Poker und Sucht

    • Matthias Wahls
      Matthias Wahls
      Bronze
      Dabei seit: 31.01.2005 Beiträge: 2.073
      bonsai schreibt:

      @ Matthias @Siegfried
      Habe ein wenig nachgelesen über Spielsucht, um mal ein paar Fakten aufzuzeigen..

      Suchtgefährdung beinhaltet vielfältige Faktoren wie genetische Disposition, familiäre "Suchttraditionen", die die Suchtgefährdung deutlich steigern, Sozialisation, persönliche Faktoren wie "Charakterstärke" usw.
      Es gibt zwar Untersuchungen, daß besonders bei Spielsüchtigen veränderte Neurotransmitterverhältnisse zu finden sind, aber keiner bisher belegen kann, woran das liegt. Schließlich steigt beim Spielen der Adrenalinspiegel, so daß die Transmitterverhältnisse sich auch auf lange Sicht dadurch verändert haben könnten.

      Darüber hinaus ist auf keinen Fall Suchtgefährdung (15% erscheint mir realistisch) gleichzusetzen mit ausgelebter Sucht. Die häufigste Sucht in Deutschland ist Rauchen mit knapp 10 Mio. betroffenen Menschen...
      Grundsätzlich unterscheidet man klinisch gesehen zwischen stoffgebundenen Süchten (Nikotin, Alkohol, Drogen, Medikamente) und nicht stoffgebundenen.

      Spielsucht ist unter den nicht stoffgebundenen die häufigste mit ca. 100.000 Betroffenen in Deutschland. Dagegen stehen z.B. ca. 4 Mio. Alkoholkranke.
      Der Großteil dieser Spielsüchtigen tummelt sich übrigens an Automaten, vorzugsweise Geldspielautomaten.
      Der Rest wiederum besteht aus Casinogängern, die Roulette, Blackjack,Baccara, Poker spielen, dann gibt es noch eine Reihe von Spielsüchtigen, die Wetten, also Sportwetten, Pferderennen usw. betreiben. Durch die wachsenden Möglichkeiten all diese Varianten online zu spielen, werden sich wahrscheinlich die Zahlen ein wenig verschieben, deutlich müsste aber auch geworden sein, daß auf keinen Fall 15% der Onlinepokerspieler spielsüchtig sein können.

      __________________
      Die beste Art, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie selbst zu gestalten
  • 58 Antworten
    • sholvar
      sholvar
      Bronze
      Dabei seit: 18.01.2005 Beiträge: 4.826
      Diese Recherche finde ich sehr gut. Mich würde es freuen, wenn diese Qualität nicht dadurch verringert würde, dass das Wort "Sucht" als solches nicht definiert wurde und man keine Quellenangaben bekommt.
      Auf jeden Fall mal interessant zu lesen, aber gerade die Zahlen bin ich ohne Quelle nicht bereit zu akzeptieren... "wer weiß wo die schon überall gelegen haben" ;)
    • bonsai
      bonsai
      Bronze
      Dabei seit: 01.02.2005 Beiträge: 19
      Zur Quellenangabe:
      Die Zahlen stammen ausschließlich aus Möller/Laux/Deister - Psychiatrie und Psychotherapie, 3. Auflage, 2003, erschienen im Thieme Verlag

      Was die Definition von Sucht angeht, so werden wie gesagt stoffgebundene und nicht stoffgebundene Süchte unterschieden.
      Die nicht stoffgebundenen Süchte werden klassifiziert als "abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle". Nach o.g. Quelle:

      Das gemeinsame Merkmal dieser Störungen ist das wiederholte, vollständige oder teilweise Versagen der (willentlichen) Beherrschung eines Wunsches oder Antriebs (Impuls). Durch das daraus resultierende Verhalten kommt es meist zur Schädigung der eigenen oder anderer Personen. Die wichtigsten Formen sind die Kleptomanie, die Pyromanie und das pathologische Spielen.


      Die Symptomatik nach dem DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, herausgegeben von der American Psychiatric Association, die fast weltweit genutzt wird und durch einen Zahlenschlüssel möglich macht, daß eine Diagnose überall gleich definiert ist):

      Ausdauerndes und wiederkehrendes fehlangepasstes Spielverhalten, was sich in mindestens fünf der folgenden Merkmale ausdrückt:

      -ist stark eingenommen vom Glücksspiel

      -muss mit immer höheren Einsätzen spielen, um die gewünschte Erregung zu erreichen

      -hat wiederholt erfolglose Versuche unternommen, das Spielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben

      -ist unruhig und gereizt beim Versuch, das Spielen einzuschränken oder aufzugeben

      -spielt, um Problemen zu entkommen oder um eine dysphorische Stimmung zu erleichtern

      -kehrt, nachdem er beim Glücksspiel Geld verloren hat, oft am nächsten Tag zurück, um den Verlust auszugleichen

      -belügt Familienmitglieder, den Therapeuten oder andere, um das Ausmaß seiner Verstrickung in das Spielen zu vertuschen

      -hat illegale Handlungen wie Fälschung, Betrug, Diebstahl oder Unterschlagung begangen, um das Spielen zu finanzieren

      -hat eine wichtige Beziehung, seinen Arbeitsplatz, Ausbildungs- oder Aufstiegschancen wegen des Spielens gefährdet oder verloren

      -verlässt sich darauf, dass andere ihm Geld bereitstellen, um die durch das Spielen verursachte hoffnungslose finanzielle Situation zu überwinden

      Fand die Symptomatik noch ein wenig wichtiger, als die Definition, weil sie deutlich macht, was Spielsucht für den, der darunter leidet, für Folgen hat.

      Für all die, die sich bei kleinen Teilpunkten wiedererkennen ?( wie z.B.

      -gewünschte Erregung
      -ist stark eingenommen vom Glücksspiel
      - muss mit immer höheren Einsätzen spielen

      möchte ich nochmal kurz an die Einleitung erinnern: mindestens fünf dieser Punkte müssen zutreffen! Erst dann gibt es Grund, sich Sorgen zu machen.;)
    • sholvar
      sholvar
      Bronze
      Dabei seit: 18.01.2005 Beiträge: 4.826
      jetzt find ichs spitze. ^^
    • markus1000
      markus1000
      Bronze
      Dabei seit: 13.03.2005 Beiträge: 1.210
      passt das nicht super in unser neues Psychologie Forum?
    • tmy
      tmy
      Black
      Dabei seit: 15.01.2005 Beiträge: 6.309
      ich hab angst wenn ich mir das angucke folgende sachen sind FAKT:

      * ich vernachlässige Schule
      * ich vernachlässige mein Sozialesumfeld
      * ich kann nicht aufhören
      * ich empfinde ein Kribbeln auf den Limits die ich "nicht spielen darf"
      * mein Leben dreht sich zu ca 60% nur um poker

      ich plane eigentlich nach meinem abitur (werde ausgemustert) erstmal ca 1-2 jahre bis zu meinem studium (weiß nicht ob ich das noch machen will) zu pokern , damit mein lebensunterhalt & co zu verdienen.

      Geht meine Psychologie in eine sehr schlechte Richtung ?
      Wo ist der Unterschied zwischen Leidenschaft und Sucht ?
      Darf mein "pokerleben" sich auf mein wahres Leben auswirken?

      MfG Tim
    • Sleyde
      Sleyde
      Black
      Dabei seit: 15.01.2005 Beiträge: 17.714
      die einzige sucht, die die meisten hier haben ist keine sucht, sondern reine gier.. gier nach geld, sucht nach geld. kommt aufs selbe raus... gier hört sich so negativ an, gibtsn besseres wort?
    • fleischmo
      fleischmo
      Bronze
      Dabei seit: 26.01.2005 Beiträge: 7.190
      Original von tmy
      ich hab angst wenn ich mir das angucke folgende sachen sind FAKT:

      * ich vernachlässige Schule
      * ich vernachlässige mein Sozialesumfeld
      * ich kann nicht aufhören
      * ich empfinde ein Kribbeln auf den Limits die ich "nicht spielen darf"
      * mein Leben dreht sich zu ca 60% nur um poker

      ich plane eigentlich nach meinem abitur (werde ausgemustert) erstmal ca 1-2 jahre bis zu meinem studium (weiß nicht ob ich das noch machen will) zu pokern , damit mein lebensunterhalt & co zu verdienen.

      Geht meine Psychologie in eine sehr schlechte Richtung ?
      Wo ist der Unterschied zwischen Leidenschaft und Sucht ?
      Darf mein "pokerleben" sich auf mein wahres Leben auswirken?

      MfG Tim
      und was ist wenn du in 10 jahren einen job suchst und dich der personalchef frägt was du in den 2 jahren gemacht hast? "ähh, ja.... ich hab mit onlinepokern mein geld verdient und nebenbei massig steuern hinterzogen... das ist definitiv nicht +EV. es gibt nach dem pokern auch noch ein leben.
    • Sleyde
      Sleyde
      Black
      Dabei seit: 15.01.2005 Beiträge: 17.714
      ja tmy, ich mache folgendes nicht im gegensatz zu dir:

      - niemals werde ich meine ausbildung wegen pokern auch nur 1% vernachlässigen
      - das soziale umfeld vernachlässige ich leider auch, versuche es aber gering zu halten :D
      - ich kann aufhören ... wenn ich will =)


      ansonsten #2 fleischmo ...
    • tmy
      tmy
      Black
      Dabei seit: 15.01.2005 Beiträge: 6.309
      ich will soviel geld verdienen das ich 20-30 jahre davon leben kann , wahnwitzig aber im bereich des möglichen (siehe korn)
    • lordTasse
      lordTasse
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 3.847
      cool tmy ich verfolge das selbe wie du! *hi5*

      und @fleischmo
      und was ist wenn du in 10 jahren einen job suchst und dich der personalchef frägt was du in den 2 jahren gemacht hast? "ähh, ja.... ich hab mit onlinepokern mein geld verdient und nebenbei massig steuern hinterzogen... das ist definitiv nicht +EV. es gibt nach dem pokern auch noch ein leben.
      vielleicht hockt er in 10jahren aber auch in seinem pool @ villa.
      n leben ohne risiken ist doch langweilig. wieso sollte man wie jeder andere den normalen weg gehen? schule ausbildung blabla..
    • gImLi
      gImLi
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 726
      Original von fleischmo
      Original von tmy
      [...]
      MfG Tim
      und was ist wenn du in 10 jahren einen job suchst und dich der personalchef frägt was du in den 2 jahren gemacht hast? "ähh, ja.... ich hab mit onlinepokern mein geld verdient und nebenbei massig steuern hinterzogen... das ist definitiv nicht +EV. es gibt nach dem pokern auch noch ein leben.
      1) Ist es keine Steuerhinterziehung
      2) gibt genug Leute, die nachm Abi erstma _nichts_ tun.

      Ich würds nicht machen, finde deine Pläne jetzt jedoch nicht sooo tragisch.
      Aber dein Leben dreht sich zu 60% um Poker?
      Finde ich schon ein wenig bedenklich ...
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      Tim, veräppelst du da grad eine erwachsene Frau? tsts :D
      Falls nicht:
      Die Vorredner haben natürlich Recht, die Weitsicht allerdings brauchst Du ganz alleine.

      @ topic

      Meiner Meinung nach ist das so ne Sache. Am Anfang zocken viele Leute sooooo gerne, daß sie schon einiges vernachlässigen.
      Hab die Erfahrung gemacht, daß irgendwann ein Knackpunkt kommt.
      Entweder man hat sich im Griff oder nicht.

      Die, die da Probleme haben, sind in der Nähe des Knackpunktes gefährdet. Man kann überdrehen, Realitätsverlust ist z.B. nicht selten. Wenn z.B. das träumen von einer Karriere anfängt, ohne daß objektiv ein Grund dazu besteht.

      Wenn es gut läuft, werden beim pokern schon ungeahnte Einnahmemöglichkeiten suggeriert. Daß es alles auf die ganz lange Sicht ankommt und ein durchschnittliches Einkommen auszurechnen realistischer wäre, ist schwer im Blick zu behalten, wenn man gerade einen Mega-Upswing hat. Auch hier sehe ich einen kritischen Punkt in einer Pokerlaufbahn.
      Ein schlauer Mensch sagte mal, es sei gut, sich im Griff zu haben, wenn es schlecht läuft. Wirklich gute Spieler haben sich im Griff, wenn es gut läuft!
      (ßhm, danke für die ungefragte Leihgabe, Enrique.)
    • fleischmo
      fleischmo
      Bronze
      Dabei seit: 26.01.2005 Beiträge: 7.190
      Original von lordTasse
      cool tmy ich verfolge das selbe wie du! *hi5*

      und @fleischmo
      und was ist wenn du in 10 jahren einen job suchst und dich der personalchef frägt was du in den 2 jahren gemacht hast? "ähh, ja.... ich hab mit onlinepokern mein geld verdient und nebenbei massig steuern hinterzogen... das ist definitiv nicht +EV. es gibt nach dem pokern auch noch ein leben.
      vielleicht hockt er in 10jahren aber auch in seinem pool @ villa.
      n leben ohne risiken ist doch langweilig. wieso sollte man wie jeder andere den normalen weg gehen? schule ausbildung blabla..

      sehr unwahrscheinlich. ich würde es ihm gönnen, allerdings imo nicht im bereich des möglichen. ich schließe mal sachen wie lottogewinn, 1million badbeatjackpot oder gewinn der 5.00000000000000000000000000000 hand auf pp mal aus. sowas kann jeden treffen.

      korn hat aber sein ganzes geld nicht nur durch reines spielen erspielt. er hat eine riesige community aufgebaut für die er sogar werbung im abendprogramm macht. diese karriere ist für deutsche verhältnisse einmalig.
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      Ist es nicht ... keine Ahnung, wie ich das nennen soll!

      Der Thread heißt "Poker und Sucht" und handelt hauptsächlich von einem Schüler, der aussagt, er will sich ein Leben lang von Poker ernähren.

      Wenn Tim das nicht ernst meint, fülle ich in die Lücke oben mit "Slapstick".

      Wenn Tim das ernst meint, gibts dafür ein besseres Forum.

      Und dort erwartet Dich als Erstes die Frage, wieviel Geld Du bisher mit pokern gewonnen hast.
      Als Nächstes erwartet Dich die Frage, wie Dein Plan für die Pokerkarriere aussieht.
      Als Drittes erwartet Dich die Frage, was Du dafür noch tun musst, um Deine Ziele erreichen zu können.

      Kannst Dir ja überlegen, ob Du mich " drüben" besuchen kommst.

      Wollen wir bonsai und dem topic damit den Thread zurückgeben? :)
    • lordTasse
      lordTasse
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 3.847
      Original von fleischmo
      Original von lordTasse
      cool tmy ich verfolge das selbe wie du! *hi5*

      und @fleischmo
      und was ist wenn du in 10 jahren einen job suchst und dich der personalchef frägt was du in den 2 jahren gemacht hast? "ähh, ja.... ich hab mit onlinepokern mein geld verdient und nebenbei massig steuern hinterzogen... das ist definitiv nicht +EV. es gibt nach dem pokern auch noch ein leben.
      vielleicht hockt er in 10jahren aber auch in seinem pool @ villa.
      n leben ohne risiken ist doch langweilig. wieso sollte man wie jeder andere den normalen weg gehen? schule ausbildung blabla..

      sehr unwahrscheinlich. ich würde es ihm gönnen, allerdings imo nicht im bereich des möglichen. ich schließe mal sachen wie lottogewinn, 1million badbeatjackpot oder gewinn der 5.00000000000000000000000000000 hand auf pp mal aus. sowas kann jeden treffen.

      korn hat aber sein ganzes geld nicht nur durch reines spielen erspielt. er hat eine riesige community aufgebaut für die er sogar werbung im abendprogramm macht. diese karriere ist für deutsche verhältnisse einmalig.
      man kann als pokerspieler stundenlöhne erzielen wo du ganz oben bei den bestbezahltesten leuten deutschland stehst.
      es ist nicht unrealistisch, klar hat es ein gewisses risiko. aber nicht jeder möchte den normalen weg gehen.
    • jay_vee99
      jay_vee99
      Bronze
      Dabei seit: 02.02.2005 Beiträge: 30
      Tja, das Problem mit solchen Foren ist immer, dass wir alle ja eigentlich nicht qualifiziert sind, jemandem wirklich zu helfen, der ein Sucht-Problem hat. Und selbst wenn, geht das per Internet-Forum schlicht nicht! Auch die Definition nach DSM reicht einem Laien nicht, um zu einer Diagnose zu kommen. Also gilt eigentlich in erster Linie: Wenn jemand glaubt, er könnte ein Problem damit haben, sollte er sich an seinen Arzt wenden. ßberleg' dir die Konsequenzen vom zu früh und vom zu spät zum Arzt gehen, dann sollte doch eigenlich klar sein, was das kleinere ßbel ist!

      Zu tmy: ob das bei dir eine Sucht oder nur eine Begeisterung für's Poker ist, wer weiss... Im Zweifel, siehe oben! Zur Lebensplanung kann man aber mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass du mit einem Studium wohl besser fährst. Das hindert dich ja nicht daran, viel Poker zu spielen; es gibt nun wirklich während des Studiums genug Zeit und Möglichkeiten, auch was anderes zu machen. Und sonst belegst du halt ein paar Semester mal den ein oder anderen Kurs weniger, und nutzt die Zeit zum Pokern/an deinem Pokerspiel arbeiten. Quasi Halb-Profitum. Dann merkst du schon, ob das sinnvoll ist. Wenn du dann feststellst, dass du das Zeug dafür hast, was ich ja nicht ausschliessen möchte, kannst du das Studium immer noch aufgeben (und wenn du was studierst, was dich interessiert, war die Zeit auch nicht vergeudet); falls nicht, musst du dich entscheiden, Poker nur als Hobby zu betreiben und bist halt ein paar Semester über der Regelstudienzeit, das geht vielen so, und ist im Lebenslauf nicht sooo schlimm. Eigentlich kannst du so nur gewinnen :-).
    • CentreFold
      CentreFold
      Bronze
      Dabei seit: 26.01.2005 Beiträge: 991
      Ich habe jetzt nicht den ganzen Thread gelesen, hoffe aber, dass dieses Post ungefähr in die ursprüngliche Thematik passt.

      Original von Frohbi
      Hab die Erfahrung gemacht, daß irgendwann ein Knackpunkt kommt.
      Entweder man hat sich im Griff oder nicht.
      NH.
      Als Schüler hat man da oft eine völlig andere Sichtweise auf die Dinge. Vereinfacht ausgedrückt ist der Grund, dass man keine Ahnung hat.
      Ich hatte gerade einen Knackpunkt hinter mir. Ich war auch sehr verbissen, was den Aufstieg in den Limits anging (so verbissen, dass ein Nachbar meinen Mitbewohner angesprochen hat, wer denn in letzter Zeit so oft so unchristlich fluchen würde! :( Peinlich, peinlich...). Zum einen sicherlich, weil ich das als Prestige-Geschichte angesehen habe, zum anderen, weil ich es vorher als "Ziel" meiner Karriere angesehen hatte "so um 2/4 rum" zu spielen (ich hab auf UB mit 1c/2c angefangen!). Da bin ich jetzt. Ich hätte sicherlich nichts dagegen, weiter aufzusteigen. Aber es soll kommen, was wolle...

      Gleichzeitig bin ich mit meiner Berufsausbildung gerade in einer heißen Phase, die mich sehr viel Zeit und Energie kostet. Irgendwann kommst du dann an den Punkt, wo du völlig erschossen nach Hause kommst und dir denkst: setze ich mich jetzt wirklich da an den Rechner und mache mir Stress? Der gesamte, durchgängige Stresslevel, den du mit Uni, Sport, Pokern, schlechtem Gewissen weil Uni+Poker=nicht so gut und Sozialleben+Pokern = auch nicht so gut irgendwann erreichst, schlägt in eine gewisse Müdigkeit um.
      Und dann kommt der Punkt, wo imo entweder ein Suchtfaktor einsetzt und man sich sagt "Mit Poker verdiene ich ein paar Cent. Mit Uni und so im moment gar nix! Also muss ich Pokern!" oder man sich sagt: kein unnötiger Stress mehr. Von jetzt an zum Spaß.
      Ich habe zum Beispiel diesen Monat nur knapp über 200 (!!!) raked Hands bei PP gespielt. Na und? Geht mein VIP-Deal eben vor die Hunde (hab eh noch keinen neuen). Vielleicht lass ich mich auch ganz aus dem Programm nehmen. Dann hab ich nicht auch noch den Druck, mehrere Tausend Hände durchzuhecheln. Statt dessen spiele ich auch auf ein paar "Gammelseiten" (Ausdrucksweise Korn ;) ) wie Paradise Poker auf niedrigeren Limits, als ich sonst spiele, sign-up-boni frei. Einfach, weil ich ein wenig zocken möchte und mich darüber freue, wenn ich gleichzeitig noch Boni kriege (die uU meine Verluste eindämmen). Das Spiel interessiert mich immer noch mächtig und es macht mir viel Spaß, mich damit zu beschäftigen. Nur geht es mir inzwischen fast so, wie einem Poster auf 2+2: Ich könnte glücklich und zufrieden ein Leben lang Hände analysieren, über Taktik, EV etc. nachdenken, ohne auch nur EINE Hand zu spielen.

      Außerdem (jetzt zu der Job-Sache, aber nur am Rande): einige Leute meinen, sie hätten keinen Bock auf einen konservativen Schreibtischjob. Weißt du, wo ich keine Lust drauf hab? 30 Jahre lang jeden Tag an zehn Tischen gleichzeitig Check/Bet/Raise/Fold/Post zu klicken... Einen stupideren Job gibt es ja wohl wirklich nicht... Fließbandarbeit wie zu Zeiten der industriellen Revolution... und das als Abiturient! (Ich habe übrigens im Jahr 2001 das letzte mal mehr als 3 Wochen am Stück frei/Urlaub gemacht. So viel zum Thema "Nichts tun" nach dem Abi ;) )
    • BUSSIBAER
      BUSSIBAER
      Bronze
      Dabei seit: 08.04.2005 Beiträge: 212
      dass in deutschland nur 100k menschen spielsuechtig sind halte ich fuer stark untertrieben
      man denke nur mal an die ganzen kinder und jugendlichen nerds deren leben sich aufs internet beschraenkt.

      die ncihts mehr kennen ausserhalb von wow, cs, warcraft, irc und diversen foren und communitys

      btw

      ich gehoere zu beiden gruppen zu den stoffsuchtis und den nichtstoffsuchtis

      ich mache mir ernsthafte sorgen um meine neurotransmitter 8[
    • bahmrockk
      bahmrockk
      Bronze
      Dabei seit: 10.09.2005 Beiträge: 6.769
      Aus nem Suchtberatungskurs von mir:
      Wenn ihr wissen wollt, ob ihr suechtig seid, hoert eine Woche mit dem auf. Habt ihr irgendwann das Gefuehl, dass machen zu MUESSEN, lasst' es fuer ne lange Zeit - bis ihr euch sicher seid, dass ihr es freiwillig macht und nicht aus einem inneren Trieb heraus.
      Eigentlich ist das einzig mir bekannte Heilmittel fuer eine ausgepraegte Sucht das komplette Einstellen (vgl Alkoholismusrueckfallgefahr). Falls ihr es nicht schaffen solltet, eine Woche nicht aufzuhoern mit Pokern wuerde ich sagen, ist fachaerztliche Hilfe vonnoeten (nein, ich rede nicht von Leuten, die einfach ihren Unterhalt damit verdienen :p).
      Was ich mir auch vorstellen koennte, was funktioniert, ist die Einfuehrung einer Online-Uhr - ihr stellt nen Timer auf 2h, immer wenn ihr pokert, geht die Uhr runter. Sobald sie bei 0 ist, lasst ihr es fuer den Tag - spaeter stellt ihr das Ding auf 6h fuer eine Woche usw ...
      Bitte nehmt das Suchtthema sehr ernst.
      Ich bin mit Sleydes Aussage nicht ganz einverstanden - sicher sind bei einigen Leuten auch einfach Gewinngedanken vorhanden aber das traf bei vielen Leuten, die tausende Euro am Roulette verzocken oder am einarmigen Banditen auch zu. Dies ist sicher eine Ursache fuer die Spielsucht aber als einzige Erklaerung geht das doch nicht weit genug.
      Ich habe es bei mir selbst erlebt, dass ich anfing, den "Kick" der grossen Poette zu suchen - war sicher auch ein Grund, warum die ersten fuenf Dollar draufgingen. Ich habe mich dann gefragt, was ich mit Poker will - Adrenalin oder eine positive Erfahrung und habe mich dann fuer das letztere Entschieden. Wann immer es mich ueberkam, zu "zocken" habe ich sofort Schluss gemacht. Bei dieser Art von Selbstmanagement hat mir mein Vorwissen in dem Gebiet aber sicher sehr geholfen.



      Freue mich, auf ne Diskussion darueber :)

      tschuessi,
      georg