Ein paar Image/Spielverlaufsfragen...

    • Eisflamme
      Eisflamme
      Gold
      Dabei seit: 20.01.2007 Beiträge: 6.479
      Hi,

      Ich beginne meine Sessions recht aggressiv, um erstmal ein wenig Geld einzusacken und ein aggressives Image aufzubauen, was Gegner später in grenzwertigen Situationen oft zu Fehlern treibt.
      Aber manchmal scheinen die Gegner genau so anzufangen. Das kann durchaus auch Zufall und Pech sein. Aber wenn innerhalb von 2 Orbits drei Leute am selben Tisch meinen, mich zu c/ren oder mich zu 3-betten, was ich auf diesem Limit sonst einfach nicht gewohnt bin, dann mache ich mir halt Gedanken, wie viel ich da gegenspielen muss und wie viel ich das akzeptieren soll.

      a) Schließt ihr irgendwelche Schlüsse daraus, wenn ihr in 2 Orbits jeweils von verschiedenen Gegnern 2-3 Mal c/r werdet und auch noch eine 3-Bet kommt? Was, wenn der ganze Tisch mit aggressiven Zügen fortfährt und sich die Aktionen aber auf alle Spieler relativ gut verteilen, man also nicht einen Spieler rausgreifen kann?

      Durch die Aggressivität entstehen natürlich auch Verluste. Man kann zu einem gewissen Grad gegenspielen (kA, wie viel oder wenig, das ist ja schon Frage a ;) ). Aber irgendwo sind Gegner auch erstmal unknown. Gerade in 3-betted Pötten oder so kann Villain ja auch einfach Mal bluffen. Selbst wenn's -EV war, kann man Pech haben und gerade die falsche Hand erwischt haben. Damit wäre das ein Thema der Varianz.

      b) Wie hoch/tief schlägt diese Art von Varianz bei euch aus? Wie viel BB verliert ihr einfach Mal am Anfang der Session, weil jeder Gegner etwas zu haben scheint?

      Ein weiteres Problem für mich ist oft, dass ich nicht genau einschätzen kann, ob die Gegner einfach nur einen Lauf guter Karten haben oder ob sie mich jetzt gezielt ausspielen. Wenn man das nicht richtig einordnet, verliert man entweder schon Geld im Stackbereich, weil man sich ausspeieln lässt (nach dem Motto: er hat halt zum 3. Mal in 5 Orbits wirklich ne starke Hand) oder man verliert Geld, weil man gegen eine Tabletendenz adaptet, die es einfach nicht gibt.

      c) Fällt es euch leicht einzuschätzen, ob die Gegner einfach nur gute Karten haben oder einen gezielt ausspielen? Habt ihr Tipps für mich, wann und wie ich das Einschätzen solcher Aktionen besser oder gezielter trainieren kann?

      Und dann sehe ich häufig noch solche Ketten. Sagen wir, ich sitze im BU, steale und SB 3-betted mich und ich folde. Dann sitze ich logischerweise im CO, steale wieder, diesmal 3-betted mich der jetzige SB... sagen wir, ich folde wieder und an späterer Stelle erhalte ich wieder eine 3-Bet.

      So, gehen wir jetzt Mal von einer bestimmten Denkweise bei meinem zweiten Raise aus: Ich raise direkt noch einmal, weil Villain mich vermutlich auf eine starke Hand setzt, würde ich doch nach dem misslungen Raise wohl nicht mit einer mittelstarken Hand direkt wieder raisen.
      Gleichzeitig könnte der vorherige 3-Better auch Angst davor haben, dass ich speziell gegen ihn jetzt lighter seine 3-Bets calle oder sogar Mal 4-bette. Deswegen verzichtet er an dieser Stelle gern auf die direkt nachfolgende 3-Bet und foldet lieber.
      Villain 2 hat sich die Situation jetzt aber auch angeschaut. Möglicherweise setzt ihr mich auf genau jenen Gedankengang und 3-betted deswegen. Es wird für mich hier schwer, zu 4-betten oder seine 3-Bet zu callen, weil ich nicht davon ausgehen kann, dass er sich ebenfalls alles gedacht hat.

      d) Denken die Spieler auch über so was nach bzw. kommt so was in natura vor, sodass ich mir darüber Gedanken machen muss oder - nicht? ^^

      Das klingt jetzt vielleicht nach Ausnahmesituationen. Tatsächlich schlagen mich solche Sessions aber immer etwas zurück, weil ich nicht weiß, wie ich damit genau umgehen soll. Das muss nur alle zwei Wochen passieren. Wenn ich irgendwo zu schnell oder falsch adapte und mit der ein oder anderen Hand etwas zu marginal broke gehe, dann sind halt wie in der letzten Session ruck zuck 3 Stacks weg. Ich hatte viel Glück, habe meiner Meinung nach auch gut gespielt und konnte so auf eine unaussagekräftige Samplesize von 3000 Händen bereits schön 6 PTBB spielen, was für mich einfach Mal ein gutes Anzeichen so weit ist. :) Aber dann sind 3 Stacks weg und die Winrate ist schon 2 PTBB. Geschieht so etwas nochmal oder verliere ich durch die durch die Session aufgekommene Unsicherheit wieder ein wenig was, ist die Winrate ganz schnell wieder komplett im Eimer.

      Ich hoffe also, die Antworten auf diese Fragen helfen mir etwas in meinem beschränkten Denken weiter :)

      Vielen Dank im Voraus!!

      Lg
  • 7 Antworten
    • MiiWiin
      MiiWiin
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 01.03.2007 Beiträge: 64.649
      Original von Eisflamme
      Hi,

      Ich beginne meine Sessions recht aggressiv, um erstmal ein wenig Geld einzusacken und ein aggressives Image aufzubauen, was Gegner später in grenzwertigen Situationen oft zu Fehlern treibt.
      Aber manchmal scheinen die Gegner genau so anzufangen. Das kann durchaus auch Zufall und Pech sein. Aber wenn innerhalb von 2 Orbits drei Leute am selben Tisch meinen, mich zu c/ren oder mich zu 3-betten, was ich auf diesem Limit sonst einfach nicht gewohnt bin, dann mache ich mir halt Gedanken, wie viel ich da gegenspielen muss und wie viel ich das akzeptieren soll.

      Ich beginne meistens nicht sonderlich aggreessiv. Ich bin auch kein LAG, der sich irgendein super looses Image aufbauen will. Ich schau mir die ersten Hände erstmal an, warte auf ein paar Aktionen meiner Gegner und möchte schon ganz grob wissen, gegen wenn ich aggressiver werden auch nach 10 Händen lassen Stats wie 80/10 oder 40/40 schon einen ersten Schluss zu.


      a) Schließt ihr irgendwelche Schlüsse daraus, wenn ihr in 2 Orbits jeweils von verschiedenen Gegnern 2-3 Mal c/r werdet und auch noch eine 3-Bet kommt? Was, wenn der ganze Tisch mit aggressiven Zügen fortfährt und sich die Aktionen aber auf alle Spieler relativ gut verteilen, man also nicht einen Spieler rausgreifen kann?

      Am Anfang gebe ich den Spielern Credit. Ich bin ja auch unknown für sie, warum solten sie mich gleich hart angehen wollen?

      Durch die Aggressivität entstehen natürlich auch Verluste. Man kann zu einem gewissen Grad gegenspielen (kA, wie viel oder wenig, das ist ja schon Frage a ;) ). Aber irgendwo sind Gegner auch erstmal unknown. Gerade in 3-betted Pötten oder so kann Villain ja auch einfach Mal bluffen. Selbst wenn's -EV war, kann man Pech haben und gerade die falsche Hand erwischt haben. Damit wäre das ein Thema der Varianz.

      Umso größer die Pötte werden, umso eher möchte ich was über mein Gegenüber wissen. Lighter broke gehen möchte ich schon gegen loosere Zeitgenossen, und das lässt sich im ersten Orbit nur schwer feststellen.


      b) Wie hoch/tief schlägt diese Art von Varianz bei euch aus? Wie viel BB verliert ihr einfach Mal am Anfang der Session, weil jeder Gegner etwas zu haben scheint?

      Wenig. ;)

      Ein weiteres Problem für mich ist oft, dass ich nicht genau einschätzen kann, ob die Gegner einfach nur einen Lauf guter Karten haben oder ob sie mich jetzt gezielt ausspielen. Wenn man das nicht richtig einordnet, verliert man entweder schon Geld im Stackbereich, weil man sich ausspeieln lässt (nach dem Motto: er hat halt zum 3. Mal in 5 Orbits wirklich ne starke Hand) oder man verliert Geld, weil man gegen eine Tabletendenz adaptet, die es einfach nicht gibt.

      Gleiches Thema. Auf die ersten paar Hände ist es durchaus möglich, dass jemand ein paar Granaten auf der Hand hatte.

      c) Fällt es euch leicht einzuschätzen, ob die Gegner einfach nur gute Karten haben oder einen gezielt ausspielen? Habt ihr Tipps für mich, wann und wie ich das Einschätzen solcher Aktionen besser oder gezielter trainieren kann?

      Wir reden ja immer noch vom Beginn einer Session. Auf 30-50 Hände kann ich natürlich nicht einschätzen, ob Villain jetzt einige gute Hände hatte oder tatsächlich auf lange SIcht 35/32 spielt.

      Und dann sehe ich häufig noch solche Ketten. Sagen wir, ich sitze im BU, steale und SB 3-betted mich und ich folde. Dann sitze ich logischerweise im CO, steale wieder, diesmal 3-betted mich der jetzige SB... sagen wir, ich folde wieder und an späterer Stelle erhalte ich wieder eine 3-Bet.

      So, gehen wir jetzt Mal von einer bestimmten Denkweise bei meinem zweiten Raise aus: Ich raise direkt noch einmal, weil Villain mich vermutlich auf eine starke Hand setzt, würde ich doch nach dem misslungen Raise wohl nicht mit einer mittelstarken Hand direkt wieder raisen.
      Gleichzeitig könnte der vorherige 3-Better auch Angst davor haben, dass ich speziell gegen ihn jetzt lighter seine 3-Bets calle oder sogar Mal 4-bette. Deswegen verzichtet er an dieser Stelle gern auf die direkt nachfolgende 3-Bet und foldet lieber.
      Villain 2 hat sich die Situation jetzt aber auch angeschaut. Möglicherweise setzt ihr mich auf genau jenen Gedankengang und 3-betted deswegen. Es wird für mich hier schwer, zu 4-betten oder seine 3-Bet zu callen, weil ich nicht davon ausgehen kann, dass er sich ebenfalls alles gedacht hat.

      Natürlich wird es schwer wenn du Hände häufig hast aufgeben müssen und andere Spieler nun versuchen das auszunutzen. Sofern du noch nicht einschätzen kannst wo du da gelandet bist, sollte man eher mal den Fuß vom Gaspedal nehmen oder halt gleich mal gegenhauen und 4-betten, um zu zeigen dass man auch mitspielen will. Das fördert natürlich wie du oben beschrieben hast die Varianz. Ich gehe aber selten davon aus dass sich der Tisch gegen mich vereinigt hat um es mir mal richtig zu zeigen. ;)

      d) Denken die Spieler auch über so was nach bzw. kommt so was in natura vor, sodass ich mir darüber Gedanken machen muss oder - nicht? ^^

      Das klingt jetzt vielleicht nach Ausnahmesituationen. Tatsächlich schlagen mich solche Sessions aber immer etwas zurück, weil ich nicht weiß, wie ich damit genau umgehen soll. Das muss nur alle zwei Wochen passieren. Wenn ich irgendwo zu schnell oder falsch adapte und mit der ein oder anderen Hand etwas zu marginal broke gehe, dann sind halt wie in der letzten Session ruck zuck 3 Stacks weg. Ich hatte viel Glück, habe meiner Meinung nach auch gut gespielt und konnte so auf eine unaussagekräftige Samplesize von 3000 Händen bereits schön 6 PTBB spielen, was für mich einfach Mal ein gutes Anzeichen so weit ist. :) Aber dann sind 3 Stacks weg und die Winrate ist schon 2 PTBB. Geschieht so etwas nochmal oder verliere ich durch die durch die Session aufgekommene Unsicherheit wieder ein wenig was, ist die Winrate ganz schnell wieder komplett im Eimer.

      Ich bezweifele, dass deine Gegenspieler da so gezielt drauf achten wie du es wahrnimmst. Die meisten Spieler schauen halt meistens auf ihre Hände und grundsätzlich würde ich dir das auch empfehlen. Du sitzt an einem NL50-NL200-Tisch halt nicht mit Pros zusammen die konzentriert einen Tisch spielen und dir gleich mal zeigen wollen wo der Hammer hängt, um ein Image aufzubauen. Mir geht es da ähnlich, wenn ich zu Beginn einer SEssion gute Hände bekomme und sehr aggressiv spiele, dass ich ein paar Hände später eine passable Hand nach einem Raise wegwerfe, da ich Villain X nicht ein 3.mal in kurzer Zeit 3-betten will. Der wird sich halt auch denken "so häufig kann der ja nichts haben, ich halte jetzt mal dagegen..." und schon wird der Isolation-Raise eher -EV, da die benötigte Foldequity dahin ist.

      Ich hoffe also, die Antworten auf diese Fragen helfen mir etwas in meinem beschränkten Denken weiter :)

      Vielen Dank im Voraus!!

      Lg
    • Eisflamme
      Eisflamme
      Gold
      Dabei seit: 20.01.2007 Beiträge: 6.479
      Hi,

      vielen Dank erstmal für die investierte Zeit und Mühe, mir deinen Standpunkt darzulegen. Du nimmst Dir immer sehr viel Zeit :)
      Mein Problem ist halt, dass ich mit einem aggressiven Image anfangen möchte, weil mir das auch von einem Coach so empfohlen wurde und ich diesen Stil halt mag. Ausgehend davon weiß ich halt nicht, wie ich gewisse Faktoren einschätzen soll. Ich glaube schon, dass sich das Spiel etwas anders gestaltet, wenn man aggressiver einstiegt, wäre daher auf alle Fälle noch an weiteren Meinungen interessiert.
      Dass ich ständig Gefahr laufe etwas Paranoia zu entwickeln, dessen bin ich mir natürlich auch bewusst und da halte ich mittlerweile auch mehr gegen und das werde ich auch in Zukunft mehr bedenken.
      Aber wie schon gesagt: ich bin weiterhin sehr an weiteren Meinungen interessiert. Solche Sessions kommen wie gesagt nicht oft vor, was auch dazu führt, dass ich die nie in private coachings besprechen kann. Aber wenn sie vorkommen, mache ich zu viele Fehler. Und einfaches tight weiterspielen würde bei diversen verlorenen 3-betted und raised Pötten halt auch wirklich dazu führen, dass ich im Minus bin. Und von einem Standpunkt aus, wo ich mich aggressiven Spielern als weaken Spieler zu erkennen gegeben habe, kann ich auch tight nicht gut weiterspielen, vll wäre das auch ein Ansatzpunkt.

      Lg
    • SteveWarris
      SteveWarris
      Bronze
      Dabei seit: 28.03.2007 Beiträge: 5.807
      Also ich mach das manchmal wenn ich an einen Tisch komme bei der ersten Hand zack 3bet. :D

      Aber meistens fang ich mittlerweile ganz normal im 14/11er Style an wenn ich den ganzen Tisch nicht kenne.
      3bets geb ich erstmal Credit. Und 3bette am liebsten erstmal IP.
      Haben sich die Grundtendenzen herauskristalisiert schieß ich mich auf den tisch ein.
      Je nachdem wie der ist bleibe ich bei tighten 12/9 oder zieh loose bis ca. 32/28 hoch.

      Ich hatte es aber auch schonmal gemacht erstmal IP loose 3betten besonders den CO bis der Anfängt gegenzuspielen und light 4bettet oder zu loose called. Dann ne weile auf tight umschwenken. Das Problem ist dann das du ne ziehmliche Tabledynamik entstehen lassen kannst daruch wo Stats nicht mehr viel helfen und das ganze dann teilweise Gefühlssache ist.

      Sehr schön kann man das bei richtigen MonkyManiacs sehen wie spewy manche TAGs gegen die werden. Die versuchen krampfhaft mir Air oder MP zurückzumoven. Der Kerl called dann izi sein TP runter und gewinnt fetten Pot um Pot.
      Ist der Typ dann weg wird der Table dann schlagartig wieder ruhig.

      Ich sitz dann machmal da und denk nur "NEIN tus NICHT! Der foldet nicht!"

      Aufjedenfall ist es dann sehr anstrengend für mich gewesen mehr wie 4 Tische zu spielen. Etwas lighter Broke gehen kann man dann auch.

      Doof wird es wenn man genau dann eher schlecht hitted. Und man läuft dann eben auch halt mal öfter eine bessere Hand. Auch wechseln z.B. auf tiefen Limits so schnell die Gegner das es sich kaum lohnt extra ein looses Image aufzubauen. Oft hast für das Image dann umsonst bezahlt.

      Kennst du die Leute schon fast per Handschlag ist das was anderes imo.
    • humpf
      humpf
      Bronze
      Dabei seit: 29.07.2006 Beiträge: 1.331
      Original von Eisflamme
      Hi,

      Ich beginne meine Sessions recht aggressiv, um erstmal ein wenig Geld einzusacken und ein aggressives Image aufzubauen, was Gegner später in grenzwertigen Situationen oft zu Fehlern treibt.
      Aber manchmal scheinen die Gegner genau so anzufangen. Das kann durchaus auch Zufall und Pech sein. Aber wenn innerhalb von 2 Orbits drei Leute am selben Tisch meinen, mich zu c/ren oder mich zu 3-betten, was ich auf diesem Limit sonst einfach nicht gewohnt bin, dann mache ich mir halt Gedanken, wie viel ich da gegenspielen muss und wie viel ich das akzeptieren soll.

      a) Schließt ihr irgendwelche Schlüsse daraus, wenn ihr in 2 Orbits jeweils von verschiedenen Gegnern 2-3 Mal c/r werdet und auch noch eine 3-Bet kommt? Was, wenn der ganze Tisch mit aggressiven Zügen fortfährt und sich die Aktionen aber auf alle Spieler relativ gut verteilen, man also nicht einen Spieler rausgreifen kann?

      Wenn gewisse Moves gegen dich gut funktionieren und du immer weak foldest, so lädt dies Nachahmer ein. Vor allem Fische die noch kein reichhaltiges Repertoire haben schauen sich die Lines der Regulars an und verwenden diese selbst (wenn auch nicht immer clever und auch nicht immer als bluff). Trotzdem würde ich mir darum nich alzu viele Gedanken machen. Kein Spieler (fast keiner jedenfalls) wird seine Strategie total umstellen nur aufgrund von deinem Image. Das ist ein wichtiger Punkt und sollte verstanden werden. Wenn du 3bet kassierst kommen die nicht von 86o wegen deinem Image, sondern der Gegner 3bettet vielleicht 8% statt 5%. Das heißt deine Gegner passen sich graduell an. Das solltest du auch tun. Statt sofort zurückzuballern kannst du deine Range leicht erweitern und der Strategie deiner Gegner damit entkommen. Wenn dich ein Gemisch aus Spielern movt mit denen du viel History hast würde ich ihnen recht viel Credit geben. Bei einzelnen Spielern die aggro werden oder bei Fischen würde ich mich schneller anpassen.

      Durch die Aggressivität entstehen natürlich auch Verluste.

      Inkorrekt. Guter aggro style = nuts

      Man kann zu einem gewissen Grad gegenspielen (kA, wie viel oder wenig, das ist ja schon Frage a ;) ). Aber irgendwo sind Gegner auch erstmal unknown. Gerade in 3-betted Pötten oder so kann Villain ja auch einfach Mal bluffen. Selbst wenn's -EV war, kann man Pech haben und gerade die falsche Hand erwischt haben. Damit wäre das ein Thema der Varianz.

      b) Wie hoch/tief schlägt diese Art von Varianz bei euch aus? Wie viel BB verliert ihr einfach Mal am Anfang der Session, weil jeder Gegner etwas zu haben scheint?

      Ich habe ja keine Ahnung was du am Anfang der Session abziehst, aber normalerweise sollte ein überaggressiver Style erfolgreich sein, solange deine Gegner noch nicht adapten konnten. Wenn du am Anfang der Session immer kräftig Verlust macht würde ich meine Spiel überdenken. Wahrscheinlich überreagierst du aber, bloss weil du 2 mal 3bettet hast (ohohoho, überaggressiv) und deine Gegner dich 3 mal am Flop c/r haben (oh noes, ich wurde 3 mal c/r)

      Ein weiteres Problem für mich ist oft, dass ich nicht genau einschätzen kann, ob die Gegner einfach nur einen Lauf guter Karten haben oder ob sie mich jetzt gezielt ausspielen. Wenn man das nicht richtig einordnet, verliert man entweder schon Geld im Stackbereich, weil man sich ausspeieln lässt (nach dem Motto: er hat halt zum 3. Mal in 5 Orbits wirklich ne starke Hand) oder man verliert Geld, weil man gegen eine Tabletendenz adaptet, die es einfach nicht gibt.

      Die Möglichkeiten zu Fehlern sind beim spielen des Metagames endlos

      c) Fällt es euch leicht einzuschätzen, ob die Gegner einfach nur gute Karten haben oder einen gezielt ausspielen? Habt ihr Tipps für mich, wann und wie ich das Einschätzen solcher Aktionen besser oder gezielter trainieren kann?

      Ja, ist leicht. Für Dinge wie Gameflow oder Image braucht man einfach sehr viel Erfahrung. Es gibt keine Möglichkeit diese Sachen ohne Erfahrung zu lernen. Ein paar Dinge helfen aber mehr Skill pro Hand zu gewinnen:
      a) Wenig Tische und Konzentration
      b) HU (Im HU ist der Flow sehr dominant und spielt in jeder Hand eine Rolle)
      c) Das Verständnis von optimaler und exploitiver Strategie und häufige Gedanken wie gewisse Lines einen speziellen Gegner exploiten.


      Und dann sehe ich häufig noch solche Ketten. Sagen wir, ich sitze im BU, steale und SB 3-betted mich und ich folde. Dann sitze ich logischerweise im CO, steale wieder, diesmal 3-betted mich der jetzige SB... sagen wir, ich folde wieder und an späterer Stelle erhalte ich wieder eine 3-Bet.

      So, gehen wir jetzt Mal von einer bestimmten Denkweise bei meinem zweiten Raise aus: Ich raise direkt noch einmal, weil Villain mich vermutlich auf eine starke Hand setzt, würde ich doch nach dem misslungen Raise wohl nicht mit einer mittelstarken Hand direkt wieder raisen.
      Gleichzeitig könnte der vorherige 3-Better auch Angst davor haben, dass ich speziell gegen ihn jetzt lighter seine 3-Bets calle oder sogar Mal 4-bette. Deswegen verzichtet er an dieser Stelle gern auf die direkt nachfolgende 3-Bet und foldet lieber.
      Villain 2 hat sich die Situation jetzt aber auch angeschaut. Möglicherweise setzt ihr mich auf genau jenen Gedankengang und 3-betted deswegen. Es wird für mich hier schwer, zu 4-betten oder seine 3-Bet zu callen, weil ich nicht davon ausgehen kann, dass er sich ebenfalls alles gedacht hat.

      Das sind etwas zu viele Gedanken die du in eine Hand steckst. 3bets kommen so häufig vor, dass ich sie im 6max kaum registriere, wenn ich nicht selbst involviert bin. Generell gibt es zwei Level:
      Erstes Level
      Das hat einmal funktioniert, das wird jetzt wieder klappen
      Zweites Level
      Er hat sich adaptet und ich kann die selbe Scheiße nicht nochmal machen, da er light broke geht, tighter first-in raist etc.
      Es ist immer schwer zu sagen welches Level aktiv ist,obwohl tendenziell das erste häufiger ist. Ich gehe davon aus das mein Gegner immer dasselbe macht und ich nerve meinen Gegner so lange bis ich eine Reaktion bekomme. (d.h. ich 3bette bis er angepisst ist und 4bettet)


      d) Denken die Spieler auch über so was nach bzw. kommt so was in natura vor, sodass ich mir darüber Gedanken machen muss oder - nicht? ^^

      Das klingt jetzt vielleicht nach Ausnahmesituationen. Tatsächlich schlagen mich solche Sessions aber immer etwas zurück, weil ich nicht weiß, wie ich damit genau umgehen soll.

      Das ist typisch für Anfänger und TAG Fische. Ohne Erfahrung kann man da nciht soviel machen außer die oben beschriebenenDinge (HU, weniger Tische, Strat). Wichtig ist am Anfang auch erstmal seine Hände technisch "korrekt" zu spielen und keine Mordsfehler zu machen. Das adapten, counteradepten etc. kommt in höheren Limits

      Das muss nur alle zwei Wochen passieren. Wenn ich irgendwo zu schnell oder falsch adapte und mit der ein oder anderen Hand etwas zu marginal broke gehe, dann sind halt wie in der letzten Session ruck zuck 3 Stacks weg. Ich hatte viel Glück, habe meiner Meinung nach auch gut gespielt und konnte so auf eine unaussagekräftige Samplesize von 3000 Händen bereits schön 6 PTBB spielen, was für mich einfach Mal ein gutes Anzeichen so weit ist. :) Aber dann sind 3 Stacks weg und die Winrate ist schon 2 PTBB. Geschieht so etwas nochmal oder verliere ich durch die durch die Session aufgekommene Unsicherheit wieder ein wenig was, ist die Winrate ganz schnell wieder komplett im Eimer.

      Das sind negative Gedanken, die am Pokertisch nichts zu suchen haben. Du spielst deine Hände optimal und läßt die Session und deine Hände einfach fließen. Was hinterher an Winrate rauskommt ist erstmal irrelevant. Und ein Gedankengang wie "oh, nein wenn ich diese Hand verliere verliere ich meine Winrate, also muss ich diese Hand gewinnen" sind schädlich.

      Ich hoffe also, die Antworten auf diese Fragen helfen mir etwas in meinem beschränkten Denken weiter :)

      Vielen Dank im Voraus!!

      Lg
    • Eisflamme
      Eisflamme
      Gold
      Dabei seit: 20.01.2007 Beiträge: 6.479
      Hallo,

      danke humpf, genau so eine Antwort habe ich mir gewünscht. :)
      Zusammengefasst entnehme ich deinem Post:

      * komplettes Umwerfen des Spiels geschieht bei den Gegnern weniger, es ist mehr graduell und so sollte ich es auch machen

      * (über)aggressiver Style ist bis zum wirklichen Adapten der Gegner Nuts

      * man braucht Erfahrung

      * meistens denken Spieler auf dem 1st Level

      * sich an kurzfristigen Verlusten oder an Gedanken an die Winrate aufzureißen ist etwas für Anfänger

      Finde ich hilfreich und bestätigt mich größtenteils in meinen mir selbst gegebenen Antworten.
      Ich habe die Gewinne des überaggressiven Spiels ja selbst bei mir gesehen, mittlerweile entgleiten die mir aber irgendwie etwas. Zweifeln lassen mich tatsächlich auch Sessions, in denen Gegner für mich augenscheinlich sehr schnell sehr aggressiv gegen mich werden. Ich habe einfach Angst davor zu langsam zu adapten und adapte deswegen vermutlich zu schnell bzw. einfach so ohne Sinn. Wenn ich zu langsam adapte, verliere ich dann ja erstmal Geld, wenn ich bis zu einem gewissen Punkt aggressiv bin, dann aber aufgebe.
      Ein Beispiel ist z.B., dass ich den Flop c-bette, plötzlich aber im Gedächtnis habe, dass Villain vorher meine 2nd Barrel geraist hat und ich mich deswegen jetzt nicht traue wiederum eine 2nd Barrel anzusetzen, obwohl ich denke, dass er häufig nichts hat.
      Ich weiß nicht, ob sich dieses Problem erübrigt, wenn ich anfängliche Verluste von 50 BB einfach komplett ausklammere und ganz normal weiterspiele und mich halt bzgl. Adaption etwas mehr konzentriere und mir etwas mehr Zeit lasse, aber es wäre natürlich cool, wenn Du oder jemand anders noch ein Wort der Gelassenheit für mich hätte. :)

      Lg
    • MiiWiin
      MiiWiin
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 01.03.2007 Beiträge: 64.649
      Original von Eisflamme
      ..., aber es wäre natürlich cool, wenn Du oder jemand anders noch ein Wort der Gelassenheit für mich hätte. :)

      Lg
      Keep cool... ;) :D

      Im Ernst. Es ist halt wichtig, genau auf seine Gegner zu achten und um so konzentrierter du zu Werke gehst (konzentriert, keine Ablenkungen, wenig Tische, beobachten der Hände wo du nicht involviert bist...) desto mehr wirst du über die Spielweise deiner Gegner erfahren.

      Es kommt nun auch auf das Limit an, gerade bei Limits wie NL100/NL200 sollte man den Gegnern halt nicht zu viel zutrauen. Spiele dein Spiel und versuche so wenig wie möglich Fehler zu machen, die sich schon vorab als solche auszeichnen (lass dich nicht reizen, nach der dritten 3-bet in 30 Händen musst du dennoch nicht gegen 16/14 AJ 4-bet/call spielen....zu selten will er dich ärgern, er hat halt meistens eine starke Hand...).

      Und vor allem: Lass Ergebnisse keinen Einfluss auf dein Spiel haben.
    • Eisflamme
      Eisflamme
      Gold
      Dabei seit: 20.01.2007 Beiträge: 6.479
      Ok, danke. :)
      Ich schaue jetzt auch nicht mehr auf meine Winrate oder irgendwelche Graphen. Ich schaue nur hin und wieder auf meine BR, um zu schauen, ob ich absteigen muss *g*

      Lg