Finanzkrise - US-Notenbank senkt Leitzins auf bis zu 0 Prozent

    • IkArI
      IkArI
      Bronze
      Dabei seit: 20.04.2006 Beiträge: 518
      Hallo liebe Mitstrategen,

      wie seht Ihr das ganze Thema?

      Alles wird kolabieren oder betriffts uns eh nicht?

      Sollten wir Gold im Keller bunkern?

      Da sich in dem Forum hier doch einige Studenten (BWL'er, VWL'er,... ), Bänker und Neureiche ( ;) ) tummeln interessiert mich brennend euer Statement zum Thema und eure Erwartungen für die Zukunft.

      Seht mir jetzt schonmal das etwas konfuse Topic nach, falls der Thread nichts wird kann er einfach gelöscht, geclosed oder zum Spam missbraucht werden :) .

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      Als kleinen Exkurs und zur Erweiterung des geistigen Tellerrandes möchte ich ein paar Sachen quoten und diverse Dialoge und Artikel aus Stammforen posten:

      US-Notenbank senkt Leitzins auf bis zu 0 Prozent

      http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,596876,00.html

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      ab hier geht "Offtopic" los und Lesefaule, nicht Interessierte und Flamer hören hier einfach auf (so kann kostbare Lebenszeit gespart werden!), alle anderen sind herzlich eingeladen sich hier Anregungen aus Auszügen zu holen und neue Blickwinkel kennen zu lernen.


      willst du den charakter eines menschen erkennen, so gib ihm macht.

      ja das ist mir klar, aber in der wirtschaft ist eben alles auf modellen und theorien aufgebaut und das ist nunmal die freak'sche theorie des perfekten wirtschaftssystems Augenzwinkern
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      Zitat von Jackle

      Nochmal ein kleines Beispiel. 1 Bank, 1 Schuldner.
      Kredit über 1000Euro, jährlich 250€ Tilgung + 10% Zinsen.
      T1 Bankbilanz: 1000Aktiv(Kreditforderung)|1000Passiv(Girokonto)
      T2 Bankbilanz: 750Aktiv|650Passiv 100Eigenkapital(Zinsen)
      Insgesammt gibt es jetzt auch nur noch 750€ im System
      T3 Bankbilanz: 500Aktiv|325Passiv 175Eigenkaptial
      T4 Bankbilanz: 250Aktiv|25Passiv 225Eigenkapital
      T5 bricht das System zusammen, da der Schuldner 250€ noch tilgen muss, dazu müsste er es aber irgendwie schaffen 225€ von der Bank zu bekommen. (Schau in die Realität, bevor du versuchst an dem Punkt anzufangen zu argumentieren)
      Viel schlimmer aber noch, er muss auch noch seine Zinsen in der Höhe von 25€ zahlen. Die gibt es aber nicht!
      Diesem Dilemma kann man nur mit exponentiellen Wachstum entkommen. Exponentielles Wachstum entkommt uns aber und stürzt jetzt über uns zusammen (oder in der Zeitachse verschoben aus noch höheren Gefilden).

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      Ist ja ein schönes Beispiel, hakt aber an zwei Faktoren. Wieso sollten im System nur ein Schuldner und nur ein Gläubiger sein? Wer leiht sich Geld, wenn er es der anderen Person verzinst zurückzahlen muss, ohne damit zu wirtschaften? Würde er das nicht, brächte er kein Geld. Würde er das, müssen weitere Komponenten eingefügt werden.

      Zum anderen widerspricht es nicht meiner Annahme der fehlenden Sicherung als wichtigerem Faktor. Du sagst doch selbst, dass die Abschreibung, also die Wertverringerung, die Probleme entstehen lässt. Der Fehler im System ist, dass der Bankfachmann sich mit dem Wert verkalkuliert hat. Heutzutage hat man sich nicht verkalkuliert, sondern der Markt ist verschwunden. Ähnlich der Stahlmarkt Mitte der 90er - als die Lagerbestände massiv weniger wert wurden, weil es keine Abnehmer, also keine zu diesem Preis, gab. Problem der Unterfütterung.




      Crutschie ... always a CT

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      Das Beispiel ist ja auch so gewählt, dass man schnell die Problematik der Geldschöpfung durch Kredit der Geschäftsbanken erkennen kann. In der Reallität ist das alles natürlich etwas komplizierter und du hast natürlich damit recht, dass ein Unternehmen sich nur Geld leiht, wenn es glaubt, zukünftig mehr mit dem jetzt Investiertem zu erwirtschaften.
      Das Beispiel zeigt aber anschaulich, wenn Geldschöpfung fast ausschließlich über die Kreditvergabe von Banken geregelt wird, vor welchen Problemen man steht. Auf die gesamte Volkswirtschaft angewendet, muss nämlich immmer der schwarze Peter, der im Beispiel dargelegt wird, weiter gereicht werden und das in einem immer höheren Maße. Exponentielles Schuldenwachstum - eben wie es auch in den letzten 60 Jahren abgelaufen ist.

      Ich widerspreche dir nicht, dass aus Sicht der einzelnen Bank zuviele Kredite, die mit schlechten Sicherungen unterlegt waren, zu großen Problemen heranwachsen können.
      Aber ich hatte auch schon erwähnt, dass es für die gesamte Volkswirtschaft nunmal einen Verschuldungszwang gibt, der dazu führt, dass man immer neue Schuldner im eingenen Land bzw. weltweit braucht. Da kann man dann entweder das System abschmieren lassen oder alle machen mit und vergeben auch Subprime-Hypotheken und man verschachert die Risiken am besten noch weltweit um die Unsicherheiten zu streuen.

      Dass 1 Bank, 1 Schuldner Beispiel soll nur aufzeigen, dass jede Bank und jeder Schuldner prinzipiell vor genau diesem Problem steht. Der Schuldner muss sich aus dem restlichen Wirtschaftskreislauf durch Arbeit oder Unternehmertum, bzw. Steuern als Staat, Geld "erwirtschaften", welches aber auch nur durch Geldschöpfung der Geschäftbanken(ZB) auf die Welt gekommen seien kann. Die Banken hat eben ein ähnliches Problem. Damit die Kredite der Vergangenheit passend zurückgezahlt werden, müssen im Jetzt mehr Kredite ausgegeben werden und zukünftig eben noch mehr und genau das führt natürlich zu einer schlechten Absicherung mit realen Sicherungen, da diese nunmal nicht unendlich exponentiell mitwachsen können.



      Derzeit wird wohl die letzte Blase aufgepumpt. Amerikanische 3monatige Staatsanleihen waren die Tage zum ersten Mal in der Geschichte mit negativer Rendite! Das bedeutet, dass die die Anleger Geld bezahlt haben, damit sie ihre Dollar in drei Monaten auf Hella und Pfennig wieder bekommen.
      http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Leitartikel-Letzte-Zuflucht-Staatsanleihe/450044.html

      Gleichzeitig gab es am Goldterminmarkt das erste Mal eine "Backwardation"-Situation.
      http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/:Knappes-Edelmetall-Krisenszenario-am-Goldmarkt/450053.html


      Das sind die beiden wichtigsten Märkte in der nächsten Zeit. Wenn die Bond-Blase platzt, dürfte sich der Dollar und der Euro schnell verabschieden (und Gold geht dann durch die Decke).
      Sie merken das ja auch selbst und kommen auf die wahnsinnigsten Ideen. So will die FED eigene Anleihen auf den Markt bringen. Allein so eine Ankündigung müsste sofort alle aus dem Dollar flüchten lassen.

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      Damit die Kredite der Vergangenheit passend zurückgezahlt werden, müssen im Jetzt mehr Kredite ausgegeben werden und zukünftig eben noch mehr und genau das führt natürlich zu einer schlechten Absicherung mit realen Sicherungen, da diese nunmal nicht unendlich exponentiell mitwachsen können.




      Ja, dieses Problem sehe ich auch - und für mich ist das auch weiterhin das Hauptproblem.


      Die Gefahr des Abschmierens auh nur einer der beiden führenden Währungen sehe ich nicht. Erstens ist gerade der EURO eine politisch gewollte Währung. Zweitens würde ein System von Fixkursen oder Geldersatzwährung zu viele weitere Verwerfungen nach sich ziehen. Das ist schlicht too big too fail. Ich bin sicher, dass die USA das Exempel Lehmann Brothers bereits bitterst bereuen. Man musste vielleicht ein Zeichen setzen, dass nicht jedem aus der Kriese geholfen wird - im Nachhinein war Lehrman aber ein zu grosser Happen.


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      Aber wo siehst du denn einen Ausweg aus dem Dilemma, dass es immer mehr Kredite benötigt?

      Exponentielles Schuldenwachstum mit exponentiell wachsenden Zinslasten, denen immer als aller erstes Nachgekommen werden muss, lassen für mich nur den Schluß übrig, dass der Zeitpunkt kommen wird an dem das System Dollar/Euro zusammen brechen muss.
      Ich sehe aber derzeit keine Anzeichen dafür, dass wir dem noch mal für ein paar Jahre entkommen können. Die realwirtschaftlichen Auswirkungen des derzeitgen Dilemmas haben wir ja noch alle vor uns und die sorgen auch dafür, dass es plötzlich nicht einfach von vorne wieder losgeht. WO sind all die kommenden Kreditnehmer, die nötig wären um das System wieder anzuwerfen, in einer Rezession/Depression?

      Bisher ist jedes Fiat-Money System zusammengebrochen. Warum sollen Dollar und Euro da eine Ausnahme bilden? Gerade der Euro wird vielleicht schneller große Probleme bekommen, da einzelne Länder vor viel größeren Problemen stehen als andere Euro-Länder. Spanien, Italien, Griechland, Österreich vs. Deutschland.

      Desweiteren schwebt das Damoklesschwert einer Inflation/Hyperinflation als Folge der unglaublichen Liquiditätsströme, die Zentralbanken und Staaten derzeit in das System pumpen über dem Geldmarkt. Das Ganze auch noch bei niedrigen Leitzinsen und wohl auch weiter sinkenden Leitzinsen.
      Bei 10% Inflation und 0-1% Leitzinsen, bleiben nur noch die dümmsten in Staatsanleihen und co.
      Sie treiben den Teufel mit dem Belzebub aus!

      Übrigens steigen die CDS Raten auf Staatsanleihen im letzten Monat drastisch. Der Markt ist also sehr wohl schon stark verunsichert.





      Gerade die Euro-Länder sind mit in der Spitzengruppe.

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      Zitat von Jackle

      WO sind all die kommenden Kreditnehmer, die nötig wären um das System wieder anzuwerfen, in einer Rezession/Depression?


      Die klagen derzeit, dass sie keinen Kredit von den Banken bekommen.


      Was mich im Augenblick beschäftigt:

      Welcher Anteil an dieser Rezession ist unausweichlich, und welcher Anteil spielt sich nur in den Köpfen der Leute ab?

      Ich bin mir sehr sicher, dass es nicht so schlimm wäre, wenn wir nicht ständig eine erneute Panikmache hätten- schlechte Nachrichten lassen sich wunderbar aufblasen.


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      Du hast da zwar Recht, aber ich meine, wenn andauernd schlechte Nachrichten nachkommen werden sowohl Leute als auch Banken zusehen, dass sie ihr Geld zusammenhalten und noch weniger bereit sein, Investitionen zu tätigen. Und selbst wenn jemand was ausgibt wird das Geld beim nächsten landen, der es bunkert.

      Das meinte ich. Wobei ich dabei nicht meckern will, es ist ja verständlich.

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  • 1 Antwort
    • Chaos-I
      Chaos-I
      Bronze
      Dabei seit: 01.03.2005 Beiträge: 805
      Original von IkArI
      Hallo liebe Mitstrategen,

      wie seht Ihr das ganze Thema?

      Alles wird kolabieren oder betriffts uns eh nicht?

      Sollten wir Gold im Keller bunkern?
      ......
      1. Denke das ganze Thema hat ein dunkles Kapitel geöffnet...

      2. Ich glaube schon dass es uns auch betreffen wird, und ich glaube auch in einem Ausmass, welches wir uns noch nicht wirklich vorstellen können, wie auch, die meisten kennen das nur aus dem Geschichtsunterricht und/oder sind schon überfordert wenn 2h mal kein Strom da ist.

      3. Gold im Keller bunkern ? Nun eine Anlage in Sachwerten ist immer gut. Ob Gold, Silber, Schnaps oder Zigaretten das beste ist ????? Keine Ahnung. Edelmetalle sind interessant wenn die Krise vorbei ist, sozusagen zum Aufbewahren des Geldes. Denn bei den Banknoten kann mal schnell gesagt werden Aufgedruckter Wert / 100 gilt ab heute.

      Ich glaube bis alles ans Licht kommt , dauert noch eine ganze Zeit. Aber genau sagen kann es keiner, mal nachlesen was in 30 Jahren in den Geschichtsbüchern steht. Ich rechne aber damit dass es ein ähnliches Kapitel wird wie damals vor 80 Jahren ( auch wenn ich gut und gerne drauf verzichten könnte )


      btw: gabs so einen Thread nicht auch schonmal ?