Conti-Bet

    • Slowmo84
      Slowmo84
      Bronze
      Dabei seit: 03.01.2007 Beiträge: 102
      Hi,

      ich habe mir mal Gedanken über das Contibetten gemacht.
      Ich habe nun schon ca. 40k Hände Erfahrung (ja ich weiss es ist nicht viel). Mir kommt es so vor, als ob conitbetten egal ob gegen einen oder zwei Gegner das reinste Geldverbrennen ist. Meistens ist es so, dass ich meine contibet mache und werde mindestens von einem, meistens sogar von beiden Gegnern gecallt.
      Meinem Gefühl nach (und auch nach Ansicht ihrer Karten nach dem Showdown) callen die Leute auf meinem Limit (.50/1) so ziemlich alles am Flop, sei es nun ein Gutshot, einfach 2 overcards etc und machen sich keine Gedanken über outs & odds.

      Ich wollt einfach mal eure Meinung hören zu contibetten auf microlimits.

      Danke und Gruss Andy
  • 4 Antworten
    • schnup07
      schnup07
      Bronze
      Dabei seit: 08.10.2006 Beiträge: 6.324
      ja, stimmt schon, man darf keine nobrainer kontibets machen...habe irgendwann mal das hier geschrieben...vielleicht kann das ja einer ergänzen oder verbessern:-)



      3handed kann man fast jeden Flop kontibetten. Man sollte dies aber nicht blind machen.

      wichtige Faktoren, die man berückstichtigen muss, wenn man überlegt ob eine Kontibet Sinn macht(xhanded):

      - Art der Gegner (passiv, aggro)
      - eigene Position
      - Boardstruktur


      Art der Gegner:
      ich denke, man kann sagen, dass bei Callingstations, die jeden Flop callen oft eine Kontibet "mit Nichts" falsch ist. Was bringt dir die Kontibet, wenn die Gegner hier nie folden und du selber aber keine Madehand hast? Oft hast du die gewünschte Foldequity erst am Turn, d.h. du verpflichtest dich im Prinzip gegen einige Gegner "blind" den Turn zu betten und dies ist 3handed oft einfach Mist, weil beide Gegner eh nicht folden werden bzw viel zu selten folden, um es profitabel zu machen.
      Haben die Gegner einen geringen WTS so lohnt sich eine Kontibet einfach mehr, weil die Gegner sich von einer Hand trennen können und evtl nach Odds und Outs spielen. Diese Gegner werden sehr selten mit "Nichts" den Flop callen. Callen sie einen Flop auf dem keinerlei draws möglich waren, dann kannst du ohne Madehand den turn oft check folden. Bei Fischen kann man diesen Rückschluss leider nicht ziehen:-)

      Eigene Position:
      In Position hast du sehr viele Vorteile ggü OOP:

      -> du kennst die Action, d.h. du weißt ob jemand gedonkt hat, alle gecheckt haben....(vor allem in einem Pot mit mehr als 3 Gegnern). Denn hier werden v.a die Tags selbst ne madehand donken, weil sie sich auf deine Kontibet nicht mehr verlassen können. Oder eben einen draw, wenn sie oop sitzen und alle trappen wollen.

      kleines BSP: es sind 4 Spieler am flop. Spieler 1 ist zuerst dran und du bist IP und damit spieler 4.
      wenn das Board z.b. 5 Heart 6 Heart Q Diamond ist. Donkt Spieler 1 ( tag), dann kannst du nicht genau sagen, was er hält. Er kann einen Draw so spielen ( oesd, flushdraw) um die anderen zwischen sich und dir, dem PFA, zu trappen bzw. die Q antifreecard zu donken. Wenn aber 1 und 2 checken und 3 donkt ( TAG), dann kannst du eher davon ausgehen, dass eine Madehand ist, denn ein draw hier zu donken wäre doof, weil er befürchten muss, dass wir als PFA eine gute Hand haben und raisen könnten. Somit wird er sich hier mit seinem draw gegen eine bessere madehand isolieren.

      -> du kannst dir zur Not eine freecard am flop ( und viel wichtiger am Turn) nehmen. Wenn du IP bist und die Gegner passiv, dann kann man auch ab und an 4 handed ballern, um sich eine freecard am turn zu kaufen. Hier aber nur, wenn du eine freecard gebrauchen kannst...gutshot, overcards... NICHT mit einer Hand, der Freecards nicht helfen 4handed betten!!! dann solltest du sofort behindchecken und die die Freecard nehmen. z.b 77 auf AKT...da bist du oft tot..da hilft dir die freecard auch nichts. Behindchecken und hoffen am Turn eine 7 zu treffen.

      -> du kannst dir den SD billig erkaufen: durch eine erneute Turnbet kannst du dir am river den freeshowdown nehmen. Diese Line ist vor allem gegen passive Gegner mit ShowdownValue sehr wichtig. So kannst du mit A high 3 handed den Flop betten...solltet ihr am turn Headsup sein und am flop sehr viele draws oder eben eine callingstation, die trash am flop callt, dann solltest du jeden turn kontibetten und ui am river behindchecken.


      Boardstruktur:

      -je drawheavyier desto eher solltest du ohne Madehand von einer Kontibet absehen....selbst 3handed

      z.b. 88 auf JQK am besten noch alles Heart oder halt 2suited. Hier hast du gegen die wenigsten Fische foldequity...die callen hier jedes A, jeden J, jede T...flushdraws, evtl sogar die 9 und du weißt am turn immer noch nicht, woran du bist. Halten die ein Pair, ein draw oder einfach nur gar nichts? deswegen kann man hier gegen bestimmte gegner auch 3handed sofort check fold spielen. Vor allem OOP:-)

      weiteres Bsp:
      du sitzt (4handed) an 3. Position und hälst AT auf K27 (rainbow). Wenn 1 und 2 zu dir gecheckt haben, dann würde ich so ein Board sehr oft auch 4handed ballern, weil:

      - hier keinerlei draws möglich sind, sodass die gegner dieses board oft verfehlt haben und somit keinen grund haben sich den turn anzugucken ( gilt v.a. für reasonable spieler)
      - du dir den Button kaufen kannst, d.h. du kannst evtl am turn all die vorteile genießen, die ich oben aufgezählt habe
      - 2 gegner bereits gecheckt haben

      Faktoren nicht abschließend, es kommen sicherlich noch andere Dinge, die man beachten muss hinzu.
    • mcmoe
      mcmoe
      Bronze
      Dabei seit: 11.04.2006 Beiträge: 3.838
      mein vorredner hat schon das meiste gesagt, trotzdem hier noch eine kleine ergänzung:

      contibets sind wichtig, aber man sollte sie nicht einsetzen ohne sich vorher gedanken über die eigene equity vs. die handrange der gegner zu machen.

      "handrange bei vollfischen?! wie soll ich die denn auf ne range setzen?" wirst du sagen … aber man muss diese range nicht sehr genau kennen um großteils gute entscheidungen anhand der equity zu treffen.

      ein beispiel wurde ja schon genannt: pocket-8er auf einem KQJ-flop mit 2 suits.

      sagen wir einfach mal, wir haben drei gegner und sie sind totale affen und spielen eine random-range.
      vor dem flop sehen deine 8er ganz gut aus mit ca. 150% der durchschnittsequity (25%):

      Hand 0: 37.556% { 8c8d }
      Hand 1: 20.923% { random }
      Hand 2: 20.794% { random }
      Hand 3: 20.726% { random }

      sobald wir aber einen doofen flop legen, der dir keine redraws gibt:

      Board: Ks Qs Jh
      Hand 0: 15.913% { 8c8d }
      Hand 1: 27.957% { random }
      Hand 2: 28.056% { random }
      Hand 3: 28.075% { random }

      siehe da, du bist von 150% auf gerade mal ~64% durchschnittsequity runtergefallen. es ist somit ziemlich unprofitabel diese hand weiterzuspielen.

      was ich damit eigentlich sagen will:
      spiel mal mit equilator oder stove mit boartexturen und großen fisch-handranges vs. deinen guten preflophänden herum um ein gefühl dafür zu bekommen, wie deine equity sich auf verschiedenen boardtexturen verhält.

      zudem gibt die action ja auch noch hinweise auf die range des gegners und lässt somit eine reduktion zu. ganz doofes beispiel: du contibettest deine 8er auf dem oben genannten flop und bekommst einen fold, einen raise und einen coldcaller. deine equity geht hier nochmal deutlich in den keller weil zumindest einer von denen eine madehand halten wird und der andere meist einen draw mit 9-18 outs gegen dich halten könnte.

      also, simulationen machen, situationen einprägen und später anwenden. es ist immer gut einschätzen zu können, wie eine bestimmte hand gegen random performt.
    • kombi
      kombi
      Bronze
      Dabei seit: 20.08.2006 Beiträge: 9.244
      Auch wenn es ein wenig abgeleiert klingt, aber in vielen Fällen hast du die beste Hand bzw. genügende EQ. Wenn du ein Pair hast, ist die Conti gut. Wenn du ein gutes A-high hast, ist die Conti gut. Wenn du einen guten Draw hast, ist die Conti gut. Lediglich wenn du eine weake unpaired Hand hast, brauchst du noch Foldequity. In den allermeisten Fällen trifft einer dieser Fälle zu, auch wenn du gegen calling stations spielst.

      Neben den Texten von schnup und mcmoe, kann ich auch noch die beiden Contibet Materialien aus der Strat-Sektion empfehlen, auch wenn sie nicht direkt auf HU bzw. 3-handed Pots zugeschnitten sind: Continuation Bets I, Continuation Bets II
    • Slowmo84
      Slowmo84
      Bronze
      Dabei seit: 03.01.2007 Beiträge: 102
      Vielen Dank Leute, ich habe mir alles nochmal genauestens durchgelesen (sowohl die Forenbeiträge von euch, als auch den strategy part). Ich muss zugeben,dass ich echt sehr oft "blind" gecontibettet habe. Durch contibetten und 2nd barrel habe ich sehr viel Geld verloren.

      Vielen Dank!!
      Gruss Andy