Blowjob über den Wolken

    • zomtec
      zomtec
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      Düsseldorf. Der Chef der Billigfluggesellschaft Ryanair, Michael O'Leary, gab am Düsseldorfer Flughafen eine Show besonderer Art zum besten: Der Ire kündigt ein Transatlantik-Angebot für zehn Euro an - und eines mit Sex inklusive.

      Michael O'Leary kommt zu spät zur Pressekonferenz in den Raum Mallorca im ersten Stock des neuen Maritim-Hotels am Düsseldorfer Flughafen. "Entschuldigung, wir haben uns im Raum Peking verlaufen", sagt der 47-jährige Vorstandschef von Europas größter Billigfluglinie Ryanair und lächelt verschmitzt in die anwesende Gesellschaft. Schnell richtet er noch eine Werbetafel und setzt sich dann ans Rednerpult. Seine blaue Fliegerjacke, mit italienischer Nationalflagge auf dem linken Ärmel, zieht er erst gar nicht aus. Am gestrigen Vormittag geht es um Minuten. Schlimm genug offenbar, dass O'Leary erst um 11.02 Uhr eintrifft, verlorene zwei Minuten, die er wieder aufholen will.

      O'Leary tourt durch Deutschland, an einem Vormittag. Industrie- und Handelskammer Bremen, 8.45 Uhr, Flughafen Düsseldorf, 11 Uhr, Parkhotel Frankfurt 13.30 Uhr. O'Leary fliegt die Strecken mit seinem Privatjet, weil die in Europa so präsente Ryanair ausgerechnet jene Strecken nicht abdeckt. Öffentliche Auftritte liebt der irische Milliardär, der nahe Dublin wohnt. Dann hat er seine Bühne, dann hören sie ihm zu und warten auf Provokationen, Skandälchen und mehr. O'Leary ist bekannt für seine Extravaganzen. Mal klemmt er sich vor laufenden Kameras ein Modellflugzeug in den Schritt, mal verhöhnt er die Konkurrenten. Vor zwei Jahren kündigte er an, die britische Regierung auf Schadenersatz zu verklagen, wenn diese die verschärften Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen nicht binnen sieben Tagen zurücknimmt. Verklagt hat er sie natürlich nie.

      O'Leary versteht sein Handwerk. Mit solchen Aktionen bringt er sich und vor allem seine Fluglinie immer wieder ins Gespräch. Freilich arbeitet er dabei nicht immer mit sauberen Mitteln. Gestern, bei der Vorstellung neuer Zahlen für den Flughafen Weeze am Niederrhein und die anderen beiden Flughäfen Bremen und Frankfurt Hahn, die Ryanair in Deutschland anfliegt, haut der Pressesprecher zu seiner Rechten Zahlen und Fakten im Stakkato heraus. Statistisch belegt ist dabei wenig. Dass Ryanair, die „grünste und sauberste Fluglinie Europas“ ist, wird schnell dahergesagt. Ebenso, dass es niemals einen Kerosinzuschlag bei Ryanair geben wird. Rekordgewinne, extremer Zuwachs an Passagieren, neue Flughäfen im Visier.

      All diese Begriffe lässt O'Leary schließlich selbst über seine Stimmgabel gleiten, bevor er zum Frontalangriff gegen Wettbewerber übergeht. Schmähungen seiner Konkurrenten auf dem deutschen Markt inklusive: Air Berlin etwa sagt O'Leary in der ihm eigenen provokanten Art mal eben das Aus in drei bis vier Jahren voraus. In Europa werde es einen Konzentrationsprozess geben, in dem nur vier Fluggesellschaften übrig bleiben: "Lufthansa, Air France, British Airways und wir", sagt O'Leary.

      Dann schließlich kommt es zum Höhepunkt auf der kurzweiligen Veranstaltung. Es geht um Spekulationen, wonach O'Leary bald auch Langstreckenflüge in sein Angebot aufnehmen will. Als er danach gefragt wird, sagt er, er plane die Gründung einer eigenen Fluggesellschaft für Langstreckenflüge in die USA. Auf diesen Flügen könnten Passagiere zwei unterschiedliche Klassen buchen. "In der Economy-Klasse kommen sie für zehn Euro über den Atlantik." In der Business-Klasse kündigt er einen ganz besonderen Service an. „Da wird es dann noch „Betten und Blowjobs“ extra für die Fluggäste geben. Sogar die Pressesprecherin zu seiner Linken verschluckt sich beinahe, wollte sie doch gerade am Wasserglas nippen. Diese Flüge würden inklusive Sex zwischen 4000 und 5000 Euro kosten, sagt O'Leary.

      Da ist er wieder, der Rambo der Lüfte.Während es den Anwesenden im Raum Mallorca kurz die Sprache verschlägt, denkt O'Leary sogar laut über eine geeignete Übersetzung für den englischen Begriff nach, der gemeinhin für Oralsex steht. "Das gibt es doch nicht, habt ihr in Deutschland kein Wort für Blowjob", sagt O'Leary mit breitem Grinsen.

      Und wieder hat der Ire seinem Ruf als Flegel der internationalen Flugbranche alle Ehre gemacht. Dann geht alles ganz schnell, noch ein paar Nachfragen zum hohen Ölpreis und zum niedrigen Aktienkurs, ein Extra-Interview fürs Fernsehen und schon entschwindet O'Leary wieder durch die Tür. In Frankfurt will er schließlich pünktlich ankommen.Auch da warten sie schon auf flotte Sprüche und kleine Skandale.

      Quelle: http://www.derwesten.de/nachrichten/waz/2008/6/17/news-56224368/detail.html
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