[Allgemein] Einstiegsguide

    • the_typhoon
      the_typhoon
      Bronze
      Dabei seit: 02.03.2005 Beiträge: 1.362
      Ein Beitrag von Christian "t¥ph00n" Wiegel

      [Allgemein] Einstiegsguide

      Ich möchte, dass die Omaha-Foren eine Bereicherung für die Community darstellen und ihr keinen Schaden zufügen. Letzteres könnte, dann eintreten, wenn einige Mitglieder ihre Zeit damit verschwenden eine Pokervariante zu erlernen, die ihnen eigentlich gar nicht liegt oder ihre Fähigkeiten wegen ihren Erfolgen in der Variante Texas Hold'em als Omaha-Spieler überschätzen und einen erheblichen Teil ihrer Bankrole verlieren.

      Aus diesem Grund möchte ich gleich zu Anfang über Omaha im allgemeinen ein paar Worte verlieren, die euch helfen sollen, mit dem hier veröffentlichten Content richtig umzugehen.

      Das wichtigste vorweg: Ich rate niemandem sich ausschließlich auf Omaha zu fixieren. Meine persönliche Motivation, mich mit Omaha auseinander zu setzen war, dass ich unbedingt mal Live-Poker spielen wollte und in den Casinos in meiner Umgebung die Spiele ständig wechseln.


      Wann sollte ich nicht mit Omaha anfangen?

      Omaha ist nichts für Neulinge
      Ich kann jedem, der neu bei Pokerstrategy ist und sich in der Variante Texas Hold'em noch nicht zu den Fortgeschrittenen zählt, von Omaha abraten, denn Omaha ist, wie Matthias in einem Artikel sehr richtig bemerkt, für Beginner etwas verwirrend. Ich bin mir sicher, dass ich ohne meine Hold'em Erfahrung am Anfang bei Omaha einiges an Lehrgeld bezahlt hätte.

      Kein Frustwechseln
      Ich kann euch auch dann nicht zu Omaha raten, wenn ihr in eurer Hold'em-Karriere stagniert und denkt euer Problem mit einem Wechsel zu Omaha lösen zu können. Das ist in etwa so als hätte man mit Aktien große Verluste erlitten und versucht sich das Geld mit riskanten Optionen-Handel zurückzuholen, aber was man mit Aktien nicht geschafft hat, wird man mit Optionen erst recht nicht schaffen. Ihr werdet durch einen Wechsel von Hold'em auf Omaha eure Probleme nicht los, ihr verlagert sie nur auf eine andere Ebene.


      [b]Vor- und Nachteile von Omaha[/b]

      Um euch die Entscheidung zu erleichtern, ob ihr mit Omaha anfangen wollt oder nicht, werde ich das Spiel in seinen unterschiedlichen Aspekten mit Hold'em vergleichen.


      Nachteile von Omaha

      Wenig frequentiert
      Diesen Aspekt solltet ihr auf keinen Fall unterschätzen! Ihr könntet in einer Pokervariante der stärkste Spieler der Welt sein und dennoch nichts davon haben, wenn keiner mit euch spielen will. Selbst auf einer relativ frequentieren Plattform wie PartyPoker kommt es mittags vor, dass kein einziger 50c/1$-Tisch voll besetzt ist. Auch wenn ihr eine Plattform findet auf der ihr eure gewohnte Anzahl an Tischen spielen könnt, seid ihr gegenüber Hold'em in so fern in Nachteil, als dass ihr weniger Auswahl bei der Table-Selection habt.

      Weniger profitabel auf den höheren Limits
      Omaha ist allein schon weniger profitabel auf den hohen Limits, weil diese auf den Pokerseiten kaum vertreten sind. Stoxtrader würde heute sicher nicht über 1000$ in der Stunde verdienen, wenn er sich auf Omaha spezialisiert hätte. Außerdem würde ein reicher Fisch, der sofort auf den hohen Limits einsteigt, eher Hold'em als Omaha spielen, weil Hold'em zumindest oberflächlich - um einiges leichter zu verstehen ist.

      Pokerstrategy.de ist und bleibt eine Hold'em Community
      Ich werde hier zwar in den nächsten Wochen einiges auf die Beine stellen, die Anzahl der Artikel wird aber längst nicht den Umfang erreichen, wie ihr es aus den Hold'em-Sektionen gewohnt seid.
      Auch im Coaching wird euch Pokerstrategy deutlich weniger Service bieten. So weit ich weiß, coached momentan nur Bahmrock gelegentlich Omaha Hi-Lo.
      Vergesst bitte auch nicht, dass bis jetzt - nur ein kleiner Teil der Community Omaha spielt. Das bedeutet, dass es länger dauert, bis ihr Fragen zu Beispielhänden oder allgemeiner Strategie beantwortet bekommt.


      Vorteile von Omaha

      Weniger Bad-Beats
      Im Omaha geht es um einiges 'gerechter' zu als im Hold'em. Die meisten Hände werden am River entschieden, deshalb sind viele Anfänger der Meinung, Omaha sei ein Spiel des Rivers. Dieses Argument ist nur zur Hälfte richtig. Omaha ist nicht ein Spiel des Rivers sondern ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten. Da man im Omaha 4 statt 2 Hole-Cards hat, hat jede Hand logischerweise auch mehr Outs, deshalb kommt es auch öfter vor, dass sich die Hierarchie der Hände am River noch verändert. Viele vergessen aber, dass eine Hand die am River zum Winner wird, oft - statistisch gesehen - schon am Flop oder Turn Favorit war. Eine Hand zu verlieren, weil sich am River ein Open-Ended-Straight-Flush-Draw materialisiert hat, ist schließlich kein Bad Beat.

      Weniger swinglastig
      Wie wir alle wissen gibt es im Poker kurzfristig keine Kontrolle, im Omaha ist das selbstverständlich genauso. Trotzdem sind die Swings im Omaha um einiges geringer. Man benötigt in etwas 40% der Bankrole die man im Hold'em benötigen würde, um das selbe Limit zu spielen. Dies gilt übrigens nicht für die Micro-Limits, hier sind die Gegner traumhaft schlecht und 5 Limper sind keine Seltenheit. Dadurch werden die Spiele natürlich sehr profitabel aber auch swinglastiger.


      *edit*

      Nachtrag von brotsalat1234 25.9.2008
      Omaha ist ein Spiel des Flops, nicht des Rivers. Da viele Pötte zwischen Set und Draws oder mehreren Draws ausgetragen werden liegt die maßgebliche Entscheidung sehr oft auf dem Flop, nur bei sehr deepen Stacks an Turn oder River.

      Weniger Swinglastig ist PLO keinesfalls, grade ab Midstakes kann es zu erheblichen Swings kommen weshalb mindestens ein 50 Buyin BRM empfohlen wird. Ein konservativeres aber durchaus übliches könnte auch 100 Buyins betragen. In Omaha ist unsere reale Winrate zwar meistens größer als in Holdem da die Gegner schlechter sind jedoch gibt es wesentlich mehr AI Konfrontationen mit legitimen Händen. Daraus resultieren kurzfristig sehr starke Swings.

      *edit ende.*

      Profitabler auf den niedrigen Limits
      Während die Gegner im Hold'em auf den niedrigen Limits einfach nur schlecht spielen, wird im Omaha auf einem furchtbar niedrigem Niveau Poker gespielt. Wie wir wissen haben Fische eine unglaubliche Fantasie, wenn es darum geht, was aus der eigenen Hand noch so alles werden könnte. Während sich die Fehler im Hold'em auf Ace-High- oder Low-pairs-Runtercallen beschränken, wird im Omaha einfach jeder Trash runtergecalled: "Hmm, jede 7 macht die Straight und jedes Herz den Flush", dummerweise übersehen sie dabei meistens, dass schon längst ein Paar auf dem Board liegt und damit die meisten Outs tot sind. Dazu kommt meist noch, dass sie noch nicht einmal die Regeln kennen und meinen, Board- und Hole-Cards beliebig kombinieren zu dürfen.(Man MUSS seine Hand aus genau 2 Hole- und 3 Board-Cards zusammensetzen)
      Omaha kann also durchaus sehr nützlich sein, wenn es darum geht eine angeschlagene Bankrole wieder aufzubauen.


      [b]Unterschiede im strategischen Denken[/b]

      Generell ist das zählen der Outs im Omaha um einiges komlizierter als im Hold'em. Das liegt daran, dass man 2 statt 4 Hole-Cards hält und es so oft mehre Möglichkeiten gibt, diese mit dem Board zu verbinden. Auch das Dicounten erweist sich als um einiges schwerer als im Hold'em, da es im Omaha viel öfter zu einem Full House kommt, so dass auch Straight- und Flush-Draws stark abgewertet werden müssen.
      Dagegen nimmt das Handreading im Omaha einen niedrigeren Stellenwert ein als im Hold'em. Auf den niedrigen Limits wo any 4 cards gespielt werden ist es sogar fast unmöglich. Da es nicht selten ist, dass man die Nuts benötigt um am Showdown zu gewinnen, geht es eher darum die Stärke der eigenen Hand in Relation zum Board als in Relation zu den Gegnern zu beurteilen. Das heißt natürlich nicht, dass man sich überhaupt keine Gedanken über die gegnerischen Betting-Sequenzen machen muß.
      Insgesamt kann man also sagen, dass Omaha den Spielern die gerne mit Zahlen spielen und ein gewisses Sicherheitsbedürfnis haben mehr entgegenkommt als Hold'em.


      [b]Vergesst nicht, dass Omaha ein anderes Spiel ist![/b]

      Jeder der sowohl Fixed-Limit- als auch No-Limit-Hold'em spielt, weiß dass selbst eine so unscheinbare Variation der Regeln, wie hoch der Betrag ist, den man maximal setzen darf, die strategischen Konzepte signifikant verändert. So sind zwar sowohl Omaha als auch Hold'em Spiele, bei denen am Ende 5 Community-Cards auf dem Board liegen und viele Mechanismen der fundamentalen Theorie lassen sich von Hold'em auf Omaha übertragen, aber in der angewandten Theorie muß man, da man 4 statt 2 Hole-Cards hält, nahezu alles über den Haufen werfen.
      Man liest häufig, dass die Beschäftigung mit Omaha die Fähigkeiten im Hold'em verbessert und umgekehrt, dieser Effekt wird meiner Meinung nach stark überbewertet. Wenn man das Erlernen von Omaha mit dem Bohren eines 10 Zentimeter tiefen Loches vergleicht, fängt der Hold'em-Experte vielleicht 2 Zentimeter tiefer an, als der Neueinsteiger. Ihr könnt - wenn ihr euch bei Hold'em im Fortgeschrittenem-Stadium befindet - durch die Beschäftigung mit Omaha allerdings keinen spürbaren Spielstärkezuwachs erwarten. Hold'em lernt man nun mal am effizientesten indem man Hold'em spielt und sich mit dem entsprechenden Content auseinandersetzt.
      Daraus folgt natürlich auch, dass ihr, wenn ihr ein bestimmtes Limit im Hold'em geschlagen habt, nicht automatisch auf dem jeweiligen Limit im Omaha Winning Player seid. Ich empfehle euch - wenn eure Bankrole dafür ausreicht - bei 25c/50c maximal bei 50c/1$ einzusteigen. Das klingt zwar banal, ich habe hier allerdings schon Posts gesehen, aus denen hervorging, dass selbst Leute die noch nicht einmal die Regeln kennen, Omaha um richtiges Geld spielen. Lustigerweise wird dann eher ein Bug in der Pokersoftware vermutet, anstatt in Erwägung zu ziehen, dass man die Regeln nicht verstanden hat. Da ich derartige Posts hier nicht mehr sehen möchte, weise ich noch mal auf die am meisten nicht verstandene Regel hin. Man MUSS GENAU 2 Hole-Cards mit 3 Community-Cards kombinieren.

      Quellen:
      Diverse Foren sowie eigene Erfahrungen
  • 5 Antworten
    • Sasch0r
      Sasch0r
      Bronze
      Dabei seit: 17.04.2006 Beiträge: 1.253
      Original von the_typhoon
      Ein Beitrag von Christian "t¥ph00n" Wiegel

      [Allgemein] Einstiegsguide



      Weniger swinglastig
      Wie wir alle wissen gibt es im Poker kurzfristig keine Kontrolle, im Omaha ist das selbstverständlich genauso. Trotzdem sind die Swings im Omaha um einiges geringer. Man benötigt in etwas 40% der Bankrole die man im Hold'em benötigen würde, um das selbe Limit zu spielen. Dies gilt übrigens nicht für die Micro-Limits, hier sind die Gegner traumhaft schlecht und 5 Limper sind keine Seltenheit. Dadurch werden die Spiele natürlich sehr profitabel aber auch swinglastiger.
      Hm irgendwie hab ich nun in diversen Videos und Coachings gehört, das eher das Gegenteil der Fall ist, eine BR von 50 BI wird als standart vorgeschlagen.

      Bitte um Aufklärung !
    • FlyingSheep
      FlyingSheep
      Bronze
      Dabei seit: 16.11.2007 Beiträge: 4.014
      Original von Sasch0r
      Original von the_typhoon
      Ein Beitrag von Christian "t¥ph00n" Wiegel

      [Allgemein] Einstiegsguide



      Weniger swinglastig
      Wie wir alle wissen gibt es im Poker kurzfristig keine Kontrolle, im Omaha ist das selbstverständlich genauso. Trotzdem sind die Swings im Omaha um einiges geringer. Man benötigt in etwas 40% der Bankrole die man im Hold'em benötigen würde, um das selbe Limit zu spielen. Dies gilt übrigens nicht für die Micro-Limits, hier sind die Gegner traumhaft schlecht und 5 Limper sind keine Seltenheit. Dadurch werden die Spiele natürlich sehr profitabel aber auch swinglastiger.
      Hm irgendwie hab ich nun in diversen Videos und Coachings gehört, das eher das Gegenteil der Fall ist, eine BR von 50 BI wird als standart vorgeschlagen.

      Bitte um Aufklärung !
      #2

      bisher beim spielen ist es mir aber auch weniger swingig vorgekommen als NL holdem - vorallem mit der von ps.de propagierten, sehr tighten einsteigerstrategie
    • SirThomse
      SirThomse
      Bronze
      Dabei seit: 22.06.2006 Beiträge: 1.830
      Naja, welche Bereiche spielt Ihr denn. Er meint ja auch

      Dies gilt übrigens nicht für die Micro-Limits, hier sind die Gegner traumhaft schlecht und 5 Limper sind keine Seltenheit. Dadurch werden die Spiele natürlich sehr profitabel aber auch swinglastiger.
    • brotsalat1234
      brotsalat1234
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2007 Beiträge: 5.359
      Habe einen Nachtrag in den OP editiert, von uns wird weiterhin min. 50Buyins empfohlen.
    • suitedeule
      suitedeule
      Black
      Dabei seit: 18.12.2006 Beiträge: 9.822
      *klugscheiss*
      finde eher omaha ist ein spiel des turns ;)

      ums mal genauer zu formulieren:
      am flop treffen halt sehr oft made hand auf starke draws etc pp, kennen wir ja alle, oft gehts hier schon das geld rein, was aber nicht sehr viel mit entscheidungen zu tun hat...

      topset stellt man halt rein, middle set meist auch, dass ich mit nem OESD + FD nicht viel falsch machen kann (equity technisch) ist auch oft der fall.

      wenn man einigermaßen raushat, mit welchen haenden man besser vorsichtig ist (wrap auf FD board, mid set auf trockenem board etc ist das flop spiel meist recht easy)

      das wirklcihe "pokern" kommt imo recht oft halt am turn...
      2nd barrel oder nicht? auf paired board, set bei turned flush, top2 und gutshot/wrap kommt an...
      hier liegt dann (imo) halt der moment, wo dann bei omaha der wirkliche bluff moment liegt und damit auch die chance haende fuer sich zu entscheiden.
      hier muss man dann auch besonders aufpassen nicht rausgeblufft zu werden und selbst bluff spots mit zunehmen

      fazit: flopspielt laesst sich mit ein bischen equity bueffeln und nen bischen handreading / range setzen recht einfach lernen, die wirklichen tricky entscheidungen fallen oft am turn (wenns halt net am flop schon reingeht ;) )
      dort kommen dann oft die spots, die nen "nut peddler" von nem "kreativeren" omaha spieler unterscheiden

      2+2 thread
      Furthermore, the turn is where the scare card comes up, thus opportunities to bluff. Of course, you have to be deep enough to exploit these later street spots.
      In short, putting your money in on a strong draw, are easy/standard moves, therefore require less skill. It's all the other stuff-- bluffing, thin value betting, turn/river play-- that is difficult, and therefore where the money is.