[Motivation] Nicht aufgeben im Downswing!

    • ilja
      ilja
      Black
      Dabei seit: 20.06.2006 Beiträge: 4.236
      Eis vorweg: Ich poste das in die Sorgenhotline, da ich währen meines Downswings öfters mal hier reingeschaut habe um nach gleichgesinnten und motivation zu suchen. Fall dieser Thread doch wo anders besser aufgehoben ist, kann ein Mod es gerne verschieben.

      Nunja, hier ist meine kleine NL 6max BSS story:

      Inhalt:
      1. Aufstieg
      1.1 BRM
      1.1. Vor dem Downswing
      2. Der Downswing
      3. Analyse
      3.1 Style
      3.2 Autopilot
      3.3 Theorie
      3.4 Leaks
      4. Nach dem Downswing
      5. Mein Rat
      6. Schlusswort



      1. Vor dem Downswing


      Vor knapp 14 Monaten habe ich angefangen Poker ernst zu nehmen. Ich habe zwar schon 2006 Fixed Limit gespielt und im Sommer 2007 mit No Limit angefangen, aber alles nur als Hobby. Im Herbst 2007 war ich dann auf nl100, doch als die Uni anfing und eine neue Freundin kam, hab ich erstmal bis März 2007 Kaum Zeit für Poker gefunden.
      Dann beschloss ich, neu motiviert, Poker ab sofort ernst zu nehmen und fingt nochmal mit einer BR von knapp $4k auf nl100 an.
      Im Sommer war ich dann auf nl200, im Herbst auf nl400.


      1.1 BRM

      Auch wenn einige das für Schwachsinn halten, ich habe immer ein relativ konservatives BRM gehabt. Bis nl100 bin ich mit 30 stacks hoch, auf 200 mit 40 und auf 400 erst mit 50. Wobei ich mitlerweile nichtmal mehr ein BRM habe, ich spiele einfach so lange bis ich mich "reif" fühle und lust habe aufzusteigen. Auch wenn es 100+ Stacks sind...
      Ich kann es weder jemandem empfehlen, noch abraten. Aber für mich persönlich habe ich einfach gemerkt, dass es das "beste" ist. Ich glaube das hat mir auch dieses Jahr meine BR gerettet...


      1.2 Vor dem Downswing

      Seit November 2008 Habe ich NL400 gespielt, teilweise bis zu 12 Tische parrallel. Und es Lief. Alles war super.
      Abgesehen von einem 22 Stacks downwing früher auf 200 (der mich etwas mitgenommen hat) war ich in meinem ganzen Leben glaube ich kaum mehr als 10 Stacks unten. Nur wie gesagt die 22 Stacks im August/September 2008.
      Ich war es nicht gewohnt zu verlieren. Bis zu dem einen Tag...



      2. Der Downswing

      ... dem 14. Januar diesen Jahres. Ich habe an einem Tag knapp 6 Stacks gedroppt, das war schon ungewohnt. "OK," dachte ich "morgen hab ich wieder drin, waren ja fst nur BadBetas und Setup"....
      Nächster Tag: Wieder 6 Stacks down.. "wtf?, das kann doch gar nicht sein...". Und tatsächlich, die folgenden Tagen gings es fast 17 Stacks rauf und meine Welt war wieder in Ordunung.
      Doch das war fast alles nur rumgelucke, den mein Game ist über Monate hinweg nur schlechter geworden (aber dazu mehr).
      Aufjedenfall Ging es seit Mitte Januar nur hart nach unten. Es Lief überhaupt nichts. Ich habe nur verloren, jeden Tag, Mal 2k, mal 4k, mal 1k. Ich glaube ich hatte keinen einzigen Wiinung day. Irgendwannmal bin ich auch komplett auf nl200 runter, da ich keien Nerv mehr hatte.
      Es war hartes Monkey Tilt...



      Februar auf 200 das selbe spiel. Erst ging es rauf, dann wieder hart runter. Ich war auf dem Limit, das ich über 200k Hands vorher mit 4BB oder so gebeatet habe in den letzten 8k hands fast 20 Stacks runter.
      Damit kam ich nicht klar.






      3. Analyse

      3.1 Style

      Als ich mir meine Stats angechaut habe ist mir aufgefallen, dass ich im Sommer 2008, wo ich guter Winningplayer war 20/16 gespielt habe. Dann bei aufstieg auf 400, bin ich immer nittiger geworden, bis ich im Januar nur noch 18/14 Nit war. Die Ursache dafür war, dass ich die Varianz beim Aufstieg kleine halten wollte, aber dann bei dem style geblieben bin.
      Es ist mir nicht aufgefallen, da ich immer mehr Tische gespielt habte. Statt 6 wie vor 1/2 jahr, spielte ich mittlerweise das doppelte und dadurch war die "action" die gleiche, mit dem Unterscheid, dass ich mein Image bei den Rags falsch eingeschätzt habe.
      Das ist mir erst aufgefallen, als ich im Februar von einem Reg auf nl200 angesprochen wurde, warum ich denn so nittig geworden bin, und wieder 200 spiele.


      3.2 Autopilot

      Denn ich war im Autopilot-Mode, nur noch meine Cards gespielt, kaum nachgedacht, standart ABC-Play - "fit-or-fold". Und als es immer schlechter lief habe ich immer mehr gespielt. Normal reviewe ich immer alle 10BB+- Hands nach einer Session, doch seit Mitte Januar nicht mehr, ich habe nur spielt. "Alles Setups und Beats, bald läuft es wieder". Ich woltle so schnell wie möglich wieder Even sein.
      Zur Zeit war auch klausurphase und so habe ich den Tag über gelernt und Nachts (übermüdet) mein ABC-Game gebracht. Was natürlich nicht so lief wie ich wollte.
      Doch das war mir egal. Ich hatte die ganze Zeit mein (etwas ZU positves) Setup "Es wird heute wieder besser laufen".


      3.3 Theorie

      Doch es Lief nicht. Wie auch? Theorie=0, Mein Game hat sich nur verschlechtert und jede losing-Session zog mich immer weiter runter.
      Also habe ich das gemacht, was ich schon viel früher hätte machen sollen: Ich habe mich mit meinem Game auseinandergesetzt.

      - nochmal alle PS.de Artikel/Kolumnen durchgelesen
      - Harrington on Chashgame
      - Videos geschaut
      - immer Sessionreview gemacht und 3-5 Hands ins Forum gepostet
      - Coaching bei Natze
      - Angefangen Nachzudenken(!!!)

      und dabei ist so einiges rausgekommen:



      3.4 Leaks

      Das Rangeleak:
      Besonders durch das Handbewertetforum ist mir aufgefallen, dass ich kaum bis gar nicht mehr in Ranges dachte. Es war alles nur noch eine "hat er die Hand oder hat er sie nicht"-Frage.
      Als ich daraufhin von cYde und JoosP eins auf den Deckel bekommen habe deswegen, entwickelte ich dieses Hände-Post-Format:
      Beispiel: AQ - TP auf mincheck-raise (Screenshot)
      Ich wollte mich selber dazu bringen (wieder) in Ranges zu denken, also musste ich "gezwungernermassen" vor jedem Händepost erst ausgebirg über Villains Range nachdenken.
      Und es war gut.
      Mittllerweise habe ich -in game- das Rangedenken wieder automatisch drinne... :)


      Das Bluffleak:
      Nach und nach habe ich einfach aufgehört zu bluffen oder jene catchen zu wollen. Damit rede ich nicht von Semibluffs mit einem Flushdraw oder ähnlichem. Sondern von Spots, wo Villain einfach viel zu selten eine Hand hält, aber in welchem MEINE Range relativ stark ist. Von solchen wo villain auf eine starke bet oder einen raise mit so gut wie nichts weiterspielen kann! Ich habe ich gar nicht erst versucht ihm den Pot zu klauen.

      Auf gut deutsch: Ich habe aufgehört zu denken.

      Ich habe die Spots gehasst: Vilain check-raised mich auf einem trockenem Lowcard Flop, und ich sitze mit meinem Middlepair da. Ahnungslos.
      Doch habe ich mal überlegt, dass, wenn ich die selbe Line gegen Villain spiele, er das gleibe Problem haben wird? Nein!
      Der "Klick" Moment kam bei einem DC-Video aus "Unconvintional Widsom", ich glaube Episode 4 oder 5, wo es um genau diese Bluffs ging.
      Genau das Richtige! Da habe ichs dann realisiert, dass es nicht darum geht möglichst fehlerlos zu spielen, sonders darum, Villain in eine Situation zu bringen, wo ER Fehler macht. In eine Situation die IHN zu solchen Decissions zwingt.
      Man gewinnt indem man den Gegner zu Fehlern zwingt, anstatt dass man selber versucht die perfekte (PASSIVE-)Line gegen diesen zu finden .
      Keine mag Turnraises wenn man selber eine mediumstrong Made Hand hält, warum also nicht Villain in solche Situationen bringen, wenn seine Range zum größten Teil aus solchen und schwächeren Händen besteht?
      Ausserdem kennt fast jeder Reg die Standardline, und genau deswegen mal out of line spielen und Villain zu Fehlern zwingen, weil er mit "dieser neuen, strangen-" Line nichts anzufangen weiß.
      Aufjedenfall vor jeder Action nachdeneken , das war so ziemlich das wichtigste und ich hatte es mir wieder reingekloppt...


      Das Overplayleak:
      Ein 15/13 spieler cold4bettet aus den Blinds auf meinen UTG raise...
      "Scheiss egal, er kann ja auch mal AK halten, da müssen meine Qeens halten...."
      Ein Passiver Fisch raised mich am Turn auf einem KTTA Board....
      "Egal, ich habe tripps mit T8, die folde ich nicht.... "

      Auch wenn diese Situationen nicht wirklich viel aussagen, ich habe gemerkt, dass ich zuviel Overplayte. Einfach weil ich dachte "Jetzt hast du schon so eine gute Hand, du musst gewinnen".
      Ich wollte das Glück erzwingen....
      Und habe dadurch nur noch mehr verloren.
      Total unüberlegt Hände overplayed einfach weil ich gewinnen wollte. Das hing natürlich stark mit dem Rangeleak zusammen.
      Es war ein Teufelskreis: Das was ich gewonnen habe (und mehr!) hatte ich kurze Zeit später wieder durch solche Overplayed Hände verloren, einfach weil ich schnell wieder aus dem "Down" wollte und nicht folden konnte...


      Andere:
      Natürlich war das nicht alles, ich habe mir u.A. auch noch oft falsche implied gegeben (weil ich mir welche geben wollte). Dadurch Pre+Flopbets gecallt nur um auf dem Turn zu folden. Jede 3bet sah ich als easy call (mit SCs) gegen any Villain, auch OOP. "Man kann ja ein Monster(-Draw) treffen". Was natürlich totaler Humbug ist. Ich habe Hände wie AJ "underplayed" und "87s" Overplayed...


      4. Nach dem Downswing
      Der zweite "click" Moment war bei einem RL-Coaching mit Natze, auch wenn die Session rel. schlecht lief, ich hatte bemerkt, dass ich wie o.g. zu wenig aktiv nachdenke.
      trotzdem war ich Ende März auf meinem Absoluten Tiefpunkt, kurz vor dem selbstgewollten Abstieg auf nl100:


      Insgesammt knapp 15k und ~50 Stacks

      Ich glaube ohne eine etwas größeres BR Poslter hätte ich alles auf 200 verblasen. Es waren immerhin knapp 50 Stacks.
      Aber auch wenn ich hier viel von Leaks die Rede war, war natürlich einiges an Beats und Setups bei, da kann man nichts sagen.
      Doch mein immer schlechter werdendes Spiel hat es nur schlimmer gemacht und ca. 50% mehr losses verursacht als "nötig".

      Nunja, ich habe gerade noch die Kurve gekrigt, mich sehr mit meinem Spiel beschäftigt und mit ein wenig guten setups und "glück" wieder alles auf nl200 only rausgekrigt. Werde mich bald mal wieder an 400 ranmachen.


      Mein 2009 bisher




      5. Fazit

      Im Endeffekt geht es nur um eins: Nachdenken
      Ich kann nur jedem raten beim spielen Aktiv dabei zu sein, über jeden Spielzug nachzudenken, welche range villain hat, warum man es macht, was man auf welchen Gegenzug machen würde. Man hat viele Informationen zur Verfügung: Stats, Notes etc.. dann soll man diese auch vernünftig nutzen!
      Das geht natürlich nur wenn man nicht zu viele Tische spielt. Ich spiele keine 12 mehr, keine 10, selten mal 8, wenn die wirklich fischig sind. Ich versuche bei 6 Tischen zu bleiben, aber dafür viel beobachten, nachdenken, lines ausprobieren. Villain zu Fehlern zwingen.

      Auch vor oder nach einer Session sich mit dem Theoretischen Teil des spiels zu beschäftigen: Videos, Handbewertungen, Artikel, Coachings.
      Man muss ehrlich zu sich selber sein, ob man gerade wirlich sein A-Game spielt oder nur was zu erzwingen veruscht.
      [b]NICHT AUFGEBEN![/B] Konzentriert unf fokusiert bleiben, dann wird es auch wieder! :)



      6. Schlusswort

      Jetzt muss ich erstmal ein paar Sachen erledigen, die ich mir vorgenommen habe, wenn ich aus dem Down rauskomen sollte (neues Bett+Stuhl kaufen, Ausflug mit Freundin, etwas Spenden), eine Minibar+Cocktail Zugehör habe ich mir schon gegönnt! ;)

      Sich ein Zeil zu setzen wenn es schlecht läuft ist wohl auch nicht verkehrt! :D

      Hoffe es bringt vielleicht dem ein oder anderen bischen Motivation, denn diese habe in der Phase auch sehr gebraucht. :)



      Also, wir sehen uns auf der Diamonparty in Hamburg! ;)


      edit: Screenshot link zu der Hand hinzugefügt. Die Bewertung davon ist ja unwichtig, geht nur um die "Ausführlichkeit". ;)
      edit 2: Leak-teil überarbeitet.
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