Pot-Manipulation statt Protection Wenn Beispielhände beurteilt werden lese ich häufig Sätze wie: "Da muß man doch protecten!". Solche Argumentationen sind meistens falsch, denn Protection gibt es im Omaha (eigentlich) nicht. Was ist Protection? Eine Definition aus dem Artikel "Protection“ in unserer Strategie-Sektion: Protection heißt übersetzt "Schutz; beschützen". Eine saloppe Erklärung des Prinzips der Protection lautet: Man muss seine guten Hände durch Bets und Raises beschützen. Man will sich den Pot sichern, die Gegner reduzieren und ihnen keine Chance geben, uns mit ihren schwachen Draws "wegzudrawen". Was ist Pot-Manipulation? Unter Pot-Manipulation versteht man, die Kontrolle der Hand durch Aggression (z.B. wie viele Spieler in der Hand bleiben, wie groß der Pot wird, wieviel man für ein Draw bezahlen muß) Die Potgröße ist so gut wie immer der wichtigste Faktor in einer Poker-Situation. Wenn man ein Royal-Flush bei einem 10$ Pot floppt ist der 649739 zu 1 Treffer ganze 10$ wert. Wenn man aber einen Gut-Shot in einem 220$-Pot trifft, ist dieser genau das doppelte nämlich 20$ wert. Den Pot möchte man immer dann vergrößern, wenn man eine Made-Hand hat, die bis zum Showdown kaum noch eingeholt werden kann oder ein sehr starkes Draw mit vielen Outs zu den Nuts hält. Schwache Draws spielt man – so lange sie sich noch nicht materialisiert haben – vorsichtig, da man mit ihnen nicht allzuviel Geld in den Pot werfen möchte. Interessant ist, daß man im Omaha Made-Hands die nicht sehr robust sind ähnlich wie schwache Draws vorsichtig spielt. Man spielt sie quasi wie ein Draw, bei dem alle Karten, die die Hierarchie der Hände nicht verändern Outs sind. Solche Hände zu spielen ist unangenehm, da man mit ihnen häufig nicht die Hand kontrollieren kann. Warum funktioniert das Prinzip der Protection im Omaha nicht mehr? Im Hold’em liegt, wenn man am Flop die Nuts hält, die eigene Equity, so gut wie immer über der Durchschnittsequity. Seltene Ausnahmen sind Situationen, in denen ein Gegner 14 oder mehr Outs hat (OESD+Flush-Draw; Mid-Pair + Flush-Draw). Im Omaha gehören derart starke Draws allerdings zur Tagesordnung, so daß man selbst mit den Nuts Heads-Up am Flop in Erwägung ziehen muß bis zum Showdown zu weniger als 50% die stärkste Hand zu haben, weil der Gegner auf einem sehr starken Draw sitzt, das man selbstverständlich auch nicht mit Aggression ausknocken kann. Zusammenfassend kann man also sagen, daß wir im Hold'em schauen ob wir noch vorne liegen und versuchen zu verhindern, daß sich die Hierachie der Hände nochmals verändert, während wir uns im Omaha damit abfinden, daß sich die Hierachie der Hände nochmals verändert. Wir schauen, ob wir am River vorne liegen und bereiten den Pot dementsprechend darauf vor.