on tollt sein

    • sholvar
      sholvar
      Bronze
      Dabei seit: 18.01.2005 Beiträge: 4.826
      Gleich mal vorweg: Ja, tollt ist ein Neologismus den ich aus dem Wort toll und dem uns allen recht gut bekannten Wort tilt hergeleitet habe.


      Mir ist aufgefallen, dass man folgendes in eigentlich jedem Pokerbuch lesen kann, welches ein entsprechendes Kapitel besitzt:

      "Viele Spieler neigen dazu, eine Session zu verlassen, in der sie gut Gewinn gemacht haben, quasi um ihren Gewinn zu "sichern", während sie bei Verlusten länger sitzen bleiben um die Niederlage eines schlechten Pokertages nicht über sich ergehen lassen zu müssen. Allerdings ist das verkehrt. Wenn man gewinn macht, ist eine mögliche Ursache dafür, dass man in irgendeiner Weise einen Vorteil über die Gegner haben könnte. Diesen sollte man sich natürlich nciht entgehen lassen. Umgedreht ist eine Möglichkeit dafür, dass man Verlust macht, dass die Gegner einen Vorteil über einen haben, weshalb es nicht sinnvoll ist weiterzuspielen. Es gibt noch weitere Gründe dafür, Verluste zu machen, die nichts mit Varianz zutun haben, wie zB. cheatende Gegner. Deshalb sollte man unbedingt vermeiden "stucked" zu spielen, während man bei guten Gewinnen ruhig mal überlegen kann, länger am Tisch sitzen zu bleiben."

      An sich unterstütze ich diese These. Allerdings finde ich, dass sie zu allgemein formuliert ist. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich bin schon etwas high, wenn ich ne Glückssträhne habe und ohne viel zutun ordentlich upswinge.

      Das schlimme daran ist, dass sich bei mir dadurch auch starke ßnderungen im Spielverhalten einschleichen, genau wie beim tilt.

      Ich hab beim selbstbeobachten 2 tollt-tendenzen festgestellt:

      a) Big Daddy (biets the pot ^_-)

      Man fühlt sich wie Gott. Keiner kann einen badbeaten, keiner kann ne bessere Starting Hand schlagen und vor allem hat keiner soviel Skill wie Big Daddy.
      Das resultierende Spielverhalten könnte man dann vielleicht mit 45/25/6.3, wtsd ~80%
      Big Daddy könnte man also quasi als tollt--Zwilling vom tiltenden Maniac.

      b) Small Bunny (valuecalls the nuts )

      Das kleine Kaninchen hat einen guten Gewinn erzielt und hat nun totale Angst diesen wieder zu verlieren. Es fürchtet, dass jeder (semi-)bluff von ihm durchschaut wird, oder, oh schreck, der Gegner nen Paar getroffen hat und man bis zum River keines seiner Outs sieht. Auch valuebets und -raises sind ncihtmehr drin. Schliesslich muss man dazu seinen geliebten Gewinn in die Mitte des Tisches legen...


      In beiden Fällen weicht man genauso weit vom korrekten Spiel ab, wie bei einem Tilt. Also sollte man imo auch die gleiche Schlussfolgerung ziehen, seine Chips einsammeln, PP closen oder was auch immer und erstmal eine Pause zu machen.

      Natürlich möchte ich damit nicht empfehlen immer aufzustehen, wenn man 10BB im Plus ist. Wie gesagt ist es allgemein schon richtig, sich eher in einer winning session fürs weiterspielen zu entscheiden als in einer loosing session. Man muss aber immer auf seine psychologische Konstition achten und diese kann genauso bei einer winning wie bei einer loosing session leiden (nur dass man es beim Gewinnen selbst nicht unbedingt als leiden einschätzen würde).

      Korny hat fürs downswingen eine kurzzeit-Grenze von 50BB gesetzt bei der man eine Pause einlegen sollte. Diese ist natürlich sehr allgemein und es gibt sicher leute, die auch 100BB downswingen können, ohne davon relevante Spieleinbussen hinnehmen zu müssen, aber im allgemeinen bewegt sich die persönliche DS-Grenze ungefähr um die 50BB.

      Ich möchte mal die These aufstellen, dass fürs Upswingen eine ähnliche Grenze gesetzt werden sollte. Bei mir persönlich liegt diese bei >49% aller Tische double up oder mehr.

      Es gibt auch ein paar Sachen die man an sich selbst beobachten kann um festzustellen ob man gerade am tollten ist.

      Wenn man die ganze Zeit nur kichert, oder nicht meh groß über sein Spiel nachdenkt, oder bei nem setaces gegen nen 80 vpip 60 wtsd wirklich nachdenkt ob man am river valuebetten soll, oder wenn man nach jedem blindzahlen und nach jedem gewonnenen oder verlorenen Pot erstmal in den Cashier schaut um zu guggn, wieweit man von den nächsten 100BB weg ist (oder ähnliches), dann ist die Zeit für eine Pause gekommen.

      Meiner Meinung nach ist ein tollt während eienr Spielpause deutlich schneller verflogen als ein Tilt. ßrgern kann man sich stundenlang über kleinigkeiten, aber wenn kein Kick mehr da ist, ist es schwer sich noch groß über Erfolge zu freuen.

      so long...
  • 2 Antworten
    • bahmrockk
      bahmrockk
      Bronze
      Dabei seit: 10.09.2005 Beiträge: 6.769
      Deine Einschaetzung/Gefahr kann ich nur unterstuetzen - ich persoenlich handhabe das so, dass ich viel selbstkritischer werde (zwinge ich mich bewusst zu, anders gehts nicht!), wenn ich viel Gewinne. Das heisst, mehr Haende posten, das heisst, mehr ueber mein Spiel nachdenken und den Gedanken, wieviel cih gewonnen habe, zumindest waehrend dem Spiel, so gut es geht, zu verdraengen.
      Bin bis jetzt eigentlich ganz gut damit gefahren :)
      Ich tendiere allerdings auch mehr zu Variante Big Daddy, deshalb ist es, glaube ich, leichter, zu sagen: "Das nicht - fold" Als zB mit AA durchzucappen gegen nen Maniac, der sein 2-Pair / Trips getroffen haben koennte ...

      tschuessi,
      georg
    • Ragen
      Ragen
      Bronze
      Dabei seit: 08.05.2005 Beiträge: 1.489
      schoener thread, gefaellt mir
      kann mich da auch nur anschließen, sehr hoher stack, tendenz zum LAG(um gottes willen, dieser reim..)