es sehr nice, wenn mal jemand ausrechnen mag, wieviel FE man braucht. Ist natürlich hier komplizierter, da man den Turn betten muss, somit 1,5 BB Kosten hat, weil ich erst am Turn mit nem Fold rechnen würde. Aber nicht vergessen, dass Hero hier am Flop SUPER EQ hat, besser als bei den Beispielen am Turn!
    • JollyRoger183
      JollyRoger183
      Bronze
      Dabei seit: 03.02.2007 Beiträge: 8.874
      @Hotte: Werds am WE wohl mal machen, aber heute muss ich noch Bonus clearen :(

      Gibt es eigentlich ein tool (kann auch ne xls.tablle sein) mit der man die Combos ausrechnen kann, wie im Artikel in der Tabellenform? Oder ist das Handarbeit. A la Range eingeben, Board eingeben -> Ergebnis? Wäre nett und sicher nicht zu hart zu programmieren, oder?
    • OnkelHotte
      OnkelHotte
      Black
      Dabei seit: 16.01.2005 Beiträge: 18.435
      ja, hat wiesel oben geschrieben, ich zitier mal

      "Übrigends hat bryce nen Tool gemacht, daß einem die Handkombos ausrechnet. Denn daß von Hand zu machen kann bei weiten ranges ja doch etwas mühseelig sein Augenzwinkern
      Das tool gibts hier.
      Ist noch openBeta, danach wirds wohl nur noch für stoxpoker member umsonst sein."
    • Zinsch
      Zinsch
      Bronze
      Dabei seit: 01.02.2008 Beiträge: 11.890
      J9 Flushdraw Hand am Flop macht mit auch immer Probleme. Ich trau mich da nie raisen, weil ich dann immer denke, dass ich mich gegen die bessere Hand isoliere, die Spieler hinter mir, die mir ja Value gegeben hätten, rausdränge, der ursprüngliche Aggressor 3-betten wird und ich mir meine Hand nur unnötig teuer gemacht hab.

      Das ist halt das Worst Case Szenario und sitzt bei mir irgendwie im Hinterkopf.

      Edit: Dabei ist gerade das Balancing in so einem Spot ein wichtiger Punkt. Wenn ich da mit dem Flushdraw nur calle und mit toppair raise, dann ist das halt so ein fatales Offenlegen der Hand, zumal die Spieler hinter mir ja vor dem Flop gelimpt haben müssen und demzufolge ja eh auch durchaus in der Lage sind zu coldcallen.

      Muss da wirklich mal in Zukunft drauf aufpassen, dass ich nicht im Nobrainer-Modus gleich wieder auf Call drücke.
    • OnkelHotte
      OnkelHotte
      Black
      Dabei seit: 16.01.2005 Beiträge: 18.435
      Bedenke auch, dass du mit FD + 2 Ovis auch schon fast Favourit von der EQ her bist gegen ein midpair, was dich nicht dominated.

      Kleiner trick noch am rande:

      Wenn das Board hier 8:heart: 8:spade: 4:heart: ist, dann könnte man auch call Flop raise turn spielen, weil das nach ner slowplayed 8 aussehen könnte. ist eigentlich als pure bluff noch was besser ohne 2 suited board, weil dann das slowplay plausibler wird, da man nicht protecten muss, aber geht auch auf solchen boards.
    • storge
      storge
      Bronze
      Dabei seit: 09.08.2005 Beiträge: 22.519
      Hey,

      habe versucht mir die raise>call-Formel etwas umgangssprachlich zu erklären:

      P(F) > ( 1 – 2 * EQ ) / ( P + 3 – EQ * ( P + 4 ) )


      1-2*EQ sind die Mehrkosten (1BB) minus das, was uns von der Bet des Gegners und von unserer Bet bereits durch die EQ gehört.

      Das wird dividiert durch den Pot + 3 (das was durch den Gegner und unser Investement in den Pot kommt) minus das, was uns vom Pot bereits gehört.

      Wieso denn aber EQ*(P+4)? Und nicht P+3? bzw. richtig gefragt, da die Formel ja korrekt ist: welche Bet wird da zum Pot addiert?
    • cairol
      cairol
      Bronze
      Dabei seit: 23.01.2007 Beiträge: 1.036
      P+4 weil zum Pot noch 4 BB hinzukommen: Villains bet, Heros raise und Villains call.
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.516
      Ich kenne Weighing the Odds nicht, aber die Diskussion im Thread
      Feedbackthread zum Quiz der Woche: Wer hat Angst vorm Regular? deckt eine mögliche Ursache auf. Ich denke, die Formel

      EV(Raise) > EV(Call) <=>

      P(F) * ( P + V ) + ( 1 – P(F) ) * ( ( P + 2 * H ) * EQ – H ) > ( P + 2 * V ) * EQ – V

      ist nicht korrekt, weil auf den beiden Seiten der Ungleichung verschiedene Equities stehen. Die linke Equity ist die Equity nach einem Call des Raises, die rechte Equity ist die Equity inklusive der Hände, die auf einen Raise folden würden. Da man erwarten kann, dass vor allem Hände folden, die eine schlechte Equity gegen Hero haben, ist die Equity nach dem Call des Semibluffs kleiner. Ausserdem kann sich die Gefahr einer 3-bet extrem auf die benötigte Foldequity auswirken.

      Siehe den angegebenen Thread.
    • hazz
      hazz
      Black
      Dabei seit: 13.02.2006 Beiträge: 4.771
      wurde im alten thread schon diskutiert. siehe deinen thread und den alten feedbackthread ;)
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.516
      Nachdem ich jetzt wieder ausgeschlafen bin und in meinem Beitrag im Thread Feedbackthread zum Quiz der Woche: Wer hat Angst vorm Regular? Fehler entdeckt habe, versuche ich doch lieber hier, eine korrekte Rechnung aufzustellen.

      Grundlage aller Überlegungen ist erst mal, dass ein Semibluff nur dann ein guter Zug ist, wenn man Foldequity hat. Hat man Foldequity, dann verändert unser Raise die Range des Gegners, weil er nicht alle seine Hände weiterspielt. Da sich die Gewinnwahrscheinlichkeit aus den Teilwahrscheinlichkeiten Foldequity und Gewinnwahrscheinlichkeit gegen die gecallte Range zusammensetzt, darf man zur Berechnung des EVs nicht die Equity zum Zeitpunkt vor unserem Raise heranziehen.

      Es gilt zunächst:

      (1) EV(Semibluff) = P(F) * (P + V) + (1 - P(F)) * ((P + 2H) * EQ(gecallter Raise) - H)

      Das gilt dann, wenn Villain nie reraist. Die Wahrscheinlichkeit eines Reraises ist aber in der Regel > 0. Dann unterteilt sich die Range von Villain in 3 komplementäre Ranges:

      • die Range, die gefoldet wird
      • die Range, die callt
      • die Range, die 3-bettet


      Gegen jede dieser Ranges hat Hero jeweils eine andere Equity.

      Da die Equity gegen die gefoldete Range 100% ist, ändert sich an dem Teil p(F) * (P +V) nichts. Der Rest setzt sich zusammen aus:

      EQ(Raise) = EQ gegen die Range, die der Gegner callt, aber nicht 3-bettet
      EQ(3-bet) = EQ gegen die Range, die der Gegner 3-bettet.

      Sei V3 = Differenz zwischen Raise von Hero und Reraise von Villain.

      Aus (1) wird dann

      (2) EV(Semibluff) =
      P(F) * (P + V)............................................................................./* Gegner foldet
      + P(Gegner callt) * ((P + 2H) * EQ(Raise) - H)............................/* Gegner callt
      + P(Gegner 3-bettet) * ((P + 2H + 2*V3) * EQ(3-bet) - (H + V3))../* Gegner reraist

      In Fixed Limit:

      (2') EV(Semibluff)
      = P(F) * (Pot + 1) + P(Gegner callt) * ((Pot +4) * EQ(Raise) - 2) + P(Gegner 3-bettet) * ((Pot + 6) * EQ(3-bet) - 3))

      Es gilt dabei (3)
      P(F) + P(Gegner callt) + P(Gegner 3-bettet) = 1 <=>
      P(F) = 1 - (P(Gegner callt) - P(Gegner 3-bettet)) <=>
      P(Gegner callt) = 1 - (P(F) - P(Gegner 3-bettet)

      Wenden wir die Erkenntnisse auf das erste Beispiel im Artikel an, dann erhalten wir:

      Preflop: Hero ist MP2 mit A:spade: , Q:spade:
      4 folden, Hero raist, 4 folden, BB callt

      Flop: (4,5 SB) T:spade: , 7:club: , 2:spade: (2 Spieler)
      BB bettet, Hero callt

      Turn: (3,25 BB) J:diamond: (2 Spieler)
      BB bettet, Hero raist …

      Bestimmung der Equities:

      Gehen wir davon aus, dass der Gegner sein big Blind nach dem BB-Defense gegen ORC Chart verteidigt, ist seine Range am Flop:

      22-99, A2s-ATs, K9s+, Q9s+, J8s+, T8s+, 97s+, 86s+, 76s, 65s, 54s, A7o-AJo, KJo+, QJo.

      Nehmen wir weiter an, er donkt jedes Paar oder besser, jeden Flush Draw, jeden Gutshot oder besseren Draw. Daraus ergibt sich die Range

      22-99, A2s, A7s, ATs, KTs, Ks9s+, QTs, J8s+, T8s+, 97s+, 87s, 8s6s, 76s, 6s5s, 5s4s, A7o, ATo, KTo. (112 Hände)

      Da seine Straight Draws am Turn eine made Hand ergeben, wird er alle diese Hände auch am Turn betten. Nach einem Raise wird er alle Sets, Straights und 2-Pairs 3-betten.

      (4)
      Das ergibt eine 3-betting Range von 22, 77, JTs, 98s. (12 Hände)

      Bei der Bestimmung der notwendigen Foldequity hat man jetzt das Problem, dass (2) und (3) zwei Gleichungen für drei Unbekannte liefern. Glücklicherweise liefert uns (4) einen Wert für P(3-bet), nämlich P(3-bet) = 12/112 = 10,7%, so dass nur noch 2 Unbekannte übrigbleiben. Damit kann man das Gleichungssytem auflösen.

      Zunächst kann man EQ(3-bet) ausrechnen:

      EQ(3-bet) = EQ(Range Villain = 22, 77, JTs, 98s) = 24,2%

      Schwieriger ist EQ(Raise), da wir die P(F) und die zughörige Foldingrange nicht kennen. Wir behelfen uns, in dem wir vorläufig mit der ganzen Range des Gegners ohne seine 3-betting Range rechnen und damit unsere Equity für den Fall, dass gecallt wird, überschätzen.

      EQ(raise) = 39,9%

      Setzen wir die Werte in (2') ein:

      EV(Semibluff) = P(F) * (3,25 + 1) + P(Gegner callt) * ((3,25 + 4) * 0,399 - 2) + 0,107 * ((3,25 + 6) * 0,242 - 3)

      = P(F) * 4,25 + P(Gegner callt) * 0,893 - 0,081

      Aus (3) P(Gegner callt) = 1 - (P(F) - P(Gegner 3-bettet) in das Ergebnis eingesetzt ergibt

      EV(Semibluff)
      = P(F) * 4,25 + P(Gegner callt) * 0,893 - 0,081
      = P(F) * 4,25 + (1 - (P(F) - P(Gegner 3-bettet)) * 0,893 - 0,081
      = P(F) * 4,25 + (1 - (P(F) - 0,107) * 0,893 - 0,081
      = P(F) * 4,25 + 0,893 - P(F) * 0,893 - 0,096 - 0,081
      = P(F) * 3,36 + 0,716

      Für den EV(Call) haben wir

      EV(Call) = ( P + 2 * V ) * EQ – V = (3,25 + 2) * 38,2% - 1 = 1,006

      Mit EV(Semibluff) > EV(call)

      P(F) * 3,36 +0,716 > 1,006 <=>
      P(F) > 0,29 / 3,36 = 8,6%

      Diese Foldequity können wir jetzt benutzen, um die Callingrange von Villain zu reduzieren. Wir gehen davon aus, dass er die Hände foldet, mit denen er sich nicht genug Odds gibt. Dann ergibt sich Heros Equity gegen die reduzierte Callingrange zu

      reduzierte Callingrange
      55-66, 88-99, A2s, A7s, ATs, KTs, Ks9s+, QTs, J8s+, T8s+, 97s+, 87s, 8s6s, 76s, 6s5s, 5s4s, A7o, ATo, KTo. (100 Hände)

      EQ(Raise) = 39,9%

      In diesem Fall hat sich Heros Equity nicht mal verändert, also kann man die Rechnung hier beenden.

      Der Unterschied von 0,15% zum ursprünglichen Artikel ist grösser als er aussieht, da im Artikel eine niedrigere Equity benutzt wurde. Mit der Formel aus dem Artikel und einer Equity von 38,2% (das ist die Equity gegen die komplette Range mit dem Equilator) kommt man auf eine Foldequity von 6,8%.

      Die tatsächlich nötige Foldingrange wurde also unterschätzt, obwohl die eigene Equity niedriger angesetzt als in dieser Rechnung. Der Effekt kommt durch die Wahrscheinlichkeit der 3-bet zustande.


      Beispiel 2:

      Die Hand ist dem Quiz http://de.pokerstrategy.com/quiz/weekly/26 entnommen. Es geht um Hand 1, Aufgabe 2.

      Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

      Preflop: Hero is BU with K:heart: , T:spade:
      3 folds, Hero raises, SB folds, BB calls.

      Flop: (4.50 SB) A:diamond: , 7:club: , 2:heart: (2 players)
      BB checks, Hero bets, BB raises, Hero calls.

      Turn: (4.25 BB) Q:heart: (2 players)
      BB bets, You?

      Die Lösung geht von einer Range für Villain am Turn von A2s-A4s, K2s, K7s, Q2s, Q7s, J7s, T7s, 97s, 87s, 74s+, 53s+, 43s, A2-A7, K7, 97, 87, 76, 22-66 aus. Das sind 168 Kombinationen. Hero hat dagegen 20,1% Equity und benötigt nach der bisherigen Formel eine Foldequity von 10,7%, damit der Semibluff besser als der Call ist. Die Quizlösung kommt zu leicht anderen Werten, die mit Ungenauigkeiten in der Rangeangabe erklärt werden können. Überprüfen wir das mit den neuen Formeln.

      Zunächst legen wir wieder eine 3-betting Range fest: jedes 2-Pair, jedes Set. Das sind A2s, Q2s, Q7s, A2o, A7o, 22 = 26 Hände = 15,5% von Villains Range. Gegen die 3-betting Range hat Hero eine Equity von 9,1%.

      Damit ergibt sich für den

      EV(Semibluff)
      = P(F) * (Pot + 1) + P(Gegner callt) * ((Pot +4) * EQ(Raise) - 2) + P(Gegner 3-bettet) * ((Pot + 5) * EQ(3-bet) - 3))
      = P(F) * (5,25) + P(Gegner callt) * ((8,25) * 0,201 - 2) + 0,155 * ((10,25) * 0,091 - 3))
      = P(F) * 5,25 + P(Gegner callt) * (-0,342) - 0,320

      P(Gegner callt) = 1 - (P(F) - P(Gegner 3-bettet) verwendet, ergibt

      P(F) * 5,25 + (1 - (P(F) - P(Gegner 3-bettet)) * (-0,342) - 0,320
      = P(F) * 5,25 + P(F) * 0,342 - 0,342 + 0,053 - 0,320
      = P(F) * 5,59 - 0,609

      Der Semibluff ist +EV, wenn

      P(F) * 5,59 - 0,609 > 0 <=> P(F) > 10,9%

      EV(Call) = ( P + 2 * V ) * EQ – V = (4,25 + 2) * 0,201 = 1,26

      EV(Semibluff) > EV(Call) <=>
      P(F) * 5,59 - 0,609 > 1,26
      P(F) > 1,87 / 5,59 = 33,5%

      Hier sind die Unterschiede doch schon sehr deutlich, da die alte Formel die notwendige Foldequity um mehr als den Fakor 3 unterschätzt hat. Überprüfen wir noch, welche Auswirkung die Reduzierung der Callingrange auf die Equity von Hero gegen die Callingrange hat:

      33,5% seiner Range muss Villain folden. 43s ohne Herz, 53s+ ohne Herz, 33-66, 76, 87, macht 57 Hände. Gegen die verbleibenden Hände hat Hero eine Equity von 14,5%. Damit ergibt sich ein

      EV(Semibluff) = P(F) * 5,25 + P(Gegner callt) * (-0,804) - 0,320
      = P(F) * 5,25 + (1 - (P(F) - P(Gegner 3-bettet)) * (-0,804) - 0,320
      = P(F) * 5,25 + P(F) * 0,804 - 0,804 + 0,125 - 0,320
      = P(F) * 6,05 - 1,0
      > Call

      <=> P(F) * 6,05 - 1,0 > 1,26
      <=> P(F) > 37,4%

      Auch das wirkt sich aus, wenn auch bei weitem nicht so stark wie die Möglichkeit der 3-bet.
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.516
      Original von hazz
      wurde im alten thread schon diskutiert. siehe deinen thread und den alten feedbackthread ;)
      Und wo ist der alte Feedbackthread ?( Inzwischen habe ich festgestellt, dass die Gefahr der 3-bet viel mehr ausmacht, s.o.

      Edit: ich bin blind. Der Link steht ja oben.

      Edit2: hab den alten Feedbackthread durchgelesen, aber zu unterschiedlichen Equities nix gefunden. Da wird in erster Linie darüber diskutiert, wie gross der Pot ist und ein bischen was zur 3-bet, was ich nicht verstanden habe, weil die Herleitung fehlt. Jedenfalls ist dort nicht die Rede davon, dass sich die Anzahl der Outs durch eine 3-bet oder einen Call verändert.
    • SwissDave
      SwissDave
      Bronze
      Dabei seit: 12.02.2007 Beiträge: 637
      Im alten Artikel wurde noch nicht mit Equities gerechnet sondern nur mit Outs. Und da machte man die Annahme, dass man mit einer Hand schon so zurückliegt, dass man bis auf die Outs praktisch drawing dead ist => man hat im Prinzip immer mit der gleichen EQ gerechnet.

      Die Herleitung meiner Formel für die 3bet damals hatte Ich extra nicht hingeschrieben, in der Hoffnung dass noch jemand anders sich die Mühe macht und mich dann bestätigt. War dann leider nicht der Fall.

      In dem Sinne ist die neue Formel mit Equities besser, und Ich stimme dir zu, dass man jeweils mit den verschiedenen EQ gegen die jeweiligen Ranges rechnen sollte.

      Ein Problem von Equities ist, dass man implied Odds schlecht einbeziehen kann, das ist mir vor allem in der 2. Rechnung aufgefallen. Denn dort callst du mit 9.1% EQ auf 10.25:1 Pot Odds, was equitymässig ein Fehler wäre. Ob die implieds reichen um den call zu rechtfertigen weiss Ich nicht, bin gerade zu müde mir dazu noch Gedanken zu machen. Wenn du mit einem Fold rechnest wird die Rechnung sowieso einfacher :D

      Habe gerade einen weiteren Fehler entdeckt, bei EV(call) vergisst du das - V, also 1 abziehen, dann ist EV(call) = 0.26. Dann wird das Resultat wohl realistischer. Mit welchem Tool hast du eigentlich die % Werte der Ranges ausgerechnet?

      P.S: noch ein kleiner SchönheitsFehler, du schreibst bei der 3Bet Pot + 5 statt Pot + 6, hast dann aber richtig 10,25BB (= 4,25 + 6) eingesetzt.
    • hazz
      hazz
      Black
      Dabei seit: 13.02.2006 Beiträge: 4.771
      ich meinte den feedbackthread zu version 1.0, nicht 2.0. ka ob der noch verfuegbar ist, ist ja aber auch egal.
    • SwissDave
      SwissDave
      Bronze
      Dabei seit: 12.02.2007 Beiträge: 637
      Original von cjheigl
      EV(Call) = ( P + 2 * V ) * EQ – V = (4,25 + 2) * 0,201 - 1 = 0,26

      EV(Semibluff) > EV(Call) <=>
      P(F) * 5,59 - 0,609 > 0,26
      P(F) > 0,87 / 5,59 = 15.55%
      FYP

      Die implied Odds reichen natürlich locker für den call der 3Bet, sind aber wie erwähnt nicht in der Rechnung enthalten. Wobei wir auch nach call implieds Odds haben... keine Ahnung welche da höher zu gewichten sind.
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