Equity für Action HU

    • storge
      storge
      Bronze
      Dabei seit: 09.08.2005 Beiträge: 22.519
      Hi,
      welche Equity brauche ich theoretisch für bet, raise, 3-bet und cap im Headsup?

      x = Equity
      a = Gewinn (also bei bet = 1, bei raise = 2, bei 3-bet = 3, bei cap = 4)
      b = Verlust (also bei bet = -2, bei raise = -3, bei 3-bet = -4, bei cap = -4)

      x*a+(1-x)*b = 0 => x

      bet => 66%
      raise => 60%
      3-bet => 58%
      cap => 50%

      1) Bisher kannte ich da jedoch andere Werte. Was ist an dem Gedankengang falsch oder ist er theoretisch richtig, kommt aber nur hin, wenn der Gegner seine gesamte Range weiterspielt und alle schlechteren Hände called und mit allen besseren einen drüber geht? D.h. wenn er seltener mit besseren Händen drüber geht, benötige ich weniger EQ und andersrum.
      2) Wie wirken die späteren Streets auf die EQ ein?
      3) Mit welchen realistischen Grundwerten (die dann je nach Situation, siehe 2, angepasst werden) rechnet man dann in der Praxis?
      4) Wie sieht es multiway aus?
  • 4 Antworten
    • hasufly
      hasufly
      Black
      Dabei seit: 01.12.2006 Beiträge: 7.411
      hab mir jetzt nicht alles durchgelesen aber 66 % brauchen wir eigentlich fast nie für eine bet, genauer gesagt nur mit dem read dass er any2 raist was ja nie der fall ist ;) daher reichen meist eigentlich ca 55% aus.
    • SwissDave
      SwissDave
      Bronze
      Dabei seit: 12.02.2007 Beiträge: 637
      Du gehst in deinem Beispiel ziemlich vom worst case aus, wenn er nur bessere Hände (re)raist hast du btw. einen easy fold und verlierst nicht soviel. @hasufly: wenn er any2 raist hast du einen easy call, das ist dann sogar +EV :D

      Trotzdem kommen die Werte wahrscheinlich gegen einen Gegner der optimal spielt der Realität einigermassen nahe, denn er wird auch nicht alle schlechteren Hände callen. Und wenn er schlau ist, baut er ein paar Bluffraises ein (siehe auch Fundamental Theory of Poker), so dass du eben keinen easy fold findest...

      In der Realität spielt aber niemand optimal, da kannst also wieder etwas discounten, wie gut die 55% dann sind weiss Ich auch nicht.

      Ich hab letztens einige Berechnungen bezüglich optimalem Spiel gemacht, war recht interessant :)
      Ich werd wahrscheinlich bei Gelegenheit noch was dazu posten.

      Edit: Was Ich vergessen hatte: Die Werte gelten eigentlich so nur am River! Du solltest sonst nämlich immer mit dem average expected Pot bzw. average expected Costs rechnen bis zum River rechnen! Dadurch sind dann die Werte z.B. am Flop schon tiefer. Also für die Flop Bet sind die 55% wohl ein ganz guter Wert. Für Preflop Entscheidungen rechnen wir ja auch mit >50%...
    • kombi
      kombi
      Bronze
      Dabei seit: 20.08.2006 Beiträge: 9.244
      Also erstmal zur 66% Regel. Diese stimmt dann, wenn dein Gegner jede bessere Hand reraist und jede schlechtere callt. Es ist dann aber egal, ob es sich um eine Bet, einen Raise oder eine 3-Bet handelt. Lediglich bei einem Cap braucht man nur 50%, weil der Gegner nicht 5-betten kann. Der Fehler deiner Rechnung ist folgender:

      Du rechnest nur mit dem EV von Bet/Raise/3-Bet/Cap. Dieser EV ist aber nicht entscheidend, sondern die EV-Differenz zu einem Call. Unsere Option heißt ja nicht raise or fold, sondern raise or call. Daher ändert sich deine Formel zu:

      EV(action) = x*a+(1-x)*b, für zB EV(raise) = 2x - 3(1-x)
      EV(passiv) = x*(a-1)+(1-x)*(b+2), für zB EV(call) = x - (1-x)

      => EV(action) = EV(passiv), genau dann wenn x = 2/3 =)

      Wir gewinnen von schlechteren Händen also eine Bet mehr, büßen gegen bessere aber 2 Bets ein. Daher müssen wir zu 66% vorn liegen.


      Das zur 66% Regel. Über die Anwendungen zu diskutieren ist weitaus komplexer. Villain wird nie nur bessere Hände reraisen. Manchmal ist das Board für ihn so scary, dass er viele bessere Hände nur callt und eine gewiße Chanve dass er einen Monsterbluff durchzieht besteht auch. Ansonsten könnten wir auf den Reraise ja einfach folden. Insgesamt wurde die 66% Regel auch nur für Riverplay HU in Position entwickelt, wenn man mit einer Bet des Gegners konfrontiert wird.

      Wenn Villain den River checkt, geht es eher in Richtung 55% was von Sklansky eingeführt wurde. Wenn der Gegner nie check/raisen würde, bräuchte man nur 50%. Man muss aber bei den EQ Geschichten beachten, dass nur die EQ gegen die non-folding Range des Gegners zählt. wenn Villain auf unsere Bet alle schelchteren Hände folden, dann ist die Valuebet sinnlos.

      OOP ist das Riverplay nun deutlich komplexer. Hier kann man es nicht an Equity festmachen. Wichtig ist vielmehr, wie oft Villain bluffraist, wie oft er bessere Hände raist, wieviel Value Bluff Induce hat und wie aggr4essiv Villain valuebettet. OOP kann man unter bestimmten, "künstlichen" Annahmen auch mit sehr wenig EQ profitabel "valuebetten": siehe Riverplay HU oop - valuebetten als Underdog?

      Auf den Straßen vor dem River verkompliziert sich die Sache auch noch dahingehend, dass Protection ins Spiel kommt. Wenn wir die beste Hand haben, wollen wir den Gegner nicht billig drawen lassen. Daher gibt es auch so Konzepte wie Bet for free Showdown, eine Kombination aus Protection und Ausnutzen des Verhaltens des Gegners am River zu uns zu checken.

      Insgesamt wird es dann sehr kompliziert und ist nicht mathematisch berechenbar. So einfache Regeln wie 66% oder 55% gelten immer nur unter bestimmten Bedingungen die in der Realität dann angepasst werden müssen. Durch solche Fingerüben bekommt man aber das grundlegende Verständnis auf was es ankommt, auch wenn tatsächliche Hände am Tisch nicht exakt gelöst werden können, weiß man dann auf was man achten muss und welche Faktoren den EV einer Linie beeinflußen. =)
    • storge
      storge
      Bronze
      Dabei seit: 09.08.2005 Beiträge: 22.519
      Vielen Dank für die ausführliche und verständliche Antwort. Alle Fragen beantwortet, top! :)