$$$ dollarkurs $$$

    • pEju
      pEju
      Bronze
      Dabei seit: 15.08.2007 Beiträge: 587
      wonach richtet sich eigentlich der dollarkurs / von was ist der abhängig?!

      seit der € einführung ist der wert des $s konstant gesunken.
      aber das ganze kehrt sich jetzt auf einmal um...im letzten
      monat hat der ein riesen schritt nach oben gemacht und
      die tendenz sieht auch weiter danach aus.

      aber warum - was ist da auf einmal los?!


      >> dollarkurs aktuell <<


      die usa ist doch verschuldet wie sonst keiner
      und verschuldet sich immer mehr...


      Verschuldungssituation USA

      Wenn auch die Auslöser des Kursrutsches um weitere fast 15% seit Sommer 2007 die sog. Hypothekenkrise und die Umkehrung der Diskontsatzdifferenz zwischen den USA und Euroland waren, so spielt doch wohl eher die entscheidende Rolle für den Vertrauensverlust das seit Jahren nahezu unglaubliche jährliche Außenhandelsdefizit der USA, das 2007 $711 Mrd betrug. Mit anderen Worten: Die USA liehen sich auch 2007 im Ausland tagtäglich wieder fast $2 Mrd, um ihren das Volkseinkommen übersteigenden Konsum zu finanzieren. Auf jeden US-Bürger entfallen also statistisch täglich fast $7 und im Jahr rund $2500 an zusätzlicher Auslandsverschuldung. Zwar nahm das Defizit 2007 gegegenüber 2006 um 6% ab, aber das deutet nur auf eine sich abschwächenden Konjunktur, sprich Kaufzurückhaltung in den USA hin, was die Situation nicht besser macht. Die Gesamtauslandsverschuldung der USA beträgt zur Zeit bereits rund – festhalten! – weit über $7000 Mrd und steigt und steigt. Allein China besaß Ende 2007 Dollarreserven in Höhe von $1.500 Mrd. und erzielte 2007 einen Außenhandelsüberschuss mit den USA in Höhe von $262 Mrd. Auch Deutschland hilft den USA mit rund $30 Mrd. pro Jahr (Exportschuss) bei der Finanzierung des Wohlstands auf Pump.

      Aber das ist noch nicht alles: das Defizit des Bundeshaushalts betrug im Fiskaljahr 2006/2007 (bis 30.09.) offiziell etwas über $200 Mrd, in Wahrheit wohl rund $500 Mrd., weil viele Ausgaben und Verpflichtungen (etwa für den Irakkrieg) außerhalb des offiziellen Haushalts in sog. „Schattenbudgets“ gefahren werden. Die Folge: schon im September 2007 erreichten die Gesamtschulden des Bundes einen Stand von über $9.000 Mrd. gegenüber ca. $8.500 Mrd. noch ein Jahr zuvor. Da dieser die bisher festgelegte gesetzliche Obergrenze verletzte, verschob der Kongress kurzerhand die zulässige Höchstverschuldung auf fast $10 Billionen. Mittlerweile erhöhte sich das Gesamtdefizit um weitere $500 Mrd. aus dem Fiskaljahr 2007/2008.


      auf das thema bin ich eigentlich wegen dem film I.O.U.S.A. gekommen und hab dann den steigenden dollarkurs gesehen.
      und irgendwie habe ich nicht ganz verstanden wie das zusammen passen kann...

      noch was zu dem film @ süddeutsche.de.



      .
  • 18 Antworten
    • yoda88
      yoda88
      Bronze
      Dabei seit: 02.04.2006 Beiträge: 760
      An der Börse passiert meistens das Gegenteil von dem, was die Mehrheit erwartet. Der $ ist vorher stark gefallen und ob es nur eine technische Reaktion war oder ein genereller Umschwung bleibt abzuwarten. Die US-Wirtschaft kühlt sich stark ab, aber in der EU scheint es auch nicht mehr besser zu laufen.

      Währungsprognosen sind sehr schwer, langfristig gehe ich von einer Seitwärtstendenz aus. Für uns Pokerspieler ist ein steigender $ ja gut. :D

      Natürlich nur für diejenigen, die fett abräumen wozu ich leider nicht gehöre. :(
    • Westdan
      Westdan
      Bronze
      Dabei seit: 09.03.2006 Beiträge: 321
      von angebot und nachfrage.
    • pEju
      pEju
      Bronze
      Dabei seit: 15.08.2007 Beiträge: 587
      der dollar ist doch kein produkt welches verkauft und mit dem handel betrieben wird.

      der wert richtet ist doch vielmehr nach der wirtschaft und dem haushalt des eigenen staates.

      geht es dem land gut, geht es dem dollar gut...

      und wenn der $ steigt oder fällt ist es doch nicht
      relevant zu welcher wärung, da er allgemein zu
      allen weniger oder mehr wert ist.

      deswegen sollte das doch auch unabhängig von der EU sein.

      ?(
    • Rebo
      Rebo
      Bronze
      Dabei seit: 29.12.2006 Beiträge: 2.761
      doch
      du kannst an die börse gehen und $$ kaufen, demnach ist er AUCH von Angebot und Nachfrage abhängig
    • pEju
      pEju
      Bronze
      Dabei seit: 15.08.2007 Beiträge: 587
      gut DAS schon aber das kann's ja jetzt auch nicht allein sein.

      dem staats gehts beschissen, die ersufen vor schulden,
      machen einfach weiter so als wenn nix wäre,
      aber der $ steigt?!
    • johnrobinweber
      johnrobinweber
      Global
      Dabei seit: 17.08.2008 Beiträge: 627
      anstehende Präsidentschaftswahl, danach gehts wieder runter ;)
    • Rebo
      Rebo
      Bronze
      Dabei seit: 29.12.2006 Beiträge: 2.761
      imo ist das ja eh eine Art Kreislauf
      wenn der $ zu stark steigt, wird weniger exportiert, weil die Käufer zu viel zahlen müssen -> $ geht wieder runter
    • DukennstMich
      DukennstMich
      Bronze
      Dabei seit: 07.08.2008 Beiträge: 132
      Der wechselkurs $/€ ist handelbar und vom nachfrage/angebot-verhältnis abhängig (dieses ist jedoch von fundamentalen abhängig). Jedoch ist er im gegensatz zum renten- oder aktienmarkt nicht an der börse ansässig. Der handel läuft hauptsächlich telefonisch zwischen devisenhändlern ab.

      Von was ist das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage abhängig ?

      1. Konjunktur / Haushaltsdefizit: Bisher konnte sich die eurozone über ein stabiles Wachstum ihrer wirtschaft freuen. Die USA leidet jedoch unter extremer verschuldung (seit Jahren) und der hypothekenkrise/bankenkrise. Hieraus ergab sich der seit jahren der anhaltende Verfall des Dollars im vergleich zum euro. Im moment tritt jedoch eine stark abkühlende konjunktur in der eurozone auf. Die amerikanische wirtschaft läuft zwar auch nicht besser aber das Verhältnis der beiden Zonen im Vergleich verändert sich zu gunsten der USA und des US-Dollars

      2. Leitzinsänderungen: Sehr wichtig ist auch der amerikanische (FED-Entscheidung) und der europäische (EZB-Entscheidung) Leitzins. Warum? Ganz einfach. Zinsen sind der Preis für Geld (wenn wir Geld als Ware ansehen). Steigt der Preis für "amerikanisches Geld" weil der amerikanische Leitzins ansteigt. Ist der Dollar mehr Wert. Und deshalb ist er auch mehr Wert wenn man ihn mit dem Euro vergleicht.

      3. Inflation: Vergleich einer Währung mit der möglichen Kaufkraft. (Bei Bedarf reiche ich eine geauere Erklärung nach.)
    • pEju
      pEju
      Bronze
      Dabei seit: 15.08.2007 Beiträge: 587
      also so langsam ist das nicht mehr schön! ich bin gerade in canada und werde demnächst ein road-trip nach las vegas machen. wollte eigentlich paar teurere sachen in usa kaufen. aber mit dem US$ kurs macht das einkaufen da fast kein sinn mehr X( . aber dafür zahl ich nur noch 60€ct für sprit.
    • Rambi1
      Rambi1
      Bronze
      Dabei seit: 01.08.2006 Beiträge: 680
      Seit ca. 2003 bin ich bearish für den Dollar, seit ca. 2007 gehe ich aber nicht mehr „short", setze nicht mehr auf fallende Notierungen. Derzeit bin ich in Bezug auf den Dollar mehr oder weniger „neutral".


      Begründung: Die alten fundamentalen Belastungsfaktoren bestehen nach wie vor. Stichwort: Zwillingsdefizit. Das ist nicht weniger belastend, nur weil es nicht mehr prominent in den Finanznachrichten ist. Nach wie vor importieren die USA für rund 2 Mrd. mehr, als sie exportieren. Pro Tag! (Siehe dazu auch die Rubrik "Heute anstehende Termine".) Gleichzeitig liegt die amerikanische Sparquote bei Null, und die Staatsverschuldung wächst kräftig. Keine gute Voraussetzung für einen steigenden Dollar.


      Andererseits: In diesen „unruhigen Zeiten" können wir weltweit beobachten, dass „große Adressen" ihr Geld aus Ländern wie Brasilien, Russland, Vietnam und leider auch Kasachstan (da ich da empfohlen hatte, auf den Gesamtmarkt zu setzen) abziehen, und es in die USA überweisen. Das bedeutet, dass entsprechende Beträge in Währungen wie dem brasilianischen Real in US-Dollar getauscht werden.


      Dies ist eine sehr starke zusätzliche Nachfrage nach US-Dollar, welche diesen steigen lässt. Das lässt sich seit einigen Wochen beobachten. Und solange die Zeiten so „unruhig" bleiben und weiter Kapital aus den genannten Staaten abgezogen wird - könnte der Dollar weiter steigen. Obwohl die Fundamentals keineswegs dafür sprechen.


      Und wenn dieser „Sonderfaktor" und die Fundamentals für eine unterschiedliche Positionierung sprechen, dann ist für mich das Fazit in Bezug auf den Dollar: Nichts tun. Keine Positionierung eingehen.


      Die email hab ich gefunden, falls es weiterhilft.
    • BennyTK
      BennyTK
      Bronze
      Dabei seit: 16.02.2006 Beiträge: 1.644
      ist es nicht so dass der dollar gar nicht steigt sondern eher fällt - der euro fällt eben nur noch stärker. der yen scheint doch der eigentliche gewinner zu sein, oder kann man das sich nicht so einfach machen?
    • pEju
      pEju
      Bronze
      Dabei seit: 15.08.2007 Beiträge: 587
      also so langsam versteh ich das ganze glaub ich ;) .

      [QUOTE] Peer Steinbrück hält es für “höchstwahrscheinlich”, dass die USA ihren Status als Supermacht des Weltfinanzsystems verlieren werden. Harald Schumann meint, die Wall Street habe den Dollar verspielt. Der Kurs des US-Dollar bewegt sich jedoch trotz der vor gut einer Woche “plötzlich ausgebrochenen Finanzkrise” praktisch nur seitwärts. Auch heute bewegte sich der US-Dollar wie von Geisterhand gesteuert innerhalb eines Bandes von 68 bis 69 Euro-Cent.

      Die Tagesschau “informiert” ihre Leser heute, dass führenden Notenbanken der Welt die Geldmärkte angesichts der Finanzkrise erneut mit Milliardensummen an Dollar geflutet haben. Allein die EZB in Frankfurt habe 35 Mrd US-Dollar von der US-Notenbank erhalten und nun bereitgestellt. Weiter erläutert die Tagesschau:

      Liquidität in Dollar ist bei vielen Banken rund um den Globus begehrt, weil sie viele in Dollar notierte Wertpapiere halten, der Dollar als wichtige Leitwährung gilt und der kurzfristige Umtausch erhebliche Kosten verursachen würde.

      Wir rekapitulieren die Erläuterung der Tagesschau: Wer in Dollar notierte Wertpapiere hält, der braucht dazu angesichts der Finanzkrise ganz viele zusätzliche US-Dollar und deshalb hilft die EZB nun mit Dollars aus. Alles verstanden?

      So als naiver Wirtschaftslaie wie Steinbrück und Schumann hätte man vermutlich eher das Gegenteil erwartet, nämlich dass angesichts der Finanzkrise alle möglichen Leute ihre in Dollar notierten Wertpapiere verkaufen, die Märkte dadurch mit Dollar fluten und der Dollar beispielsweise gegenüber dem Euro an Wert verliert. Wenn der Dollar trotzdem nicht fällt, dann sieht das eher so aus, als würde da irgendjemand - zum Beispiel die EZB - ganz viele Dollars kaufen, um den Kurs zu stützen.

      Das würde dann bedeuten, dass die EZB in großem Stil gutes Geld, für das man auch in Zukunft noch Waren kaufen kann, gegen vermutlich bald schon ziemlich wertlose Papierschnipsel mit den Köpfen toter US-Präsidenten eintauscht. Wenn Europa seine Waren gegen wertlose Bilder von toten Präsidenten eintauscht, dann ist das gut für die Wall Street und schlecht für die Bürger Europas.

      Aber das kann natürlich nicht sein, denn da käme glatt der Verdacht auf, entscheidende Banker der EZB wären genauso US-Marionetten wie das manch einer vom französischen Zar Kotzi annimmt. Aber, so what, hoch lebe der American way of life!

      Quelle: Mein Parteibuch[/QUOTE]
      noch ein sehr guter Artikel:

      Von Harald Schumann

      Es war im Oktober 2007, da verkündete Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank und Vorsitzender des globalen Bankenverbandes „Institute of International Finance“ in Washington eine frohe Botschaft: Der Verlauf der Krise, die aus dem weltweiten Handel mit faulen Hypothekenpapieren entstanden war, habe gezeigt, dass die meisten Institute seines Gewerbes „fundamental stark“ seien. Auch das Weltfinanzsystem sei „fundamental gesund“, befand Europas führender Banker und warnte vor einer „Überreaktion“ der Aufsichtsbehörden. Der Staat, so lautete die kaum verhohlene Forderung, solle sich doch besser raushalten aus der Krisenbekämpfung.


      Der Irrtum hätte nicht größer sein können. Elf Monate nach Ackermanns fundamentaler Fehleinschätzung steckt die Weltwirtschaft in der schlimmsten Finanzkrise seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Von den fünf großen, vordem unabhängigen Investmentbanken der Wall Street sind nur noch zwei übrig, und auch deren Zukunft ist ungewiss. Die US-Regierung musste die beiden größten Hypothekenbanken des Landes und den ehedem weltgrößten Versicherungskonzern verstaatlichen und deren Verluste auf die Steuerzahler verlagern, um eine noch größere Katastrophe zu abzuwenden. Gleichzeitig hat die Notenbank Federal Reserve (Fed) Milliarden-Kredite gegen höchst unsichere Sicherheiten vergeben und den Basis-Zins unter die Inflationsrate gesenkt. Mindestens 500 Milliarden Dollar Staatsgeld stehen nun im Feuer, das Staatsdefizit wächst explosiv und die elektronische Notenpresse der Fed läuft auf vollen Touren.


      Dieser Vorgang markiert eine historische Wende in der Geschichte des globalisierten Kapitalismus, deren Konsequenzen weit über eine bloße Re-Regulierung der außer Kontrolle geratenen Finanzindustrie hinausgehen werden. Absehbar ist, dass die Kapitalvernichtung im Herzen der US-Ökonomie auch den Anfang vom Ende der seit mehr als 60 Jahren währenden Hegemonie des Dollars in der Weltwirtschaft mit sich bringt.


      Denn anders als alle früheren Krisen trifft dieser quälende Crash auf Raten die Vereinigten Staaten zu einer Zeit, da ihre Volkswirtschaft höchst verwundbar geworden ist. Ursache dafür ist die explosiv angewachsene Abhängigkeit der USA vom Kapitalzufluss aus dem Ausland. Vergangenes Jahr beruhten mehr als fünf Prozent der US-Wirtschaftsleistung darauf, dass ausländische Investoren bereit waren, an die Stabilität des Dollars zu glauben und in amerikanische Wertpapiere zu investieren. So konnten Staat und Bürger, wie schon seit Jahren, jeden Tag für zwei Milliarden Dollar mehr Waren und Dienstleistungen verbrauchen, als sie selber produzierten.


      Dieses Leistungsbilanzdefizit der USA ist im Prinzip ein beinahe unvermeidliches Phänomen für das Ursprungsland der globalen Leitwährung. Weil der überwiegende Teil der Handels- und Finanztransaktionen in Dollar abgewickelt wird und zudem viele Menschen aus Staaten mit unsicheren Weichwährungen seit je in Dollar sparen, kann die US-Notenbank weit mehr ihrer gedruckten und elektronisch gehandelten Greenbacks in Umlauf setzen, als es realwirtschaftlichen Gegenwert im Lande gibt. Quasi automatisch kann Amerika damit mehr importieren, als es exportiert, oder wie der New Yorker Währungsfachmann Brad Setser es ausdrückt: „Die Ausländer liefern uns ihre Waren, und dafür kriegen sie von uns Papier mit den Bildern unserer toten Präsidenten.“


      Anders als bei anderen Defizitländern erfolgt die damit einhergehende Verschuldung der USA gegenüber dem Ausland zudem in der eigenen Währung. Wenn der Dollarkurs sinkt, ist das ein zusätzlicher Vorteil. Automatisch verringert sich die Verschuldung im Verhältnis zu allen anderen Währungen – ein „exorbitantes Privileg“, wie sich einst schon Frankreichs Nachkriegspräsident Charles de Gaulle empörte. Getragen von dieser Mechanik konnten Amerikas Geldpolitiker darum stets jener Prämisse folgen, die John Connally, der Finanzminister des Skandalpräsidenten Richard Nixon, im Jahr 1971 seinen europäischen Kollegen entgegenhielt: „Der Dollar ist zwar unsere Währung, aber euer Problem.“ So richteten die Fed-Direktoren ihre Politik ausschließlich an der Lage der amerikanischen Binnenwirtschaft aus. Kippte die Konjunktur, warfen sie die Notenpresse an und nahmen eine Dollarabwertung in Kauf, auch wenn das für ihre Lieferanten aus aller Welt gravierende Einbußen brachte. Drohte Inflation, trieben sie Zinsen und Dollarkurs nach oben, auch wenn das viele Entwicklungsländer mit Auslandsschulden in den Ruin trieb. Am Status des Dollars als Leitwährung änderte sich nichts. Im Gegenteil, jede Krise trieb noch mehr Anleger in den als „sicheren Hafen“ angesehenen US-Kapitalmarkt.


      Doch seit der Jahrhundertwende hat sich das Machtgefüge im globalen Währungssystem grundlegend verschoben. Die Hüter des Dollars haben überzogen, ihre Schuldenmaschine läuft heiß und sie verlieren die Kontrolle. Schuld daran ist nicht zuletzt der legendäre ungekrönte König des Greenback, Alan Greenspan. Als der damalige Fed- Chef im Jahr 2001 mit Negativzinsen Amerikas Wirtschaft wieder auf Touren brachte, bedachte er nicht, dass China, der größte Handelspartner der USA, sich mit aller Macht einer Abwertung des Dollars entgegenstellen würde. Die Staatskapitalisten in Peking hatten schon früh erkannt, dass nichts das Turbowachstum ihres Landes besser auf Touren hielt als ein stabiler Wechselkurs. Wo mehr als die Hälfte der Volkswirtschaft vom Außenhandel abhängig ist, gibt der Fixkurs den Unternehmen langfristige Sicherheit. Genauso hatten es einst die Aufsteiger Südkorea und Taiwan gehalten und auch das deutsche Wirtschaftswunder beruhte ganz wesentlich auf dem bis 1973 geltenden Festkursregime der westlichen Welt.


      Diesem Beispiel folgend setzt Chinas Zentralbank seit 1995 mit eiserner Hand einen stabilen Kurs des Yuan zum Dollar durch, ganz gleich, wie die US-Währung im Rest der Welt gehandelt wird. Die strikte Kontrolle des Kapitalverkehrs schützte das Land zunächst gegen die Asienkrise und dann gegen Greenspans Dollar-Vulkan. Als dieser die US-Währung per Billigzins auf Abwärtskurs setzte, begann die Zentralbank in Peking alle hereinströmenden Dollars zum Festkurs gegen Yuan zu tauschen und vorwiegend in US-Staatsanleihen anzulegen. Entsprechend wuchsen Chinas Handelsüberschuss mit den USA und die Reserven. Mit jetzt schon 1800 Milliarden Dollar hält das Reich der Mitte mittlerweile den größten Devisenschatz aller Zeiten.


      Ein ähnliches Phänomen spielt sich in den Ölstaaten ab. Weil Erdöl zu Dollarpreisen gehandelt wird, haben auch die Ölexporteure am persischen Golf ihre Währungen an den Dollar gekoppelt. Entsprechend explosiv wuchsen ihre Dollarvermögen inzwischen auf annähernd die gleiche Summe wie in China. Gemeinsam drücken die Staaten des informellen Dollar-Blocks aus Nah- und Fernost so mit dem Kauf von US-Anleihen die Zinsen auf dem amerikanischen Kapitalmarkt. Damit trugen sie nicht nur dazu bei, dass die US-Bürger mehr konsumierten und mehr Häuser bauten, als sie sich leisten konnten und Amerika bei der Auslandsverschuldung nun weit vor Brasilien liegt. Zugleich geriet die US-Wirtschaft in tiefe Abhängigkeit von den Entscheidungen der Wirtschaftslenker in Peking und am arabischen Golf. Würden diese auch nur ihre Käufe von US-Wertpapieren einstellen, würde aus der jetzigen Krise ein Dollar-Crash.


      Die Konsequenzen wären verheerend. Der schlechter verdienende Teil der US-Bevölkerung würde regelrecht verarmen, weil Importgüter aller Art, vom Benzin bis zu Elektrogeräten, drastisch teurer würden. Der Nachfrageeinbruch würde automatisch in Rezession, hohe Arbeitslosigkeit und ein rapide steigendes Staatsdefizit münden. Die Folgen würden kein Land unbehelligt lassen. Schließlich ist rund die Hälfte aller Wertpapiere der Welt in Dollar ausgewiesen. Vermögensverwalter würden überall gleichzeitig panikartig Dollarpapiere auf den Markt werfen, Bank- und Fondspleiten würden folgen und das ganze Gefüge der globalen Produktionsketten und Kapitalbeteiligungen käme ins Rutschen. Spätestens dann wäre die Krise auch politisch nicht mehr beherrschbar. Antiglobalisten aller Couleur könnten in vielen Staaten an die Macht drängen und ähnlich wie während der Großen Depression mit nationaler Abschottung das globale Handels- und Finanzsystem zerstören.


      Das Gute an diesem Szenario ist: Kein Staat der Welt hat ein Interesse daran, es so weit kommen zu lassen. Die Dollarbombe ist scharf, aber niemand wird sie mit Absicht zünden. Keine der beteiligten Zentralbanken wird ohne Not einen Crash auslösen. Es wäre nur zu ihrem eigenen Schaden. Der Harvard-Ökonom Lawrence Summers nannte diese Konstellation deshalb das „Gleichgewicht des finanziellen Schreckens“. Nur leider ist das kein Grund zur Beruhigung. Denn nun stellt die US-Regierung das fragile Gleichgewicht selbst massiv in Frage. Indem sie die Krise, die aus Greenspans Politik des billigen Geldes entstand, mit noch mehr billigem Geld bekämpft, riskiert sie eine massive Entwertung des Dollars und brüskiert ihre Gläubiger. Die Ironie der Geschichte will es, dass es nicht renditehungrige Spekulanten sind, die Amerikas Überkonsum finanzieren, sondern staatliche Akteure, die Stabilität auf dem wichtigsten Absatzmarkt für ihre Exporte wollen. Darum blieb der große Absturz des Dollars bisher aus.


      Doch auch die Geduld der Wirtschaftslenker in Peking, Riad oder Dubai hat Grenzen. Wenn ihre gigantischen Dollarvermögen entwertet werden, müssen sie reagieren. Die beste Möglichkeit, ihre Verluste auszugleichen, wäre eine offene Tür für Investitionen. Könnten Unternehmen aus China und den Öl-Staaten mit den Dollars ihrer Zentralbanken unbehindert produktive US-Unternehmen kaufen, müssten sie die Inflation nicht fürchten. Eben diesen Ausweg hat der US-Kongress aber weitgehend versperrt, weil sich mit der China- Angst oder der Denunziation arabischer Investoren als Sicherheitsrisiko viele Wählerstimmen fangen lassen. Darum scheiterte selbst der Verkauf der drittklassigen Ölfirma Unocal nach China oder der Erwerb von ein paar Hafenbetrieben durch ein Unternehmen aus Dubai.


      Nur: Wer die Hand aufhalten muss, kann nicht ungestraft gleichzeitig die Faust ballen. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis Amerikas Gläubiger nach einer Alternative suchen. Weil Chinas Regenten gerne langfristig planen, wird das vermutlich nicht von heute auf morgen geschehen. Aber mit der Aufwertung des Yuan in kleinen Schritten haben die Planer in Peking begonnen, sich aus der Abhängigkeit vom Export in die USA zu befreien. Die Öl-Staaten wiederum stoßen an die Grenzen ihres Währungsmanagements. Je länger sie sich mit Dollarkäufen gegen die Aufwertung ihrer Währungen stemmen, umso mehr eigenes Geld setzen sie in Umlauf, die Inflationsraten am Golf nähern sich darum schon dem zweistelligen Bereich. Früher oder später werden daher alle Ölexporteure dem Beispiel Kuwaits folgen und den Kurs ihrer Währungen an einem Korb aus Devisen aller Art ausrichten. Wenn es gut läuft, wird sich dieser Prozess über viele Jahre hinziehen und Amerikas Volkswirtschaft Zeit zur Anpassung lassen. Doch gleich ob es per Crash oder langsamer Erosion geschieht, eines erscheint jetzt schon sicher: Die Zeit des US-Dollar als einzige globale Handelswährung geht ihrem Ende entgegen. Der Euro, der japanische Yen und vielleicht sogar der chinesische Yuan werden alsbald einen ähnlichen Rang einnehmen und die US-Wirtschaft wird mit weit weniger Subventionen vom Rest der Welt auskommen müssen als bisher. So haben die Hasardeure der Wall Street nicht nur ihre Banken verspielt, sondern auch Amerikas kostbarstes Privileg.


      (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.09.2008)


      Beste Stelle: „Die Ausländer liefern uns ihre Waren, und dafür kriegen sie von uns
      Papier mit den Bildern unserer toten Präsidenten.“ :heart: :D :heart:
    • Hasi31
      Hasi31
      Black
      Dabei seit: 17.05.2007 Beiträge: 267
      mein wirtschaftslehrer hat mir gesagt, warum der dollar wieder stärker wird...
      und zwar leihen sich die amis geld aus dem ausland, nun verändert sich deshalb der wechselkurs zum ungunsten der amis, sie bekommen weniger dollar für das geliehene geld. z.b. sie kaufen 5 euro ein und bekommen statt 7,50$ nun 6,50$
    • Stoiber123
      Stoiber123
      Bronze
      Dabei seit: 04.06.2006 Beiträge: 462
      Original von Hasi31
      mein wirtschaftslehrer hat mir gesagt, warum der dollar wieder stärker wird...
      und zwar leihen sich die amis geld aus dem ausland, nun verändert sich deshalb der wechselkurs zum ungunsten der amis, sie bekommen weniger dollar für das geliehene geld. z.b. sie kaufen 5 euro ein und bekommen statt 7,50$ nun 6,50$
      dann wird er aber schwächer nicht stärker....
    • bibersuperstar
      bibersuperstar
      Bronze
      Dabei seit: 14.01.2007 Beiträge: 15.429
      argh der $kurs wieder wieder schlechter ;(
      ging doch gerade so schön bergauf...
    • Hasi31
      Hasi31
      Black
      Dabei seit: 17.05.2007 Beiträge: 267
      der auf ps.de scheint nicht immer aktuell zu sein, auf finanzen.net beträgt er 1,27 momentan
    • Slashy
      Slashy
      Bronze
      Dabei seit: 01.04.2006 Beiträge: 969
      :O naja habe selber 80% in EURO getauscht bei 1.248, was solls denke er wird jett unter diese marke dropen. Keine währungsgewinne mehr für mich bzzw nur wenig.
    • ontherockz
      ontherockz
      Silber
      Dabei seit: 09.08.2007 Beiträge: 80
      Hi Leute,

      gerade diesen Mittwoch hat unser Gastprof. aus NY genau dieses Phänomen - steigender $ bei zunehmend schwacher Staatsverschuldung/Konjunkturflaute in den US - angesprochen. Das witzige ist, obwohl er tief in der Thematik steckt, kann er sich auch keinen klaren Reim darauf machen. Folgender Ansatz, welcher auch schon in den zitierten Artikeln aufkam, scheint aber betrachtenswert zu sein:

      Nachdem Nixon die Aufhebung der Goldpreisbindung des Dollars Anfang der 70er durchgesetzt hatte, trat mit der Unterstützung Israels und der damit verbundenen Einflussnahme der USA im Nahen Osten eine andere Dollarbindung in Kraft: Die an den Ölpreis. Merke: Öl wird seitdem NUR in US$ gehandelt.
      Was passiert derzeit? trotz Verknappung der Ölfördermenge fällt der Ölpreis - und der Dollar steigt.
      Abgesehen von der recht einleutenden Annahme, dass die Volkswirtschaften mit erheblichen Dollarreserven ein Interesse an einem starken Dollar haben, steht die Frage im Raum, ob nicht vielleicht doch die Ölpreis-Dollarkursbeziehung ein noch größeres Gewicht hat.
      Leider bin ich hier zu noch keinem sinnigen Schluss gekommen, aber vielleicht hat jemand von euch hier ne Eingebung. Spontan drängt sich mir der Gedanke eines hedging Mechanismus auf - aber das is wohl zu simpel.
      Freue mich auf Ideen/Kritik!