Multitabling als Selbstdiziplinierung?

    • bahmrockk
      bahmrockk
      Bronze
      Dabei seit: 10.09.2005 Beiträge: 6.769
      Hi,
      ich will hauptsaechlich mal eine Erfahrung schildern und wissen, was ihr so davon haltet:

      Ich spiele jetzt erst seid ein paar Tagen "serioes" Poker und versuche, Fehler zu finden und mich zu verbessern. Soweit, so normal. Trotzdem habe ich mich immer mal wieder zwischendurch erwischt, dass ich einen call gemacht habe, wo ich eigentlich keinen machen sollte, was mir direkt NACH dem Klick klar war, noch bevor die Karte zu sehen war. Oder nen Preflop-Raise, der total bescheuert (und nicht chartkonform ;) ) ist ...
      Nun habe ich heute mir mal ueberlegt, warum ich das manchmal mache und kam zu der Idee, dass ich vielleicht einfach nicht fokusiert genug auf einen Tisch bin und dauernd vom Pokern abschweife (auch vier Tische lasten mich nicht wirklich aus ...). Um die Gedanken beim Pokern zu halten habe ich die Tischanzahl nach und nach erhoeht - und habe gemerkt, dass ich sehr viel effektiver auf sieben Tischen als auf vieren spiele. Acht waren zuviel - aber sieben waren, vom empfinden her und dem Spielfluss, optimal. Ich weiss, dass ich damit keine guten reads auf meine Gegner kriege aber _mein_ Spiel wurde dadurch wesentlich stabiler, hatte ich das Gefuehl.

      Gibt es da aehnliche Erfahrung? Alles nur Schmarn?

      danke fuer Eure Meinungen!


      tschuessi,
      georg
  • 22 Antworten
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      Du fragst, was andere davon halten.

      Kannst du dafür ein paar Fragen beantworten?

      Wie lange spielst Du schon welche Limits?
      Ist es Langeweile + Unterforderung?
      Wenn ja, hast Du über andere Maßnahmen nachgedacht, bevor Du zum Multitabling kamst?
      Hast Du woanders her Multi-tasking-Erfahrung?
      Wirst Du zu Hause öfter vom spielen abgelenkt?

      Mit den Infos würde ich Dir gerne meine Meinung schreiben. =)
    • lordTasse
      lordTasse
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 3.847
      also ich spiel definitiv bei mehreren tables besser, das merk ich schon wenn ich abundzu n tourney spiele und nix nebenher mach, da spiel ich manche sachen viel looser weils so langweilig ist.

      deswegen kann ichs auch verstehen das in casinos so viele maniacs sind ^^
    • PeFro
      PeFro
      Bronze
      Dabei seit: 22.05.2005 Beiträge: 527
      Also ich persönlich käme damit nicht mehr klar. Zum einen finde ich den Lerneffekt mit weniger Tables (bei mir max 4, meistens 3) deutlich höher, zum Anderen mach ich weitaus weniger Fehler, zumal es ja auch schon bei 4 Tischen zu "hektischen" Situationen kommt, wo man plötzlich auf allen Tischen gleichzeitig Action hat.
      Sicher gibt es zwar oft "Leerräume" zwischen den spielbaren Händen, aber das überbrück ich ganz gerne mit Surfen
    • SlannesH
      SlannesH
      Black
      Dabei seit: 23.01.2005 Beiträge: 7.738
      Kenn ich. Ich hab früher Broodwar gespielt und als ich Poker angefangen habe, wusst ich nicht wohin mit meinen APM. Mehr Tische haben mir da auch geholfen, jetzt sinds allerdings wieder weniger, da man sich auf höheren Limits mehr auf die Tische (imo) konzentrieren und 100% geben muss. Auf niedrigeren Limits, wo man "autopilot" spielen kann, ist dsa sicherlich "hilfreich" (voraussetzung ist allerdings, das man sich wirklich unterfordert fühlt. Ich würde niemals jemandem raten der mit 4 Tischen auskommt, mehr zu spielen).

      MfG
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      Da gibt es ein Problem, SlannesH.
      Du musstest den skill erst aufbauen, um die vielen Tische sauber spieltechnisch händeln zu können. Da finde ich PeFros Posting sehr treffend.
      Ich finde auch, daß der Lerneffekt sehr leidet, wenn man zu früh damit anfängt.
      Was sagt Deine Erfahrung zu dem Punkt?
    • lordTasse
      lordTasse
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 3.847
      ich find den lerneffekt höher bei mehreren tischen, da die situationen alle viel öfters vorkommen

      natürlich sollte man es da nicht übertreiben mitm multitablen
      ich hab bei 4c direkt mit 4tabling angefangen, ich finde man sammelt so viel schneller erfahrung.
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      Hm. Dieser Weg wäre für mich undenkbar gewesen. Ich fand am Anfang einen Tisch schon zu viel! :] Es gibt doch einiges zu lernen bei dem Spiel, bei 4 Tischen nach wenigen Tagen hätte ich nichts mehr mitbekommen. Lass mich raten: Du hast auch vorher BroodWar gespielt?
    • lordTasse
      lordTasse
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 3.847
      ne aber warcraft3 -_-
      naja das einzige was manchmal stressig war am anfang war die bestimmung der position, und manche straights zu sehen :D
    • bahmrockk
      bahmrockk
      Bronze
      Dabei seit: 10.09.2005 Beiträge: 6.769
      Original von Frohbi
      Du fragst, was andere davon halten.

      Kannst du dafür ein paar Fragen beantworten?
      Ja, klar, gerne :)

      - Wie lange spielst Du schon welche Limits?
      Ich habe ca nen Monat lang locker von eigenem Geld gespielt, als Zeitvertreib, bis mich irgendwann der Ergeiz gepackt hat, da bin ich durch Zufall hier gelandet, das war vor ca ner Woche :)

      - Ist es Langeweile + Unterforderung?
      Hmm das kann gut sein. Ich hab ne Aufmerksamkeitsstoerung, ich denke ma, das kommt damit zusammen *g*

      - Wenn ja, hast Du über andere Maßnahmen nachgedacht, bevor Du zum Multitabling kamst?
      Mir sind keine eingefallen :) das "normale" Konzentrieren scheint ja nicht gereicht zu haben ^^

      - Hast Du woanders her Multi-tasking-Erfahrung?
      Jo - Ich bin Informatiker und schraube eigentlich _immer_ an mehreren Dingen parallel (keine sexistischen Witze bitte :p). Egal, ob es ums lesen geht oder ums arbeiten geht, eins ist meist nicht genug *gg*

      - Wirst Du zu Hause öfter vom spielen abgelenkt?
      Nuja, die Ablenkung kommt schon durch den Rechner an sich - chatten, coden, lesen, etc, etc ... das ist beim Multitabling halt einfach nichtmehr moeglich.

      So far :)

      tschuessi,
      georg
    • bahmrockk
      bahmrockk
      Bronze
      Dabei seit: 10.09.2005 Beiträge: 6.769
      Zum Lerneffekt noch: Auch bei sieben Tischen hab ich noch die Zeit gefunden, kritische Haende rauszukopieren und mir hinterher nochmal anzugucken :) Aber ich habe vorher sehr viel NUR Theorie gepaukt (also als ich hier anfing) und trotzdem die ersten fuenf Dollar verloren gehabt. Dann habe ich mir das meiste nochmal zu Herzen genommen - ich war ne Woche krank und habe mein Bett nur mit meiner Freundin und Pokerbuechern geteilt - danach kamen die 5$ neu (am Sa) und nu isses merh als viermal so viel ... Aber wenn ich gar keinen Peil vom Poker gehabt haette, waere der Lerneffekt sicher sehr im Arsch, da habt ihr recht. So finde ich aber, wie lordTasse schon sagte, dass man bei mehr Tischen einfach mehr mitkriegt.

      Konkretes Beispiel:
      Ich weiss nicht, wie hoch die Chance dazu war, aber ich habe im CO auf drei Tischen parllel TT gekriegt und konnte dann wunderbar sehen, wie sich die Haende anders spielen, je nach Gegner/Flop. Ich hatte innerhalb von 30 sek die Situation: Blinds gestohlen/Fold nach Flop (drei Overcards kamen :( ) und afst nen Dollar durch nen Maniac eingenommen - Gott sei dank (? ist auch Ansichtssache sicher ;) ) keine negative Erfahrung dabei gewesen .....



      tschuessi,
      georg
    • Siegfried75
      Siegfried75
      Bronze
      Dabei seit: 29.03.2005 Beiträge: 1.258
      Wenn Du das hinkriegst, why not? ich denke aber, dass Dir bestimmte Feinheiten einfach durchgehen. Das wichtigste wohl, was eigentl. in den vorhergehenden Wettrunden passiert ist und welcher Gegner wie in welchen Situationen agiert. Oder hast Du zwei Monitore, wo Du alle Tische beobachten kannst?
      Das eigentl. Problem ist nicht, dass man das auf den Micros wirklich braucht. Das Problem ist vielmehr, dass Du die Gelegenheit verpasst, sowas einzuüben. Aber vielleicht kriegst Du das ja auch mit sieben Tischen hin?!
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      Du machst mir langsam Angst, Siegfried75. :]

      Dem Posting ist nichts hinzuzufügen.

      Ach doch, ergänzend:
      Hab mal das Statement gehört, daß es so gut wie nicht möglich sei, bei 7-tabling am Turn noch zu wissen, wer der Preflopraiser war. Solche Sachen wären dann bei etwas höheren Limits erheblich -ev.

      Aber in Deiner Situation:

      Wenn Du das hinkriegst, why not?
    • Siegfried75
      Siegfried75
      Bronze
      Dabei seit: 29.03.2005 Beiträge: 1.258
      Du machst mir langsam Angst, Siegfried75.


      Tja, wir verstehn uns halt. :D
    • jjacky
      jjacky
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 1.305
      meine erfahrung mit extremem multitabling (deutlich mehr als 4 tische; besonders schlimm an nur einem monitor) ist, dass die ursache nicht eine unterforderung an wenigen tischen ist, sondern eine überforderung.

      ein guter spieler bezieht vielleicht 60% (alle prozentzahlen dienen ausschließlich der verdeutlichung) der verfügbaren information in seine entscheidung ein, wenn er 4 tische spielt. bei 8 tischen nutzt er noch 25%.
      ein schwacher spieler nutzt möglicherweise unabhängig von der anzahl der tische 10% der information. wenn man zu dieser kategorie spieler gehört, sollte man nicht mehr tische spielen, sondern sich bemühen, poker besser zu verstehen und dadurch mehr für einen selbst nutzbare information zu haben.


      Original von lordTasse
      ich find den lerneffekt höher bei mehreren tischen, da die situationen alle viel öfters vorkommen
      ich bin völlig anderer ansicht und halte es für sehr gefährlich, dass du anfängern eine solche these präsentierst.

      wenn man einfach nur viel spielt, ohne über seine hände nachzudenken, wird man sein spiel entweder nicht ändern, oder es von den zufälligen kurzfristigen ergebnissen festmachen. ersteres bedeutet stillstand, letzteres ist fatal.

      lernen tut man imo durch nachdenken und möglicherweise durch intensives beobachten. beides scheint mir bei exzessivem multitabling nicht möglich zu sein.
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      Siegfried75 führt auch Bedenken an.
      Deine sehr viel tiefergehende Analyse ist hier genau das Richtige. Da waren wir viel zu sehr an der Oberfläche geblieben. :(

      Es bleibt fraglich, wie es für Bahmrockk aussieht. Er schreibt, (meine freie ßbersetzung) daß er theoretisch geschult ist in Bezug auf das Limit und Konzentrationsstörungen bei zu wenig Action hat. Dafür braucht es eine konkrete Lösung.

      Wie könnte die aussehen, wenn man vom Multitabling absieht?

      Wenn ich Dich richtig verstehe, empfiehlst Du intensiveres "in-die Tische-einsteigen".
      Das wäre sicherlich die langfristig gesehen ideale Lösung.
    • lordTasse
      lordTasse
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 3.847
      Original von jjacky
      wenn man einfach nur viel spielt, ohne über seine hände nachzudenken, wird man sein spiel entweder nicht ändern, oder es von den zufälligen kurzfristigen ergebnissen festmachen.
      grade das find ich wird durch multitabling verhindert, wenn man 1tabling macht dauerts eewwwwwwwig bis man fortschritte sieht da man erstmal genug hands spielen muss.
    • jjacky
      jjacky
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 1.305
      @bahmrokk

      harrington on hold'em I und II ist die beste buchserie über no limit tournaments, geschrieben von einem der erfolgreichsten turnierspieler der welt (unter anderem WSOP main event winner). in band 1 im ersten kapitel gibt es ein unterkapitel mit dem namen "What is a Hand". dieses werde ich im folgenden zusammenfassen.

      der großteil ist ein dialog zwischen einem anfänger und einem pro.

      anfänger: kann ich dir eine frage über eine hand stellen?

      pro: klar, leg los.

      anfänger: ok, danke. ich habe KQs und vor mir ist ein call...

      pro: in welcher position warst du?

      anfänger: oh ich weiß nicht, ich war vielleicht als 5. dran oder so...

      pro: in welcher position war der caller?

      anfänger: ich meine er war als zweiter dran... nein warte, er war direkt under the gun ... oder ... naja, irgendwie so.

      pro: wieviele chips hattest du?

      anfänger: eine menge, vielleicht 4000 oder 5000.

      pro: und wie hoch waren die blinds?

      anfänger: ziemlich klein, vielleicht 50/100 100/200 - sowas in die richtung. aber wie auch immer. ich habe gecallt und der spieler hinder mir erhöht! alle anderen haben gefoldet und ich wußte nicht was ich machen sollte...

      pro: wieviele chips hatte er?

      anfänger: du meinst den typen der mich geraised hat? ich weiss nicht, wer kann sich an das ganze zeug erinnern? hey, ich möchte über die hand reden!


      und harringtons kommentar darunter:
      für den anfänger, sind seine karten und das was die anderen spieler gemacht haben die hand. für den pro ist eine "hand" viel mehr als das. es ist eine gesamte situation, voll von verschiedenen elementen, die man als ganzes sehen muss bevor eine gute entscheidung getroffen werden kann.


      ich würde dir empfehlen "small stakes hold'em", "hold'em poker for advanced players" und "the theory of poker" sorgfältig zu lesen. wenn du damit fertig bist, solltest du die bücher nochmal lesen. danach wirst du wahrscheinlich sehr viel mehr dinge erkennen, die die richtige entscheidung beeinflußen. wenn du dann versuchst alle diese faktoren in dein spiel miteinzubeziehen und dich immernoch beim 4 tabling langweilst, solltest du entweder 8 tische spielen, oder die bücher nochmal lesen.


      ps: ich habe SSH 3 mal und die anderen aufgeführten bücher jeweils 2 mal gelesen.
    • bahmrockk
      bahmrockk
      Bronze
      Dabei seit: 10.09.2005 Beiträge: 6.769
      small stakes hold 'em hab ich noch nicht, die beiden anderen Buecher sind durch :) Auf ein neues *g*

      Nur, wens interessiert, noch zu meiner Entwicklung:
      Ich habe auf ps.com auf 70$ hochgespielt bin dann umgezogen und habe mich seid .1/.2 wieder auf 3 oder 4 tabling beschraenkt. Ich habe mir jjackis dialog zu Herzen genommen: Sobald ich am River nichtmehr sagen konnte, welcher Cent im Pott vom wem wann kam wurde ein Tisch entfernt. Damit habe ich mich bei 3 - 4 Tabling eingependelt, je nachdem, wieviel Action los ist.

      Zu dem 8 Tabling nochmal: Ich bin jetzt sehr froh, das ich es gemacht habe, aus einzig und allein einem Grund:
      Die Starting Hand Chart kann ich in- und auswendig, Potodds berechne ich innerhalb von Sekunden und Outs genauso.
      Also fuer die rein "mechanischen" Pokerfaehigkeiten hat es mir sicherlich gut getan - was das lesende Spiel angeht war es einfach dumm.
      Im Nachhinein wuerde ich es auch keinem Anfaenger empfehlen - es sei denn, er hat das Limit schon geschlagen und will eben diese mechanischen Dinge ueben.


      tschuessi,
      georg
    • TaZz
      TaZz
      Bronze
      Dabei seit: 27.01.2006 Beiträge: 10.771
      hmm, mir gehts ähnlich, aber nicht so extrem...

      ich spiele jetzt erst seit 5 tagen, hatte höhen und tiefen...
      am 1. tag 1 table gespielt, lief schlecht...
      am 2. tag später mal 2 tables gespielt, lief sehr gut...
      am 3. tag wieder 1 table, weil ich mich intensiv mit dem spiel beschäftigen wollte... dickes minus am ende des tages gehabt
      am 4. tag zu beginn immer noch 1 table, lief schlecht, später 2-3 tables und da liefs gut
      am 5. tag 2-4 tables, lief sehr gut... habe eben an 4 tables etwa ~28BB / h in 2 stunden gemacht...

      ich habe nicht das gefühl, wenn ich an einem tisch spiele, dass ich schlechter spiele und die anderen mir überlegen sind... im gegenteil, ich fühle mich überlegen... es kommt mir vor, dass ich einfach übermäßig schlechte hände bekomme oder nichts beim flop treffe... anscheinend kann ich diese varianz über mehrere tables ausgleichen, anders kann ich es mir nicht erklären...

      aber 3-4 tables sind ja noch im rahmen des möglichen am anfang, oder würdet ihr auch davon abraten?
    • 1
    • 2