Wird man nachlässig, wenn man zu lange "das selbe" spielt

    • rufus34
      rufus34
      Bronze
      Dabei seit: 05.08.2006 Beiträge: 502
      Hallo,

      ich habe gerade folgende Erfahrung gemacht: ßfter mal was neues probieren, dabei etwas unsicher sein, ständig nochmal nachlesen, eigene moves überdenken etc. bringt irgendwie mehr, als immer das gleiche zu spielen.

      Als ich hier angefangen habe, war noch strikte und klare Ansage: Fixed-Limit. Das lief bei mir anfangs recht gut, als ich eben noch die TAG-Strategie von hier neu lernte und mich sehr stark darauf konzentrierte, mich daran zu halten. Nach kurzer Zeit hatte ich das Prinzip recht gut drauf und konnte mich immer mehr darauf verlassen, dass ich es kapiert habe, schaute dementsprechend weniger in die charts, dachte nachher wie vorher wenige rüber moves nach. UND: bin tierisch auf die Fresse geflogen!

      Danach: neues Konzept: SSS! Super Sache, wieder voll in die Artikel und Charts gehängt und siehe da: Erfolge! BR wieder ordentlich aufgepeppelt, alles gut. Irgendwann stagnierte es dann wieder (klar, las ich mich sicher fühlte und weniger theorie gebüffelt habe), dann fiel ich mal wieder in ein loch.

      ßfter mal was neues probieren: SNGs! Geilo, läuft ja wie am Schnürchen, lesen, spielen, gewinnen, gleicher Ablauf wie bei FL und SSS. Seit ein paar Tagen stellt sich mal wieder ein, dass meine BR schmilzt und schmilzt. Hierbei konnte ich diesmal genau beobachten, dass ich leakiger wurde und so. Also nochmal den SNG-Artikel durchgekaut, brachte irgendwie auch keine neuen Erkenntnisse.

      Aus lauter Frust hab ich mich dann vorhin mit BigStack auseinander gesetzt. Vorsichtig bin ich dann an zwei NL10-Tische gegangen. 15min später hab ich den einen mit 25$, den anderen mit 18$ wieder verlassen.

      Sind das Lernphasen-Upswings? Lässt man so stark nach, wenn man gleubt, man habe die Theorie verstanden und sich auf die Praxis konzentriert? Ich hab mir jetzt jedenfalls fest vorgenommen, dass ich zu allem was ich mache (will ab sofort nur noch SNGs und BigStack NL spielen) mehr und vor allem öfter mit der Theorie auseinander setzen muss. Immer wenn ich mich sicher fühle, sollte ich mich unbedingt mehr mit dem Lernen und Nachsinnieren der Therorie beschäftigen. Mein persönliches Problem dabei: wenn ich einen Artikel lese, den ich schon kenne, werde ich auch unaufmerksam..... mal gucken wie ich das abstelle....

      Habt ihr ähnliches erlebt?
      Wie lest ihr Strategie- und Theorie-Artikel, die ihr schon mal gelesen habt und kennt?

      Danke,
      rufus
  • 8 Antworten
    • alterego
      alterego
      Bronze
      Dabei seit: 03.07.2006 Beiträge: 4.149
      was mir manchmal hilft: ich schreibe die wichtigsten infos aus einem artikel stichwortmässig auf und leg mir das beim zocken danaben. aber echt nur ein artikel... dann erinnere ich mich immer wieder dran und lasse es in mein spiel einfliessen. nach ein paar tagen ist das drin und ich hab was neues gelernt...
    • DerZauberer
      DerZauberer
      Bronze
      Dabei seit: 13.03.2005 Beiträge: 76
      Man braucht eben immer DISZIPLIN und KONSTANZ. Anders gesagt: Wer nicht stundenlang nach "Schema F" konstant richtig spielen kann, ist beim Pokern falsch.

      Habe gestern und vorgestern am Abend (jeweils nach der Arbeit) meine 1000 Raked Hands für den November Reload freigespielt, wie immer an maximal drei Tischen ($100NL). "Aufwachen" musste ich dabei nur ca. 5-10 Mal (Monsterblätter mit "Gegenwehr", verlockende Draws mit netten Pots, Maniac am Tisch, unerwartete All-Ins), den Rest der Zeit ging's recht stupide nach Standard-Moves:

      Raise auf 4BB, wenn Position und Hand stimmt... ein paar einfache Calls... Post-Flop dann entweder weiterbetten, contibetten, check/fold, usw.... gerne auch mal check Flop, bet Turn,... blablabla. Ging bergauf, nicht viel, durchschnittlich eben.

      Einziges "Highlight" war ein verzockter Stack mit KK gegen 22 und eine krasse Hand (all-in mit AA und AQQ board, drei! calls, zum Glück hatte einer von denen nur eine Q und nicht zwei). Den Rest der Stunden habe ich ohne Artikel und Motivation konzentriert vor dem Rechner verbracht. Uff.

      Dann die eingezahlte Bonus-Kohle und den freigespielten Bonus ausgecashed (mach' ich immer, dadurch habe ich eine "ehrliche" Bankroll mit dem tatsächlich erspielten Geld ohne Rakebacks und sonstige Geschenke), jetzt erstmal Pause...

      Wenn man nicht die Fähigkeiten eines Sammy Farha, Daniel Negreanu oder Doyle Brunson in seinen besten Zeiten hat, spielt es sich als "Grinder" auf den meisten menschlichen Limits deutlich besser.
    • rufus34
      rufus34
      Bronze
      Dabei seit: 05.08.2006 Beiträge: 502
      Original von DerZauberer
      [...]den Rest der Zeit ging's recht stupide nach Standard-Moves:

      Raise auf 4BB, wenn Position und Hand stimmt... ein paar einfache Calls... Post-Flop dann entweder weiterbetten, contibetten, check/fold, usw.... gerne auch mal check Flop, bet Turn,... blablabla. Ging bergauf, nicht viel, durchschnittlich eben.
      und genau (behaupte ich jedenfalls) schleichen sich bei mir hin und wieder nachlässigkeiten ein. glaubst du, dass du hier immer "richtig" spielst?
    • massBB
      massBB
      Bronze
      Dabei seit: 07.11.2006 Beiträge: 38
      ausgelernt hat man nie
      gibt genug lesestoff im netz

      da findet man immer was neues ;)
    • Kysus80
      Kysus80
      Bronze
      Dabei seit: 01.07.2006 Beiträge: 1.632
      DerZauberer klingt ja mal boring :/
      Ein bis zwei 3 bullet bluffs müssen pro tag schon raus :O
    • DerZauberer
      DerZauberer
      Bronze
      Dabei seit: 13.03.2005 Beiträge: 76
      Original von Kysus80
      DerZauberer klingt ja mal boring :/
      Ein bis zwei 3 bullet bluffs müssen pro tag schon raus :O
      Ich seh's mal so: Bluffs sind genauso Standard wie alles andere. Klar, wenn mir langweilig wird, dann mache ich auch gerne mal einen Standard-Raise mit Q9s. Vielleicht kommt ja was.

      Ansonsten kann kein Mensch immer gleich gut spielen - dafür sind wir eben Menschen. Ich versuche aber in der Tat, möglichst gelassen zu agieren und vor allem auch zu blieben.

      Was bei mir (32J/guter Job) aber durchaus anders sein kann als bei vielen anderen (<26/im Studium) hier, ist die Tatsache, dass ich auch mit einer ziemlichen Gelassenheit agieren kann:

      1) Ich verdiene genung Geld, um mir auch so (=ohne Poker) schöne Sachen kaufen zu können. Poker-Gewinne sind ein kleines Sahnehäubchen, auf das ich aber auch ohne Schmerzen verzichten kann.

      2) Mein Startkapital (damals gab es PS nicht und man musste richtig eigenes Geld einzahlen) habe ich dem System längst wieder entzogen, ist nur also nur "Spielgeld". (vgl. meinen Kleinen Aufsatz "Sind nur Chips")

      3) Ich bin happy, dass ich NL100 und 2/4 Limit schlage - mehr brauche ich nicht, an einem Limit-Aufstieg usw. denke ich derzeit überhaupt nicht.

      4) Ich habe schon immer sehr viel gespielt (klassische Brettspiele, Kartenspiele, etc.) und dort viel gesehen / gelernt / geübt. An Pokern reizt mich die Herausforderung und die Skill-Aspekte. Ziel ist: Geld verdienen, und das möglichst viel. Ziel ist nicht: Schnell die große Kohle abzocken.

      Mir ist PS oft zu "hektisch": Schnell den Bonus freispielen, schnell Silber/Gold werden, schnell rumbrüllen weil mal einen Tag PT/PA nicht gehen, schnell in den Limits aufsteigen, schnell die Site wechseln... ich kann da nur sagen
      "Probier's mal mit Gemütlichkeit, mir Ruhe und Gemütlichkeit..."
    • pKay
      pKay
      Black
      Dabei seit: 21.01.2005 Beiträge: 7.163
      "Jaja,... das ist auch ein weites Feld..."

      Aber ein sehr interessantes Thema, über das ich mir auch schon sehr lange viele Gedanken gemacht habe und ich wohl von den bis-jetzt-Postern der erfahrenste bin...

      Das was du am Anfang beschrieben hast; diese Motivation, die Lust am Spiel, der Ehrgeiz das gelernte umzusetzen und dann auch noch der Erfolg, der an der BR zu sehen ist... Das kenne ich gut und kennen wohl auch viele gut.

      Ich versuche das mal aufzudröseln anhand meiner Erfahrung und "Analysen".

      Auf der einen Seite,...
      ist die Sache ja die, dass beim Pokern neben den theoretischen Poker Skills auch andere Faktoren zum Erfolg beitragen. Das ist für mich "Motivation" als Sammelbegriff für Spass an der Tätigkeit, besondere Aufmerksamkeit für das was am Pokertisch geschieht, ständige Kontrolle dessen was man tut und dessen was man tun will und letztlich soetwas wie ein Ziel; in dem Fall das erlernte Erfolgreich anzuwenden.
      Funktioniert das erlernte, stellt sich eine gewisse Routine ein. Also ganz klar wie du auch beschrieben hast - es wird langweilig, wenig attention und damit auch der Verlust. Daran sieht man aber mal sehr gut, wie stark sich Handeln am Pokertisch, wenn es nur oberflächlich korrekt scheint direkt auf die Ergebnisse überträgt. Aber das nur nebenbei.
      Daher ist das wichtigste um genau diesem Effekt zu entgehen eine ständige Instandhaltung und mentale/psychische Erneuerung und Reflexion der eigenen Erwartungen und Zielvorstellungen was das Pokern betrifft.
      Was ja übrigens, wenn man Pokern mal als "Projekt" betrachtet, auch eine sehr gängige Projektarbeitsmethode in Unternehmen etc. ist. Die ständige ßberprüfung und Reflexion der Arbeitsmittel, Ziele und des bisher erreichten in einem ständigen Kreislauf.
      Das Einstellen dieser Routine bei erlernten Fähigkeiten ist ja aber was ganz natürliches. Zum Beispiel Springseil springen lernen. Hat man die Grundtechnik erlernt und kann beliebig oft hintereinander springen, wird einem langweilig und der kindliche Spieltrieb treibt einen sofort dazu auch anders auszuprobieren; auf einem Bein, doppelt, über kreuz etc. - was natürlich nicht sofort auf Anhieb klappt - man verheddert sich. Oder auch man lässt sich durch die Umgebung ablenken, springt nur so vor sich hin und verheddert sich ebenfalls. Im Prinzip auf alle Arten von Lernerfahrung (mal Ausgenommen Lernstoff) zu übertragen.
      Poker ist aber anders. Angenommen für jedes Mal springen, hintereinander ohne Unterbrechung bekomme ich immer 10% des vorherigen Wertes mehr und man beginnt mit 1 cent. Erfolgsversprechend ist jetzt das einfach stupide Springen, was man ja ohne Probleme beherrscht. Ergo das grinden. Das wird einem aber nicht immer bewusst und man gibt seinem Trieb nach, abzuweichen und sich ablenken zu lassen. Genau das ist ja auch der Grund warum Poker als Beruf so ein hartes Brot sein kann! Immer wieder einfach springen, aber jedes Mal so, als wäre es das erste Mal.
      Um diesem Effekt also entgegen zu steuern ist es so wichtig immer und immer und immer konkrete Ziele vor Augen zu haben - in den meisten Fällen: der Limitaufstieg. Daher ist imo auch ein agressives Bankrollmanagement sehr zu empfehlen, da das Ziel einfach nicht so fern ist und man Gefahr läuft es aus den Augen zu verlieren und im Pokeralltäglichen Einerleibrei zu verschwimmen.
      Wenn dann häufige Reflexion stattfindet zwischen: Was ist mein Ziel? Noch 300 Dollar! Wie erreiche ich es? Perfektes Poker spielen! Dabei für tiltige Spielerein? Nein! usw. ist man denke ich am besten bedient!

      Poker sollte nicht zum Selbstzweck werden. Es sollte nicht anstelle von Fernsehen oder Mittagsschlaf und auch nicht an Stelle von Counterstrike treten. Beziehungsweise einfach des Zeitvertreibes dienen.
      Oder sagen wir so: Jeder kann natürlich selber entscheiden - alles nur ein Tipp von mir. :)


      Auf der anderen Seite,...
      ...
      ist Poker einfach nur ein langes, statistisches Spiel... Und lang, oder long-term, kann SEEEHHHR lange sein. Wenn also diese ganzen eher theoretisch verschwafelten weichei ßberlegungen außer Acht lässt, sollte man aufpassen das man solche "Ereignisse" wie du sie mit Limit, SSS, SnGs und NL hattest nicht zu sehr überhöht....
      Wie oben ausgeführt ist Motivation und daraus resultierendes Selbstbewusstsein an den Tischen sehr wichtig. Unser Ich zieht aber beim Pokern Selbstbewusstsein, genauso wie Rückschließungen auf Tatsachen aus einem Spiel, bei dem es in den meisten Fällen einfach nicht möglich ist, dieses zu tun. Spielt man gut und gewinnt hat man einfach Glück, dass (gerade Anfangs) dieses beides zusammenfällt. Ist man Selbstbewusst, weil die Gewinne gut aussehen, nimmt man auch die Realität anders wahr. Ein erheblicher badbeat an Tische Nr. 2 wird zur Nebensache, weil wir "ja eh 20BB up sind an dem Tisch". An einem anderen Tag zerstört so ein bad beat den ganzen Rest des Tages... Der bad beat wird also incht wahrgenommen und wir haben positive und optimistische Gedanken und Phantasiehn für unsere Pokerspiel aus denen wir Kraft schöpfen können.
      Und wenn es eben nicht so ist, dass beides zusammenfällt:
      Dann ist es eben wie es ist: Party ist rigged. Das System funktioniert nicht etc. etc. ...

      Deine Erfahrungen können also auch einfach purer Zufall bzw. Glück sein. Beide. Die positiven am Anfang - genauso wie die negativen nach der Gewöhnungsphase.

      Damit solls dann erstmal gut sein!

      mfg
    • smooyworth
      smooyworth
      Bronze
      Dabei seit: 02.10.2006 Beiträge: 13
      Also ich erkenn mich in deiner Geschichte an manchen Stellen wieder.
      Ich hab auch nach downswings immer mal gewechselt (FL, SNG, sogar andere Site), hatte dann Erfolg aber irgenwann kamen heftige downswings. Auch ich bin finanziell unabhängig (überhaupt nicht reich, bin aber halt nicht aufs Pokern irgendwie angewiesen) und hab deshalb auch manchmal shots auf höheren Tables genommen (mit ganz unterschiedlichem Erfolg).
      Seit 2 Monaten spiele ich jetzt aber strikt FL, und wenns mal nicht läuft Pause und Theorie- büffeln. Die Taktik mit FL und NL zu spielen ist aber glaube ich auch gut (ich hätte zu wenig Zeit), da z.B. stoxtrader, der FL Spezialist auch beides spielt, zur Abwechslung, und weil man mit nichts besser lernen kann als mit Vergleichen