[NL] Würde gerne ein paar Meinungen zu meinen Meinungen hören

    • Coffeehouse
      Coffeehouse
      Bronze
      Dabei seit: 16.03.2005 Beiträge: 1.489
      So, es ist sehr spät und ich muss morgen arbeiten. Schreibe das jetzt nur eben noch, damit ich morgen nach der Arbeit vielleicht ein paar Kommentare dazu lesen kann.

      Angefangen habe ich Anfang November. Es hat so ca. 10 Tage gedauert bis ich auf 0.05/0.10 wechseln konnte. Zwei mal musste ich wieder zurückwechseln, dann ging es endlich voran. Als ich bei, glaube ich, $30 auf 0.10/0.20 gewechselt habe dauerte es nur 2 oder 3 Tage bis ich die $50 hatte um zu PP zu wechseln.

      Meiner Einschätzung nach ist das ein durchschnittlicher bis etwas überdurchschnittlicher Verlauf, oder vielleicht auch noch etwas besser, wenn es stimmt, dass nur 20% aller Spieler die $50 erreicht haben.
      Viele hatten aber sicher auch nach einigen Tagen keine Lust mehr und wären spielerisch eventuell besser gewesen als ich. Also gehe ich mal davon aus durchschnittlich erfolgreich gewesen zu sein.

      Ich meine mich erinnern zu können Ende November ca. bei $150 gewesen zu sein, dann nach einigen Swings auf Partypoker (bis runter auf $97) mein Geld zurück zu Pokerstars gebracht zu haben.

      Es lief eher mager. Ende Dezember habe ich auf Pokerstars dann $190 erreicht und nach kleineren Swings dann am Tag vor dem Seminar $250 (die letzten 40$=80BB in sehr wenigen Händen).
      Das Seminar habe ich nur Freitags besucht und wollte eigentlich Samstag wieder hinfahren, aber in der Nacht auf Samstag habe ich so ca. 60 bis 80BB verloren und hatte keine Motivation mehr am Seminar teilzunehmen. Offenbar war ich durch die Informationen eher kurzfristig verwirrt, als das sie mir geholfen haben.

      Samstag ging es dann ähnlich schlecht weiter und ich hatte nicht mehr $250, wie am Donnerstag, sondern nur noch $160.
      Dann tiltete ich sehr stark und begann (viel zu hohe) $20 Heads Up No Limit Sit and Goes zu spielen (insgesamt vielleicht 50 Stück).

      Ich gewann immerhin ca. 45% davon, aber inklusive der Gebühren verlor ich dann während des Sonntags so ziemlich alles und fing mit $20 wieder Fixed Limit von vorne an.

      Man könnte jetzt sagen, dass ich vielleicht bei so schnellem Steamen nicht geignet bin Poker zu spielen, aber ich bin nicht bereit die Sache jetzt schon aufzugeben.
      Ich bin weiterhin gefährdet zu tilten, aber ich bin mir relativ sicher, dass ich NL nicht mehr versuchen werde.

      Jeder kleine Downswing wird ein bisschen gleichgültiger wahrgenommen.

      Mit den $20 fing ich also wieder an 0.05/0.10 zu spielen, und zwar bis $60, was in erstaunlich wenigen Tagen funktionierte. Ich kann die Limits gerade nicht mehr genau rekonstruieren, aber ich spielte dann, glaube ich, bis $150 0.10/0.20 (mit im Schnitt vielleicht 12BB/100 oder sogar noch mehr).

      Natürlich denkt jeder Spieler dann, es liegt an seinem Spiel und nicht an einem Upswing oder Glück.
      Rationalerweise sollte man es darauf schieben, aber dadurch dass ich bis jetzt so gut wie keine Session auf 0.10/0.20 verloren habe, bilde ich mir immernoch ein, das es an meinem Spiel liegt.

      0.25/0.5 lief so bescheiden, das ich sogar bei 230$ Ende Januar noch oft 0.10/0.20 gespielt habe, weil ich da in jeder Session 50 bis 100BB gewonnen habe und auf 0.25/0.5 im Schnitt vielleicht 1 bis 2 BB/100 gemacht habe, also oft auch mal losing Sessions hatte, genau wie vor dem Major Tilt im Dezember auch schon.

      Vor einer Woche hatte ich dann 3 bis 4 winning Sessions auf 0.25/0.5 und war schließlich am vergangenen Freitag bei $345 und fing an 0.5/1$ zu spielen nach dem selben "Winning System" wie auf 0.10/0.20 (das stelle ich gleich noch dar), nur dass es in dem Fall ein losing System war und ich in 1200 Händen 120BB verlor und mich wieder bei $220 befand.

      Dann habe ich mich gestern und vorgestern jeweils 40-45BB auf $305 zurückgearbeitet und heute wieder 75BB verloren was mich zurück zu 230$ bringt und zu einigen Fragen:

      Ich habe einige "irrationale" Sachen gemacht, die mir kurzfristig Erfolg brachten aber eigentlich unlogisch sind, z. B. habe ich Pokertracker nicht wieder neuinstalliert nach einer Windowsneuinstallation, weil ich fischige Player durch die Daten zu sehr unterschätzt habe und gute Spieler überschätzt habe. Ich habe mich uangemessen übertrieben versucht danach zu richten.
      Ohne Pokertracker und PokerAce lief es besser. Ich habe Spieler erst mal per se gleich behandelt, außer sie fielen mir durch ein Extrem (sehr aggressiv, oder sehr ängstlich) auf (was man ja auch ohne PT merkt).
      In dem Fall habe ich mein Spiel dann etwas angepasst, aber im Grunde habe ich immer gleich gespielt.

      Das klappte sehr gut.

      Mein Spiel wurde in den letzten Wochen immer tighter und auf den Microlimits auch immer erfolgreicher.

      Ich gewöhnte mir ein paar (laut ps.de falsche) Eigenheiten an:

      Heads-Up, oder Three-Way Situationen mit verfehltem Flop wollte ich vermeiden, so dass ich oft gegen einen Raise hinter mir (z. B. wenn ich in Middle Pos mit K J gecalled habe und nur noch ein weiterer Spieler in die Hand eingestiegen ist) gefolded habe anstatt, wie im Starting Hand Chart beschrieben, zu callen.
      Das Argument "wenn man bei kleinem pot preflop einmal callen kann, kann man es bei einem größeren Pot erst recht" konnte ich nicht (mehr) nachvollziehen, weil ein Preflop Raiser normalerweise eine weit überdurchschnittliche Hand hat und ich vom Gefühl her den Flop sehr gut treffen musste um aggressiv dagegen halten zu können.

      Den Flop trifft man ja eher selten, auch der Preflop Raiser trifft ihn selten aber durch seine Standard Bet am Flop muss man sehr viel investieren um herauszufinden, wo der Gegner steht. Vielleicht hat er auch KK gegen mein KJ und muss den Flop gar nicht treffen.
      So rechtfertige ich jedenfalls meine "Fold nach einem Raise hinter mir"-Vorgehensweise.
      Dazu würde ich gerne die Meinung von besseren Spielern hören.

      Cold Calling habe ich auch weniger betrieben, als es der Chart beschreibt. Premium Hände habe ich standargemäß aus allen Positionen gecapped.

      Wenn ich mit AQ einen Flop K73 hatte und wir nur noch Heads Up waren und der Gegner out of position in mich reinbettet habe ich quasi immer gefolded ohne am Flop auch nur eine Bet zu investieren.
      Etwaige Backdoors muss man natürlich auch berücksichtigen...was ich jedenfalls sagen möchte ist, das ich marginale Hände im Grunde gar nicht gespielt habe.
      Ich muss kein Monster floppen, aber Top-Pair mit gutem Kicker, ein Overpair oder ein sehr guter Draw muss(te) es schon sein. Wenn ich mir relativ sicher war die beste Hand zu haben, habe ich auch versucht möglichst viel Geld in den Pott zu bekommen, oder bei verletzlichen Händen versucht (z. B. mit Checkraises) Spieler mit marginalen Draws aus der Hand zu drängen.

      Das ganze ist ein relativ simpler mechanischer Vorgang, der es mir erlaubt hat auf 0.10/0.20 acht Tische gleichzeitig zu spielen und nebenbei noch zu chatten oder zu surfen.
      Mein Vpip Wert lag im Schnitt nur noch bei 16%.

      Entgegen jedweder Empfehlung, habe ich gerade versucht, Gegner NICHT zu lesen, sondern nur meine Karten zu spielen.
      In meiner bis jetzt kurzen Pokerlaufbahn haben grenzwertige Reads mich eher frustriert, wenn z. B. ein Spieler "any two cards" spielt oder auch mal den Turn mit High Card King raised, aber er am River dann ein unwahrscheinliches Out trifft tut das selbst das eine von fünf malen weh, bei denen das passiert und kann mich von meinem "A-Game" sehr schnell abbringen.

      Daher habe ich all das vermieden, was einem geraten wird: Wenn ich aus der Hand ging wollte icht nicht wissen, womit ein Gegner gewinnt, um mich nicht aufregen zu müssen, die winning hand gefoldet zu haben.

      Es wird jetzt alles ein bisschen lang und ich sollte längst im Bett sein.

      Wenn man gewinnt denkt man, man hat einen Stil gefunden, der funktioniert, wenn man dann verliert (so wie heute die 75BB oder am Samstag die 120BB) dann zweifelt man und denkt, dass man sich mehr an die Vorgaben derjenigen halten müsste, die mehr Erfolg haben.

      Dann irritiert es aber immer wieder, wenn es Leute gibt, die erfolgreich mit einer sehr eigenen Art spielen und andere die schulbuchmäßig spielen und sich sehr durch die Limits quälen.

      Ich bin, glaube ich, weder das eine noch das andere Extrem. In einigen Teilen halte ich mich an die Empfehlungen, in anderen weiche ich etwas ab. So nehme ich mich jedenfalls selbst wahr.

      Wie ich aber (z. B. im Büro) immer wieder feststelle, nehmen sich viele Leute oft sehr viel anders wahr als die Umwelt das tut, daher wäre ich für ein paar Ratschläge, Kritiken oder Meinungen aus der Community zu mir und meiner Spielweise sehr dankbar.
  • 9 Antworten
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      Meine Meinung ist, daß Du die langfristige Sicht auf Poker etwas mehr verinnerlichen solltest.

      Das zieht sich durch Deinen ganzen Bericht, vom Limit ohne Verlustsession ( das ist sehr glücklich) bis zur Beurteilung, was geht und was nicht geht in Deinem Spiel.

      Daß Du in der Lage bist, die Limits mechanisch an 8 Tischen zu schlagen, glaube ich unbesehen. Dabei bleibt nur viel Lernerfolg auf der Strecke.
      Jetzt ist es eine Frage Deiner Ziele, ob sich das verträgt oder nicht.
      Wenn es sich verträgt, würde ich zu einem planvollen Vorgehen raten, um zu vermeiden, irgendwann mit dieser Vorgehensweise auf einem höheren Limit an die Wand zu fahren.

      Deinen Umgang mit Deiner Tiltgefährdung finde ich erstmal gut. Schließlich guckst Du hin.
      Das ist keine Selbstverständlichkeit!
      Es gibt viele Möglichkeiten, daran methodisch etwas zu tun. Solltest du Interesse an Ideen haben, bitte ich Dich, mir eine PN zu schicken, in der Du erklärst, in welchen Situationen Du genau gefährdet bist. Natürlich werde ich Dir nicht konkret sagen können, was zu tun sei, aber Ideen habe ich hoffentlich schon dazu. Diese auszuwerten bleibt dann bei Dir.
    • dayero
      dayero
      Bronze
      Dabei seit: 26.02.2005 Beiträge: 1.723
      von der spielweise her bist du, wenn deine beschreibung zutrfft, ganz klar weak tight. damit kann man höhere limits langfristig kaum schlagen. bestenfalls wirst du marginale gewinne machen.
      ob du in der lage sein wirst, dein spiel umzustellen, kann dir niemand per ferndiagnose beantworten.
      ganz abgesehen davon sehe ich aber die schwierigkeit, daß dich poker psychisch offenbar sehr stark belastet. selbst wenn du es schaffst durch entsprechende vorsichtsmaßnahmen die auswirkungen dieses stresses vom pokern und bankrollmanagement fernzuhalten und tatsächlich ein winning player zu werden, musst du dir überlegen, ob deine lebensqualität nicht darunter leidet.
    • Coffeehouse
      Coffeehouse
      Bronze
      Dabei seit: 16.03.2005 Beiträge: 1.489
      Danke Frohbi. Genau so sehe ich das im Grunde auch. Je mechanischer ich mich verhalte desto durchsichtiger werde ich, und desto stärker gewöhne ich mich vielleicht auch an falsches oder zu oberflächliches Spiel und werde es vielleicht nie bis zu 1/2 oder höher bringen.

      Genau wie Dayero schreibt, hatte ich die Befürchtung Weak-Tight zu sein, daher habe ich mir PT wieder runtergeladen und einen neuen Key angefordert und angefangen 8 Tabling auf 0.10/0.20 zu spielen.
      Nach 500 Händen lag ich genau nach Gefühl bei 11BB/100.

      Daraufhin habe ich PTs Autorate laufen lassen, das mich überraschend als Tight-Aggressive/Aggressive beurteilt (Geldsacksymbol).
      Jetzt bin ich natürlich gebauchpinselt, stelle aber auch fest, dass das passive Spiel der Gegner es mir auf 0.10/0.20 viel leichter macht als auf 0.25/0.5 und vor allem 0.5/1.

      Ich fühle mich mit über 10BB auf 0.10/0.20 pudelwohl.

      Wenn das ein Dauerzustand wäre, käme ich damit auf ca. 12$ pro Stunde bei 8 Tischen gleichzeitig.

      Jetzt stehe ich vor dem Dilemma bequem wie ein Roboter das gewinnbringende Limit zu spielen, oder aber zu versuchen die höheren Limits zu erkämpfen. Ich schätze, ich werde versuchen beides irgendwie zu kombinieren, wenn das geht ...
    • gooooodie
      gooooodie
      Bronze
      Dabei seit: 30.07.2005 Beiträge: 115
      Ich möchte hier niemanden beledigen, aber eine Winrate von 10 BB hochzurechnen und als realistisch anzusehen ist ebenso absurd wie lächerlich. Rechne mit 4-5 BB / 100 auf diesem Limit und du weißt was ein sehr guter Spieler pro Stunde schaffen kann.

      Desweiteren sind 500 Hände eine sooooooooooooo kleine Bezugsgröße...da hättest du einen Affen hinsetzen können der "BET BET BET BET BET" macht und nach 500 Händen könnte das gleiche rauskommen....oder was schlechteres....oder was besseres...und das ist NICHT übertrieben.
    • Coffeehouse
      Coffeehouse
      Bronze
      Dabei seit: 16.03.2005 Beiträge: 1.489
      Goodie - ich habe weit mehr als 500 Hände auf dem Limit gespielt.

      Schätzungsweise 15000 bis 20000 - ich habe nur die PT Daten von 500 Händen. Vom Gefühl her waren die Rate aber im Schnitt 10BB - manchmal 30BB manchmal 0BB oder selten mal -5BB, aber im Schnitt wirklich so hoch, was mich auch sehr wundert.
    • Kerri1
      Kerri1
      Bronze
      Dabei seit: 17.03.2005 Beiträge: 9.218
      ich gehe immer mehr davon aus dass pokern zu 95 % glückssache ist und alleine das glück über hoch und runter entscheidet, wer was gegenteiliges behauptet bekommt durchschnittlich akzeptable karten, wenn wie in meinem fall nichts kommt und das nur kann keinen gewinn machen. wer mir das gegenteil zeigen will kann ja mal mit meinen karten spielen
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      @ Coffehouse

      Die Winrate in irgendeiner Form hochzurechnen finde ich auch fragwürdig.

      Das passt zu meinem ersten Satz der obigen Antwort. Es ist zu kruzfristig gesehen, da diese Winrate ohne extremes Glück nicht zu halten ist.
    • RoyalKING
      RoyalKING
      Bronze
      Dabei seit: 27.03.2005 Beiträge: 449
      ich weiß nicht...aber ich glaube beim Pokern kann man nie definitiv sagen ob man gut ist oder nicht....naja vielleicht nach 200k händen
      Ich gewinne z.B. auf 10c/20c 100BB an einem Tag (aber über viele hände also so 5-8BB/100Hände) und denke JA ich schlage dieses Limit.
      Ich bekomme KJs(hearts) und es fällt AhQc4h und ich sehe meine Outs und in mich wird reingeraised ohne ende aber ich sehe meine Outs und ZACK krieg ich mein flush oder meine straight...und denke wow ich hab mich genau richtig verhalten...und das klappt 20mal am stück mit den verschiedensten Starting hands....
      am nächsten tag kriege ich AK, AA, QQ floppe ne straight USW! und denke ja ich habs mal wieder drauf....bis ich dann am river wieder plattgemacht werde....ich kriege die selben situationen wie am Vortag aber verliere...
      plötzlich dreht sich die welt wieder komplett anders...straights kommen nicht an...ich hab AK und treffe A und K auf flop und plötzlich kommen 2 buben an turn und river....und was passiert?exakt die 100bb sind wieder weg....und nichts hat sich an meiner spielweise geändert....und das lässt einem an der spielweise zweifeln.Ich glaube du spielst gut wenn du in schlechten zeiten so wenig verlierst wie nur möglich und in guten zeiten soviel rausholst wie es nur geht.
    • Frohbi
      Frohbi
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2005 Beiträge: 796
      Genau deshalb ist die langfristige Sicht auf Poker so wichtig. =)