Ingame Tableselection

    • Bobbs
      Bobbs
      Bronze
      Dabei seit: 02.01.2006 Beiträge: 4.264
      Ich will einmal versuchen dieses Forum für eine sinnvolle Diskussion zu nutzen oder zumindest einige Spieler zum Denken anzuregen.

      Ingame Tableselection
      Hintergrund:
      Ich habe vor einiger Zeit ein SH SnG auf Cake gespielt, dass voller Fische war.
      Ausnahme ein Spieler mit einem soliden 10% ROI auf eine aussagekräftige Samplesize auf den höchsten Limits. (und ein breakeven Regular)

      Jedenfalls kam es zu folgender Hand bei Blinds von 25/50 und 1500 Chips Startstack.

      Ich open aus MP AKs auf 150.
      Obiger Regular überlegt kurz und geht aus LP für seine 1500 Chips allin.

      Da er mich bzw. ich ihn nicht kannte, konnte ich Asse und Könige sofort ausschließen. AQ etc. shoved kein guter Spieler in diesem Spot.
      Er hält hier also immer ein mittleres PP und ich bin 45 zu 55 Underdog.

      Geht man nur nach Odds und ICM ist das also ein klarer Fold.
      Unser Gegner wird durch den Call Chips gewinnen und wir verlieren.

      Betrachtet man die Situation einmal Abseits von Odds und des ICM , so hat sich eine sehr interessante Möglichkeit ergeben.

      Idee:
      Die gesamte Situation kommt einer indirekten Absprache zwischen mir und dem anderen guten Spieler gleich.
      Hätten wir einen Coinflip so würde ich danach in 50% der Fälle einen sehr einfachen Tisch übernehmen und in den anderen 50% der Fälle hätte er ein vergleichsweise leichtes Spiel.

      So eine Abprache kann m.E. für uns beide profitabel sein, da jeder von uns mit den 3k Chips eine deutlich größere Edge am Tisch haben wird als davor.

      Ich entscheide mit dafür anstatt in 100% der Fälle gegen vier Gegner und einem sehr guten Spieler zu spielen dafür in 50% der Fälle (mit doppelten Stack) gegen vier schlechte Spieler zu spielen und überlasse den Tisch in dem Rest der Fälle dem anderen guten Regular.
      Der Ausdruck Ingame Tableselection erscheint mir hierfür passend.

      Man vergleiche diese Situation mit der gewöhnlichen Tableselection.
      Es kann in einem SH SnG leicht vorkommen, dass das Mitspielen eines weiteres Regulars den ROI aller Regulars so stark senkt, dass keiner von ihnen das SnG profitabel spielen kann. (Vgl. dazu die Artikel von jhub3000 und sizzlinbetta zur Tableselection)

      Im obigen Fall wird man für das Auslassen des Tisches mit den anderen Regulars mit einem Stack von 3k und nur noch 4 sehr schwachen Gegnern belohnt, muss aber in 50% der Fälle sein Buyin abgeben.

      Nun gewinnen wir die Hand nunmal nicht in den 50% der Fälle, sondern nur in 45%. Die Situation ist für unseren Gegner also profitabler als für uns, aber kann es sein, dass ein Call trotzdem für uns profitabel ist?

      Beispielrechnung:

      6 Spieler 100+10
      400 1st
      200 2nd

      60$ Rake

      Ist jeder Spieler gleich gut, dann jeder verliert jeder 10$ pro Spiel und hat einen ROI -9.1% (= -1/11)

      Ist man breakeven Spieler müssen die restlichen 5 Spieler durchschnittlich 12$ pro Spiel verlieren

      $60/5 = 120

      12/110 = 11%

      5 Spieler mit -11% ROI

      Der Tisch sah in etwa so aus:

      Spieler 1: ROI -30%
      Spieler 2: ROI -20%
      Villain: ROI +10%
      Reg: ROI 0%
      Spieler 4: ROI -20%

      Spieler 1 verliert 33$ pro SnG ( 110*.3)
      Spieler 2&4 verlieren 22$ pro SnG
      Spieler 3 verliert 11$ pro SnG
      Villain gewinnt 11$ pro SnG

      -33 + (-44) + 11 = -66$

      Ergibt 6$ Overlay, damit habe ich als BE Spieler in diesem SnG einen ROI von 5.45% (6$/110)

      Ich habe die Chance den +10% ROI Spieler durch einen "Coinflip" rauszunehmen.
      Nehmen wir an, dass die ROIs der anderen Spieler gleich bleiben, falls Villain bustet.
      (Da ein Spieler gebustet ist, erhöht sich der ROI der einzelnen verbleibenden Spieler, aber ich habe durch den doppelten Stack und die geringe Konkurrenz eine deutlich größere Edge)

      Damit ergibt sich am neuen Tisch ein Overlay von 17$, was einem neuen ROI von 15.45% entspricht.

      Ich habe nun also in 45% der Fälle einen ROI von 15.45%, d.h. mein ROI hat sich um 1.5%/+$1.65 pro SnG erhöht.

      .45*15.45% = 6.9525%
      -> ROI +1.5%/ +$1.65


      Es geht mir nicht darum darüber zu diskutieren ob die Änderung der einzelnen ROIs realistisch ist. Es geht mir auch nicht darum, dass der andere Regular da nach einiger Zeit auch Asse und Könige pushen könnte etc.

      Es geht mir viel eher darum, ob diese Betrachtungsweise sinnvoll ist bzw. das es sinnvoll sein kann so eine Situation auf einer ganz anderen Ebene zu betrachten.

      Mfg,
      Bobbs
  • 3 Antworten
    • crizzla
      crizzla
      Black
      Dabei seit: 20.11.2006 Beiträge: 1.761
      Grundsätzlich ist die Überlegung -ev Spots anzunehmen um in angenehmere Situationen zu kommen ja nichts neues. Von daher natürlich immer sinnvoll.
      Was dir wahrscheinlich selbst klar ist, dass du mit den Faktoren/Annahmen die du festlegst noch nicht allzuweit kommst.
      Allerdings wirst du durchaus Spots haben, in denen das ganze tatsächlich sinnvoll ist, speziell bei ner großen Diskrepanz der Preissprünge von 1 zu 2.
    • karlo123
      karlo123
      Black
      Dabei seit: 25.06.2005 Beiträge: 10.193
      Ok. Leider habe ich gerade keine Zeit genau drauf einzugehen, aber der Spot ist sehr interessant. Ich hatte auf den SH SNGs Ongame ebenfalls vor einem Jahr einen Regular (allerdings nur 500sngs 100+), der extremst aggressive war und genau diese Spots eingebaut hat. Nur hat er das wirklich early, middle und endgame so gemacht.

      Ich habe das auchmal durchdacht, wenngleich ich keine Zeit für Zahlen habe, aber es gibt mit Sicherheit Spots in denen das profitabel ist aufgrund des fututregames. Je nittiger die Gegner sind, desto mehr ist es in deinem Interesse. Ebenso je toplastiger die Aszahlung ist.
    • TeddyTheKiller
      TeddyTheKiller
      Bronze
      Dabei seit: 05.01.2008 Beiträge: 5.175
      Ich denke schon, dass das sinnvoll ist, schon alleine für deine Hourly....
      Allerdings kommt da auch schon das erste Problem: Auf den Highstakes gibt es einfach keinen Traffic und die meisten von uns spielen ja immernoch Spaß- und nicht Geldorientiert. Und, wenn man halt 6tablen will, kann man nicht in 3 davon rauflippen, wenn einem das dann langweilig wird.
      Aber allgemein ne interessante Idee, wenn man noch was anderes zum Spielen findet, definitiv umsetzbar.