Ich versuche atm das Gigabet Dilemma zu verstehen. Dabei bin ich auf Gigabets Theory of Stacksizes gestoßen. Hier

Dazu gab es eine interessante Diskussion zwischen Korn und anderen im Feedbackthread zu dem PSde Gigabet Artikel Hier(Der btw nicht einfach eine Übersetzung eines 2+2 Artikels ist, sondern eine eigenständige Aufarbeitung des Themas, die wesentlich klarer und verständlicher ist, als Gigabets eigene Erklärungen). Hier taucht unter anderem die Frage auf, was es mir für mein Spiel bringt, die strategischen implikationen bestimmter Stackkonstellationen zu kennen. Ob ich links oder rechts neben dem Bigstack sitze liegt doch jenseits meines Einflussbereiches.

Gigabet sieht das anders, er ist der Meinung, dass er durch bestimmte Spielzüge, die oft riskant und unsinnig erscheinen, die Stackordnung am Tisch so umgruppieren kann, dass er eine für ihn ideale Konstellation schafft. In dieser Konstellation ist laut Gigabet seine Gewinnwahrscheinlichkeit wesentlich höher, als ICM es errechnet.

ICM errechnet die Gewinnwahrscheinlichkeit ja, indem es die Anzahl der Gesamtchips durch die Anzahl von Heros Chips teilt.

Ein Isolation Push mit einer marginalen Hand kann laut ICM daher -EV sein, da die $Equity bei einem Fold höher ist, wie bei einem Push. Wenn man aber annimt, dass bei einem Gewinn der Chips eines Spielers die $Equity wesentlich höher ist, als eigene Chips geteilt durch Gesamtchips, da man in eine Stackkonstellation gerät, die für einen selbst optimal ist, dann können Spielzüge, die nach ICM -EV sind in Wahrheit +EV sein.

Z.B ein Isolation Push mit einer marginalen Hand kann daher, wenn man Stackkonstellationen und deren strategische Implikationen berücksichtigt entgegen dem ersten Anschein +EV sein.

Nicht nur ist unsere Equity manchmal höher, wenn wir uns in einer optimalen strategischen Konstellation befinden, unsere Equity ist manchmal auch geringer, wenn wir uns in einer suboptimalen strategischen Konstellation befinden.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das:

Blinds: 150/300

MP3 Tucker 2000
CO Sucker3000
BU Hero 3000
SB Lucker 5000
BB Racker 5000

Angenommen wir analysieren diese Situation wie folgt: Wir können First In ca. 20% unserer Hände pushen. Sucker wird SB vs. BB any2 shoven. Tucker wird sehr loose gegen uns shoven. Racker und Lucker werden häufig gegen uns survivalists stealen und vom BU und SB können wir nicht allzuloose stealen, da die Bigstacks uns sehr loose callen können.

Wenn wir mit diesem Stack an die Bubble kommen verschlimmert sich das ganze noch.

In dieser Situation ist unsere Equity nicht gleich 23000/3000. Sie dürfte um einiges geringer ausfallen (Es ist schwer hier genaue Angaben zu Heros tatsächlicher Equity zu machen, aber intuitiv dürfte klar sein, was gemeint ist).

Nehmen wir nun an, wir halten 77 und Co pusht. Laut Nash dürfen wir hier nur mit 99+ callen.

Wenn wir aber nun annehmen, dass sich unsere Gewinnwahrscheinlichkeit erheblich steigert, wenn wir gegen CO verdoppeln + die Annahme, dass unsere momentane Equity geringer ist, als die von ICM berechnete, dann können wir dennoch callen.

Wenn wir davon ausgehen, dass wir mit 6000 Chips als CL ordentlich stealen können, weil die anderen nur sehr tight callen, dann sieht man, warum das unsere Equity erhöt (Auch hier ist es wieder schwierig genaue mathematische Angaben zu machen).

Das Beispiel zeigt, dass bestimmte Spielzüge, die nach ICM -EV sind in Wahrheit +EV sind. In diesem Beispiel dient der push mit 77 dazu uns aus einer misslichen strategischen Lage zu befreien und in eine überaus vorteilhafte Lage zu manövrieren.

Oft taucht die Frage auf, ab welchem Limit dieses Konzept anwenbar sei. Die Antwort ist genauso einfach wie schwer.

Dieses Konzept ist prinzipiell auf jedem Limit anwendbar, es kommt immer auf die jeweiligen Gegner an.

Wenn unsere Gegner allerdings Callingstations sind und viel zu loose callen, ist der Call in unserem obigen Beispiel wohl -EV. Denn wir sind nicht wirklich in der Lage mit den gewonnenen Chips etwas anzufangen, da wir nicht wirklcih loose stealen können.

Ich weiß, dass dies nach Gigabet gar nicht die optimale Stackkonstellation ist. Aber das Beispiel ist trotzdem recht einleuchtend finde ich, da es zeigt, dass ein Zug, der nach klassischem ICM -EV ist, durch einbeziehung zukünftiger Situationen doch +EV sein kann.