Rechtsstreit: Schmerzensgeld

    • sammo
      sammo
      Bronze
      Dabei seit: 24.02.2005 Beiträge: 5.415
      Hallo erstmal.
      Aus gegebenem Anlass, erkundige ich mich grade über Formen und Höhen des Schmerzensgeldes in Deutschland. Mitte Mai hatte ich einen unverschuldeten Autounfall, bei dem der Verursacher mit fast 90 km/h in unser stehendes Auto gefahren ist. Dabei zog ich mir 2 Frakturen an der Halswirbelsäule zu und nen Riss einer Bandscheibe die nur durch einen Beckenkamm(man nimmt Teil des Beckens um einen Wirbel zu "ersetzen", da das nicht stabil genug ist verplattet man das Ganze). Nun war ich letzte Woche beim Anwalt der meinte, dass man so von Summen von 6-7 Tausend Euro spricht, was das Schmerzensgeld angeht (ohne Nachfolgekosten für evtl. Spätfolgen). Erst dachte ich, der gute Mann will mich verarschen, lag ich ja immerhin 12 Tage im Krankenhaus und kann mich immernoch nicht ohne Halskrause frei bewegen, geschweige denn Sport treiben. Nun hört man öfter von Anwälten die sich, zum eigenen Vorteil, im vorhinein mit der gegnerischen Partei via Vertrag einigen um selbst mehr geld einzustreichen, ob dies in meinem Fall zutrifft, kann ich nicht hundert prozentig einschätzen, da ich mich mit dem Deutschen Recht im Bezug auf Schmerzensgeld nicht auskenne. Ich hab lediglich gehört, dass man Schmerzensgeldtabellen einsehen kann und man nach denen vergleicht. Welche sind das genau? (gibt ne ganz schöne Menge im http://www.) In wie weit kann man sich an diese halten, da sie sich im Normalfall immer an Exemplarurteilen orientieren und somit nicht einfach anpassbar auf den konkreten Fall sind?
      danke schonmal für jede Art von Auskunft.
      m.f.g.
      sammo

      4 tldr - cliffnotes:
      - autounfall (2 wirbel gebrochen, einer so heftig das ausgetauscht gegen teil des beckens, bandscheibe gerissen, schleudertraume)
      - anwalt says "6-7k schmerzensgeldaments"
      - me "wtf??? sicko 12 tage krankenhaus mit auaaua op = 6-7k? FUUU GER!!!!"
      - me sucht schmerzgeldtabellenaments weil anwalt evtl rigged
  • 13 Antworten
    • Pokermakaja
      Pokermakaja
      Bronze
      Dabei seit: 24.04.2007 Beiträge: 1.791
      Das ist IMO kein ungewöhnlich geringer Wert. Wir leben nicht in den USA. Was man hierzulande z.B. für eine Vergewaltigung oder ein ausgestochenes Auge bekommt, ist relativ wenig. Ausgesorgt hat man da nicht, auch kann von Restitution oder gar Genugtuung oft nicht die Rede sein.
      EIne Tabelle hab ich nicht, abgesehen davon ist ein Richter auch nicht daran gebunden. Aber ich würde spontan sagen, dass 6-7k nicht unüblich sind in deinem Fall.
      Das dein Anwalt rigged ist, halt ich für sehr sehr unwahrscheinlich. Er setzt seine ganze Karriere und die Zulassung aufs Spiel. Den würde ich nicht die Schuld in die Schuhe schieben, ist halt unser Rechtssystem, dass so wenig Schmerzensgeld zuspricht.
    • Kommutierung
      Kommutierung
      Bronze
      Dabei seit: 09.08.2007 Beiträge: 9.744
      was hastn erwartet? paar millionen? is eben nicht alles so wie im kino/tv.
      6-7k passt da schon.
    • sammo
      sammo
      Bronze
      Dabei seit: 24.02.2005 Beiträge: 5.415
      es geht ja nicht um millionen, nichtmal um hundert tausende. aber 6-7 tausend? versteht mich nicht falsch, ich hab durchs pokern nicht die rellation zu geld verloren. aber brich dir mal 2 halswirbel, sowas ist kein spaß. und wenn man bedenkt, dass man für nen ausgerengten wirbel schon um die 800 euro bekommt, sollte man bei nem doppelten bruch doch denke ich schon etwas höher greifen.
    • Seekorn
      Seekorn
      Bronze
      Dabei seit: 04.02.2006 Beiträge: 496
      Google: Schmerzensgeldtabelle

      Dann bisschen rumstöbern und du bekommst ein Gefühl dafür was es wofür gibt. Mit 7k bist du da völlig im Rahmen.
    • wespetrev
      wespetrev
      Bronze
      Dabei seit: 14.01.2008 Beiträge: 2.384
      Die Gerichte orientieren sich meistens an den Schmerzensgeldtabellen von Hacks/Ring/Böhm. Das Buch dürfte zum festen Bestandteil der Bibliotheken der Amts- und Landgerichte und der juristischen Fakultäten gehören. Vielleicht kannst du es dort einsehen.
      Dein Rechtsanwalt wird dir allerdings den Betrag nicht ohne Grund genannt haben. Er dürfte sich entsprechend informiert haben. Ich sehe keinen Grund, warum du seinem Rat nicht vertrauen solltest. Dass dir das Ergebnis nicht gefällt, ist ja nicht seine Schuld.
      Wenn du es genau wissen willst, kannst du es auf einen Prozess gegen die gegnerische Haftpflichtversicherung ankommen lassen. Was der Richter dazu sagen wird, lässt sich eben nur ungefähr voraussagen, weil er einen (deinen) Einzelfall entscheidet und mit entsprechender Begründung auch von den Tabellen abweichen kann (allerdings auch nach unten!).
      So ein Prozess ist aber teuer und dauert, vor allem wenn er durch mehrere Instanzen geht. Ohne eine Rechtsschutzversicherung im Rücken musst du die Risiken gut überlegen, und das geht nur mit Hilfe eines Rechtsanwalts. Aber auch wenn du rechtsschutzversichert bist, gilt der Grundsatz: Schnelles Geld ist gutes Geld!
    • sammo
      sammo
      Bronze
      Dabei seit: 24.02.2005 Beiträge: 5.415
      Original von wespetrev
      Die Gerichte orientieren sich meistens an den Schmerzensgeldtabellen von Hacks/Ring/Böhm. Das Buch dürfte zum festen Bestandteil der Bibliotheken der Amts- und Landgerichte und der juristischen Fakultäten gehören. Vielleicht kannst du es dort einsehen.
      Dein Rechtsanwalt wird dir allerdings den Betrag nicht ohne Grund genannt haben. Er dürfte sich entsprechend informiert haben. Ich sehe keinen Grund, warum du seinem Rat nicht vertrauen solltest. Dass dir das Ergebnis nicht gefällt, ist ja nicht seine Schuld.
      Wenn du es genau wissen willst, kannst du es auf einen Prozess gegen die gegnerische Haftpflichtversicherung ankommen lassen. Was der Richter dazu sagen wird, lässt sich eben nur ungefähr voraussagen, weil er einen (deinen) Einzelfall entscheidet und mit entsprechender Begründung auch von den Tabellen abweichen kann (allerdings auch nach unten!).
      So ein Prozess ist aber teuer und dauert, vor allem wenn er durch mehrere Instanzen geht. Ohne eine Rechtsschutzversicherung im Rücken musst du die Risiken gut überlegen, und das geht nur mit Hilfe eines Rechtsanwalts. Aber auch wenn du rechtsschutzversichert bist, gilt der Grundsatz: Schnelles Geld ist gutes Geld!
      ah gut danke, damit kann ich was anfangen.

      wegen der höhe des betrages: vielleicht seh ichs einfach bisschen anders, weil ich derjenige war der ewig lang mit schmerzen im krankenhaus und zuhause lag und deshalb ne andere sicht darauf hab und nicht durch ne deutsch-juristische brille gucke.
    • eplc
      eplc
      Bronze
      Dabei seit: 22.01.2005 Beiträge: 8.667
      Original von sammo
      und nicht durch ne deutsch-juristische brille gucke.
      Du guckst halt durch ne US-juristische Brille und die ist schon sehr verbogen.

      7k sind vollkommen OK, gibt auch keinen Grund, warum dein Anwalt (deutlich) zu niedirg ansetzen würde.
    • Coletrader
      Coletrader
      Bronze
      Dabei seit: 31.03.2008 Beiträge: 2.164
      7K sind mal gut und gerne 4,5 Netto-Monatsgehälter eines Durschnittsarbeiters..

      Ich mein, was willst du mehr? Klar als persönlich Betroffener kommt einem das immer zu wenig vor, aber du hast ja keine bleibenden Schäden erlitten...
    • Volzotan
      Volzotan
      Bronze
      Dabei seit: 28.10.2007 Beiträge: 1.680
      Schmerzensgeld in D isn Witz. Mir hat mal jemand die Nase zertrümmert. 2 Oparation 2x1woche KH. Gab die ziemlich genau 1k und nen paar Arbeitsstunden für den Wixxer.

      Während leute für nen bissi Weed, z.B. 60g gekauft, 6 Monate auf Bewährung + 1,5k Strafe bekommen + MPU (ca.1k).
      Will keine Diskusion aber ich persönlich finde das unverhältnismäßig.
    • Pokermakaja
      Pokermakaja
      Bronze
      Dabei seit: 24.04.2007 Beiträge: 1.791
      Original von Volzotan
      Schmerzensgeld in D isn Witz. Mir hat mal jemand die Nase zertrümmert. 2 Oparation 2x1woche KH. Gab die ziemlich genau 1k und nen paar Arbeitsstunden für den Wixxer.

      Während leute für nen bissi Weed, z.B. 60g gekauft, 6 Monate auf Bewährung + 1,5k Strafe bekommen + MPU (ca.1k).
      Will keine Diskusion aber ich persönlich finde das unverhältnismäßig.
      Wenn du keine Vorstrafen hast, dann gibts garantiert ne Geldstrafe, evtl. sogar ne Einstellung gegen Auflage. Aber BTM ist nochmal ein eigenes Thema, am besten streiten wir da nicht drüber =) .

      Ich persönlich fände auch, dass in D Schmerzensgeld bei vorsätzlicher Schädigung (also nicht bei Verkehrunfällen, kann jedem passieren) deutlich höher sein sollte. Aber andererseits wollen wir doch auch alle nicht so ein scheiß Ami Rechtssystem. Die Fälle mit zu heißem Kaffe und den Einbrecher, der sich den Fuß bricht, kennen wir alle.
    • kdkmoorhuhn
      kdkmoorhuhn
      Bronze
      Dabei seit: 11.09.2006 Beiträge: 1.180
      Im Gegensatz zur USA orientiert sich das Schmerzensgeld in Deutschland nicht primär (und zumindest nur im geringen Maß) an der Zahlungsfähigkeit des Täters, sondern an dem dir zugefügten Schaden. Da ich mal vermute, dass du krankenversichert bist, entfällt der dadurch entstandene Kostenblock als Schaden (u.a. ist auch deshalb in USA die Summe meist höher, da die Krankenversicherung anders organisiert ist), genauso die Folgeverpflegungen.

      Was du primär als Schadensersatz ansetzen kannst ist dein Verdienstausfall. Das ist zum einen die Krankheitstage (vorausgesetzt nicht bezahlt), durch den Unfall wahrscheinlicher gewordene früher Ruhestand, geringere Bewerbungschancen für neuen Job (beide vorher genannten sind sehr spekulativ, da hängt es davon ab, wie gut dein Anwalt ist), u.ä.

      Solltest du ein 0815-Angestellter sein, der ausreichend versichert ist, bekommst du da fast nix, anders ist es z.B. bei selbsständigen, bzw. nicht versicherten.

      Darüber hinaus wird eine Summe angesetzt, die weniger ein Schmerzensgeld ist als eine Strafe für den Täter (auch wenn es Schmerzensgeld genannt wird). Da kann der Richter relativ frei entscheiden, orientiert sich aber meist nach den oben genannten Tabellen, die Strafe ist dann meistens zwischen einem Monats- und einem Jahresgehalt des Täters.
    • Exelon
      Exelon
      Bronze
      Dabei seit: 23.01.2008 Beiträge: 79
      ihr müsst zwischen straf- und zivilrecht unterscheiden

      schadenersatz ist zivilrecht. den richter wird also nur interessieren, was der geschädigte an schäden davongetragen hat, was der katalog dazu sagt und wie gut die anwälte sind

      wenn der unfallverursacher noch strafrechtlich belangt wird bekommt der geschädigte natürlich nichts von eventuellen strafzahlungen. das wandert schön ins staatssäckel
    • kauai
      kauai
      Bronze
      Dabei seit: 15.06.2006 Beiträge: 2.059
      wichtig für dich ist imo die abdeckung der folgeschäden. also die sache auf keinen fall abschließen sondern für folgeschäden offen lassen.