AF in Verbindung mit Vpip und WTS

    • Witman
      Witman
      Bronze
      Dabei seit: 08.08.2006 Beiträge: 3.234
      Bisher habe ich den AF immer nur in Bezug zum Vpip gesehen weil ich dachte dass jemand mit nem AF von sagen wir 1,5 und nem Vpip von 60 doch deutlich aggressiver ist als einer mit dem gleichen AF und nem Vpip von 25. Auch in coachings schon oft gehört: "Der hat nen AF von 1,5 bei nem 70 Vpip, das ist schon aggressiv!"

      ABER:
      Hab jetzt aber in nem Handbewertungsforum gelesen dass AF und Vpip alleine nichts aussagen. Man müsste auch den WTS miteinbeziehen...

      Wär cool wenn hier ne kleine Diskussion über den theoretischen Hintergrund und einige Beispiele entstehen könnten!

      Gruß witman
  • 5 Antworten
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Ok, ich dachte immer, der AF ist das Verhältnis check/bet bzw. call/raise.

      Also ein AF von 2 bedeutet demnach, dass er 2 mal so häufig raist wie callt bzw 2 mal so häufig bettet wie checkt.

      Oder? ?( Bei einem hohen VPIP von sagen wir mal 45 wäre natürlich ein AF von 2 doch sehr krass, da er viele Schrotthände spielt und davon viele auch noch sehr aggro.

      Jemand mit VPIP von 19 und AF 2 wäre nicht so aggro, da er ohnehin nur gute Hände spielt und davon entsprechend nur diese aggro spielt. Ein VPIP 19 hat also bei gleichem AF sehr viel bessere Hände, die er raist, wie ein VPIP 45.

      Demnach ist der VPIP 45 sehr viel mehr aggro, da er sehr viel mehr schlechtere Hände aggro spielt.

      Seh ich das richtig?
    • tzare
      tzare
      Black
      Dabei seit: 13.03.2007 Beiträge: 5.316
      WTS muss natürlich auch betrachtet werden ...

      Angenommen 2 gegner haben die Gleiche range am turn und beide raisen mit 40% dieser range eine gegnerische bet .

      Gegner 1. foldet allerdings 50% seiner range und callt 10%

      Gegner 2 foldet 10% und callt 50%


      ---> Der der meistens foldet ( = niedriger wts) hat einen weitaus höheren af als der der immer callt .

      Gegner 1 : 40/10 = 4 af
      Gegner 2 : 40/50 = 0,8 af

      Und das obwohl beide am turn die gleiche range aggresiv spielen !
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.767
      WtS spielt schon eine Rolle. Nimm mal an, dass ein VPIP 100 Spieler auf dem Flop alles wegwirft, was ein VPIP 20 Spieler gar nicht erst spielt. Dann sind die Hände und der AF des VPIP 100 Spielers identisch mit dem VPIP 20 Spieler. Allerdings müsste der WtS des VPIP 100 Spielers dann sehr viel niedriger sein als der des VPIP 20 Spielers.

      Genau genommen bezieht sich AF auf die Grösse Seen Flop% * WtS ~ VPIP * WtS.
    • schnup07
      schnup07
      Bronze
      Dabei seit: 08.10.2006 Beiträge: 6.348
      ich habe das irgendwann mal in irgendnem Thread geschrieben...hoffe, das ist soweit richtig...vielleicht bringt dir das was


      Original von schnup07


      ein kleines beispiel (nur mit af und vpip) ---> ACHTUNG: es geht hier um relative und nicht absolute Häufigkeiten....wenn jemand mit 60 Vpip 20% seiner Hände bettet so tut er dies ABSOLUT gesehen viel öfter(doppelt so oft) als einer der mit 30 Vpip 20% seiner Hände bettet

      spieler 1:

      vpip 60, af 2

      spieler 2:

      vpip 30 af 2

      Spieler 1 spielt 60% seiner Hände und ist dabei genauso aggressiv wie Spieler 2, der nur 30% seiner Hände spielt.

      Wir gehen davon aus, dass Spieler 2 nur seine guten Hände spielt, während Spieler 1 viele und schwache Hände spielt. Also S 1 bettet und raist mit 60% aller starthände relativ genauso häufig wie S2 mit seinen 30%......d.h, dass S1 im Durchschnitt eine viel schwächere Hand hält, wenn er bettet und raist als S2. Ich hoffe das leuchtet ein...während S2 nur die Starken Hände aggressiv spielt ( weil er ja auch die schwachen preflop foldet), spielt S2 auch schlechte Hände aggressiv....sodass beide auf den gleichen AF kommen.

      Natürlich zählen für den AF nur die Postflop Aktionen, aber beide Spieler betten und raisen RELATIV GLEICH OFT postflop, nur halt dass ihre durchschnittliche Handstärke eine andere ist:-)


      Wenn wir jetzt noch den WTS hinzunehmen:

      S1 hat einen höheren WTS als S2.....das würde heißen, dass S2 oft am flop, turn oder river foldet, während S1 auf jeder Straße eine Aktion macht. Ein Call senkt den AF, ein Raise und eine Bet erhöhen diesen. Da S2 nicht sehr oft callt, sondern mehr bettet und raist UND aber auch folden kann...während S1 oft einfach runtercallt, muss S1 viel häufiger raisen und betten als S2 um das Verhältnis von Raise&Bet zu Call auf dem gleichen Level zu halten wie S2.

      bsp: S 2 raist 15%, bettet 15% und callt 15% seiner gesamten Aktionen ( also checkt und foldet er in 55 % der Fälle).

      S1 callt z.b in 25% der fälle....d.h. also er muss relativ doppelt so oft raisen und betten als er callt um auf ein AF von 2 zu kommen...also 50% der Fälle bettet und raist er und checkt und foldet in 25% der Fälle ( wenn er foldet geht er nicht auf gar keinen Fall zum SHowdown, mit einem hohen WTS passiert das also nicht allzu häufig):

      S 2 : (15 + 15 )/15 = 2
      S1: (25 +25)/25 = 2

      wenn mich meine Logik nicht im Stich lässt, dann bettet und raist einer mit hohem WTS viel öfter als einer mit einem geringerem WTS bei gleichem AF. Das sagt aber noch nichts über seine Handstärke aus...hier kommt der VPIP ins Spiel: denn einer, der gleichzeitig einen hohen Vpip hat, hat ja im Schnitt eine viel schlechtere Hand mit der er bettet und raist:-).

      ich hoffe ich konnte das einigermaßen verständlich und korrekt rüberbringen...habe es mir im Prinzip selber auch erst jetzt klargemacht :D

      Gruß Schnup
    • Witman
      Witman
      Bronze
      Dabei seit: 08.08.2006 Beiträge: 3.234
      Danke für eure Ausführung (vor allem schnup =) )!

      Das hat mir auf jeden Fall geholfen den AF besser einschätzen zu können... Ich denke dass viele Spieler eben nur den Vpip miteinbeziehen (wenn überhaupt ;) ) und dass das ein großer Fehler ist...