Stealingranges von Regulars

    • aaaRt
      aaaRt
      Black
      Dabei seit: 15.08.2007 Beiträge: 17.605
      hi@

      Ich möchte mit euch ein wenig über Stealingranges, sowie (open)raising Ranges (insb. aus MP) von guten Regulars unterhalten, da ich der Meinung bin, dass sowohl ich als auch viele andere diese nicht richtig einschätzen können. Das Problem hierbei ist, dass viele von uns mit Programmen wie HEM/PT/Elephant mehr oder weniger verlässliche Stats geliefert bekommen, die uns sagen mit welcher Range ein Spieler eine bestimmte Aktion macht. Je nach Samplesize sehen wir diese Werte als verlässlich an, missachten jedoch den Faktor der Adaption, d.h. wie der Raiser sich in einer bestimmten Situation verhält und pushen eventuell eine "falsche" Range, mit der wir im Endeffekt nicht auf unsere Equity kommen.

      So spielt ein guter Regular (ich spreche von limits ab nl200) nicht immer die gleiche Range an Händen. Wir müssen daher verschiedene Faktoren berücksichtigen, die eben Einfluss auf die Range des Raisers haben werden.

      a) Welche Spieler sitzen in den Blinds (Shortstacks/Fisch/Regular)
      b) Wie war die Action vorher

      Es dürfte z.B. klar sein, dass ein guter Reg eine wesentlich größere Range raist (nicht stealt!), wenn ein Fisch vor ihm gelimpt hat. Wir nehmen also folgende Situation an.

      Fisch limpt in MP, Regular sitzt am CO und hat eine Raisingrange von 10%. Wir sitzen im BB und halten AT, womit wir 37% Equity haben und einen fold finden müssten. Angesichts der Situation, die aufgetreten ist, müssen wir Villains Range jedoch korrigieren (wir gehen hier davon aus, dass wir gegen die Range des Limpers >50% haben). Wir müssen uns jetzt also überlegen wie das Limpen des Fisches die Range des Regulars verändert und nehmen neben der 10%, die uns unser Trackingprogramm liefert noch einige Hände dazu, die man als Bigstack gegen ein Fisch (m. 100BB) ebenfalls raisen würde.

      10%



      erweiterte Range:



      Ähnliches gilt für Stealsituationen, in denen wir in den Blinds sitzen und gegen uns gestealt wird. Wir nehmen hier an, dass ein any2 Steal gegen uns nicht profitabel ist und, dass wir mit einer "korrekten" Range restealen. D.h., sowohl Villain als auch wir kennen seine Stealingrange.

      Annahmen:

      Villain hat einen Openraising Wert von 25% aus dem BTN, wir restealen immer mit der entsprechenden Range und wir haben 0% Foldequity, d.h. Villains Callingrange = 100% und unser fbbtst gegen ihn beträgt 75%, sodass EV = 0 ist. Wir gehen zudem davon aus, dass SB bzw. BB in 0% der Fällen mit einer besseren Hand aufwacht.

      Wir haben also eine Situation, die nach gegebenen Ranges und Equity eigentlich EV = +- 0 ist, trotzdem kann das nicht ganz stimmen - warum?

      Die Antwort ist nicht ganz einwandfrei zu geben und unterscheidet sich von Spieler zu Spieler, wir müssen zunächst erstmal feststellen, was wir wissen und, was wir nicht wissen.

      Was wissen wir?

      a) Wir wissen, dass Villain durchschnittlich 25% vom BTN Openraist
      b) Wir wissen, welche Hand wir selber halten
      c) Wir wissen, wie unsere Equity gegen Villains 25% ist und damit, ob ein Resteal den EV >= 0 hat.

      Was wissen wir nicht?

      a) Wir wissen nicht, ob Villain auch gegen uns 25% stealt. Wir kennen also nur seine ungefähre Range

      • Damit wissen wir automatisch NICHT, wie unsere Equity gegen Villains Steal aussieht


      Das Problem ist aber, dass wir die Stats für gegeben erachten und damit immer Restealen, wenn unserer Hand mind. 50% Equity gegen Villains durchschnittliche Raisingrange hat. Das kann mitunter ein Fehler sein, wenn Villain seine Stealingranges je nach Gegner anpasst. Ein Fullstack kann - bedingt durch das Spiel IP - gegen andere Fullstacks wesentlich mehr raisen. Selbst, wenn seine Hand Equitytechnisch schlechter ist als die Hand eines anderen Bigstacks, kann die Situation für ihn aufgrund der Position +EV sein.

      Gegen uns als Shortstacks fällt das Spiel IP aber weg, da unsere Hand beim Resteal idR auf ein Preflop AI hinausläuft. Für den Fullstack zählt hier also nur die Equity gegen unsere Restealrange.

      Während unser Villain im Spiel gegen andere Fullstacks also folgende Range raisen könnte:

      Range vs Fullstacks



      ist es gut möglich, dass seine Range gegen uns wie folgt aussieht:



      Einige Hände wie z.B. JTs lassen sich IP wunderbar spielen und sind zum einen deshalb und zum anderen aufgrund der implieds eine Standardstealhand gegen Fullstacks. Gegen Shortstacks, die an sich "korrekt" restealen, wird ein denkender Regular JTs aber folden, da ihn hier nur die Equity bei einem Preflop-AI interessiert.

      Die Frage(n) ist (sind) nun:

      • Ist das, was ich hier aufgeschrieben habe, soweit richtig?
      • Wie finden wir die tatsächliche Stealingrange heraus?


      mfg,
      aaaRt
  • 2 Antworten
    • DrMindtrap
      DrMindtrap
      Bronze
      Dabei seit: 12.09.2006 Beiträge: 2.914
      Schöner formatiert als so mancher Artikel das Ganze - nice!!

      Allerdings würde ich so eine Diskussion hier ganz sicher nur in der kleinen Gruppe mit 2-3 Leuten betreiben und nicht im Goldforum, wo am Ende jeder Fisch zum einen weiss wie ich denke, und zum anderen von meinen Ergebnissen profitiert. :f_biggrin:

      Aber ganz prinzipiell gehts hier doch um ganz standardmässiges Gegner- und situationsabhängiges Einschätzen/Anpassen von Handranges....
    • aaaRt
      aaaRt
      Black
      Dabei seit: 15.08.2007 Beiträge: 17.605
      Prinzipiell geht es um die situationsabhängige Bestimmung von Handranges aber auch um die Einsicht, dass man nicht zu sehr auf Stats vertrauen sollte. Was die Adaption angeht ist eben die Frage, inwiefern wir außerhalb dieser Information genügend Indizien für Villains reales Stealverhalten bekommen. Selbst gegen Regulars kommen wir nicht oft genug in Stealingsituationen, bei denen wir einen SD sehen und damit Hände ein-/ausschließen können.

      Bisher wäre mir auch keine Möglichkeit bekannt außer auf Reads zu vertrauen und eben auch mal Sessions ohne HUD zu spielen, damit man sich mal auf das reale Spiel anstatt bunten Zahlen konzentrieren kann.