Dollar und sein langsames Sterben

    • carinio
      carinio
      Bronze
      Dabei seit: 21.03.2005 Beiträge: 60
      Super Artikel aus einer Spiegelserie von Gabor Steingart:
      -> regt sehr zum Nachdenken an - vor allem wenn man selbst immer mehr in Dollar investiert! Jeder von uns hält seine BR in Dollar...
      Viel Spaß:-)

      WELTWßHRUNG AUF ABRUF
      Brandgefährliches Spiel mit dem Dollar

      Von Gabor Steingart

      Noch immer ist der Dollar die Reservewährung der Welt, doch er verdient diese Rolle schon heute nicht mehr. Sein Sturz lässt sich nur verzögern, nicht verhindern. Die Folge könnte eine globale Wirtschaftskrise sein.

      Zwei Dinge sind es vor allem, die sich jeder Geldanleger wünscht: hohe Rendite und hohe Sicherheit. Weil beides zusammen niemals zu haben ist, sind die Investoren von Haus aus Zeitgenossen mit schwankendem Gemütszustand. Angst und Gier wechseln einander ab, wobei die großen Geldanleger, zum Beispiel Konzerne und Staaten, die Sicherheit eindeutig bevorzugen. Ihre Angst ist größer als ihre Gier. Sie verzichten freiwillig auf den ganz großen Profit, wenn nur die Haltbarkeit ihrer Milliarden gesichert ist. Sie fürchten politische Unruhen, sie hassen allzu heftige Währungsschwankungen und schon der Gedanke an eine schleichende Geldentwertung kann sie in Panikstimmung versetzen.


      100-Dollar-Scheine: Kauf eines Konservierungsmittels
      Es gibt nur wenige Länder, die angesichts dieser Gefahren eine größtmögliche relative Sicherheit bieten: die USA und die Schweiz. Deshalb ist der Dollar nicht nur Handels- und Anlagewährung, er ist vor allem auch die Reservewährung der Welt. Fast alle Staaten misstrauen ihrer eigenen Währung und legen das Geld aus dem Tresorraum ihrer nationalen Notenbank lieber in den Vereinigten Staaten an, in Schuldverschreibungen, Aktien oder Staatsanleihen.

      Politische Unruhen sind dort so gut wie ausgeschlossen. Die Inflation wird von der Notenbank bekämpft. Die Spekulanten können angesichts der Größe des Währungsgebiets und der Menge an weltweit zirkulierenden Dollars keine Purzelbäume schlagen.

      Also kaufen die weltweiten Geldbesitzer die US-Währung in rauen Mengen. Die USA besitzen nahezu ein Monopol auf die Ware Sicherheit. Der Erwerb einer US-Staatsanleihe ist für viele Investoren nichts anderes als der Kauf eines Konservierungsmittels. Weltweit wurden 2005 nur 20 Prozent aller Devisenreserven in Euro, aber über 60 Prozent in Dollar gehalten. Die Euro-Einführung war ein beachtlicher Erfolg, der hier nicht geschmälert werden soll. Aber der Dollar ist die Ankerwährung der Welt geblieben. Liegt dieser Anker auf Grund, bedeutet das große Stabilität für die angeschlossenen Volkswirtschaften. Reißt er sich los und beginnt im Meer der Weltfinanzen zu treiben, gerät mehr in Unordnung als nur das Austauschverhältnis von Währungen.

      Man kauft den Dollar, um ihn nicht verkaufen zu müssen.

      Aber warum sind dieselben Kaufleute, die früher Waren gekauft haben, nun derart närrisch auf Dollarscheine? Wieso vertrauen sie auf die Ware Sicherheit, die nicht beliebig vermehrbar ist? Jeder Student der Volkswirtschaft lernt doch, dass die Währung eines Landes nur so stabil und damit so wertvoll ist wie das, was die Volkswirtschaft dieses Landes zu bieten hat und produziert. Sieht und fühlt denn keiner, dass sich da eine Spannung aufbaut zwischen dem Traum und der Realität, die sich eines Tages zum Schaden von Millionen Menschen entladen wird?


      Und ob das gesehen wird! Die Investoren sehen es, sie staunen, sie schütteln den Kopf, es fröstelt sie sogar, aber: Sie kaufen weiter Dollar. Wie die Besessenen tun sie es. Je größer der Zweifel, desto gieriger ordern sie nach. Denn das Verrückte an diesen Investoren und ihrem Geschäftsgebaren ist eben das: Der Käufer ist nicht nur Käufer. Indem er das Produkt Sicherheit kauft, erzeugt er es. Hört er morgen mit dem Kaufen auf, schmilzt das Vertrauen und die Unsicherheit wächst. Der Traum wäre ausgeträumt, der Dollar geriete ins Trudeln und alle bisherigen Dollarreichtümer würden an Wert verlieren, was der Investor natürlich nicht will.

      Das einzige Mittel gegen eine Dollarschwäche ist daher seine Stärkung. Es spielt für viele bereits keine Rolle mehr, ob die amerikanische Währung das Vertrauen noch rechtfertigt oder nicht. Das neue, für alle brandgefährliche Spiel funktioniert genau anders herum: Der Dollar verdient das Vertrauen, weil er es sonst verliert. Man kauft ihn, um ihn nicht verkaufen zu müssen. Der Dollar ist stark, weil nur das gegen seine Schwäche hilft. Es wird mit großer Beharrlichkeit gegen die Realität angeträumt und angekauft, weil das tatsächlich den Traum für einige Zeit zur Realität werden lässt. Oder noch deutlicher gesagt: Jeder verhält sich dadurch rational, indem er sich irrational verhält.

      Alle wissen um die Gefährlichkeit

      Natürlich wissen die Teilnehmer des Spiels, dass Währungen auf Dauer nicht stärker sein können als die ihnen zugrunde liegenden Volkswirtschaften. Konsum ohne Produktion, Import ohne Export, Wachstum auf Kredit, das alles kann es dauerhaft nur im Jenseits geben, im hiesigen Leben wird es keinen Bestand haben. Es war der ehemalige IMF-Chefökonom Ken Rogoff, ein Mann mit klarem Kopf und losem Mundwerk, der die US-Politik kürzlich lobte, um sie in Wahrheit zu kritisieren: Der Aufschwung in den USA sei "der beste Aufschwung, den man für Geld kaufen kann".

      Aber wenn die Dinge derart offensichtlich sind, warum zucken die Investoren dann nicht zurück? Warum lassen sich Ausländer und US-Präsidenten verschiedenster Couleur, ja selbst die für ihre Seriosität bekannten Notenbankgoverneure auf ein so riskantes Spiel ein, das am Ende alles verbrennen kann? Wieso greifen nicht jene Mechanismen der Marktkontrolle, die doch gerade die kapitalistischen Systeme gegenüber den Plansystemen auszeichnen sollten?

      Die Antwort ist erschreckend einfach: Alle wissen um die Gefährlichkeit des Spiels, aber es scheint ihnen weniger gefährlich es das Weiterzuspielen, als auszusteigen. Denn was haben sie von einer allzu hektischen Reaktion zu erwarten? Die Investoren sind vor Jahren schon in die Dollarfalle getappt, aus der es kein einfaches Entrinnen gibt. Beginnen sie selbst damit, ihre Banknoten und Staatsanleihen auf den Markt zu werfen, verlieren sie ihr Geld, tröpfchenweise oder in einem Rutsch. Beides würden sie gern vermeiden, und sei es nur für eine Weile. Der Präsident, der die Situation auch nur als Thema anerkennt, verliert womöglich sein Amt, weil der Unmut der Regierten sich ein Ventil suchen wird. Die Notenbankgouverneure, obwohl noch am ehesten der Wahrheit verpflichtet, haben den Zeitpunkt zur Intervention verpasst.

      Warten auf ein Signal zur Trendumkehr

      Der legendäre Notenbankpräsident Alan Greenspan tat vieles, die Dollarillusion zu nähren. Wann immer die Zweifel sich verstärkten, erhöhte er den Zins, der immer auch eine Risikoprämie für die Anleger ist. Wurden Zweifel an der Nachhaltigkeit des Wirtschaftswachstums laut, steuerte der große Nuschler, der die Finanzwelt sonst so gern im Unklaren hält, mit erstaunlicher Präzision dagegen. "Unterm Strich scheint der Sektor der Privathaushalte in guter Verfassung", sagte er zuletzt im Oktober 2004. Die Manager der Weltfinanzmärkte verehren ihn vor allem deshalb, weil er ihren Traum um Jahre verlängert hat.


      Sein Nachfolger hat keine andere Chance, als diesen Kurs fortzusetzen. Er weiß, dass es in seiner Position keine folgenfreien Ratschläge gibt. Wenn er vor einer Schieflage warnt, ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit im selben Moment schon eingetreten. Selbst wenn er leise Worte findet, den Umstand zu umschreiben, wird der Finanzmarkt ihn sehr genau verstehen. Alle warten ja nur auf ein Signal zur Trendumkehr, das sie nicht erhoffen, aber vor allem nicht verpassen dürfen.

      Nun ließe sich mit Fug und Recht einwenden, dass die Finanzmärkte normalerweise nicht dem Wollen der Politik gehorchen. Warum also erfolgt nicht mit Hilfe der Selbstregulierung eine Korrektur dieses teuflischen Treibens? Wer oder was hindert die Finanzinvestoren, mit dem Dollar ähnlich zu verfahren wie mit den Aktien der New Economy?

      Sie werden es tun. Die Frage ist nur wann. Die Finanzinvestoren sind keine Finanzbeamten. Sie lieben den Exzess, in immer wiederkehrenden Abständen bringen sie die Märkte zum ßberschießen. Sie sind nun mal von Berufs wegen Spekulanten, die mit dem Risiko der ßbertreibung leben. Ihre Berufseinstellung ähnelt der von Formel-1-Piloten, deren Ziel der Sieg und nicht das unfallfreie Fahren ist. Unklar ist nur noch, mit welcher Wucht das Großereignis eintritt. Oft schon haben Experten die Folgen einer Dollarschmelze durchgespielt. Setzte der Abwärtstrend ein, würden in Stufen steigende Kreditzinsen folgen, um den Wertverlust zu stoppen. Die Dollarkrise würde dadurch binnen weniger Tage aus der Welt der Währungen in die reale Welt der Fabriken, Geschäfte und Haushaltskassen überspringen.

      Private Investitionen von Groß und Klein sind bei steigenden Zinsen weniger rentierlich, die Menschen würden sparen, die Wirtschaft stottern, bevor sie schließlich zu schrumpfen beginnt. Die ersten Massenentlassungen wären zu beklagen. Der Konsum der Amerikaner müsste erneut drastisch zurückgefahren werden, weil nun Arbeitslosigkeit und Pleitewellen das Land erschütterten würden. Millionen Haushalte könnten ihre Bankkredite nicht mehr bedienen. Nun würden auch die Immobilienpreise und die Aktiennotierungen sinken, die jahrelang überhöht waren und als Beleihungsgrundlage für Konsumkredite genutzt wurden. Platzt die Immobilienblase, sackt unweigerlich auch der Konsum weiter in sich zusammen, der Importsog würde zum Rinnsal, womit nun auch die Lieferländer in Schwierigkeiten gerieten. Es wäre nur noch eine Frage von Tagen, bis in den Zeitungen ein vor Jahrzehnten untergegangenes Wort wieder auftauchte: Weltwirtschaftskrise.

      Der Riese wird gedopt

      Schon einmal rutschte erst Amerika und dann die übrige Welt in eine tiefe Krise. Sie wurde "Die Große Depression" genannt, weil sie zehn Jahre dauerte und den USA Massenarbeitslosigkeit und Hungertote brachte. Die Wirtschaftskraft des Landes sank um rund ein Drittel. Der Krisenvirus wütete schließlich überall im Westen. In Deutschland waren auf dem Höhepunkt der Fieberkurve sechs Millionen Menschen arbeitslos.

      Die heutigen Investoren leben in einem Zwiespalt, um den sie nicht zu beneiden sind. Sie sehen die relative Schwäche der US-ßkonomie und registrieren die tektonische Verschiebung in der Weltwirtschaft. Sie wissen, dass mit großem statistischem Aufwand versucht wird, den amerikanischen Traum in die Zukunft zu verlängern. So melden die Regierungsstatistiker seit längerem sensationelle Produktivitätserfolge der US-ßkonomie, die seltsamerweise seit Jahren zu keiner Lohnerhöhung führen. Das allerdings ist mehr als merkwürdig: Entweder kassiert die Kapitalseite die Früchte der gestiegenen Produktivität ganz alleine, was selbst im Kernland des Kapitalismus ein Politikum wäre. Oder es gibt diese Produktivitätsfortschritte nur in der Statistik, wofür vieles spricht.

      Die halbe Welt staunt über die niedrige Arbeitslosigkeit in den USA. Die andere Hälfte der Welt weiß, dass diese Statistik keine amtliche Statistik ist, sondern das Ergebnis einer freiwilligen Telefonumfrage. Viele derer, die sich als Beschäftigte ausgeben, sind Handlanger und Tagelöhner. Wer auch nur eine Stunde pro Woche arbeitet, wird als "Beschäftigter" geführt. Da es als unsozial gilt, sich arbeitslos zu bekennen, sagt die amerikanische Statistik womöglich mehr über die geltenden Normen der amerikanischen Gesellschaft als über ihre tatsächliche Verfassung.

      Auch den hohen Wachstumsraten der Vereinigten Staaten ist nicht so ohne weiteres zu trauen. Sie sind auch eine Folge der hohen privaten und staatlichen Schuldenaufnahme. Sie zeigen keineswegs einen aus eigener Kraft gesteigerten Ausstoß an heimischen Waren und Dienstleistungen, erinnern vielmehr an die Verkaufserfolge von Asiaten und Europäern. Allein die Neuverschuldung der Regierung war 2001 für ein Drittel des Wirtschaftswachstums verantwortlich, 2003 für ein Viertel. Der Wirtschaftsriese USA wird gedopt, damit sein Leistungsabfall nicht so auffällt.

      Gottvertrauen, an den Märkten gemessen

      Für die Investoren auf den Kapitalmärkten ist eine Wirklichkeit erst dann eine Wirklichkeit, wenn die Mehrzahl der Anleger davon überzeugt ist - und sich entsprechend verhält. Derzeit belauert jeder den anderen. Alle wissen: Der Traum von der stabilen Wirtschaftssupermacht ist eigentlich ausgeträumt, aber alle halten die Augen noch eine Weile geschlossen.

      Staatsanleihen und Aktien besitzen nun einmal keinen objektiven Wert, nichts was man sehen, wiegen, schmecken oder auch nur verspeisen könnte. Ihr Wert bemisst sich an dem Gottvertrauen der Investoren, dass die Kaufkraft von einer Million Dollar auch in zehn Jahren noch eine Million Dollar beträgt und sich nicht in der Zwischenzeit halbiert hat. Dieses Gottvertrauen wird nahezu im Sekundentakt an den Märkten gemessen und die Maßeinheit ist nichts anderes als das Vertrauen anderer Investoren. Solange es mehr Vertrauensselige als Misstrauische gibt, ist die Welt des Dollars (und der Weltwirtschaft) in Ordnung. Die Probleme beginnen an dem Tag, an dem das Verhältnis kippt.

      Kompliziert wird der Vorgang dadurch, dass es keineswegs blindes Vertrauen ist, das die Anleger treibt. Es sind scheinbar zum Teil harte Fakten, die sie darin bestärken, ihren Vertrauensbonus weiterhin zu gewähren. Das Wirtschaftswachstum der USA, auf dem Papier robust und imponierend Jahr um Jahr, ist für sie eine wichtige Kennziffer. Fällt es hoch aus, fühlen sie sich in ihrem Vertrauen in die Leistungskraft der amerikanischen Volkswirtschaft bestärkt. Zwar ist das Handelsbilanzdefizit seit seinem Auftauchen Mitte der siebziger Jahre explodiert. Aber die Wirtschaft, sagen die Träumer mit wachsendem Selbstbewusstsein, wächst trotzdem sehr ordentlich; nicht so steil wie in China, aber immerhin doppelt so schnell wie in Europa.

      Dabei ist gerade auch diese Kennziffer nicht so verlässlich, wie sie aussieht. Das Vertrauen der Investoren hat diese Zahl mit hervorgebracht. Denn der Kaufpreis der Anleihe fließt auf nahezu direktem Weg in den Konsum des Staates, der Kaufpreis der Aktie stimuliert die Konsumlust der Firmen und erweitert die Kreditbasis von Millionen von Privathaushalten, was wiederum dem Konsum zugute kommt. So verwandeln sich die Erwartungen der Investoren, auch die, dass die USA weiter wachsen, fast von allein in Gewissheiten.

      Das Vertrauenskapital bringt also selbst jene Wachstumsraten hervor, die es für seine Legitimation braucht. Denn die treibende Kraft hinter dem Wachstum der amerikanischen Volkswirtschaft ist eine Ausweitung des Konsums; was angesichts schrumpfender Lieferfähigkeit der Industrie und sinkender Löhne der Beschäftigten eigentlich jeden verwundern muss. Aber alle kennen ja des Rätsels Lösung. Der wachsende Konsum basiert nicht auf einer Ausweitung der Produktion, einem Anstieg der Löhne oder gar der Zunahme der Exporte, sondern zu seinem größten Teil auf steigenden Schulden. Aber warum gewähren die Banken immer neue Kredite? Sie tun es, weil sie als Beleihungsgrundlage die gestiegenen Preise für Aktien und Wohnimmobilien akzeptieren. So ist ein in sich geschlossener Kreislauf der wundersamen Geldvermehrung entstanden.

      Ausmaß der Selbsttäuschung

      In den Bankbilanzen ist das Ausmaß der Selbsttäuschung zu besichtigen: Die Spartätigkeit in Amerika ist zum Erliegen gekommen. Die Auslandsverschuldung der USA wächst an jedem Wochentag um rund anderthalb Milliarden Dollar und liegt bei insgesamt drei Billionen Dollar. Die Privathaushalte sind im In- und Ausland mittlerweile mit neun Billionen Dollar verschuldet, wobei 40 Prozent dieser Schulden allein seit 2001 entstanden sind. Die Amerikaner genießen eine Gegenwart, für die sie immer größere Stücke der Zukunft verkaufen. Mit Fug und Recht kann man heute sagen: Die Wirtschaftskrise, die der Welt ins Haus steht, ist die bestprognostizierte der neueren Geschichte. Der heutige Boom in den Vereinigten Staaten ist nicht die Widerlegung der Krise, sondern ihr Vorbote.

      Die Biologen haben ähnliche Symptome bei Pflanzen beobachtet, die unter dem Eintrag von Schadstoffen leiden. Bevor sie vergehen, bringen sie ein letztes Mal derart kräftige Triebe hervor, dass sie von ihren gesunden Artgenossen kaum zu unterscheiden sind. Der Volksmund spricht von Panikblüte.

      Aber wer wird der Erste sein, der die Dollarillusion zerstört? Sind nicht alle Investoren durch ein unsichtbares Band miteinander verbunden, weil jede Attacke gegen die Leitwährung ihre eigenen Wertbestände schmälern und womöglich große Teile davon vernichten würde? Warum sollten die Notenbanken von Japan oder Peking ihre Dollars auf den Markt werfen? Welches Interesse hätten die US-Pensionsfonds, ihren Dollarreichtum mutwillig zu zerstören? Welchen Sinn ergibt es, die USA in eine schwere Krise zu schicken, die womöglich alle Staaten mitreißen wird?

      Es ist dasselbe Motiv, das die Investoren einst zu Dollarkäufern machte: Angst. Diesmal ist es die Angst, dass andere schneller sind; die Angst, dass die Dollarstärke ohnehin nicht hält; die Angst, dass jeder Tag des Zuwartens ein Tag zu viel ist. Die Angst schließlich, dass der Herdentrieb der Weltfinanzmärkte einsetzt und man selbst hinterhertrottet.

      Schwächer als behauptet

      Vielen ist der Dollar unheimlich geworden. Eines Morgens werden die vielen seiner Besitzer aufwachen, um mit neuem, glasklarem Blick auf die Daten der US-Wirtschaft zu schauen. So wie die Privatanleger eines Morgens mit ungetrübtem Blick auf die Aktien der New Economy blickten und Firmen sahen, deren Wert sich durch keinen noch so großen Gewinnsprung rechtfertigen ließ. Umsatzprognosen waren aufgestellt worden, die den Gesamtmarkt um ein Vielfaches übertrafen. An der Technologiebörse Nasdaq war ein Aktienmarkt zu bestaunen gewesen, dessen addierter Wert innerhalb weniger Jahre um 1000 Prozent zugelegt hatte, derweil die US-Wirtschaft im selben Zeitraum nominal nur um 25 Prozent gewachsen war.

      Die Gier hatte für einige Jahre die Angst überwunden, dann aber kehrte sie zurück. Die Kurse der Technologieaktien verloren binnen weniger Monate über 70 Prozent ihres Wertes und liegen heute noch immer bei weniger als der Hälfte ihrer damaligen Notierungen. Selbst der Dow Jones, ein Börsenindex, in dem die wichtigsten und größten Firmen der Vereinigten Staaten zusammengefasst sind, büßte knapp 40 Prozent seines Wertes ein.

      Dem Dollar und den Dollaranleihen steht ßhnliches bevor. Die USA haben mehr Sicherheit verkauft, als sie zu bieten haben. Es wurden Erwartungen gehandelt, die sich deshalb als wertlos erweisen werden, weil sie nicht erfüllbar sind. So wie die New Economy weder das Wachstum noch die Gewinne liefern konnte, die sie den Anlegern prophezeit hatte, werden die Währungsverkäufer eines Tages einräumen müssen, dass die Wirtschaft hinter der Währung schwächer ist als behauptet.

      Der Sturz lässt sich nur verzögern, nicht verhindern

      Die Abhängigkeit ausländischer Notenbanken vom Dollar wird dessen Sturz verzögern, aber nicht verhindern. Eine Schneewehe hat sich gebildet, die zur Lawine werden wird. Sie wächst in atemberaubendem Tempo. Sie kann sich morgen lösen, in ein paar Monaten oder auch erst in Jahren. Vieles, von dem die Zeitgenossen glauben, es sei unsterblich, wird eine globale Währungskrise unter sich begraben; womöglich auch die Führungsrolle der USA.

      Die von Clinton eingesetzte Kommission zur Untersuchung der negativen Handelsbilanz kam übrigens zu dem klaren Schluss, dass die Regierung alles tun müsse, um das weitere Anwachsen der Ungleichgewichte bei Aus- und Einfuhren zu stoppen. Die ßffentlichkeit solle endlich vom Optimismus zum Realismus zurückkehren; die Bürger müssten zum Sparen angehalten werden, der Staat solle die Importe sanft drosseln helfen, um der Wucht einer harten Landung zu entgehen.

      Nichts davon ist seither geschehen. In Wahrheit passiert von allem, was die Experten empfohlen hatten, sogar das Gegenteil. Die Verschuldung wächst, der Importsog verstärkt sich, ein durch die Wirklichkeit nicht mehr gedeckter Optimismus wurde zur Staatsräson. Kommissionsmitglied Lester Thurow zieht heute eine ernüchternde Bilanz: "Niemand wird eine amerikanische Zahlungsbilanzkrise für möglich halten", sagt er. "Bis sie eintritt."
  • 30 Antworten
    • TriX
      TriX
      Bronze
      Dabei seit: 21.06.2006 Beiträge: 801
      Das liest sich doch kein Schwein durch :rolleyes:
      Ein Link hätte es getan oder du hättest nur die wichtigsten Paragraphen rausgesucht.
    • carinio
      carinio
      Bronze
      Dabei seit: 21.03.2005 Beiträge: 60
      Ich glaube doch, deshalb ja der gesamte Artikel.
      Wen es wirklich interessiert, der liest es - es ist halt ein typischer Spiegel-Artikel mit viel Tiefgang. Eben nichts für Fastfood-Leser ala Focus:-)
    • Archa
      Archa
      Bronze
      Dabei seit: 18.05.2006 Beiträge: 213
      Einfach geil, in einen thread reinzuposten, dass sich diesen keiner durchliest...

      Hier gibts keine neuen Bilder für viele Posts,Mann...

      Danke für den Thread
    • local
      local
      Bronze
      Dabei seit: 13.01.2006 Beiträge: 2
      Also ich hab`s gelesen. Hochinteressanter Artikel!
    • fl0ppy
      fl0ppy
      Bronze
      Dabei seit: 01.02.2005 Beiträge: 1.117
      Original von carinio
      Ich glaube doch, deshalb ja der gesamte Artikel.
      Wen es wirklich interessiert, der liest es - es ist halt ein typischer Spiegel-Artikel mit viel Tiefgang. Eben nichts für Fastfood-Leser ala Focus:-)
      Also bitte ... der Spiegel wird die letzten Jahre konstant immer schlechter.
    • SC4life
      SC4life
      Bronze
      Dabei seit: 02.02.2006 Beiträge: 962
      Original von local
      Also ich hab`s gelesen. Hochinteressanter Artikel!

      # 2

      Ich habe den Artikel auch durchgelesen und fand ihn ebenfalls sehr interessant, aber auch ein bisschen beängstigend. :(
    • Illuminate73
      Illuminate73
      Bronze
      Dabei seit: 02.02.2006 Beiträge: 269
      Original von TriX
      Das liest sich doch kein Schwein durch :rolleyes:
      Ein Link hätte es getan oder du hättest nur die wichtigsten Paragraphen rausgesucht.
      Doch....grunz..... :P

      Edit: Falls jemand Interesse an einer "etwas" anderen Wirtschaftstheorie hat, kann er/sie ja mal nach "killerzins" googlen.
    • TriX
      TriX
      Bronze
      Dabei seit: 21.06.2006 Beiträge: 801
      Ja, aber ich lese eher sowas, wenn einfach n link da ist, als zich Zeilen die schwarz auf grau da stehen.
    • FaLLout86
      FaLLout86
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 22.02.2005 Beiträge: 6.450
      wirklich sehr interessant, thx :)
    • FrenzyPanda
      FrenzyPanda
      Bronze
      Dabei seit: 01.04.2006 Beiträge: 655
      Hi,

      ich habs nur so überflogen, allerdings eine Frage zum Verständnis. Wenn der Dollar schwächelt, ist das doch eigentlich gut für uns, da, wenn wir uns Geld ausbezahlen lassen, in den Euro investieren. Sprich, wenn wir Geld auscashen ist es doch nur vorteilhaft, wenn der Dollar Kurs besonders niedrig ist. Oder verstehe ich hier etwas falsch?
    • Dagget
      Dagget
      Bronze
      Dabei seit: 02.02.2006 Beiträge: 468
      Ist es nicht eher andersrum?

      Wir müssen mehr Dollar eintauschen, damit wir dafür 1 EUR bekommen. Also eher schlechter für uns.
    • MrProp
      MrProp
      Einsteiger
      Dabei seit: 16.05.2006 Beiträge: 32
      Original von FrenzyPanda
      Hi,

      ich habs nur so überflogen, allerdings eine Frage zum Verständnis. Wenn der Dollar schwächelt, ist das doch eigentlich gut für uns, da, wenn wir uns Geld ausbezahlen lassen, in den Euro investieren. Sprich, wenn wir Geld auscashen ist es doch nur vorteilhaft, wenn der Dollar Kurs besonders niedrig ist. Oder verstehe ich hier etwas falsch?
      Oh je...
    • SlannesH
      SlannesH
      Black
      Dabei seit: 23.01.2005 Beiträge: 7.738
      Wenn der $ Kurs fällt, bekommen wir, als beispiel, nurnoch 0.5euro/$, weniger als die bisherigen ~0.7899euro/$ (heutiger Stand).

      Guter Artikel, würde mich nicht freuen wenn das Eintritt... die Fishe üwrden doch garnichtmehr an Geld kommen um es zu verzocken :( .

      MfG
    • klay
      klay
      Bronze
      Dabei seit: 27.09.2005 Beiträge: 3.213
      Original von FrenzyPanda
      Hi,

      ich habs nur so überflogen, allerdings eine Frage zum Verständnis. Wenn der Dollar schwächelt, ist das doch eigentlich gut für uns, da, wenn wir uns Geld ausbezahlen lassen, in den Euro investieren. Sprich, wenn wir Geld auscashen ist es doch nur vorteilhaft, wenn der Dollar Kurs besonders niedrig ist. Oder verstehe ich hier etwas falsch?

      omg
    • Avenger83
      Avenger83
      Bronze
      Dabei seit: 24.03.2006 Beiträge: 555
      ja, nun müssen ja nicht gleich alle ihre überlegene Intelligenz zum Ausdruck bringen, indem sie über einen anderen herziehen... eine einfach Erklärung hätte es sicher auch getan

      zum Thema:
      interessant zu lesen, ich für meinen Teil halte wenig davon

      zum einen denke ich nicht, dass der Dollar in den nächsten Jahren seine führende Rolle als Weltwährung verliert, zumindest solange nicht bis Yuan und Rupie auf dem Vormarsch sind (und das sollte sich noch etwas hinziehen)
      selbst bei einer Weltwirtschaftskrise würde der überwiegende Teil aller Waren in $ bezahlt, es wird etwas teurer aber wertlos wird er nicht werden

      zum anderen: sollte der Dollar so drastisch wie hier vorhergesagt einbrechen, wäre die logische Konsequenz eine Flucht in Euro, wovon wir in Deutschland mehr als genug besitzen (und uns dann mal bei ebay.com nach Hosen für 2 ßpfel und 3 Eier umschauen)
    • Goaranga
      Goaranga
      Bronze
      Dabei seit: 02.02.2006 Beiträge: 1.666
      sehr populistisch verfasst - finde den Artkel nicht gut. Der Typ ignoriert sämtliche wirtschaftliche Zusammenhänge. Trotzdem bin ich seiner Meinung - nur mit anderen Argumenten.
    • Wurzel
      Wurzel
      Bronze
      Dabei seit: 20.03.2006 Beiträge: 504
      Casht alle aus!! Kauft euch Dollars in 10 Jahren wenn sie billig sind!!

      :rolleyes:
    • Logaras
      Logaras
      Bronze
      Dabei seit: 31.05.2006 Beiträge: 531
      hrhr ein klassischer spiegel artikel mit inhalten die man vmtl auch in einem 10 jahre alten vwl textbook lesen kann ;)

      ich will ja garnicht leugnen, dass in der aktuellen wirtschaftlichen entwicklung der usa erhebliche risiken drin sind und die wirtschaftliche lage der usa erhebliche auswirkungen auf die weltwirtschaft hat. das aber nunmal common knowledge und nicht wirklich nen seitenlangen artikel wert.

      dann sollte man vielleicht noch dran erinnern, dass der dollar in den vergangen 50 jahren schon mal 4dm (sprich knapp 2 euro) wert war und es immer kräftige schwankung gab (siehe zb bei der euroeinführung ...).

      grundsätzlich sind wechselkursschwankungen etwas heilsames und völlig normales, wenn man ansonsten gut aufgestellt ist (zb nicht wie ende der neunziger die asiatischen staaten sich in fremdwährung verschuldet und dann einen massiven hebel bei währungsschwankungen ins system bekommt).

      achja und wer auf nen guten lacher aus ist der organisiere sich mal wechselkurs prognosen von namenhafen finanzdienstleistern und vergleiche sie mit der realität... es gibt untersuchungen, dass naive prognosen (also mit dem zufallsgenerator erstellt) durchschnittlich BESSER sind als finanzexperten wenns um wechselkurse geht ... also lasst die finger von wk-prognosen, die sind das papier nicht wert auf dem sie geschrieben sind.
    • Kraven
      Kraven
      Bronze
      Dabei seit: 05.03.2006 Beiträge: 5.319
      Hab den Artikel schon gestern genossen und bin am überlegen, mir sein Buch zu kaufen. Sehr interessantes Thema und sehr gut geschrieben.
    • 1
    • 2