Das leidige Thema AK/Overcards

    • macby
      macby
      Bronze
      Dabei seit: 14.04.2008 Beiträge: 602
      Hallo zusammen,

      gibt es eigentlich so eine Art "Faustregel" oder Patentrezept wie Overcards speziell AK zu spielen sind?

      Daß Preflop maximale Aggression gefragt ist um die Fische möglichst weitgehend zu vertreiben leuchtet mir ja ein. (Leider klappt das auf den Micros ja meist nicht so wirklich)
      Aber wie geht es danach weiter, wenn ein unpassender Flop kommt?
      Zum Beispiel ein ungefährlich anmutender wie 3-8-5 oder ähnlich? (also ohne Top-Paar oder Draws)

      Wie spielt Ihr das dann?

      Gesehen habe ich schon alle Variationen von massiver Aggression durch alle Setzrunden über Calldown bis hin zum schlichten Fold (letzteres kann ich nur vermuten, da ich natürlich die Karten des Gegners nicht gesehen habe).

      Ich selber habe meistens Muffe, sobald eine Bet und ein Raise kommt; noch schlimmer wenn ich in früher Position als erster dran bin.
      Grundsätzlich erstmal setzen oder schieben/callen? Oder gleich wegschmeißen?

      Wäre fein, wenn einer der erfahreneren Spieler hierzu seinen Senf abgeben könnte.
      Könnte mir auch gut vorstellen, daß das ein für viele interessantes Thema ist, wenn ich mir so anschaue, wie teilweise haushoch Pötte mit A-hoch verloren werden. (Nicht nur von mir, aber leider manchmal auch ;) )

      Danke schon mal im Voraus.
      Michael
  • 16 Antworten
    • funat1c
      funat1c
      Bronze
      Dabei seit: 07.03.2007 Beiträge: 3.133
      Ist in der Tat ein recht intressantes Thema, grade am Anfang, hab mich auch schon öfters damit befasst und auch nicht 100% sicher. Gibt aber so ein paar grobe Richtlinien, an die man sich gut halten kann.

      In der Regel steht man ja zumindest gegen eine kleinere Gegneranzahl am Flop. Bei 1-2 Gegnern würde ich auch First-to-act eigentlich fast immer ne Contibet setzen. Mit Position kann man sowas auch durchaus gegen drei Gegner machen imo. Dann musst du am Turn halt neu gucken, wie die Situation so ist. Standard is da glaub wenn nur noch einer da is nochmal zu barreln.

      Wenn mehrere Gegner da sind die ordentlich Druck machen, sollte man sich aber auch gut von der Hand trennen können.

      Schwierig wirds halt wenn man HU gegen ne Donk steht, da hängts dann auch stark vom Gegner ab, was er da so anspielt. Insgesamt ist das ganze Overcard-Spiel nicht unbedingt einfach zu verallgemeinern, da da Board-Texturen und Reads doch eine gewisse Rolle spielen. Ab Silber gibts da auch nen entsprechenden Artikel zu.

      Generell würde ich halt gegen wenige Gegner auf jeden Fall zumindest eine Conti setzen, gegen mehrere macht man vmtl nix falsch wenn man die Hand einfach aufgibt.
    • West48
      West48
      Bronze
      Dabei seit: 13.10.2007 Beiträge: 1.176
      Wie funat1c schon richtig erkannt hat, kann man das Spiel mit ui OCs (unimproved Overcads) nicht verallgemeinern. Mit AK kann man teilweise sogar noch gut valuebetten, mit KQ wirds schon wieder sehr marginal, ich versuch trotzdem mal einige Standartlines aufzuzeigen. Als Preflopaggressor bettest du gegen max. 2 Gegner eigentlich jeden Flop sowohl IP als OOP. Wenn du nicht gerade weisst, da sitzt der absolute Rock mit in der Hand der Preflop schon Stärke gezeigt hat, dann is diese Bet meist schonmal +EV da du noch genug Foldequity hast.
      Auch am Turn kannst du diese Aggression oft fortsetzen. Das hängt hier ganz vom Board und Gegner ab. Wenn das Board viele Draws zulässt, am Turn aber kein Draw ankommt und der Gegner auch kein Pair gemacht haben könnte weil keine ergänzende Karte zu einem eventuellen Draw (beispielsweise einem Straightdraw) angekommen ist, dann kannst du nochmal betten mit der relativen Sicherheit noch vorne zu sein. Gegen einen Gegner kannst du manchmal auch auf dry Board weiterbetten, also auf Boards, auf denen kaum Draws möglich sind und der Gegner am Flop eigentlich nur Pairs und besser callen sollte. Das liegt daran, dass loose Gegner, beispielsweise Openlimper einfach so loose sind, dass sie am Flop any 2 Cards callen und erst am Turn anfangen nachzudenken.

      Soviel erstmal zu den stark verallgemeinerten und unvollständigen Richtlinien in Pötten mit max. 2 Gegner. Wenn du nun 3 Gegner oder sogar mehr am Flop hast, dann solltest du passiv, nach Odds und Outs spielen, eine Contibet ist fast niemals sinnvoll, weder IP noch OOP. Wenn du IP schon eine Contibet machst, dann bitte nur auf dry Boards und mit der Absicht, am Turn neu zu evaluieren. Auf Drawheavy Boards werden ohnehin fast alle callen, denn die Pötte sind meist schon sehr groß und irgendwie hat dann doch jeder connected. Auf dry Boards gegen passive Gegner lohnt sich die Bet IP mit der Intention, sich am Turn eine Freecard zu nehmen, insgesamt würde ich aber meist schon am Flop behind checken und am Turn sehen, ob ich eine Made Hand oder einen spielbaren Draw aufgabele. Du hast einfach fast nie die Foldeuqity um 3 Gegner zu eliminieren. Interessant sind dann nur Boards, die einfach keiner getroffen haben kann, wie zum Beispiel ein Paired Board Rainbow oder ein Drilling auf dem Board.

      Wie du siehst, ist das Thema komplex und schwer in wenige Worte zu fassen. Man kann zu den meisten Situationen im Poker ohnehin die großzügige Antwort geben: "Es kommt darauf an." Selten sind Situationen absolut klar zu lösen und selbst der beste Spieler kann dir immer eine Ideallösung bieten. Versuch also, deine Entscheidungen vom Board, der Preflopaction und von deinen Gegnern abhängig zu machen. Spiel auf den Micro Limits mit A high nicht for Value, dass sind Entscheidungen die einfach zu marginal sind und die du später von allein erkennst, sie jetzt aber nicht zwanghaft suchen musst. Wenn du garnicht weiter weißt, dann spiel passiv weiter oder folde deine Hand. Calldowns können dir auch manchmal weiterhelfen, einfach, um ein Gefühl zu entwickeln, wann du mit A high noch vorne sein kannst und wann nicht.

      Ich hoffe das hat die Frage ein Stück weit geklärt... 
    • West48
      West48
      Bronze
      Dabei seit: 13.10.2007 Beiträge: 1.176
      0.25 / 0.50 Fixed-Limit Hold'em (10 - handed)
      Created by: Texas Hold'em Hand Editor - Fixed Limit 1.0

      Preflop: Hero is MP3 with A:spade: , K:spade:
      2 folds, UTG+2 calls, 2 folds, Hero raises, 3 folds, BB calls, UTG+2 calls

      Flop: (6.40 SB) 7:heart: , 6:heart: , 2:club: (3 players)
      BB checks, UTG+2 checks, Hero bets, BB calls, UTG+2 calls

      Turn: (4.70 BB) 3:diamond: (3 players)
      BB checks, UTG+2 checks, Hero ?


      Hab hier mal kurz ein Beispiel gebastelt, wo man den Turn nochmal betten sollte. Am Flop sind extrem viele Draws möglich und wir sind gegen mindestens einen loosen Gegner, nämlich den Openlimper in der Hand. Die Flopcontibet ist klar, am Turn kommt seine ziemliche Blank und außer 54 hat hier nun keine Hand wirklich bedeutend improved, zumindest ist davon nicht auszugehen. Pairs folden wahrscheinlich nicht, sind aber denke ich auch nicht am wahrscheinlichten. Hier sind so viele Hände möglich die am Flop callen können, dass ich hier den Turn auf jeden Fall nocheinmal betten würde und auf einen Checkraise vom Limper downcalle. Checkraised mich der BB wirds evtl. etwas schwerer, weil dieser Spieler eine legitimiere Hand halten könnte gleichzeitig aber am Turn eine absolute Blank aufgedeckt wurde...

      Wie ich hier auch leicht zeigen kann, sind diese Entscheidungen nicht eindeutig und niemals sind sie leicht, jedoch ist dies hier ein Beispiel wo ich mich am Turn doch noch sehr häufig vorne sehe und somit eine Bet for Free Showdown mache. Kommt am River eine Blank, also paired sich beispielsweise die 2 oder 3, dann call ich auch meist noch Donkbets, aber auch das ist wieder Gegnerabhängig. Für mich spielen teils, zumindest bei Spielern die ich kenne, sogar Timetells eine Rolle, aber dass sollte hier mal außen vor gelassen sein, nur wollte ich damit versuchen mal zu verdeutlichen, wieviele Informationen man da in seine Entscheidungsfindung miteinbeziehen kann.... 
    • bibersuperstar
      bibersuperstar
      Bronze
      Dabei seit: 14.01.2007 Beiträge: 15.241
      Zu der hand:
      Also ich würde da auf jedenfall nochmal betten. Auf nen raise hab ich nen easy fold. Der vorteil ist die position, sodass ich mir mit einer bet noch den freeshowdown nehmen kann. Die 3 muss keinem geholfen haben, auf solchen flops callen viele ihr A high bzw mit overcards und da bin ich auch ggn 2 leute noch sehr oft vorne. Deswegen würde ich da den turn auch nochmal betten :)
    • Loosar
      Loosar
      Bronze
      Dabei seit: 31.10.2006 Beiträge: 1.511
      da gibts en artikel zu, is aber glaub gold.

      die einfachste regel stammt von Lee Jones.

      check/fold

      ausnahme: AK gegen 1-2 gegner in EP oder LP und alle haben checked.

      bet/fold, bet/fold, check/call

      AKs, KQs dürfte man in LP auch callen.

      jones meint, dass viele profis viel mehr geld hätten, wenn sie nie anders gespielt hätten^^.

      wenn man sich natürlich ps.de coachings anschaut und sieht, mit was für trash die jungs so bis zum river durchheizen, kann man das gar net glauben.

      ich habs net geglaubt und mein account sagt: lee hat recht!
      in den goldartikeln gibts noch viel mehr strategien und beispiele wie man trash spielt, auch weak kicker oder medium und low pair. am besten einfach nicht lesen^^
    • slowworm
      slowworm
      Bronze
      Dabei seit: 16.07.2006 Beiträge: 269
      AK bei verfehltem Flop ist so stark gegnerabhängig und tableimageabhängig, dass allg. Aussagen kaum möglich sind.
      Isoliert betracheten kann man es auch nicht, man braucht auch mal "geplatze" Contibets, um ausbezahlt zu werden, und mit 6 Outs auf TPTK ist die (gebluffte) Contibet mit AK eine der Billigsten, auf die man daher kaum verzichten sollte, um sein Spiel zu balancen.
    • DasHaendchen
      DasHaendchen
      Bronze
      Dabei seit: 28.11.2006 Beiträge: 1.150
      Original von Loosar
      da gibts en artikel zu, is aber glaub gold.

      die einfachste regel stammt von Lee Jones.

      check/fold

      ausnahme: AK gegen 1-2 gegner in EP oder LP und alle haben checked.

      bet/fold, bet/fold, check/call

      AKs, KQs dürfte man in LP auch callen.

      jones meint, dass viele profis viel mehr geld hätten, wenn sie nie anders gespielt hätten^^.

      wenn man sich natürlich ps.de coachings anschaut und sieht, mit was für trash die jungs so bis zum river durchheizen, kann man das gar net glauben.

      ich habs net geglaubt und mein account sagt: lee hat recht!
      in den goldartikeln gibts noch viel mehr strategien und beispiele wie man trash spielt, auch weak kicker oder medium und low pair. am besten einfach nicht lesen^^
      Na dann bedanke ich mich recht herzlich bei dir, für den payout meiner ui draws! =)
    • Loosar
      Loosar
      Bronze
      Dabei seit: 31.10.2006 Beiträge: 1.511
      Original von DasHaendchen
      Na dann bedanke ich mich recht herzlich bei dir, für den payout meiner ui draws! =)
      ich denke du hast den ironischen unterton in meinem post gelesen.

      genau das ist das problem mit overcards oder weak hands im allgemeinen.
      man lässt mit lee jones viel zu viel geld liegen. wenn man sie allerdings nicht spielen kann, und nach meiner bescheidenen erfahrung sind das die schwersten hände zu spielen, weil von sehr vielen faktoren und reads abhängig, dann lässt man noch viel mehr geld liegen^^

      ich bin überzeugt, dass es hier eine menge übung braucht, die fortgeschrittenen taktiken zu spielen. das sollte man stück für stück üben und meistern. ich hab mir anfangs eine tabelle gemacht mit allen moves aus ps und literatur zum thema trash, OC, weak kicker, low-midpair.

      dann hab ich mich an den computer gesetzt und den grössten downswing meiner karriere gehabt. war kein downswing. ich hatte mir nur ein dutzend neue leaks angeeeignet. danach hab ich wieder nach lee jones gespielt und erstmal nur ein paar einfachere moves für unraised pots dazugenommen. und siehe da, es ging wieder aufwärts.

      der unraised pot ist in der beziehung ja sehr gut beschrieben in den artikeln, was ich aber noch nicht wirklich erschöpfend beschrieben gefunden habe ist eine standardsituation:
      hero hat preflop raised und den flop contibettet. villain called.
      und nun? 2nd barrel b/f oder b/c, oder doch lieber c/c, c/f?
      und vor allem wann und warum?

      das gleiche gilt eigentlich auch für den fall, dass villain preflop agressor ist. ich sitz so oft am flop mit trash oder weak hands und denke mir: den flop kann er doch gar net getroffen haben. luske empfiehlt hier gegen einen preflop-steeler einen checkraise.

      es fehlen also noch 2 artikel im repertoire zu raised pots insbesondere mit trash und balancing für made hands und draws, wie dies mit dem artikel zu unraised pots bereits vorgelegt wurde
    • macby
      macby
      Bronze
      Dabei seit: 14.04.2008 Beiträge: 602
      Vielen Dank für Eure ausführlichen Antworten.

      Als Quintessenz daraus für mich als relativen Anfänger auf den Micros ziehe ich also folgendes:

      Bei nur 1 oder 2 Gegnern oder IP auch mit mehreren erstmal Contibet, ansonsten schlicht nach Odds.

      Korrekt?
    • heints
      heints
      Bronze
      Dabei seit: 01.04.2008 Beiträge: 202
      Genau, und wenn du geraist wirst, fold
    • ZarvonBar
      ZarvonBar
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 21.03.2006 Beiträge: 33.550
      Original von heints
      Genau, und wenn du geraist wirst, fold
      aka nach Odds.
    • West48
      West48
      Bronze
      Dabei seit: 13.10.2007 Beiträge: 1.176
      Original von heints
      Genau, und wenn du geraist wirst, fold
      Irgendwie klingt das sehr komisch formuliert. Wie genau meint ihr den Spielzug jetzt, Bet/Fold Flop ?!? Das kann schlecht sein, Wohl eher Bet/Call... Und zu der Aussage Contibet IP bei mehr als 2 Gegner wollte ich noch ergänzen, dass es kaum sinnvoll ist, außer, das Board ist total trocken, beispielsweise ein Rainbow unconnected Flop oder ein Paired Board aus Lowcards oder ein Drilling auf dem Tisch. All diese Flops sind schwer zu treffen und du kannst mit AK hier gut betten und hast fast immer die beste Hand. Ändert sich die Boardstruktur am Turn dann immer noch nicht, also kommen keine Nenneswerten Draws hinzu, dann kann man auch bei mehr als 2 Gegnern am Turn mit Contibets fortfahren, sonst muss man in Situationen mit 2 Gegnern und mehr am Turn meist aufgeben und nach Odds und Outs weiterspielen. 
    • Loosar
      Loosar
      Bronze
      Dabei seit: 31.10.2006 Beiträge: 1.511
      oO genau die diskussion habsch befürchtet^^
    • Schnullerbacke
      Schnullerbacke
      Bronze
      Dabei seit: 04.02.2007 Beiträge: 524
      Es gab da mal einen Artikel in den Beispielhänden, nicht nur für Gold:

      Postflopspiel von unimproved Overcards.
      Häufig raisen wir Preflop mit Händen wie AK, AQ da wir eine überdurchschnittliche Hand vor dem Flop halten. Leider trifft man natürlich nicht immer sein Ass oder seinen König bzw. Dame am Flop und hat von da an oft schwierige Entscheidungen zu treffen, wie man mit seinen Overcards weiterspielen sollte. Daher habe ich hierzu ein paar solcher Situationen rausgesucht und werde versuchen euch zu erläutern warum in den jeweiligen Situationen folgende Spielweisen am Besten sind.



      ++++++++++ Hand 1 ++++++++++

      Zuerst eine typische Headsup Situation die aus eigener Erfahrung sehr häufig gegen Fische vorkommt. Unser Gegner ist für uns eher noch eine unbekannte Größe, die Tendenz geht aber eindeutig in Richtung Fisch der durchaus zu unberechenbaren Spielzügen fähig zu sein scheint.


      Preflop: Hero is BU with A :spade: , K :spade:
      3 folds, Hero raises, SB folds, BB calls.

      Preflop: Wir raisen standardmäßig mit AKs und nur der Fisch called im Big Blind.

      Flop: (4.50 SB) Q :heart: , 9 :spade: , 9 :diamond: (2 players)
      BB bets, Hero calls.

      Flop: Den Flop verfehlen wir und nun kommt eine sehr häufig auftretende Situation: Der Fisch donkt in uns und wir haben nur zwei Overcards mit Backdoorstraight und Backdoorflushdraw. Prinzipiell gilt, dass man Headsup gegen eine Donk als Preflopagressor erstmal nicht folden sollte (es gibt natürlich Ausnahmen bspw. wenn Hero ein sehr hässliches Board komplett verfehlt hat und 0 Showdwonvalue und Draws hat). Nun was ist hier die ideale Spielweise? Versuchen wir zuerst unseren Gegner auf eine Hand zu setzen (was gegen einen Fisch der irrational spielt natürlich schwierig ist):

      - Eine Madehand: Er könnte die Queen getroffen haben und gleich donken, da er die Valuespielweise check/raise Flop nicht kennt oder nur mit Monstern spielt. Alternativ könnte er ein kleines Pocket halt und dieses hier betten um uns keine Freecard zu geben. Insgesamt durchaus plausible Hände mit denen Fische öfters mal den Flop donken.
      - Ein Monster: Er könnte am Flop die 9 getroffen haben oder Preflop ein hohes Pocket (AA, KK. QQ) slowgeplayed haben und nun dieses betten. In seltenen Fällen bettet so ein Spieler eventuell seine Monsterhände direkt, insgesamt ist dass doch eher die Ausnahme, da er hier eher meist durch trickreiches Slowplay versuchen wird extra viele Bets zu gewinnen.
      -Einen Draw: Er könnte hier beispielsweise mit KT, JT, T8, also einen OESD oder einen Gutshot als Semibluff versuchen den Pot zu gewinnen. Eine durchaus plausible Handgruppe, die Hände liegen sowohl in der Callingrange des Big Blinds Preflop als auch in seiner Donkingrange.
      - Einen pure Bluff: Gerade auf paired Boards donken solche Spieler gerne als pure Bluff mit absolut gar nichts, da sie auch wissen, dass wir oft den Flop verfehlt haben.

      Insgesamt kommt hier also erst einmal nur Call oder Raise in Frage, da wir oft noch die beste Hand halten und falls wir hinten liegen sollten noch einige Outs haben. Für einen Raise würde sprechen, dass wir gegen einen Großteil seiner Range (Draws, pure Bluffs) noch vorne liegen, aber protecten müssen, da er oft 6 oder mehr Outs hat. Dennoch ist für mich hier die ideale Spielweise ein Call. Fakt ist, dass ein Fisch hier auf einen Raise keine bessere Hand folden wird (auch kein 22). Wenn er hier foldet, dann allerhöchstens einen 6 Outer (was natürlich ein gutes Resulat wäre). Das Problem bei einem Raise von Hero ist, dass wir gegen eine 3- Bet nicht folden können (wegen unseren vielen Outs) und uns mit einer hier marginalen Hand in eine teuere und schwierige Situation manövrieren.
      Unser Gegner scheint ja eher unberechenbar zu sein und ist sicherlich in der Lage seinen Draw am Flop zu 3-betten oder eventuell sogar als pure Bluff zu 3-betten. Zusätzlich hab ich es schon zu oft erlebt, dass solche Spieler am Turn oder River erneut einfach donken und wir oft falls wir unimproved bleiben die geplante Line "Raise Flop, Bet Turn for Freeshowdown" nicht spielen können, da unser Gegner mit seinen Donks am Turn oder River uns einen Strich durch die Rechnung macht.

      Daher callen wir den Flop und evaluieren am Turn neu.

      Turn: (3.25 BB) 2 :spade: (2 players)
      BB bets, Hero calls.

      Turn: Am Turn verbessert sich unsere Hand zu einem Flushdraw. Viele Spieler würden nun mit der Aussicht eventuell die beste Hand zu halten und falls nicht mit sehr vielen den Outs den Turn raisen. Die bessere Spielweise ist jedoch auch hier ein Call. Die 2 ist eine absolute ungefährliche Karte und unser Gegner wird hier auf einen Raise definitiv keine bessere Hand folden. Es ist naiv zu glauben, dass ein typischer Fisch hier 33+ gegen einen Raise folden würde. Treffen wir keines unserer Outs können wir den River auch nur schwer for Value betten, da im besten Falle höchstens ein schlechteres Ace high callen wird. Zusätzlich sind nun durch unseren Flushdraw viele der Outs (falls er hinten liegt) von unserem Gegner verseucht. Unser Gegner ist in den meisten Fällen in der Lage am River eine weitere Bluffbet abzufeuern und der Pot ist noch nicht allzu groß, so dass hier ein Call am Turn (um eventuell eine weitere Bluffbet am River zu induzieren) meines Erachtens am meisten Value hat.

      River: (5.25 BB) Q :club: (2 players)
      BB bets, Hero calls.

      River: Am River paired sich das Board erneut und wir haben einen einfachen Call mit Ace high, da alles Straightdraws gebusted sind und nun sogar kleine Pockets counterfeited sind. Gegen diesen Gegner würde ich aber auch callen wenn am River eine Blank, wie die 3 oder 4 kommen würde. Oft genug wird er uns einen busted Straightdraw oder pure Bluff zeigen. Treffen wir eine unseres Overcards sehe ich hier einen Valueraise, da er eben selten ein Monster wie Trips halten wird, aber oft genug irgendwelche Pairs Bet/callen wird.

      Final Pot: 7.25 BB



      ++++++++++ Hand 2 ++++++++++

      In der zweiten Hand spielen wir an einem sehr aggressiven Tisch, was sich im Folgenden schon an der Preflopaction verdeutlichen wird. Unsere Gegner nutzen also eher den Bet und Raise Button (als den Call Button), sind aber durchaus schlagbar.


      Preflop: Hero is CO with A :heart: , Q :spade:
      MP2 folds, MP3 raises, Hero 3-bets, BU caps, SB folds, BB calls, MP3 calls, Hero calls.

      Preflop: Preflop raised ein sehr aggressiver MP3 und wir haben mit AQo eine klare 3 Bet, da wir gegen seine MP Range (ungefähr: 44+,A7o+, KTo+, QJo+, A4s+, K9s+, J9s+, T9s) hier einen Edge haben. Der CAP des ebenfalls sehr aggessiven Buttons und der Coldcall des Big Blinds ist durchaus scary für uns und unschön. Die Cappingrange des Buttons würde ich je nachdem wie loose er ist auf etwa 99+,AQo+,AQs+(evtl AJs+) schätzen. Die Range des Big Blinds, der hier einen CAP coldcalled ist schwer einzuschätzen, sie könnte in etwa der Cappingrange des Buttons entsprechen, er könnte aber auch je nachdem wie loose er ist viele Pockets und Hände mit guter Playability (suited Connectors) coldcallen, weil der Pot schon sehr groß ist und er sich gute Implied Odds und viel Action verspricht wenn er trifft. Insgesamt stehen wir also mit AQo nicht mehr allzu gut da, callen aber natürlich für eine Bet bei dem riesigen Pot und hoffen auf einen guten Flop.

      Flop: (16.50 SB) J :heart: , 8 :heart: , 2 :diamond: (4 players)
      BB checks, MP3 bets, Hero folds, BU raises, BB 3-bets, MP3 caps, BU calls, BB calls.

      Flop: Den Flop treffen wir leider nicht wirklich gut. Wir haben 2 Overcards und den Backdoor Nutflushdraw und Backdoorstraightdraw in einem riesigen Pot. Der ursprüngliche Raiser donkt nun in uns und hinter uns kommen noch zwei aggressive Spieler, die Preflop schon sehr viel Stärke gezeigt haben. In diesem Riesenpot mit den vielen Backdoordraws wären einige Spieler sicher dazu geneigt eine Bet zu callen um sich eventuell den Turn anzusehen. Dennoch ist das korrekte Spiel, auch wenn es bei diesem Riesenpot schmerzt, zu folden. Der Grund ist ganz einfach: Erstens zeigt die Donk des MP in den Preflop 3- Better und den Capper schon sehr viel Stärke und vor allem schließt Hero die Action nicht ab, sprich es wird häufig wie hier passieren, dass einer der aggressiven Spieler hinter uns noch raisen wird. Somit werden wir hier nur selten für eine Bet den Turn sehen. Zusätzlich sind unsere Overcardouts häufig sehr dirty, da wir von AK,KK dominiert sind und mittlerweile auch gegen AJ reverse dominated sind. Gegen AA, JJ, 88 sind wir praktisch auf Runner Runner angewiesen. Das einzig wirklich gute Out ist also eigentlich der Backdoornutflushdraw. Würde Hero hier die Action abschließen könnten man natürlich bei dem Riesenpot für eine Bet callen und den Turn anschauen. In diesem Fall hat man aber einen klaren Fold.

      Turn: (14.25 BB) J :heart: (3 players)
      BB bets, MP3 raises, BU folds, BB calls.

      River: (18.25 BB) T :diamond: (2 players)
      BB checks, MP3 bets, BB calls.

      Final Pot: 20.25 BB



      ++++++++++ Hand 3 ++++++++++

      In der dritten Hand noch kurz ein Beispiel, bei denen man seine Overcards auch mal aggressiv spielen kann. Im Gegensatz zu Hand 2 spielen wir hier an einem Tisch mit sehr passiven Spielern. Beide Blinds sind hier also loose-passiv.

      Preflop: Hero is BU with A :spade: , K :spade:
      3 folds, Hero raises, SB calls, BB calls.

      Preflop: Standardraise mit AKs.

      Flop: (6.00 SB) J :heart: , 7 :spade: , 3 :diamond: (3 players)
      SB bets, BB calls, Hero raises, SB calls, BB calls.

      Flop: Am Flop halten wir erneut nur 2 Overcards mit Backdoorstraight und Backdoornutflushdraw. Die Callingstation donkt 3-handed, worauf ich diesen Spieler meistens auf eine Madehand (Pair mit J,7,3 oder ein Pocket) setzen würde. In seltenen Fällen können solche Spieler natürlich auch einmal Bluffdonken, 3-handed sollte man solche Donks jedoch mehr Gewicht geben und sich im Schnitt erst einmal hinten sehen. Dennoch kommt mit unserem vielen Outs ein Fold erst einmal nicht in Frage. Da unsere Gegner hier sehr passiv sind, kann man hier for Freecard raisen um für 2 Small Bets Turn und River umsonst zu sehen. Wichtig ist dabei, dass unsere Gegner passiv sind und uns quasi nie oder nur mit Monstern 3-betten werden. Gegen aggressive Gegner macht der Raise also wenig Sinn. Zusätzlich sollten wir auch nicht raisen wenn wir den Read haben, dass unsere Gegner "Donkeys" sind, sprich den Raise von uns am Flop callen, nur um uns dann am Turn häufig erneut mit einer Donk zu konfrontieren.

      Turn: (6.00 BB) 2 :spade: (3 players)
      SB checks, BB checks, Hero checks.

      Turn: Am Turn verbessern wir uns und halten nun den Nutflushdraw. Wir nehmen uns aber wie geplant die Freecard, da auf die 2 keine besseren Hände folden werden und wir nur selten vorne liegen.

      River: (6.00 BB) A :heart: (3 players)
      SB bets, BB folds, Hero calls.

      River: Am River treffen wir nun Top-Pair. Trotz der Scarecard donkt der passive Small Blind erneut in 2 Spieler. Hero sollte hier nur callen, da die Bet des passiven Small-Blinds bei dem Ass in 2 Spieler viel Stärke zeigt. Ich sehe hier gegen diesen Gegner keinen Value in einem Raise, da er hier häufig 2 Pair oder besser hält. Dennoch müssen wir mit Toppair und bestem Kicker natürlich callen, da vor allem Fische häufíg die eigene Handstärke nicht richtig einschätzen können.


      Edit hat jetzt auch die Kartenfarben eingefügt, gelle...
    • Celial
      Celial
      Bronze
      Dabei seit: 10.04.2005 Beiträge: 347
      wo ist halt das problem, draw mit 6 outs, dazu noch je 1 out falls mögliche backdoors existieren... und dann gechillt nach pot odds spielen.
    • macby
      macby
      Bronze
      Dabei seit: 14.04.2008 Beiträge: 602
      Das mit dem check/fold hab ich auch schon ausprobiert, ist aber m. E. nicht wirklich lukrativ.
      Im Endeffekt zahlste drauf, weil dann meist das ganze Preflop investierte Geld futsch ist. (Ist zumindest so meine Erfahrung.
      Was mir oft wirklich hilft ist OOP ein Checkraise das bändigt doch viele Fische und veranlaßt auch so manchen zum Folden. Gegen Maniacs natürlich nicht, aber da folde ich auch gern, weil diese mich dann beim nächsten Mal wenn ich wirklich treffe entsprechend wieder auszahlen.


      Danke für den Artikel Schnullerbacke. Das hat mir schon sehr geholfen.

      Insgesamt sind solche Situationen zwar nach wie vor problematisch, zumal meine Bankroll nur .10/.20-Tische erlaubt und sich da unheimlich viele Chaoten (Fische sind dabei nur die harmlosesten) tummeln.

      Aber ich habe mittlerweile ein besseres Gefühl mit diesen Händen, und das ist ja immerhin auch schon etwas.

      Was schön wäre, wenn es mal ein Session-Review-Video (am besten auf .05/.10 oder .10/.20 denn das sind ja die Limits auf denen man als Frischling anfängt) dazu geben würde. Man könnte ja die passenden Tische "zusammenschneiden" und bräuchte nicht die ganze Session zeigen.

      Oder (trau mich kaum zu fragen) gibt es vlt. einen der fortgeschritteneren Spieler, der bereit wäre mal ne Stunde oder zwei Live-Coaching mit mir zu machen?