Reads vs. Annahmen/Vermutungen

    • Gavius
      Gavius
      Bronze
      Dabei seit: 27.06.2007 Beiträge: 1.389
      In Handbewertungsforen sieht man sehr häufig Sätze wie "Mein Read war, dass ich auf eine Donkbet nur noch runtergecallt werde. Deswegen habe ich auch nicht geraist."

      Dies ist ein Indiz dafür, dass viele noch nicht den Unterschied zwischen Reads und Annahmen/Vermutungen verstanden haben. Daher will ich in diesem Artikel versuchen, diese Unterschiede zu erklären.


      Reads

      Reads beziehen sich immer auf die Spielweise vorangegangener Hände eines Gegner.

      In den vorangegangenen Händen habe ich die Gegner beobachtet und weiß jetzt,
      • dass sie mich nur mit Monstern raisen,
      • dass sie jeden Müll limpen, auch unimproved jeden Flopp callen und frühestens am Turn folden,
      • dass sie jeden Flop betten/donken,
      • sie so aggressiv sind, dass sie auch ein Underpair am Flop, Turn, River raisen/3betten,
      • ...


      Dieses Reads nutze ich natürlich in der aktuellen Hand, um meine Spielweise anzupassen und die richtige Strategie auszuwählen.

      Reads kann man also umschreiben mit "Wissen über die Spielweise des Gegners aus vorangegangen Händen".


      Annahmen/Vermutungen

      In der Hand, die ich gerade spiele, stelle ich Annahmen/Vermutungen an. Dies kann sein:
      • Die Handrange des Gegners, die sich aus Charts und den Reads über den Gegner (z.B. limp-3bettet er immer QQ+) ergibt
      • Wie die Hand verlaufen könnte, wen ich diese oder jene Strategie nutze


      Annahmen/Vermutungen beziehen zwar die Reads über die Gegner mit ein, werden aber auch ohne explizite Reads angestellt (hier spielt dann Erfahrung eine große Rolle).

      Annahmen/Vermutungen kann man also umschreiben mit "Überlegungen, wie der Handverlauf sein könnte."



      Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel die ein oder andere Unklarheit beseitigen konnte.
  • 2 Antworten
    • SwissDave
      SwissDave
      Bronze
      Dabei seit: 12.02.2007 Beiträge: 637
      Wieso soll der Satz ein Indiz für die Verwechslung von Read und Annahme sein, der macht doch Sinn?
      Wenn man sieht, wie jemand Donkbets mit verschiedenen Händen (z.B. sowohl marginale als auch mittelstarke) einfach runtercallt, dann hat man doch ein Read darauf?

      Man kann diese Spielweise natürlich auch nur vermuten/annehmen, z.B. weil es ein reasonable Spieler ist, beides ist möglich.
    • Gavius
      Gavius
      Bronze
      Dabei seit: 27.06.2007 Beiträge: 1.389
      Sicher, in den vorangegangen Händen hast Du gesehen, dass der Gegner auch runtercallt, wenn er donkt. Das Problem dabei ist, dass sich das nur in den Kopf einbrennt, wenn Du das siehst. Foldet er seine Donkbet später, geht das unter.
      Daher kannst Du in der aktuellen Hand nur vermuten, dass er aufgrund Deiner Reads auch diese Hand runtercallen wird.

      Sicher können Vermutungen sehr nahe an Reads sein, können aber auch weiter davon entfernt sein, je nachdem, wie sicher die Reads sind. So gibt es Reads, die ich auch überhaupt nicht oder nur bedingt auf die aktuelle Hand anwenden kann ("limpt AA, call down mit overpair"). Andere Reads ("raist mit Bottom pair, mit Midpair und Top Pair callt er nur") lassen sich besser in die Vermutungen integrieren.

      Ich gebe zu, dass sich Reads und Vermutungen nicht immer ganz klar trennen lassen.

      Das Problem ist, dass Du den Gegner in ein paar Händen diese und jene Line hast spielen sehen, was aber nicht heißen muss, dass er dies immer tut. Vermutlich sind Reads näher an Vermutungen als umgekehrt.