Abstieg... Fehleranalyse

    • crimi
      crimi
      Bronze
      Dabei seit: 13.05.2005 Beiträge: 49
      Hm,
      ich dachte es ging bei mir immer schön weiter nach oben. Alles lief wie geschmiert, bis ich die br für .5/1 erreicht habe. Jetzt nach 10k Händen auf .5/1 mit -1,5 BB/100 steige ich im Limit ab. ;(

      Auf der Suche nach den Gründen, statistische Aussagekraft meiner Hände ist ja zu schwach, stoße ich auf meine zweite Leidenschaft: das Billardspiel. Die Analogie ist prächtig, denn der laienhafte Spieler versucht verzweifelt die Kugeln zu kontrollieren, was ihm mehr oder weniger zufällig gelingt. Der Profi kontrolliert nur das, was er auch kontrollieren kann: das Queue. Damit folgt die Kontrolle über die Weiße und so auch über die anderen Kugeln.
      So gelingt es dem Billardspieler auch sein Spiel zu analysieren, in dem er die beeinflussbaren Elemente des Spiels von den nicht beeinflussbaren Elementen trennen kann. Und nicht nur das, er vermag auch sein Können, also den Grad der Kontrollierbarkeit einzuschätzen und taktisch der Spielsituation anzupassen.

      Aber das ist ja hier ein Pokerforum. Also, meine pokerbezogene Erleuchtung:

      - das Erlernen von Fähigkeiten, die den Grad der Kontrolle über die Spielsituation erhöhen, habe ich vernachlässigt
      - ich spiele nur, ich trainiere nicht
      - View Lobby--> Cashier, mach ich oft im Spiel, besonders dann, wenn ich verliere
      - ich bin besessen von der Idee, dass ich aufgrund meines Skillvorteils und meines Genies einfach immer gewinnen MUSS :D

      Das psychologische Problem ist, dass ich im Spiel nicht die Bestätigung meiner Fähigkeiten erhalte. Im Gegenteil, ich werde von so einem amerikanischel Schnösel weggeluckt und keiner merkt, dass ich besser gespielt habe, dass ich der beste am Tisch bin... der Pot geht zum Fisch. Ich muss sogar darauf verzichten ihm das rüde mitzuteilen, sondern mit christlichem soft skill meine andere Wange hinhalten ... nh X(

      Ich fühle mich schon sehr weit, wenn ich bei meinem downswing die Möglichkeit in Betracht ziehe, dass ich über zuwenig skill verfüge und dass man auch dort ansetzen kann. Und ich dachte anfangs, beim Pokern erntet man, ohne zu säen.... aber gerade dafür gibt es KORN :D

      Viel Erfolg euch!
  • 12 Antworten
    • Kugelfang
      Kugelfang
      Bronze
      Dabei seit: 24.05.2005 Beiträge: 5.942
      Schön dass du dir über deine schwächen gedanken machst und nicht alles auf pech schiebst.


      Nirgends kann man viel ernten ohne zu säen, und beim poker ist die Saat eben das Wissen.

      Ich denke, dein größer Fehler war es, nicht mehr zu lernen. auf den micros mag es reichen, sich ans starting hand chart zu halten und postflopgrundlagen zu kennen (sprich anfängerforum)
      Doch spätestens ab 0.5/1 sollte man sich weiterbilden (fortgeschrittenen sektion, bücher, coachings ect), dies nicht zu tun war wohl dein verhängnis.



      Beim poker bekommt man eben keine kurzrfirsitge bestätigung seiner fähigkeiten, ist ja immer noch ein glückspiel ;)
      Muss man halt mit umzugehen lernen.


      Bin mir sicher, dass du es schaffst, dich zurückzuspielen - vorrausgestzt du lernst aus deinen Fehlern.
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      Original von crimi

      Ich fühle mich schon sehr weit, wenn ich bei meinem downswing die Möglichkeit in Betracht ziehe, dass ich über zuwenig skill verfüge und dass man auch dort ansetzen kann.

      Damit bist Du imo auch objektiv gesehen sehr weit.

      Sehr schöner, lesenswerter Beitrag. =)
    • oblom
      oblom
      Bronze
      Dabei seit: 07.04.2005 Beiträge: 1.733
      Willkommen im Club der 0,5/1-Geschädigten! ;)

      Nach einem Katastrophenstart habe ich bei mir zwei Leaks ausgemacht:

      1. Zu wenig Value Bets
      2. Zu viele ängstliche Folds

      Mein Ergebnis hat sich seitdem verbessert, aber ein frustrierter Loser bin ich dort immer noch.

      Würde mich interessieren, was bei Deiner Fehleranalyse an konkreten Fehlern herauskommt. Denn auch eine psychische Schwäche oder eine nachlässige Herangehensweise muss sich ja irgendwie konkret manifestieren.
    • skelo
      skelo
      Bronze
      Dabei seit: 18.04.2005 Beiträge: 1.387
      Ich reihe mich gleich mal in den Club der 0.5/1 "Verlierer" ein:

      Bin mit knapp 215$ zu PP gewechselt (inklusive allen Bonis) und habe dann erstmal schön die 0.25/0.50 gespielt. Der Start mit einem Verlust von ca. 50BB war nicht so gut aber dann gings ganz schnell auf über 350$.

      Also nichts wie hin zu den 0.5/1 Beginner Tables und da noch schnell auf 500$ spielen, dass ich endlich mal auf die höheren Limits komme. Genau so habe ich es mir gedacht, mit allen guten Vorsätzen, nicht in Tiltgefahr kommen, die Spieler ernst zu nehmen usw.

      Es kam was kommen musste: -20BB, -40BB, dann kurz wieder fast auf 0 und dann nur noch bergab. Ergebnis: knapp -100BB in gut 3.000 Händen. Habe sowas selten erlebt, mit Nut Straight am Turn bekommt der Gegener noch sein Full-House am River, wenn ich mal ein Full-House habe, macht der Gegner irgendwie Backdoor noch ein höheres. Jede Bet mit Top-Pair, Top-Kicker wird sofort (meistens mehrfach) geraist und wenn ich mitgehe, hat immer jemand mindestens ein Set und wenn ich folde, kann ich mir fast mit 100%iger Sicherheit ein Middel-Pair als Gewinnerhand anschauen.

      Mit PokerTracker sehe ich natürlich auch Fehler die ich selber mache, die früher durch den Gewinn aufgefangen wurden. Und obwohl ich weniger Fehler wie früher mache, bin ich plötzlich im Minus, da ich halt einfach die "guten" Hände nicht mehr gewinne (hatte von 11x AA nur 3 mal gewonnen, und davon 1 mal weil alle gefoldet haben).

      So, habe ich mich auch ein bisschen ausgeheult. Werde jetzt noch mein 2. Pokerbuch weiterlesen und dann wird es hoffentlich bald wieder aufwärts gehen.

      Vielen Dank fürs "Zuhören" :-)

      Sascha
    • crimi
      crimi
      Bronze
      Dabei seit: 13.05.2005 Beiträge: 49
      Konkrete Leaks ist eine schwierige Frage. Ich habe (natürlich) noch viele Anfängerfehler, dass ich mich schwer von einer Hand trennen kann z.B., oder die gegnerische Hand schlecht einschätze. Mein WTS ist auch zu hoch. Ein wesentliches Leak ist einfach, dass ich mein Wissen (immerhin habe ich Ed Miller, Lee Jones und Hilger gelesen, die Theorie selbst vernachlässige ich nicht) nicht einübe.

      Mir fällt das auch bei den Coachings auf. Ich höre Weyoun und außer bei seinen vielen Januarsuckouts, kommt mir alles bei ihm so sonnenklar vor. Die alte Leier von Theorie und Praxis stimmt aber leider. Ich bin in der Lage stundenenlang geistfrei zu spielen, obwohl ich wissentlich besser bin. Mein Plan ist es bewusster zu spielen und mich stets zu fragen, was und warum ich das gerade mache. Nur so kann ich das Wissen auch nutzbar machen.

      Ich glaube es geht eigentlich vielen so, sie wissen viel und fühlen sich im Kopf weiter als sie es wirklcih sind. Wenn Korn auf dem Seminar gesagt hat "Ihr müsst ein Gefühl für Equity bekommen.", dann liegt es wohl auf der Hand, dass man intensive Erfahrung und vertieftes Wissen dafür braucht.

      Zeit, Geduld und eine professionelle Herangehensweise.
    • AllinTime
      AllinTime
      Bronze
      Dabei seit: 16.08.2005 Beiträge: 883
      Der Glücksfaktor ist doch erheblicher als manche denken...
    • Stargoose
      Stargoose
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 4.077
      Poker ist und bleibt ein Glücksspiel. Die kurzfristigen Ergebnisse lassen sich leider nur sehr eingeschränkt beeinflussen. Langfristig macht man Gewinn, und darum geht es uns hier.

      Die kurzfristigen Ergebnisse mußt Du als Ergebnis von Glück bzw.Pech einfach so hinnehmen. ;)
    • AllinTime
      AllinTime
      Bronze
      Dabei seit: 16.08.2005 Beiträge: 883
      Poker ist und bleibt ein Glücksspiel. Die kurzfristigen Ergebnisse lassen sich leider nur sehr eingeschränkt beeinflussen. Langfristig macht man Gewinn, und darum geht es uns hier.

      Die kurzfristigen Ergebnisse mußt Du als Ergebnis von Glück bzw.Pech einfach so hinnehmen
      Hört sich ja recht leicht an, aber mittlerweile bin ich etwas traumatisiert.
      Ich versuche mich jetzt ersteinmal wieder an den Play-Money-Single-Turniertischen. Eigentlich kann man Play-Money vergessen, aber an diesen Tischen wird zumindest unter den Top-5 recht normal gespielt.

      Ich denke eben, dass das Problem meist der Mensch an sich ist. Es ist sehr schwierig solche Bad-Beats wegzustecken, sich zu sammeln und konzentriert weiterzuspielen. Deswegen scheitern auch recht talentierte Spieler schnell, weil sie bei entsprechenden Antiläufen die Geduld verlieren, alles auf Glück und Pech schieben und entweder gar nicht mehr spielen, oder eben aggressiv werden.
    • caterham
      caterham
      Bronze
      Dabei seit: 21.09.2005 Beiträge: 136
      Mir gehts ähnlich, von gestern auf heute die br verdoppelt, auf 0.5/1 heute morgen wieder halbiert - man trifft nichts mehr, jedes AKs wird weggecallt, AA hat eine Gewinnquote von 20% bei 12x gekommen etc.pp - und zwar nicht nur eine kurze Zeit, sondern stundenlang auf 4 Tischen ;(

      Ab welchem Limit hören diese Callingmaschinen eigentlich mal auf ? Dann überspringe ich die limits bis dahin lieber :D
    • AllinTime
      AllinTime
      Bronze
      Dabei seit: 16.08.2005 Beiträge: 883

      Ab welchem Limit hören diese Callingmaschinen eigentlich mal auf ? Dann überspringe ich die limits bis dahin lieber
      Deswegen habe ich sehr schnell, vielleicht zu schnell zu den größeren NL-Tischen gewechselt um diese Idioten loszuwerden.
      Bei einem ordentlichen Preflop-Raise sind Multihand-Flops eigentlich eine Seltenheit und dann mal sehen. Dann ist sogar ein kleiner Semibluff drin, je nachdem.
      Aber auf 0.25/0.5-Tischen sind sie noch zu häufig vertreten, unsere lieben Freunde, die Auf-die-River-hoff-Lucker
    • suru
      suru
      Bronze
      Dabei seit: 23.05.2005 Beiträge: 3.735
      wenn du nl spielst und allin gehst brauchst du dich auch nicht wundern, wenn dein ganzes geld weg ist :-)
    • spookthing
      spookthing
      Bronze
      Dabei seit: 24.01.2006 Beiträge: 153
      Naja diese "Auf-die-River-hoff-Lucker" sind eigentlich gute Kunden die auf lange Sicht eine Menge Chips/Dollars bei dir abladen...
      Klar ist es deprimierend wenn sie treffen aber langfristig machst du ja Gewinn an solchen Kerlen.
      Mein Tip: Im Gegenzug auch ganz bewusst die Momente geniessen wenn sie nichts getroffen haben und man ihnen einen Riesentopf randvoll mit Chips/Dollars abgenommen und sie so von dieser schweren Last befreit hat... :D

      @crimi: Super gute Beiträge !!! Nice!