Religion im Aufwind?

    • Malone70
      Malone70
      Bronze
      Dabei seit: 04.05.2006 Beiträge: 240
      Ich beginne mit einem Beispiel, dass aufzeigt, wie jeder Mensch, ob Christ oder Atheist, vom kirchlichen Einfluss erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden kann. ßber ein paar Ecken wurde mir der Fall einer jungen Frau bekannt, die vergeblich versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Der Versuch missglückte, und nun ist das Mädchen dazu verurteilt, gelähmt, entstellt und ohne die Möglichkeit sprachlicher Kommunikation ein Dasein zu fristen, das den Alptraum, den sie vorher schon nicht aushalten konnte, ins Unermessliche potenziert. Sie könnte aber wohl mit den Augen die Frage bejahen, ob sie sterben möchte. Vor diese Wahl wird sie aber trotz ihres schon überdeutlich mit aller Entschlossenheit geäußerten Sterbewunsches nicht gestellt, niemand wird diese Verantwortung tragen und ihr zur freien, willentlichen Entscheidung einen Becher mit vermutlich erlösendem Gift vorsetzen, wenigstens nicht solange dieser Akt des Mitgefühls unter schwere Strafe gestellt wird.

      Jeder der das liest könnte durch einen Unfall oder Komplikationen bei einer Operation in eine so missliche Lage geraten, dazu verdammt über Jahrzehnte hinweg irgendwohin zu starren, einzig und allein wegen der an Perversion grenzenden Borniertheit politischer Entscheidungsträger, die zu feige und gegenüber dem Leiden der zur Gegenwehr unfähigen Opfer zu indifferent sind, sich mit der kirchlichen Lobby anzulegen. In der Tat werden zu solchen ethischen Fragestellungen immer noch Vertreter der Religionen, die unverhohlen die Dreistigkeit besitzen für sich das Wertemonopol zu beanspruchen, zu ihrer absurderweise maßgeblichen Meinung befragt, von offiziellen Stellen ebenso wie in den willfährigen Medien. Wie schon erwähnt, im Gegensatz zu den diskriminierten Homosexuellen, oder Frauen als tatsächliche oder potentielle Abtreiberinnen, kann man jederzeit, und sei es nur als Freund oder Verwandter, vom mutmaßlichen Willen einer unwissenschaftlichen Hypothese namens Gott auf das Schicksalhafteste betroffen werden.

      Nun, dass die Kirchen ihren Anhängern diesseitig und unter Androhung des Höllenfeuers verbieten, schwul zu sein, Kondome zu benutzen um ihre Gesundheit zu schützen, sich das Leben zu nehmen oder dies Anderen aus Gnade zu ermöglichen, ist allein ihre Angelegenheit. Aber was berechtigt sie, Einfluss auf das Leben von Konfessionsfreien oder Angehörigen anderer Glaubensrichtungen zu nehmen? Rein gar nichts, Willensäußerungen, die auf der Weltanschauung antiker Ziegenhüter beruhen, können und dürfen politisch sowie gesellschaftlich in keinster Weise von Relevanz sein! Gefordert ist hier der Staat, die Repräsentanz der Gemeinschaft aller Bürger, eine deutliche und unmissverständliche Trennung zwischen kirchlichen Interessen und Gesellschaftspolitik in jeglicher Hinsicht zu vollziehen. Die partielle Säkularisierung, wenigstens im Verhältnis zum Mittelalter, wurde von unseren aufklärerischen Vorfahren mit dem Einsatz ihres Lebens, ihrer Unversehrtheit und Freiheit hart erkämpft.

      Was zurzeit in diesem und vielen anderen Ländern vor sich geht, grenzt an eine Verhöhnung der Blutopfer dieser Vorkämpfer, denen wir zu verdanken haben, nicht mehr für eine kritische ßußerung oder wissenschaftliche Theorie in den Kerken dahinsiechen, in Folterkammern die Gliedmaßen gebrochen bekommen oder auf dem Scheiterhaufen schmoren zu müssen. Statt die unabgeschlossene und längst überfällige Säkularisierung weiter voranzutreiben, das verfassungswidrige Konkordat endlich aufzulösen, der Kirche den Steuerhahn abzudrehen, aus dem sie aus jahrhundertealten Verträgen neben der Kirchensteuer weiterhin Milliarden von der Allgemeinheit bezieht, ihr das Arbeitgeberrecht in denen von ihr lediglich im einstelligen Prozentbereich gesponsorten öffentlichen Einrichtungen zu entziehen, die seit Jahrzehnten fälligen Entschädigungen für von der Kirche missbrauchte und misshandelte Heimkinder mit erheblichen Spätfolgen einzutreiben, geschieht das Gegenteil, sogar der ohnehin alberne Gotteslästerungsparagraph soll verschärft werde auf Kosten bürgerlicher Meinungsfreiheit.

      Kirchenvertreter werden von der Politik hofiert, man profiliert sich an ihrer Seite, glaubt, sich in ihrem Schein als bodenständigerer und seriöser Mensch präsentieren zu können. Paradoxerweise scheint sich diese Assoziation weitgehend durchgesetzt zu haben, und nicht die aufgrund der Fakten und Geschichte naheliegendere Gleichsetzung als windige, skrupellose Spinner. Selbst von Agnostikern wird man oft schon schräg angeschaut, wenn man sich kirchenkritisch äußert, und die Freigiebigkeit der Behörden bemängelt, wenn eine Selbsteinladung des Oberhirten mit Millionen atheistischer Steuergelder finanziert wird. Die intensive, begeisternde Berichterstattung und sorgsame Ausblendung gleichgültiger oder "negativer" Stimmen durch die Mainstreammedien, deren oberflächliche Proformakritik meist allenfalls systemimmanent ist, das Zölibat oder die Rolle der Frau innerhalb der Institution betrifft, lässt die Kirche mittlerweile im Gutmenschentum und ihre Gegner im Licht der Miesmacherei und der Böswilligkeit erscheinen. Speziell für öffentlich-rechtliche Sender, durch die ganze Gesellschaft zwangsfinanziert, deren kritikfreie Parallelübertragungen mit hemmungsloser Propaganda gleichzusetzen sind, ist dies ein unerhört anmaßender Verstoß gegen den verbrieften Sendeauftrag. Es besteht nichtmal eine Schamschwelle eingedenk unserer wissenschaftlichen Bezeichnung homo sapiens sapiens, einen lachhaften Personenkult zu betreiben. Welchem denkenden Menschen wird nicht übel, wenn die Benedetto-Rufe in ihm widerhallen?

      Bislang war nur von auch für gesellschaftspoltische Laien leicht nachvollziehbaren Kritikpunkten die Rede, sehr viel tiefgreifendere Folgen jedoch zeitigt die Akzeptanz des kirchlichen Dogmas. Die Unterscheidung zwischen kirchlich und christlich ist ganz bewusst gewählt, denn das eigentliche, neutestamentarische Christentum ist der autoritären, patriachalischen Philosophie des Alten Testamentes geradezu entgegengesetzt, auf Letzterem basiert aber die antiquierte Weltanschauung der Kirchen in entscheidendem Ausmaß. Während bei Jesus ungeachtet metaphysischer Hintergründe und beim guten Willen, nicht jede ßußerung wortwörtlich zu nehmen, ein hohes Maß an diesseitsorientierter Weisheit und Liebe zu konstatieren ist, elaborieren die älteren Schriften, einen eitlen, selbstgefälligen Gott, dessen Allmachtswahn und pure Willkür seine Anhängerschaft terrorisiert. Auf der Grundlage einer solchen Vaterfigur sollen nun wieder unter Mithilfe der Kirchen Kinder erzogen werden, ein Vorhaben, dass nur sträflicher, selbstverschuldeter Ignoranz gegenüber der menschlichen Natur und der einem befürchteten Wertevakuum entgegenzusetzenden Alternativen entspringen kann.

      Weder Glaube noch Atheismus noch Agnostik sind verantwortlich für die charakterliche Ausprägung eines Menschen und sein soziales Verhalten, sondern im besten Fall eine von Liebe und Respekt, Aufmerksamkeit und Orientierung geprägte Begleitung junger Menschen. Ein Rückzug auf eine im alttestametarischen Sinne durchgeführte Erziehung im Namen des Glaubens wird das Gegenteil des vordergründig angestrebten Zieles bewirken, und bestenfalls verkappt asoziale Persönlichkeiten hervorbringen, wie an vielen Vertretern der sogenannten christdemokratischen Partei schön zu beobachten ist. Vordergründig deswegen, weil ganz andere Absichten mehr oder weniger bewusst mitschwingen, nämlich die Herbeiführung der Unmündigkeit von Kindern, oder wahlweise Untertanen. Es liegt im Wesen eines Dogmas, nicht zu hinterfragen, was vom Oberhaupt oder Schöpfer der Glaubensrichtung als unabdingbare Wahrheit verkauft wird. Davon profitierte schon das Dritte Reich, zu dessen Entstehung die an alttestamentarischen Idealen ausgerichtete Schwarze Pädagogik maßgeblich beigetragen hat.

      Wer nun diese Autoritätshörigkeit verinnerlicht hat, wird auch nicht Aufbegehren gegen unsinnige Anweisungen seines Vorgesetzen, womöglich ist er gar nicht in der Lage, diese Unsinnigkeiten überhaupt zu erkennen. Ungerechtigkeiten werden als gottgegeben hingenommen, ßußerungen angeblicher Wirtschaftsweiser nicht bezweifelt, sondern wie erlernt geglaubt. Der tiefere Sinn des Schulterschlusses zwischen Politik, Wirtschaft und Medien, das eine beliebig durch das andere ersetzbar, und den Kirchen ist bei genauerem Hinsehen unverkennbar, der Gleichklang der Interessen lautet Machtanhäufung, Profit und Beherrschung des Mobs. ßbertrieben, wird manch einer sagen, deutlich herausgestellt wäre die Erwiderung. Der Glaube dient als Zuflucht der Massen vor einer immer unsozialeren und scheinbar komplizierteren Welt, als Ablenkung von realen Problemen, Tranquilizer und Antidepressivum, als Kuschelecke für konfirmistisch veranlagte Harmoniejünger, die nur eines auf keinen Fall dürfen: Aufmucken.

      In der Hoffnung, den Blick für die Verderblichkeit der heutigen Entwicklungen geschärft zu haben, verbleibt ein sogenannter schwacher Atheist, der die Existenz metaphysischer Erscheinungen keineswegs rigoros und dogmatisch ausschließt, sondern tiefgründiger Mystik gegenüber aufgeschlossen bleibt, von der die Kirche aber denkbar weit entfernt ist.
  • 24 Antworten
    • Btah1
      Btah1
      Bronze
      Dabei seit: 10.04.2006 Beiträge: 534
      Also ich denke nicht, dass die Kirche im Aufwind ist, nur jetzt fällt halt langsam einigen Menschen mal auf, dass die Kirche immer noch einen recht großen Einfluss hat. Und die Kirche stellt sich halt immer öffentlicher und offensichtlicher als antidemokratisch hin.
      Wobei die ganze Macht die es in Bezug auf Religion in Deutschland gibt sich hauptsächlich auf die Christen konzentriert und zum Teil noch Juden zufällt. Das Moslems in Deutschland (schon) Macht haben wird wohl kaum jemand behaupten.
    • Temar
      Temar
      Bronze
      Dabei seit: 14.07.2006 Beiträge: 536
      Vorab: Ich habe auch nichts mit Religion am Hut, aber ich habe auch nichts gegen die Kirche. Woher kommt dieser unglaubliche Hass von dir?

      Trotzdem möchte ich einige Punkte kommentieren.

      Original von Malone70
      (...) Sie könnte aber wohl mit den Augen die Frage bejahen, ob sie sterben möchte. Vor diese Wahl wird sie aber trotz ihres schon überdeutlich mit aller Entschlossenheit geäußerten Sterbewunsches nicht gestellt, niemand wird diese Verantwortung tragen und ihr zur freien, willentlichen Entscheidung einen Becher mit vermutlich erlösendem Gift vorsetzen, wenigstens nicht solange dieser Akt des Mitgefühls unter schwere Strafe gestellt wird.
      Das ist aber auch gar nicht so einfach. Was, wenn das Mädchen nur in einer depressiven Phase war und später wieder Lust am Leben verspürt? Stephen Hawkins ist doch da ein sehr gutes Beispiel, für jemanden der trotz seiner massiven Behinderung wieder Lust am Leben hat. Wie schaut es aus, wenn das Mädchen nicht durch einen Selbstmordversuch in diese Lage geraten wäre, sondern durch einen Autounfall - was wenn sie Millionen auf dem Konto hat und ihre Verwandten die Lage gerne ausnützen möchten?

      Das Thema Sterbehilfe kann man einfach nicht so leicht lösen.


      Jeder der das liest könnte durch einen Unfall oder Komplikationen bei einer Operation in eine so missliche Lage geraten, dazu verdammt über Jahrzehnte hinweg irgendwohin zu starren, einzig und allein wegen der an Perversion grenzenden Borniertheit politischer Entscheidungsträger, die zu feige und gegenüber dem Leiden der zur Gegenwehr unfähigen Opfer zu indifferent sind, sich mit der kirchlichen Lobby anzulegen.
      Ich glaube, die Problematik wäre die gleiche, selbst wenn es keine Kirche gäbe.


      Willensäußerungen, die auf der Weltanschauung antiker Ziegenhüter beruhen, können und dürfen politisch sowie gesellschaftlich in keinster Weise von Relevanz sein!
      Haben sie auch nicht wirklich. Bei welchen politischen Entscheidungen hat denn die Kirche massgeblichen Einfluss.


      Was zurzeit in diesem und vielen anderen Ländern vor sich geht, grenzt an eine Verhöhnung der Blutopfer dieser Vorkämpfer, denen wir zu verdanken haben, nicht mehr für eine kritische ßußerung oder wissenschaftliche Theorie in den Kerken dahinsiechen, in Folterkammern die Gliedmaßen gebrochen bekommen oder auf dem Scheiterhaufen schmoren zu müssen.
      Die Inquisition hätte genausogut von irgendwelchen durchgeknallten Königen durchgeführt werden können. Sie war eine Form des Machterhaltes. Wenn die Lehre der Kirche durch wissenschaftliche Forschung in Frage gestellt wurde, dann mussten auch die Herrscher der Zeit um ihre Macht fürchten, da sie dann ja u.U. nicht mehr von Gott berufen wären.


      Statt die unabgeschlossene und längst überfällige Säkularisierung weiter voranzutreiben, das verfassungswidrige Konkordat endlich aufzulösen, der Kirche den Steuerhahn abzudrehen, aus dem sie aus jahrhundertealten Verträgen neben der Kirchensteuer weiterhin Milliarden von der Allgemeinheit bezieht
      Die Kirchensteuer wurde durch Adolf Hitler wieder eingeführt. So alt ist das gar nicht. Jeder hat aber die Möglichkeit aus der Kirche auszutreten.


      Kirchenvertreter werden von der Politik hofiert, man profiliert sich an ihrer Seite, glaubt, sich in ihrem Schein als bodenständigerer und seriöser Mensch präsentieren zu können.
      Tja, gäbe es keine gläubigen Wähler, dann würde die Kirche auch nicht hofiert werden. Die Masche, sich dadurch als bodenständig zu präsentieren, zieht nur bei den Gläubigen.


      Paradoxerweise scheint sich diese Assoziation weitgehend durchgesetzt zu haben, und nicht die aufgrund der Fakten und Geschichte naheliegendere Gleichsetzung als windige, skrupellose Spinner.
      Hmm, ich formuliere das Mal um: Die Politik ist seit Jahren von Korruption durchsetzt. Windige, skrupellose Spinner verpulvern Millionen. Schaffen wir doch am besten die Politik ab.

      Was ich damit sagen will ist, dass es immer schwarze Schafe gab und geben wird. Das ganze ist mir einfach zu pauschal.


      Selbst von Agnostikern wird man oft schon schräg angeschaut, wenn man sich kirchenkritisch äußert, und die Freigiebigkeit der Behörden bemängelt, wenn eine Selbsteinladung des Oberhirten mit Millionen atheistischer Steuergelder finanziert wird.
      Jeder Besuch von berühmten Persönlichkeiten kostet den Staat Millionen für Sicherheit. Es gibt einfach Leute, die wollen den Papst sehen und das muss man akzeptieren. Da finde ich, dass die Millionen, die für den Besuch von Georg W. Bush rausgehauen wurden, schlimmer waren.


      Speziell für öffentlich-rechtliche Sender, durch die ganze Gesellschaft zwangsfinanziert, deren kritikfreie Parallelübertragungen mit hemmungsloser Propaganda gleichzusetzen sind, ist dies ein unerhört anmaßender Verstoß gegen den verbrieften Sendeauftrag. Es besteht nichtmal eine Schamschwelle eingedenk unserer wissenschaftlichen Bezeichnung homo sapiens sapiens, einen lachhaften Personenkult zu betreiben. Welchem denkenden Menschen wird nicht übel, wenn die Benedetto-Rufe in ihm widerhallen?
      Habe die ßbertragung nicht gesehen, kann also nix dazu sagen. Mir wird aber auch übel, wenn ich die "Michael Jackson"-Rufe höre. Lass doch den Leuten ihr Idol. Jeder kann nacheifern wem immer er will.


      Bislang war nur von auch für gesellschaftspoltische Laien leicht nachvollziehbaren Kritikpunkten die Rede, sehr viel tiefgreifendere Folgen jedoch zeitigt die Akzeptanz des kirchlichen Dogmas. Die Unterscheidung zwischen kirchlich und christlich ist ganz bewusst gewählt, denn das eigentliche, neutestamentarische Christentum ist der autoritären, patriachalischen Philosophie des Alten Testamentes geradezu entgegengesetzt, auf Letzterem basiert aber die antiquierte Weltanschauung der Kirchen in entscheidendem Ausmaß. Während bei Jesus ungeachtet metaphysischer Hintergründe und beim guten Willen, nicht jede ßußerung wortwörtlich zu nehmen, ein hohes Maß an diesseitsorientierter Weisheit und Liebe zu konstatieren ist, elaborieren die älteren Schriften, einen eitlen, selbstgefälligen Gott, dessen Allmachtswahn und pure Willkür seine Anhängerschaft terrorisiert. Auf der Grundlage einer solchen Vaterfigur sollen nun wieder unter Mithilfe der Kirchen Kinder erzogen werden, ein Vorhaben, dass nur sträflicher, selbstverschuldeter Ignoranz gegenüber der menschlichen Natur und der einem befürchteten Wertevakuum entgegenzusetzenden Alternativen entspringen kann.
      Hmm, bin da nicht so drin in der Thematik, aber ich dachte immer man solle nach den 10 Geboten leben. Wo sagt denn die Kirche, dass man seine Kinder nach dem alten Testament erziehen soll. Die 10 Gebote sind doch ganz allgemeingültige Regeln, wenn man jetzt mal die auf Gott bezogenen weglässt.


      Weder Glaube noch Atheismus noch Agnostik sind verantwortlich für die charakterliche Ausprägung eines Menschen und sein soziales Verhalten, sondern im besten Fall eine von Liebe und Respekt, Aufmerksamkeit und Orientierung geprägte Begleitung junger Menschen. Ein Rückzug auf eine im alttestametarischen Sinne durchgeführte Erziehung im Namen des Glaubens wird das Gegenteil des vordergründig angestrebten Zieles bewirken, und bestenfalls verkappt asoziale Persönlichkeiten hervorbringen, wie an vielen Vertretern der sogenannten christdemokratischen Partei schön zu beobachten ist. Vordergründig deswegen, weil ganz andere Absichten mehr oder weniger bewusst mitschwingen, nämlich die Herbeiführung der Unmündigkeit von Kindern, oder wahlweise Untertanen. Es liegt im Wesen eines Dogmas, nicht zu hinterfragen, was vom Oberhaupt oder Schöpfer der Glaubensrichtung als unabdingbare Wahrheit verkauft wird. Davon profitierte schon das Dritte Reich, zu dessen Entstehung die an alttestamentarischen Idealen ausgerichtete Schwarze Pädagogik maßgeblich beigetragen hat.
      Ohne das jetzt irgendwie belegen zu können, würde ich sagen, dass die meisten Gläubigen ihre Kinder ganz normal erziehen. Ich kenne nicht viele Leute, die sich zum Glauben bekennen, doch die die ich kenne, sind ganz normal. Es gibt sicher ein paar Spinner, aber die gibt's in alle Richtungen. Manche Esoteriker lassen sich auch lieber durch Steine heilen, als durch einen Arzt.


      Wer nun diese Autoritätshörigkeit verinnerlicht hat, wird auch nicht Aufbegehren gegen unsinnige Anweisungen seines Vorgesetzen, womöglich ist er gar nicht in der Lage, diese Unsinnigkeiten überhaupt zu erkennen. Ungerechtigkeiten werden als gottgegeben hingenommen, ßußerungen angeblicher Wirtschaftsweiser nicht bezweifelt, sondern wie erlernt geglaubt. Der tiefere Sinn des Schulterschlusses zwischen Politik, Wirtschaft und Medien, das eine beliebig durch das andere ersetzbar, und den Kirchen ist bei genauerem Hinsehen unverkennbar, der Gleichklang der Interessen lautet Machtanhäufung, Profit und Beherrschung des Mobs. ßbertrieben, wird manch einer sagen, deutlich herausgestellt wäre die Erwiderung. Der Glaube dient als Zuflucht der Massen vor einer immer unsozialeren und scheinbar komplizierteren Welt, als Ablenkung von realen Problemen, Tranquilizer und Antidepressivum, als Kuschelecke für konfirmistisch veranlagte Harmoniejünger, die nur eines auf keinen Fall dürfen: Aufmucken.
      Auch das hat meiner Meinung nach, nichts mit der Kirche zu tun. Das ist eine Frage der Bildung.


      In der Hoffnung, den Blick für die Verderblichkeit der heutigen Entwicklungen geschärft zu haben, verbleibt ein sogenannter schwacher Atheist, der die Existenz metaphysischer Erscheinungen keineswegs rigoros und dogmatisch ausschließt, sondern tiefgründiger Mystik gegenüber aufgeschlossen bleibt, von der die Kirche aber denkbar weit entfernt ist.
      Also ich finde, du projizierst viel zu viel auf die Kirche. Einige deiner Themen sind gesellschaftliche Probleme und haben nur am Rande mit der Kirche zu tun. Lass doch die Kirche Kirche sein.
    • MaxP0W3R
      MaxP0W3R
      Bronze
      Dabei seit: 16.02.2006 Beiträge: 124
      Ich würde Religion verbieten.

      Allerdings ist der Mensch geistig wohl immer noch nicht in der Lage, mit dem Leben eigenverantwortlich klarzukommen, so braucht er einfach eine höhere Instanz, die ihm etwas Verantwortung abnimmt.
    • aetos
      aetos
      Bronze
      Dabei seit: 17.08.2006 Beiträge: 642
      Original von MaxP0W3R
      Ich würde Religion verbieten.
      Aus welchem Grund?
      Weißt du, dass Millionen Gläubige falsch liegen und kannst deine Behauptung auch im Falle eines Verbotsantrages beweisen?

      Ich bin gewiss kein Freund von Menschen, die ohne Vernunft, rein nach ihren Gefühlen Weltbilder annehmen. Ich bin aber ein Feind derer, die Weltbilder ohne vernünftige Argumente ablehnen.
    • Malone70
      Malone70
      Bronze
      Dabei seit: 04.05.2006 Beiträge: 240
      Erstmal danke Temar, für Deine ausführliche Stellungnahme. Aber einerseits, wie bei den Punkten Sterbehilfe und Kirchensteuer ersichtlich, hast Du nicht allzu aufmerksam gelesen. Und andererseits fehlt Dir, was nur zu verständlich ist, ein Gutteil des Backgrounds den ich mir in 20 Jahren Auseinandersetzung mit philosophischen und psychologischen Themen angeeignet habe (daher wohl auch der angebliche Hass ;) ) Wenn Dich solche Themen interessieren, solltest Du Dich vielleicht mal mit Nietzsche, Miller, Sartre, Varela, Zweig u.ä. beschäftigen.
    • homerjaysimpson
      homerjaysimpson
      Bronze
      Dabei seit: 21.04.2006 Beiträge: 3.390
      Mao Tsetung sagt: Relgion ist Opium fürs Volk

      Damit hatte er (das einzige mal) etwas Recht, jedoch ist fraglich wie die Welt ohne Relgion ausschauen würde!

      aber die Relgion ist dient halt auch für viele Menschen als Vorwand andere zu verletzen, sie wird also auch oft missbraucht


      aber gut dass ist halt so eine "was wäre wenn" sache
    • uTz84
      uTz84
      Bronze
      Dabei seit: 20.04.2006 Beiträge: 2.336
      Die Kirche (vor allem die Katholische) hat in der Vergangenheit mehr Unrecht als Gutes getan. Naja und wieso hat wohl jeder Pfarrer eine "Haushaltshilfe".
      Diese Doppelmoral finde ich nicht gerade toll. ^^

      Deswegen bin ich auch aus der Kirche ausgetreten und werde mein Kind auch nicht taufen lassen.

      Ob jemand gläubig ist oder nicht, hat aber für mich jedoch nichts mit der weltlichen Institution des Glaubens zu tun.
    • Faustfan
      Faustfan
      Bronze
      Dabei seit: 19.04.2005 Beiträge: 9.481
      Es gibt vieles, was man an der Kirche kritisieren kann. Ibsbesondere die katholische Kirche vertritt in vielen Fällen eine sehr intollerante Meinung. Bei der evangelischen sieht das schon wieder anders aus.
      Inquisition und Kreuzzüge kann man mit der heutigen Kirche allerdings nicht mehr in verbindung bringen. das waren eher politische, als religiöse verbrechen. solche dinge gibt es auch heute noch überall auf der welt, nur werden sie inzwischen von staaten verübt und nicht mehr von kirchen. früher war beides eben sehr stark miteinander verbunden.

      Religion und Glaube sind etwas absolut positives. früher waren die gebote nichts anderes als die ersten gesetze, viele davon sind heute auch noch selbstverständlich. einige haben sich überholt, aber werden auch kaum beachtet.
      es gibt millionen von menschen, die viel kraft aus ihrem glauben ziehen und im namen ihres glaubens viel gutes tun. eine jede religion predigt in ihrem kern liebe und hilfsbereitschaft. selbst die bibel halte ich für ein sinnvolles buch, wenn man dem neuen testament mehr glaubt, als dem alten. Jesus ist das idealbild eines menschen. Hilfsbereit und tolerant. Ein Mittelpunkt des christlichen Glaubens ist Vergebung. Ich kann am christlichen Glauben nichts negatives entdecken.

      natürlich gibt es leute, die homosexualität für böse halten, aber das darf man nicht dem glauben anlasten. die kirche weigert sich, diese haltung aufzugeben, da sie sonst viele ihrer treuesten anhänger verärgern würde. das ist ein rein machtpolitisches problem und wäre bei einer partei nicht anders. Zu Abtreibung kann man stehen, wie man will. Ich halte sie für mord, aber das ist eine definitionssache.

      Das wichtigste im zwischenmenschlichen umgang sollte toleranz sein. und ich kenne keine tolerantere lehre als die, die im Neuen Testament gepredigt wird. Was die katholische Kirche bisweilen tut, ist etwas völlig anderes.
    • Temar
      Temar
      Bronze
      Dabei seit: 14.07.2006 Beiträge: 536
      Original von Malone70
      Aber einerseits, wie bei den Punkten Sterbehilfe und Kirchensteuer ersichtlich, hast Du nicht allzu aufmerksam gelesen.
      Habe mir das mit der Sterbehilfe und der Kirchensteuer nochmal durchgelesen. Bei der Sterbehilfe bleibe ich definitiv bei meiner Meinung. Die Problematik wäre die gleiche, auch ohne Kirche. Das ganze ist eine Frage der allgemeinen Ethik und hat nur am Rande etwas mit der Kirche zu tun. Die Kirche hat einfach eine Meinung zu diesem Thema, wie vermutlich fast jeder Mensch.

      Den Abschnitt mit der Kirchensteuer musst du nochmal genauer aufschlüsseln. Auf welche Weise genau erhält denn die Kirche Milliarden, abgesehen von der Kirchensteuer, die ja freiwillig ist.


      Und andererseits fehlt Dir, was nur zu verständlich ist, ein Gutteil des Backgrounds den ich mir in 20 Jahren Auseinandersetzung mit philosophischen und psychologischen Themen angeeignet habe (daher wohl auch der angebliche Hass ;) )
      Warum gehst du dann nicht auf meine Anmerkungen ein? Ich lasse mich gerne eines besseren belehren.


      Wenn Dich solche Themen interessieren, solltest Du Dich vielleicht mal mit Nietzsche, Miller, Sartre, Varela, Zweig u.ä. beschäftigen.
      Soweit geht mein Interesse dann auch wieder nicht :-) Habe an der Uni mal ein Semester Philosophie belegt, war mir allerdings alles zu "WischiWaschi". Wir sassen immer in einem grossen Kreis und haben das aktuelle Werk besprochen. Da aber alle Autoren schon längst tot waren, ging es immer so: "Er könnte dies gemeint haben, aber er könnte auch das gemeint haben." Jede Antwort die jemand gegeben hat - war sie auch noch so schwachsinnig - konnte nicht negiert werden.

      Hab's dann wieder sein lassen mit der Philosophie. ;-)

      Viele Grüsse,
      Alex
    • uTz84
      uTz84
      Bronze
      Dabei seit: 20.04.2006 Beiträge: 2.336
      Original von Faustfan
      Es gibt vieles, was man an der Kirche kritisieren kann. Ibsbesondere die katholische Kirche vertritt in vielen Fällen eine sehr intollerante Meinung. Bei der evangelischen sieht das schon wieder anders aus.
      Inquisition und Kreuzzüge kann man mit der heutigen Kirche allerdings nicht mehr in verbindung bringen. das waren eher politische, als religiöse verbrechen. solche dinge gibt es auch heute noch überall auf der welt, nur werden sie inzwischen von staaten verübt und nicht mehr von kirchen. früher war beides eben sehr stark miteinander verbunden.
      Ja bei der evangelischen Kirche kann ich dir nur zustimmen. Ich sprach aber nicht von den Kreuzügen, sondern vom 2ten Weltkrieg. Schließlich hätte die NSDAP ohne die Kirchenpartei Centrum nicht die Verfassung ändern können, da dafür die 2/3 Mehrheit benötigt wurde.
    • Boku
      Boku
      Bronze
      Dabei seit: 29.01.2006 Beiträge: 2.358
      Ein gutes Beispiel für den wiedererwachenden Einfluss der Kirche ist doch in Amerika vorzufinden. Da wird nämlich einfach mal die Evolutionstheorie aus den Schulen verbannt, und es wird überall gelehrt dass Gott, wie in der Schöpfungsgeschichte, alles erschaffen hat.


      Und Gott sprach es werde Licht - doch er fand den Schalter nicht :rolleyes:
    • Btah1
      Btah1
      Bronze
      Dabei seit: 10.04.2006 Beiträge: 534
      @Faustfan, sicher das Prinzip der meisten Religionen ist etwas positives, jedoch ist es im Endeffekt das gleiche wie zB bei Staatsformen. In der Theorie ist das immer alles sehr gut für die Menschen, doch in der Praxis wird alles durch Egoismus, Machtgier und andere Dinge korrumpiert.
      Und ob man so Dinge wie die Inquisition nicht mehr der Kirche anlasten kann, da bin ich mir auch nicht so sicher. Wenn ich zB an Bootcamps für Homos (die halt im Prinzip denen für Verbrecher sehr ähneln) denke oder ähnliches. Was aber fast noch das schlimmste ist, wenn man das bisherige Handeln der Kirche betrachtet, muss man ja eigentlich auch davon ausgehen, dass es noch sehr lange so bleibt...denn schließlich zeigt ja immer wieder deutlich nach aussen, dass sie sich nicht ändert.
    • Tezet
      Tezet
      Bronze
      Dabei seit: 18.07.2006 Beiträge: 2.428
      Im Bezug auf den ersten Beitrag:

      Ich denke durchaus, dass die Religion bei uns einen Aufschwung genießt. Das hat zwei Gründe. Einerseits der deutsche Papst, durch welchen die katholische Kirche bei uns häufiger in den Medien ist. Andererseits die Globalisierung. Mit der asiatischen Kultur schwappt natürlich auch die Religion zu uns. Besonders Buddhismus und Taoismus erwecken großes Interesse, weil sie zum Christentum alternative Konzepte haben.

      Ich vermute allerdings, dass das Christentum bald wieder zurückstecken muss. Wenn Benedikt abtreten muss, und die alte Generation aus der Nachkriegszeit langsam von der Welt verschwindet, dann wird auch die Kirche härtere Zeiten erleben.
    • Metzga25
      Metzga25
      Bronze
      Dabei seit: 30.01.2006 Beiträge: 8.197
      Original von homerjaysimpson
      Mao Tsetung sagt: Relgion ist Opium fürs Volk

      Damit hatte er (das einzige mal) etwas Recht, jedoch ist fraglich wie die Welt ohne Relgion ausschauen würde!

      aber die Relgion ist dient halt auch für viele Menschen als Vorwand andere zu verletzen, sie wird also auch oft missbraucht


      aber gut dass ist halt so eine "was wäre wenn" sache

      Original stammt der Satz von Karl Marx


      Achja und ich komme aus Altötting. ISt schon gigantisch was in den letzten Wochen hier abging und was für ein Hype um den Papst entstanden ist. (Teilweise gings ab wie bei der Fussball WM: Leute fahren mit Papstfahnen am Auto durch die Gegend usw)
    • Dustwalker
      Dustwalker
      Bronze
      Dabei seit: 29.07.2006 Beiträge: 5.541
      Original von Boku
      Ein gutes Beispiel für den wiedererwachenden Einfluss der Kirche ist doch in Amerika vorzufinden. Da wird nämlich einfach mal die Evolutionstheorie aus den Schulen verbannt, und es wird überall gelehrt dass Gott, wie in der Schöpfungsgeschichte, alles erschaffen hat.


      Und Gott sprach es werde Licht - doch er fand den Schalter nicht :rolleyes:
      ßhm... nein.


      @Topic: Soll jeder doch machen was er will - dumme Menschen brauchen für dumme Endscheidungen keine Religionen.
    • creedence
      creedence
      Bronze
      Dabei seit: 18.08.2006 Beiträge: 204
      1. Gehört das nicht zu Philosophie (Hab aber höchstens ein Viertel gelesen:)
      2. Ist dir sehr langweilig ?
      3. Wird sie nach dem Tod noch in die Hölle kommen (Selbstmordversuch).
      4. Ich schreibe Dünnsinn, mir ist auch langweilig...
    • Goaranga
      Goaranga
      Bronze
      Dabei seit: 02.02.2006 Beiträge: 1.666
      Allein die Tatsache, dass die Kirche als Institution schon fast 2000 Jahre existiert, verlangt mir Bewunderung ab. Glaube hin, Glaube her. So dürfte diese "ach so grausame, ignorante, vermottete, bornierte u.ä" Institution doch zweckdienlich für die Gesellschaft sein.
    • Tezet
      Tezet
      Bronze
      Dabei seit: 18.07.2006 Beiträge: 2.428
      Ne. Zweckdienlich ist eigentlich nur der Glauben an sich. Die Kirche als Institution ist nur das lästige Anhängsel des Glaubens. Etwa wie der Grotzen beim Apfel. Keiner braucht ihn, aber er ist nunmal da. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass diese Institution bis vor wenigen Jahrhunderten vorwiegend durch Herrschen, Jagen, Morden und Geld kassieren auffällig geworden ist.
    • GaBOwneD
      GaBOwneD
      Silber
      Dabei seit: 17.03.2005 Beiträge: 426
      Original von Dustwalker
      Original von Boku
      Ein gutes Beispiel für den wiedererwachenden Einfluss der Kirche ist doch in Amerika vorzufinden. Da wird nämlich einfach mal die Evolutionstheorie aus den Schulen verbannt, und es wird überall gelehrt dass Gott, wie in der Schöpfungsgeschichte, alles erschaffen hat.


      Und Gott sprach es werde Licht - doch er fand den Schalter nicht :rolleyes:
      ßhm... nein.


      @Topic: Soll jeder doch machen was er will - dumme Menschen brauchen für dumme Endscheidungen keine Religionen.
      ßhm... doch.

      2000 jahre...schön und gut, aber wie hat sie sich behaupten können? morden anders denkender, aufhaltung des fortschritts (was ihr letztlich zum glück nicht gelungen is, wo wären wir heute sonst) sowie die konsequente unterdrückung der frau......ahja.
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