lange Downswings vermeiden unter Druck - Dale Carnegie

    • Arterion
      Arterion
      Bronze
      Dabei seit: 25.03.2006 Beiträge: 442
      Vorwarnung: Dieser Artikel geht wahrscheinlich hauptsächlich an fortgeschrittene Spieler, die vielleicht auch schon vom Pokern leben, bzw. auf das Geld angewiesen sind und das Pokern nicht als Spaß, sondern als Arbeit ansehen.

      Geht es euch auch so, dass die Downswings immer ausgerechnet dann kommen, wenn man sie am allerwenigsten braucht?

      Mir ist es aufgefallen, dass ich gerade dann BadBeats über einen längeren Zeitraum wie am Fließband kassiere, wenn ich Geld brauche, wenn ich ein festes Ziel habe, das ich unbedingt erreichen möchte.
      Nun hab ich mir die Frage gestellt woran das liegt.

      Zu meiner Lösung muss ich etwas ausholen:
      Ich spiele seit ca. 3,5 Jahren, NL200 MTT 100$ und SnGs. Jetzt plane ich im Oktober auszuwandern und stress mich deshalb enorm, dass ich noch genug Geld verdiene (natürlich mit pokern :] ) , ausserdem natürlich noch Wohnung auflösen, Freunde treffen etc, Ich habe mich so sehr gestresst, dass ich mich sogar von meiner Freundin getrennt habe, weil mir einfach die Zeit gefehlt hat und ich meinen Traum, auszuwandern immer mehr hab schwinden sehen.

      Was sich jetzt für mich herauskristallisiert hat ist der Punkt, dass man nicht sein Agame an den Tag legen kann, wenn man sich die ganze Zeit Sorgen macht und sich die ganze Zeit unter Druck setzt, Geld machen zu müssen. Ich denke mir zwar, dass ich mich 100% aufs Spiel konzentriere, meine Gedanken sind aber dennoch ganz wo anders. Ich gerate dabei immer in ein Loch, schau nach jeder Session wie hoch der Kontostand ist, bzw. wie viel ich diesmal wieder verloren habe ;) , Steiger mich in jeden verlorenen Coinflip rein, raste bei jedem BadBeat vollkommen aus... kurzum, es sind alles eigentlich nur Zukunftsängste die mich unbewusst tilten.
      Klar hat man mal Tage, an denen es einen kalt erwischt. Aber das muss man locker sehen können. Die Frage, wie kann man auch in einer solchen Stresssituation sein A-Game durchziehen und das so dringend benötigte Geld genauso verdienen, wie in einer normalen Phase.

      Dazu habe ich eine tolle Methode von Dale Carnegie (ein wahnsinns Autor!!! Seine Bücher sind nur zu empfehlen!!!) entdeckt, die bei mir Wunder wirkt, und es würde mich freuen, wenn Sie dir vielleicht auch hilft.

      Die Zauberformel
      1. Fragen Sie sich selbst: Was kann mir als Schlimmstes passieren, wenn ich es nicht schaffe mein Problem zu lösen?
      2. Bereiten Sie sich im Gedanken darauf vor, das Schlimmste zu akzeptieren - falls nötig.
      3. Nun versuchen Sie ruhig und gelassen, das Schlimmste abzuwenden - mit dem Sie sich im Geist bereits abgefunden haben.

      Auf lange Sicht:
      In meinem Fall habe ich Angst gehabt, dass ich mir keine Villa leisten kann, in der ich geil abfeiern, Freunde aus Deutschland einlade, und einfach nur Spaß haben kann. Ich habe befürchtet, dass ich nicht genug Geld auf die hohe Kante bekomme um mich sicher zu fühlen.
      Doch was kann mir im schlimmsten Fall passieren? Im Worstcase beziehe ich halt nicht gleich die Villa, sondern ersteinmal eine kleine Wohnung. Hauptsache ein PC, 2Monitore und ein Bett passen rein, dann habe ich dort noch immer genug Zeit das Geld zu verdienen… ohne Stress.


      Auf kurze Sicht:
      Ich habe Angst, heute schon wieder ein paar hundert $ zu verlieren. Aber im Endeffekt ist dafür meine BR doch da. Wofür sollte ich Sie denn sonst haben, wenn nicht um solche Verluste abfedern zu können?
      Da ich ein vernünftiges BRmanagement pflege ist das kein Problem. Downswings gehören nunmal zum Geschäft. Sonst wärs ja langweilig ;)

      Durch diese Methode habe ich es geschafft, alles wieder locker zu sehen und fahre auch endlich wieder die gewohnten Gewinne ein. Und seien wir mal ehrlich: Selektive Wahrnehmung tritt vor allem unter Druck auf und tiltet hart ;)


      Was haltet ihr von der Methode? Ich freue mich über Anregungen, und Feedback
  • 17 Antworten
    • Snorbey
      Snorbey
      Bronze
      Dabei seit: 25.01.2006 Beiträge: 2.243
      Original von Arterion
      Auf kurze Sicht:
      Ich habe Angst, heute schon wieder ein paar hundert $ zu verlieren. Aber im Endeffekt ist dafür meine BR doch da. Wofür sollte ich Sie denn sonst haben, wenn nicht um solche Verluste abfedern zu können?
      Da ich ein vernünftiges BRmanagement pflege ist das kein Problem. Downswings gehören nunmal zum Geschäft. Sonst wärs ja langweilig ;)
      stimmt eigentlich....mach mir auch im moment große sorgen, weil ich angst habe, mein erspieltes geld, diesen monat knapp 1000$, wieder zu verlieren....aber so gesehen hast du natürlich recht.
    • laberflash
      laberflash
      Bronze
      Dabei seit: 07.07.2008 Beiträge: 2.614
      er ist offensichtlich kein optimist :D

      aber ich stimm dir in dem problem zu - mach mir zzt auch viel druck schließlich steht die WCOOP an und da braucht man viel knete
    • micha1100
      micha1100
      Bronze
      Dabei seit: 08.02.2006 Beiträge: 1.860
      Original von Arterion
      ...
      2. Bereiten Sie sich im Gedanken darauf vor, das Schlimmste zu akzeptieren - falls nötig.
      ...
      Sagt sich leicht, aber ich glaube, nur die wenigsten Menschen können das wirklich - zumindest, wenn "das Schlimmste" wirklich negativ ist.
      In deinem Fall ging es eher darum, sich klarzumachen, daß der worst case gar nicht so schlimm ist, und das fällt natürlich noch relativ leicht. Wenn aber jemand z.B. weiß, daß er Gewinn machen muß, weil er sonst kein Geld für die Miete hat und auf der Straße sitzt, dann ist es schon schwieriger, sich damit abzufinden (ein Grund mehr, sich vom Poker finanziell nicht zu abhängig zu machen).
    • Schorscheee
      Schorscheee
      Bronze
      Dabei seit: 09.06.2007 Beiträge: 11.386
      Original von Arterion
      Ich habe mich so sehr gestresst, dass ich mich sogar von meiner Freundin getrennt habe, weil mir einfach die Zeit gefehlt hat und ich meinen Traum, auszuwandern immer mehr hab schwinden sehen.
      also wer so weit geht, dem kann ich pokern nur abraten. Das hat einfach garnix mehr mit deinem "traum" zu tun...

      Ich würde einfach die finger von dem spiel lassen wenn ich du wäre
    • Arterion
      Arterion
      Bronze
      Dabei seit: 25.03.2006 Beiträge: 442
      Original von micha1100
      Original von Arterion
      ...
      2. Bereiten Sie sich im Gedanken darauf vor, das Schlimmste zu akzeptieren - falls nötig.
      ...
      Sagt sich leicht, aber ich glaube, nur die wenigsten Menschen können das wirklich - zumindest, wenn "das Schlimmste" wirklich negativ ist.
      In deinem Fall ging es eher darum, sich klarzumachen, daß der worst case gar nicht so schlimm ist, und das fällt natürlich noch relativ leicht. Wenn aber jemand z.B. weiß, daß er Gewinn machen muß, weil er sonst kein Geld für die Miete hat und auf der Straße sitzt, dann ist es schon schwieriger, sich damit abzufinden (ein Grund mehr, sich vom Poker finanziell nicht zu abhängig zu machen).
      klar, aber so eine Entscheidung muss man sich ja vorher überlegen, bzw. die Rücklagen, bzw. im ungünstigsten Fall die BR hoch genug halten.
    • Arterion
      Arterion
      Bronze
      Dabei seit: 25.03.2006 Beiträge: 442
      Original von Schorscheee
      Original von Arterion
      Ich habe mich so sehr gestresst, dass ich mich sogar von meiner Freundin getrennt habe, weil mir einfach die Zeit gefehlt hat und ich meinen Traum, auszuwandern immer mehr hab schwinden sehen.
      also wer so weit geht, dem kann ich pokern nur abraten. Das hat einfach garnix mehr mit deinem "traum" zu tun...

      Ich würde einfach die finger von dem spiel lassen wenn ich du wäre

      Im Endeffekt sehe ich pokern als Arbeit. Genauso wäre es gekommen, wenn ich das Geld mit Promojobs, Kellnern oder sonstigen Tätigkeiten verdienen müsste.
      Darum geht es in diesem Thread aber eigentlich garnicht. Dieser Part sollte eigentlich nur verdeutlichen wie wichtig mir mein Ziel ist, und wie hoch der daraus resultierende Stress ist, der sich auf das Pokerspiel auswirkt.
    • laberflash
      laberflash
      Bronze
      Dabei seit: 07.07.2008 Beiträge: 2.614
      Original von Arterion
      Original von Schorscheee
      Original von Arterion
      Ich habe mich so sehr gestresst, dass ich mich sogar von meiner Freundin getrennt habe, weil mir einfach die Zeit gefehlt hat und ich meinen Traum, auszuwandern immer mehr hab schwinden sehen.
      also wer so weit geht, dem kann ich pokern nur abraten. Das hat einfach garnix mehr mit deinem "traum" zu tun...

      Ich würde einfach die finger von dem spiel lassen wenn ich du wäre

      Im Endeffekt sehe ich pokern als Arbeit. Genauso wäre es gekommen, wenn ich das Geld mit Promojobs, Kellnern oder sonstigen Tätigkeiten verdienen müsste.
      Darum geht es in diesem Thread aber eigentlich garnicht. Dieser Part sollte eigentlich nur verdeutlichen wie wichtig mir mein Ziel ist, und wie hoch der daraus resultierende Stress ist, der sich auf das Pokerspiel auswirkt.
      das du aber dafür über "leichen gehst" und deine freundin abschießt ist dennoch nicht grade charmant...nen varianzarmeren job nehmen und im privatleben weiterhin glücklich sein bzw ne freundin ahben...aber jeder setzt seine prioritäten anders ;)
    • Rabenstein
      Rabenstein
      Bronze
      Dabei seit: 14.08.2006 Beiträge: 3.010
      Mir geht vieles wie dir, nur dass ich bereits ausgewandert bin. Weniger als ein Traum, sondern eher als eine Notwendigkeit (Legalität, Steuern).

      Kann wirklich behaupten, dass ich Poker hasse. Das ganze Prinzip, einer übergeordneten Statistik ausgeliefert zu sein, die sich nur leicht und unbemerkt in die eine oder andere Richtung biegen lässt, finde ich furchtbar. Dennoch musste und muss ich es durchziehen, weil mein Kopf es mir nicht erlaubt, dass ich mir so eine Chance entgehen lasse.

      Die Tips kannte ich bereits und versuche sie bei klarem Kopf auch einzusetzen. Allerdings wirkt es bei mir nur begrenzt, wahrscheinlich weil Zukunftsängste nur einen kleineren Teil meines Stresses ausmachen - das Gefühl der Machtlosigkeit, das sich selbst durch massivste Anstrengungen nicht wegwischen lässt, macht mir am meistern zu schaffen. Bei fast allen anderen Tätigkeiten kann man Intellekt und Fleiß dazu einsetzen, sich gegenüber anderen besser zu stellen und ihnen kurz-, mittel- und langfristig überlegen zu sein. Bei Poker bin ich davon überzeugt, dass das zumindest kurz- und mittelfristig nicht möglich ist.

      Ich sehe dieses Spiel immer weniger auf dem Schlachtfeld der Logik und Analytik ausgetragen, sondern empfinde es eher als einen Krieg gegen die eigene Psyche. Bei einem Krieg gibt es Verluste, und ob man die negativen Gefühle, den Stress, die Aggressionen etc. gegen Geld eintauschen will, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei mir ist der Geldfaktor mittlerweile nicht mehr hoch genug, um diese Abwägung zu gewinnen.

      Worüber ich mich jedoch im Nachhinein ziemlich ärgere, ist der Stillstand in der Entwicklung meiner Qualifikation, die mit dem Auswandern einher ging. 18 Monate Lücke im Lebenslauf, man könnte in dieser Zeit so vieles gemacht haben. Bedenkt das also immer, wenn ihr ein Pokerjahr oder ähnliches einbauen wollt.
    • Arterion
      Arterion
      Bronze
      Dabei seit: 25.03.2006 Beiträge: 442
      Original von laberflash
      das du aber dafür über "leichen gehst" und deine freundin abschießt ist dennoch nicht grade charmant...nen varianzarmeren job nehmen und im privatleben weiterhin glücklich sein bzw ne freundin ahben...aber jeder setzt seine prioritäten anders ;)
      du hast recht. hört sich wirklich hart an. Ich will hier nicht näher drauf eingehen, weil es nicht wirklich das Thema sein sollte, aber natürlich hat es auch so nichtmehr wirklich gestimmt und wir waren auch nur 3Monate zusammen. Wenn es dann schon nicht stimmt, wie soll es dann erst werden wenn ich nichtmehr in D bin? Also war es so am sinnvollsten für uns beide.


      @Rabenstein: Du sprichst mir aus der Seele. Wohin bist du denn ausgewandert?
    • Rabenstein
      Rabenstein
      Bronze
      Dabei seit: 14.08.2006 Beiträge: 3.010
      Südengland. Mir gefällts hier schon gut, prinzipiell ist der Lebensstandard höher als überall wo ich in Deutschland bisher lebte. Zu schaffen macht mir die weitgehende soziale Isolation und - wie gesagt - der Stillstand, was meinen Lebenslauf betrifft.
    • cristianrjx
      cristianrjx
      Bronze
      Dabei seit: 11.06.2006 Beiträge: 2.944
      ich bin auch ausgewandert, schon vor ueber 5 jahren. im moment verdiene ich mir etwas extra durchs pokern, anfangs als spass gedacht, ist es momentan doch so, dass ich den ein oder anderen dollar einfach brauche. dies ist zwar nur momentan so, belastet mich aber ziemlich.
      frueher hat es mir absolut nichts ausgemacht, wenn ich mal ein paar dollar runter bin. heute rege ich mich da ziemlich auf, was ich dann auch gerne mal an meiner familie auslasse. das heisst ich bin gereizt und leicht auf die palme zu bringen.

      im moment hoere ich sofort auf, wenn ich merke, dass ich mich zuviel aufrege. ich versuche mich dann abzulenken, aber im hinterkopf hat man natuerlich immer noch den bloeden brasilianer, der jede hand verliert, aber gegen mich 5 mal hintereinander ein set hat. das war uebrigens gestern nacht, und heute hab ich auch noch nicht gespielt.

      was hilft sind dann kleine erfolgserlebnisse, mal was anderes machen. ich zocke dann oefter mal ein paar dons oder sowas. wenn man dann da etwas plus gemacht ist das einfach gut fuers ego und man kann das ganze wieder gewohnt locker angehen. heisst ich gehe jetzt "normal" arbeiten, und wenn ich zurueck komme, werde ich ein paar dons zocken oder ein bisschen SSS. morgen versuche ich dann wieder normal mein CG zu zocken, hoffentlich mit erfolg als die letzten tage. hauptsache derhaussegen haengt nicht schief wegen sowas
    • Arterion
      Arterion
      Bronze
      Dabei seit: 25.03.2006 Beiträge: 442
      @Rabenstein Du kommst nicht zufällig aus München, oder? Wie alt bist du denn, dass du dir solche Gedanken wegen deinem Lebenslauf machst?


      @cristianrjx Mit der Ablenkung geht mir ähnlich. ich spiele dann meistens ein paar turniere. Wenn ich da cashe ist auch wieder alles gut und meistens ist das minus dann auch wieder ausgeglichen :s_cool: Wohin bist du denn ausgewandert, und wie kam es dazu?
    • Phate
      Phate
      Bronze
      Dabei seit: 21.03.2007 Beiträge: 3.185
      Original von Rabenstein
      Mir geht vieles wie dir, nur dass ich bereits ausgewandert bin. Weniger als ein Traum, sondern eher als eine Notwendigkeit (Legalität, Steuern).

      Kann wirklich behaupten, dass ich Poker hasse. Das ganze Prinzip, einer übergeordneten Statistik ausgeliefert zu sein, die sich nur leicht und unbemerkt in die eine oder andere Richtung biegen lässt, finde ich furchtbar. Dennoch musste und muss ich es durchziehen, weil mein Kopf es mir nicht erlaubt, dass ich mir so eine Chance entgehen lasse.

      Die Tips kannte ich bereits und versuche sie bei klarem Kopf auch einzusetzen. Allerdings wirkt es bei mir nur begrenzt, wahrscheinlich weil Zukunftsängste nur einen kleineren Teil meines Stresses ausmachen - das Gefühl der Machtlosigkeit, das sich selbst durch massivste Anstrengungen nicht wegwischen lässt, macht mir am meistern zu schaffen. Bei fast allen anderen Tätigkeiten kann man Intellekt und Fleiß dazu einsetzen, sich gegenüber anderen besser zu stellen und ihnen kurz-, mittel- und langfristig überlegen zu sein. Bei Poker bin ich davon überzeugt, dass das zumindest kurz- und mittelfristig nicht möglich ist.

      Ich sehe dieses Spiel immer weniger auf dem Schlachtfeld der Logik und Analytik ausgetragen, sondern empfinde es eher als einen Krieg gegen die eigene Psyche. Bei einem Krieg gibt es Verluste, und ob man die negativen Gefühle, den Stress, die Aggressionen etc. gegen Geld eintauschen will, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei mir ist der Geldfaktor mittlerweile nicht mehr hoch genug, um diese Abwägung zu gewinnen.

      Worüber ich mich jedoch im Nachhinein ziemlich ärgere, ist der Stillstand in der Entwicklung meiner Qualifikation, die mit dem Auswandern einher ging. 18 Monate Lücke im Lebenslauf, man könnte in dieser Zeit so vieles gemacht haben. Bedenkt das also immer, wenn ihr ein Pokerjahr oder ähnliches einbauen wollt.
      Interessanter Post.
      Du hast doch, zumindest früher, auch die highstakes gespielt, oder täusche ich mich?
      Sollte es dann nicht eher möglich sein, etwas entspannter an die Sache ranzugehen?
    • strider1973
      strider1973
      Bronze
      Dabei seit: 16.08.2007 Beiträge: 1.714
      Interessanter Thread!

      Arterion - irgendwie irgnorierst Du meine PMs ;-) Kannst mal reinschauen oder mich auf ICQ 12 676 63o adden?
    • SmartDevil
      SmartDevil
      Bronze
      Dabei seit: 26.01.2007 Beiträge: 9.465
      Original von micha1100
      Original von Arterion
      ...
      2. Bereiten Sie sich im Gedanken darauf vor, das Schlimmste zu akzeptieren - falls nötig.
      ...
      Sagt sich leicht, aber ich glaube, nur die wenigsten Menschen können das wirklich - zumindest, wenn "das Schlimmste" wirklich negativ ist.
      In deinem Fall ging es eher darum, sich klarzumachen, daß der worst case gar nicht so schlimm ist, und das fällt natürlich noch relativ leicht. Wenn aber jemand z.B. weiß, daß er Gewinn machen muß, weil er sonst kein Geld für die Miete hat und auf der Straße sitzt, dann ist es schon schwieriger, sich damit abzufinden (ein Grund mehr, sich vom Poker finanziell nicht zu abhängig zu machen).
      mach nicht den zweiten vor dem ersten schritt, dann fällt dir der zweite viel leichter.

      ich habe vor über 2 jahren mal einen mächtigen burnout gehabt. in einem langen gespräch hat mich dann auch jemand befragt, was denn passieren würde, wenn alles schief ginge.
      beschäftige dich intensiv mit diesem gedanken und urploetzlich ist alles nicht mehr so schlimm, da du feststellst, dass dir eigentlich nichts wirklich schlimmes passieren kann.

      mein gesprächspartner war übrigens fan von dale carnegie und kennt auch all seine bücher. ausserdem beschäftigt er sich sehr intensiv mit psychologie und ist diesbezüglich ein echter experte.

      nach dem gespräch hatte ich einen komplett neuen kopf und am nächsten tag ging es lustig und locker weiter im leben.
    • Rabenstein
      Rabenstein
      Bronze
      Dabei seit: 14.08.2006 Beiträge: 3.010
      Original von Arterion
      @Rabenstein Du kommst nicht zufällig aus München, oder? Wie alt bist du denn, dass du dir solche Gedanken wegen deinem Lebenslauf machst?
      25, ich bin direkt nach dem Studium ins Ausland. Wenn man sich zwischen Poker und Karriere entscheidet, spielt die Art der Ausbildung und damit der möglichen Karriere schon eine große Rolle in der Abwägung.

      Original von Phate
      Interessanter Post.
      Du hast doch, zumindest früher, auch die highstakes gespielt, oder täusche ich mich?
      Sollte es dann nicht eher möglich sein, etwas entspannter an die Sache ranzugehen?
      Stimmt schon, aber verglichen mit den meisten anderen Spielern, die lange dabei sind und schon mal oben waren, schwimme ich keineswegs im Geld :) . Es ist genug da, dass ich mir in absehbarer Zeit Sorgen um einen Engpass machen müsste, trotzdem hab ich noch nicht das Maß an Sicherheit erreicht, das mir recht wäre.
    • SmartDevil
      SmartDevil
      Bronze
      Dabei seit: 26.01.2007 Beiträge: 9.465
      Original von Rabenstein
      Mir geht vieles wie dir, nur dass ich bereits ausgewandert bin. Weniger als ein Traum, sondern eher als eine Notwendigkeit (Legalität, Steuern).
      is ja nix schlimmes, wenn man aus der not eine tugend macht.

      Original von Rabenstein
      Kann wirklich behaupten, dass ich Poker hasse. Das ganze Prinzip, einer übergeordneten Statistik ausgeliefert zu sein, die sich nur leicht und unbemerkt in die eine oder andere Richtung biegen lässt, finde ich furchtbar. Dennoch musste und muss ich es durchziehen, weil mein Kopf es mir nicht erlaubt, dass ich mir so eine Chance entgehen lasse.
      ich bin zwar "noch" nicht an dem punkt, an dem ich poker hasse, aber ich weiss was du meinst. ich hab da irgendwie einen ähnlichen kopf.

      Original von Rabenstein
      Die Tips kannte ich bereits und versuche sie bei klarem Kopf auch einzusetzen. Allerdings wirkt es bei mir nur begrenzt, wahrscheinlich weil Zukunftsängste nur einen kleineren Teil meines Stresses ausmachen - das Gefühl der Machtlosigkeit, das sich selbst durch massivste Anstrengungen nicht wegwischen lässt, macht mir am meistern zu schaffen. Bei fast allen anderen Tätigkeiten kann man Intellekt und Fleiß dazu einsetzen, sich gegenüber anderen besser zu stellen und ihnen kurz-, mittel- und langfristig überlegen zu sein. Bei Poker bin ich davon überzeugt, dass das zumindest kurz- und mittelfristig nicht möglich ist.
      auch hier muss ich dir zustimmen. ich persoenlich habe "bewusst" gar keine zukunftsängste, aber die machtlosingkeit macht mich teilweise durchaus fertig. wenn du einen stack nach dem anderen mit der besseren hand verlierst und sich langsam der glaube breit macht die welt hätte sich gegen dich verschworen. wenn du zum himmel schauts und fragst "was habe ich getan? warum werde ich so bestraft? womit habe ich das verdient?"

      Original von Rabenstein
      Ich sehe dieses Spiel immer weniger auf dem Schlachtfeld der Logik und Analytik ausgetragen, sondern empfinde es eher als einen Krieg gegen die eigene Psyche. Bei einem Krieg gibt es Verluste, und ob man die negativen Gefühle, den Stress, die Aggressionen etc. gegen Geld eintauschen will, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei mir ist der Geldfaktor mittlerweile nicht mehr hoch genug, um diese Abwägung zu gewinnen.
      auch ich kämpfe definitiv mehr mit mir und gegen mich, als gegen meine gegner. sich an den tisch zu setzen und 2 bis 3 dümmere zu finden ist auch hier nicht das problem.
      ich koennte jeden tag problemlos 100 sng spielen. das sind 3k im monat. bei den letzten 3,3k sng habe ich 4,5k$ verdient. trotzdem spiele ich keine sng´s mehr, weil mir der durch badbeats verurschte stress, die agressionen, der kampf mit meiner psyche keine 4,5k$ im monat wert ist.

      Original von Rabenstein
      Worüber ich mich jedoch im Nachhinein ziemlich ärgere, ist der Stillstand in der Entwicklung meiner Qualifikation, die mit dem Auswandern einher ging. 18 Monate Lücke im Lebenslauf, man könnte in dieser Zeit so vieles gemacht haben. Bedenkt das also immer, wenn ihr ein Pokerjahr oder ähnliches einbauen wollt.
      warum ärgern? du hast erfahrungen gemacht, die andere in ihrem ganzen leben nie machen werden.
      ausserdem hast du etwas gelernt, was andere nie lernen werden und für dich die wertigkeit des geldes kennen gelernt.
      18 monate ausgewandert zu sein ist keine lücke im lebenslauf! das gemacht zu haben solltest du auf keinen fall bedauern. vielleicht hat es dir mehr gebracht, als du dir jetzt aktuell eingestehen willst, weil du enttäuscht bist.