Wie realistisch ist "Poker for a living"?

    • DaToepFa
      DaToepFa
      Bronze
      Dabei seit: 02.11.2006 Beiträge: 4.176
      Hi Community!

      Also ich setz mich jetzt schon laengere Zeit mit dem Topic auseinander und hab hier mal ein paar Punkte zusammengetragen, um ne Diskussion zu starten und vielleicht den ein oder anderen Tip von euch zu bekommen.

      About Me: Bin 25, hab vor 2 Monaten mein Studium als Ingenieur abgeschlossen und bin im Moment durch Kanada am Reisen (Geschenk an mich selbst). Spiele NL100 und bin dort ueber 100k hands mit 5bb/100 unterwegs. Hab leider waehrend meines Studiums nie richtig viel Zeit zum Spielen gehabt, aber ich denke mal, dass ich auf lange Sicht sicherlich NL200/400 schlagen kann! Selbst mit "worst case scenario", d.h. NL100 6-tabling for a lifetime siehts schon gar nicht schlecht aus:

      6 tische * 80 hands/h ~ 500 hands/h
      5h pokern jeden tag --> 5*7*4*500= 70k hands pro monat (auf hoeheren limits weniger stunden noetig obv.)

      Bei meiner jetzigen winrate waeren das $3500 monthly! Und das steuerfrei! Dabei kommts mir jetzt nicht auf die Kohle an...mag sein, dass ich nach einigen Jahren als Ingenieur mehr Asche machen koennte, aber mir gehts mehr um Lebensstandard und Freude am Beruf/Leben.


      PRO/CONTRA

      Warum mach ich mir so viele Gedanken um die ganze Geschichte?

      Je mehr ich reise, desto weniger hab ich Bock von jetzt an mind. 8h pro Tag nem Job nachzugehen, der mir vielleicht nicht wirklich Spass macht. Und das nur, um Geld fuer die Dinge zu verdienen, die mir WIRKLICH Spass machen. Klar werden jetzt einige sagen "Junge, wach auf! Das nennt sich Leben!"...aber ich kann mich nicht so einfach damit abfinden, dass ich von nun an neben den Wochenenden (die immer viel zu schnell rum sind) max. 3 Wochen jaehrlich NUR fuer mich hab! Denn wenn wir mal ehrlich sind...unter der Woche nach der Arbeit laeuft normalerweise nicht sehr viel. Mag sein, dass sich das illusorisch anhoert, aber ich denke, dass es da auch andere Wege gibt! Und imo bietet Poker einen, der gar nicht schlecht aussieht! Ich seh da zumindest einige Vorteile gegenueber dem Standard:

      1. Da ich unglaublich gern reise, waere ich mit Pokern ortsungebunden. Ich benoetige nur einen Laptop und WiFi fuer meinen "Job". Also kann ich theoretisch in jedem Land der Erde leben (dabei gibts hier allerdings noch ein Problem, siehe Problem Einwanderung).

      2. Ich kann mir meine "Arbeitszeiten" selbst einteilen und bin nicht an andere Personen gebunden (ausser Pokerplattformen obv.). Auf der anderen Seite erfordert das natuerlich eine gewisse Selbstdisziplin, die ich imo besitze.

      3. Ich hab einen Job, der mir wirklich Spass macht und der eine Herausforderung darstellt. Klar macht ein langer DS keinen Spass, aber ich bin realistisch genug, um zu sehen, dass nicht jeder Tag toll sein wird und diese Tage einfach dazu gehoeren. Darueber hinaus bin ich sehr tiltresistent, also duerfte ich auch bei laengeren Durststrecken nicht total aggro werden. Reviewe auch fast alle meine Haende und wuerde schnell merken, wenn ich wirklich nicht mehr A-game spiele.

      4. Unterm Strich komme ich mit weniger Stunden pro Woche aus und kann mehr Zeit mit Dingen verbringen, die mich interessieren...sei es Sport, Musik oder Engagements in Vereinen oder gemeinnuetzigen Sachen.



      Probleme:

      1. Luecke im Lebenslauf: Falls ich nach ein paar Jahren beschliessen sollte, dass ich doch gerne wieder was anderes machen moechte oder pokern nicht mehr so profitabel ist wie atm oder sogar verboten (mit Praezedenzfaellen)...wie fuell ich die Luecke bei der Bewerbung? Kommt halt nicht so gut, sich als Ex-Poker-PRO vorzustellen...was waer eurer Meinung nach nen guter Lueckenfueller? Klar koennte ich irgendwas nebenbei machen, allerdings gehts mir hierbei ja auch um ne Zeitersparnis gegenueber nem normalen Job...also sollte die Nebentaetigkeit nicht sehr viel Zeit benoetigen!

      2. Darlehen: Falls irgendwann eine groessere Investition ansteht (Haus hauptsaechlich) werd ich wohl kaum Kohle von der Bank bekommen. Also muss ich alles Cash vorweisen koennen, was zumindest fuer ein Haus EINIGE Stunden an den Tischen bedeutet!

      3. Einwanderung: Ich spiele mit dem Gedanken, nach Kanada einzuwandern und eine doppelte Staatsbuergerschaft zu bekommen. Als Ingenieur haette ich da null Probleme. Wuerde vielleicht 4 Jahre dauern und ich hab den Schein. Als Online-Gambler koennte das auf dem Amt schon lustiger werden!
      Q: Gibts hier im Forum Leute, die nur Pokern als Verdienst haben und irgendwo eingewandert sind? Wenn ja, wie habt ihrs gemacht? Popligen Pseudojob fuer den Anfang, nur um Visa zu bekommen?

      4. Steuern/Rente: Da fall ich ja laut Definition ("Gluecksspiel") raus...obwohl ich keine Probleme damit haette, normal Steuern zu bezahlen. Is halt nur noch nicht aktuell und es kann imo keiner sagen, wie lange es noch dauern wird bis die Leute raffen, dass Poker was mit Skill zu tun hat.
      Btw: gibt es Laender, wo Poker als Strategiespiel gilt und man regulaer Steuern darauf bezahlen muss/kann, ergo damit auch rentenmaessig abgesichert ist?

      5. Soziale Verarmung: Viele sehen hier sicher die Gefahr, dass man nach und nach seine sozialen Kontakte verliert und 24/7 in der Bude hockt. Da ich die durch Poker eingesparte Zeit allerdings mit Aktivitaeten verbringen will, wo ich genug Leute um mich habe, seh ich da kein grosses Problem.

      6. Familie/Freunde: k/A ob das fuer alle zutrifft, aber da koennte es bei mir auch noch ein paar Probleme geben. Meine Mutter denkt jetzt schon, dass ich "abhaengig" bin und irgendwann im Kasino alles auf Rot setze und Haus und Hof verspiele. Also ich sehs jetzt nicht als wirkliches Problem an, da ich denke, dass sowohl meine Eltern als auch meine Freunde sich mit der Zeit damit abfinden wuerden....ist aber imo nicht zu unterschaetzen!


      Also ich hab nicht zwingend vor, das mit "Poker for a living" direkt durchzuziehen. Werd wohl erstmal nen ersten Job suchen und schauen, wies mir als Ingenieur gefaellt. Aber bin definitiv sehr angetan von der Vorstellung!

      Ich bin mir sicher, dass ich noch lange nicht alle Aspekte mit den Punkten abgedeckt hab, aber es soll ja nur als Startpunkt fuer eine hoffentlich konstruktive Diskussion dienen. Am meisten waere ich persoenlich an Kommentaren zu den "Problemen" interessiert und Vorschlaegen, wie man diese Probleme angehen/loesen kann!

      Flame on!
  • 91 Antworten
    • Adstriker87
      Adstriker87
      Bronze
      Dabei seit: 04.01.2007 Beiträge: 4.848
      benutz mal die suchfunktion. gab zu dem thema alleine im letzten monat bestimmt 5-10 threads. aber hier wird sich sicherlich auch wieder eine diskussion entwickeln :)
    • RuthlessRabbit
      RuthlessRabbit
      Bronze
      Dabei seit: 13.03.2007 Beiträge: 9.531
      Kannst du wirklich jahrelang jeden Tag mindestens fünf Stunden pro Tag Poker spielen?
      Was machst du, wenn du mehrere Monate im Downswing steckst und danach kein Upswing kommt sondern du nur break-even spielst? Hast du Rücklagen?
      Kannst du mit der Zeit aufsteigen oder ist irgendwann deine Grenze erreicht und die hourly wird vielleicht sogar weniger in ein paar Jahren?
      Wirst du von den ~$3500 jeden Monat genügend beiseite schaffen und private Altersvorsorge betreiben?
      Falls es irgendwann mit Poker nichts mehr ist, kannst du dann ohne Probleme als Ing. einsteigen oder hast du bis dahin vielleicht vieles verlernt?
    • Gluecksfisch
      Gluecksfisch
      Einsteiger
      Dabei seit: 28.05.2009 Beiträge: 3.054
      NL100 und Pokerpro ... einfach lol. Meine Meinung steht schon im anderen Thread zu dem Thema, finds völlig naiv und "dumm".

      3500 $, grats. Dann haste ja sogar noch weniger als ein abc-Angestellter in einer x-beliebigen Firma in Deutschland, wenn man die Lohnnebenkosten des Arbeitgebers hinzurechnet.

      Mach das, Du schaffst es und alles wird gut - das willst Du doch hören, oder? Werd ich Dir aber nicht sagen, ich vertrete eher den Standpunkt das es super kurzfristig gedacht ist und finanziell völlig unattraktiv.
    • assonfire
      assonfire
      Bronze
      Dabei seit: 30.12.2006 Beiträge: 2.240
      und damit beginnt wie in jedem dieser threads auch die diskussion, wieviel ein normaler angestellter verdient....
    • NikisOmi
      NikisOmi
      Global
      Dabei seit: 22.07.2008 Beiträge: 347
      a) Dazu gibt's 1000 Threads jeden Monat.
      Pokerpro mit Low-Stake? *New Challenge-100k hands mit >2,5ptbb*41%done(4ptbb atm)
      scheiss auf meinen job, ich poker nur noch
      b) PokerPro auf NL 100? :rolleyes:
      c) Du hast studiert und willst jetzt alles wegwerfenf und ein paar Jahre gammeln?


      Junge, was wird Deine Omi sagen?
    • GotD
      GotD
      Bronze
      Dabei seit: 04.03.2005 Beiträge: 881
      Original von Gluecksfisch

      3500 $, grats. Dann haste ja sogar noch weniger als ein abc-Angestellter in einer x-beliebigen Firma in Deutschland
      Mal ganz davon abgesehen, dass ich es mit NL 100 auch nicht machen würde, aber mit 3500 $, also 2500 € --> abzgl Krankenkasse und rente ca. 2000 € reines netto, zeige mir die abc Angestellten in den x-beliebigen Firmen, die da mit Mitte 20 großartig mehr haben und sich dazu noch ihre Zeit relativ frei einteilen können bei 150 h/ Monat Arbeitszeit...
    • Gluecksfisch
      Gluecksfisch
      Einsteiger
      Dabei seit: 28.05.2009 Beiträge: 3.054
      Original von GotD
      Original von Gluecksfisch

      3500 $, grats. Dann haste ja sogar noch weniger als ein abc-Angestellter in einer x-beliebigen Firma in Deutschland
      Mal ganz davon abgesehen, dass ich es mit NL 100 auch nicht machen würde, aber mit 3500 $, also 2500 € --> abzgl Krankenkasse und rente ca. 2000 € reines netto, zeige mir die abc Angestellten in den x-beliebigen Firmen, die da mit Mitte 20 großartig mehr haben und sich dazu noch ihre Zeit relativ frei einteilen können bei 150 h/ Monat Arbeitszeit...
      Wenn Du mich schon zitierst, zitier mich richtig und vollständig!

      Ich habe das von Dir zitierte geschrieben mit dem Zusatz ", wenn man die Lohnnebenkosten des Arbeitgebers hinzurechnet.". Diesen hast Du weg gelassen.

      3500 $ = 2 429,206 € (jetzt gerade)
      Darin enthalten sind schon ca. 700 Euro Lohnnebenkosten, die der Arbeitgeber (zusätzlich zu Deinem Bruttogehalt) für Dich trägt. 50% Anteil für Versicherungen, Zuschüsse für Altersvorsorge, Rentenversicherung usw). Diese müssen abgezogen werden, um auf das tatsächliche Brutto zu kommen.
      Macht dann ca. 2500 $ brutto, die er als tatschliches Gehalt vergleichen muss (ganz grob). Das wären dann aktuell 1735,14714 €. Das ist sogar unterdurchschnittlich, was das deutsche Gehalt angeht und er müsste sich vollständig selbst versichern, inkl der Arbeitgeberbeiträge zu Versicherungen.

      Mal davon abgesehen das er sich dann selbst versichern muss, keine Perspektiven hat ausser Limits aufzusteigen und irgendwann wie 90% der low-limit Spieler zu busten find ichs nicht gerad attraktiv.
    • Gluecksfisch
      Gluecksfisch
      Einsteiger
      Dabei seit: 28.05.2009 Beiträge: 3.054
      Original von GotD
      zeige mir die abc Angestellten in den x-beliebigen Firmen, die da mit Mitte 20 großartig mehr haben und sich dazu noch ihre Zeit relativ frei einteilen können bei 150 h/ Monat Arbeitszeit...
      Ich habe mit 22 nach der Ausbildung (im IT-Bereich) 44000 Euro / Jahr + Zulagen für Rufbereitschaften, WE-Einsätze usw verdient.

      Als studierter Ingenieur sollte das auch erwartet werden - zumindest wenn man sich ansatzweise gut verkaufen kann.
    • 27os
      27os
      Bronze
      Dabei seit: 24.11.2007 Beiträge: 1.922
      etablier dich auf nl200 und denke dann nochmal nach
    • GotD
      GotD
      Bronze
      Dabei seit: 04.03.2005 Beiträge: 881
      @Gluecksfisch: Die Arbeitgeberanteile sind ja größtenteils nur Ausgaben, von denen man selbst nichts hat. Diese Versicherungen würde man doch selbst niemals so abschliessen, wenn man nicht dazu gezwungen wäre. Also kannst du das auch nicht so rechnen, als ob das müsstest.

      Und mit 44000 € im Jahr kann ich mir auch nicht vorstellen, dass du in einer x- beliebigen Firma arbeitest. ;)
      Ich arbeite als Diplomwirtschaftsinformatiker in einer Softwareentwicklungsfirma und kann dir sagen, dass bei uns kein normaler Angestellter ohne Leitungsverantwortung so ein Gehalt hat. Und das ist in anderen IT Firmen zumindest in unserer Region nicht anders...
    • Steinberg
      Steinberg
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2006 Beiträge: 173
      Kurz gesagt: Keiner kann dir sagen, ob das Pokern Zukunftspotential hat (unabhängig von deinem Spiel). Wer weiß wies mit dem Pokern in 10 Jahren aussieht. Niemand, keine Pokersoftware, keine Pokerpros, keine Pokerstrategy-Site, einfach niemand kann dir garantieren ob es bis dahin in Deutschland steuerfrei, bzw. im generellen Sinne noch erlaubt ist.

      Und jeden Tag 5 Stunden Pokern, dazu Downswings verkraften, Nerven aufbringen. Wäre nix für mich...
    • Adstriker87
      Adstriker87
      Bronze
      Dabei seit: 04.01.2007 Beiträge: 4.848
      zu bedenken ist aber, dass man als studierter doch glücklicherweise das privileg haben sollte, einen job ausüben zu können, der einem zumindest halbwegs zufrieden stellt/spaß bereitet. Ich bezweifle argh, dass das bei 5h poker/tag der fall ist. abgesehen davon, dass die zukunft vollkommen ungewiss ist.

      nichts gegen pro sein, aber bevor man nicht DEUTLICH mehr damit verdient als in einem normalen job würde ich es keinem raten. (höhere stakes 10k euro +++ /monat) "Lebenskünstler" können und dürfen das natürlich anders sehen.
    • kronenbourg
      kronenbourg
      Black
      Dabei seit: 30.01.2006 Beiträge: 6.488
      @Gluecksfisch: selten so abenteuerliche rechnungen gesehen.
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Kurz: vergiss es, solange du nicht wirklich nen dicken Puffer hast.

      Unter NL400 lohnt der Grind-Stress mit Downswingaments einfach nicht imho.

      Zu marginal.
    • Maddi
      Maddi
      Bronze
      Dabei seit: 20.01.2005 Beiträge: 392
      Also ich hab nach dem Studium auch 46k € brutto + 15% Jahresbruttobonus bekommen.

      Um es kurz zu machen: Unter NL 400 geht da gar nix.
    • Nafti
      Nafti
      Bronze
      Dabei seit: 08.01.2007 Beiträge: 4.005
      Original von torytrae
      Kurz: vergiss es, solange du nicht wirklich nen dicken Puffer hast.

      Unter NL400 lohnt der Grind-Stress mit Downswingaments einfach nicht imho.

      Zu marginal.
      Aber gerade ab NL400 werden die Swings richtig sick. Auf NL100 halten sich die Downswings, wenn man solider Winningplayer ist, wirklich in Grenzen.
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Deswegen auch "dicker Puffer" :)
    • BOUZZ
      BOUZZ
      Bronze
      Dabei seit: 29.01.2009 Beiträge: 2.286
      Mach einfach. Kann quasi nichts schief gehen. Entweder klappts und du bist frei oder du musst halt für einen hungerlohn von 50k im büro als sklave arbeiten.
    • kronenbourg
      kronenbourg
      Black
      Dabei seit: 30.01.2006 Beiträge: 6.488
      Original von Maddi
      Also ich hab nach dem Studium auch 46k € brutto + 15% Jahresbruttobonus bekommen.

      Um es kurz zu machen: Unter NL 400 geht da gar nix.
      es soll leute geben, die verdienen das dreifache auf nl100 (und zwar netto)...