[RL] Ich bin zu perfektionistisch [no happiness inside]

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    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Lerne, Prioritäten zu setzen, das wird Dir helfen und es wird sich bei Dir auch mal der Zustand der Zufriedenheit breit machen.

      Ich habe zu meiner Schulzeit auch oft mit dem Problem zu kämpfen gehabt, dass selbst die 1 mit Sternchen für mich nicht gut genug war - irgendwo gab es für mich immer etwas zu verbessern. Irgendwann eignete ich mir jedoch die Fähigkeit an, Prioritäten zu setzen:

      Was ist Dir jetzt, morgen und bald wichtig?

      Ein Beispiel: Was will ich JETZT eigentlich lieber machen als Hausaufgaben machen? Ist es machbar, jetzt etwas anderes zu tun oder gefährdet es mein Ziel bei der Prüfung MORGEN bzw. möglicherweise sogar mein Fernziel Schulabschluss mit Note x,y , welches BALD ansteht?
      Wenn ich meine Ziele nicht gefährdet sah, habe ich auch mal andere Dinge JETZT in Angriff genommen, als die Dinge, die ich ursprünglich machen wollte, weil ich meinte, sie tun zu müssen.

      Damit kam ich zunehmend besser zurecht. Meine Noten litten zwar darunter, aber mir ging es psychisch einfach besser und das empfinde ich heute als absolut richtige Entscheidung.

      Ich gebe Dir mal ein Beispiel:

      Ich finde es richtig, für ein Ziel zu arbeiten (11 Punkte --> 1,9 Notendurchschnitt). Wenn ich dieses Ziel allerdings erreicht habe, ist es auch in Ordnung. Ich muss das Ziel nicht aus Gründen der Perfektion übererfüllen, nur weil ja hier theoretisch auch 1,8 möglich gewesen wäre. Wozu? Für wen?

      Um einen alten Spruch zu entstauben, springt ein gutes Pferd nur so hoch wie es muss. Vielleicht setzt Du Deine eigene Messlatte mal so an, dass Deine Ziele zwar weiterhin eine Herausforderung aber dennoch zu erreichen sind. Es kann nämlich sehr befriedigend sein, wenn man ein gestecktes Ziel erreicht :)
    • pokerr4b3
      pokerr4b3
      Bronze
      Dabei seit: 07.06.2007 Beiträge: 1.955
      Leistung alleine macht nicht glücklich. Vielleicht bist du mit deinen Leistungen unzufrieden, weil es dir letztlich nichts bringt. Die Anerkennung anderer Menschen gibt dir nichts, weil du deine Leistung selbst nicht gut findest. Die Noten haben für dich auch keinen Nutzen. Hättest du die 15 Punkte mit einem Fehler gemacht hättest du dich nicht gefreut und bei 15 Punkten ohne Fehler kann man sicher auch noch einen Makel finden.

      Woher kommen solche Ansprüche? Ich hab ähnliche Charakterzüge und vermute,dass sie durch wenig Lob entstehen können.

      Deinem Freund scheinen die 3 Punkte wirklich was gebracht zu haben:
      Er hat sein Ziel erreicht, er hat Abi! Und kann jetzt die Zeit damit verbringen erstmal rumzuhängen und Sachen zu machen, die ihm Spaß machen.

      Eine Note ist nur ein abstraktes gedankliches Konstrukt, eine fehlerlose Übersetzung in einer mündliches Abiturprüfung nur zweifelhaft hilfreich für dein späteres Leben.
      Wahrscheinlich ist es schon gefährlich sich in unserem Alter überhaupt solche Gedanken zu stellen. Ich kratze nur an der Oberfläche des Problems und hab keine Antwort für mich gefunden.
      Spaß haben, das Leben genießen und auf die Leute in seiner Umgebung acht geben sollte eigentlich reichen, aber.... Leistung...Leistung....
      und Leistung muss sein ^^
    • wespetrev
      wespetrev
      Bronze
      Dabei seit: 14.01.2008 Beiträge: 2.384
      Eigentlich möchte ich dich beglückwünschen. =)

      Dein Post erinnert mich ein wenig an die Zeit, als ich Abitur gemacht habe (heute ist es mein Sohn). Da hatte ich so ähnliche Gedanken und Gefühle. Manchmal kommt das heute noch vor.

      Ein paar Denkanstöße ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

      1. Sich Ziele zu setzen ist wichtig. Das Leben ist aber weitaus mehr. Abi ist da, jetzt kommt das nächste Ziel, dann noch eins, dann noch eins, und dann...? Du nimmst dir sehr viel, wenn du dich nur als jemand begreifst, der Aufgaben zu erfüllen hat. Der Mensch ist nicht darauf angelegt, nur zu "funktionieren".

      Das Leben ist nicht eindimensional. Es gibt nicht das "richtige" Ziel, den "richtigen" Weg. Manchmal gehen wir große Umwege. Und wenn ich (aus Anlass einer schweren Krankheit) heute zurückschaue, möchte ich diese Wegstrecken nicht missen.

      2. Alles "richtig" machen, geht nicht. Das schaffen ja nicht einmal Computer, die das eigentlich sollen (oder hast du dich noch nie über Windows geärgert?). "Es irrt der Mensch, so lang er strebt..." Ist das wirklich so schlimm? Ich arbeite sehr gerne mit kompetenten Menschen zusammen. Mir gehen jedoch Typen, die einfach immer recht haben (wollen), doch eher auf die Nerven.

      Was das Pokern angeht: niemand hat bisher gesagt, dass der gewinnt, der keine Fehler macht. Es gewinnt der, der weniger Fehler macht als seine Gegner. Freue dich über erkannte Fehler, denn du kannst daraus lernen. Für dich, um sie zu vermeiden, und in Bezug auf andere, wenn du sie erkennst und ausnutzt.


      3. Zum Selbstmanagement gehören Pausen und Erholungsphasen. Dass du dich nach deinem Abi leer fühlst, ist gar nicht so ungewöhnlich, ging mir nach allen meinen bestandenen Prüfungen so. Ich empfehle: Blickwechsel. Weg von den erledigten und künftigen Zielen. Die sind jetzt mal für eine Zeit einfach nicht dran. Nochmal der olle Faust: "Sollt ich zum Augenblicke sagen, verweile doch, du bist so schön..." Warum eigentlich nicht? Ist es nicht gerade jetzt Zeit, einmal die Schönheit eines Augenblicks zu genießen?


      4. Vielleicht gibt es jemanden, mit dem du über deine Sorgen sprechen kannst. Wir Menschen brauchen den Austausch miteinander.


      5. Du bist in einer Lebenssituation, die dir sehr viele Chancen bietet. Noch einmal: Glückwunsch! Chancen sind aber eben auch Unsicherheiten und Risiken. Daran ist überhaupt nichts Schlimmes. Manches wird dir misslingen wie der Verlust eines großen Pots, wenn Villain am River seinen 2-Outer trifft. Na und?

      6. Freude schenken bringt Freude. Gerade nach dem bestandenen Abi hast du vielleicht die Zeit und Möglichkeit, einem Menschen etwas Gutes zu tun.


      Ich wünsche dir eine gute Zeit. :)
    • Cheezy
      Cheezy
      Bronze
      Dabei seit: 23.11.2007 Beiträge: 210
      zwar nicht der beste rat, aber

      geh laufen => macht den kopf frei und glücklich und entspannt
    • IgorTheTigor
      IgorTheTigor
      Bronze
      Dabei seit: 12.11.2006 Beiträge: 5.423
      .
    • gromit78
      gromit78
      Bronze
      Dabei seit: 26.04.2008 Beiträge: 1.975
      Perfektionismus ist, wie schon angeklungen eine bereichernde Charakterstärke. Wo wären wir wenn es solche Menschen nicht geben würde? Das Problem das Du beschreibst hat meiner Meinung nach jeder Mensch auf seine persönliche Art und Weise. Mir ist schon bewusst, dass Dir das nicht wirklich was bringt und möchte damit Dein Problem auch nicht degradieren. Das Problem bei einer derartigen Charakterstärke ist, dass sie überzogen immer auch eine Schwäche darstellt. Geh die unterschiedlichen Stärken einfach mal durch und nimm das Gegenteil. ;-) Erschwerend bei einem Perfektionisten ist halt das RICHTIG, häufig nicht gut genug ist und wenn hat man ja noch immer die Last nicht auch mal fünfe gerade sein lassen zu können. Es gab hier viele gute und hilfreiche Tips, vielleicht fehlt Dir im Moment auch nur die Fähigkeit zufrieden mit Deinen Stärken als Gesamtkonzept zu sein.

      Lehn Dich einfach mal in Deinem Zimmer zurück und geniesse den Gedanken, dass Du etwas mit Leichtigkeit bedienen kannst, dass andere selbst unter größter Anstrengung nicht schaffen. Dann schnapp Dir deinen 3-Punkte-Freund und schau mal was Du von ihm lernen kannst. ;-)

      Was die Projektion auf Poker anbelangt. Nimm dir ein Blatt Papier und schreib mal auf was Du erreichen möchtest und wie Du das anstellen willst. So detailiert wies eben geht, dürfte ja kein Problem für Dich sein ;-)
      Dann mach Dich ans Werk, Du hast excellente Vorraussetzungen...
    • daphne66
      daphne66
      Bronze
      Dabei seit: 28.08.2008 Beiträge: 806
      @OP
      erstmal kann ich nachvollziehen, daß Du Dich über Leichtsinnsfehler ärgerst - für mich ist das noch kein Perfektionismus. Wenn sich solche Beispiele häufen und Du das Gefühl hast, Deine Lebensqualität leidet drunter:
      immer perfekt sein zu wollen versetzt einen in die Rolle des Esels, dem man die Möhre vor die Nase gehängt hat: Du läufst und läufst und läufst einem Ziel hinterher, das niemals zu erreichen ist. Menschen sind nicht perfekt - Perfektion erreichen zu wollen, führt damit zwangsläufig zu Frustration und Streß.