Freeplays und SB complete

    • michaelg5pro
      michaelg5pro
      Bronze
      Dabei seit: 18.12.2006 Beiträge: 2.629
      Mitunter passt das auch in die Strategiediskussionen der jeweiligen Varianten, allerdings ist es durchaus ein allgemeines Problem, wenn auch nicht so abstrakt wie die üblichen Selbstmanagementprobleme. Um es aber mal vom Selbstmanagement her aufzureißen: Ob schlechter Erfahrungen will ich keine Freeplays mehr ebensowenig im SB completen, selbst wenn ich 1:10 oder sonst was Pottodds erhalte, wohlwissend, dass SB completes super Erwartungswert haben. Ich spiele viele andere Pokervarianten abseits von Texas, häufig zum Beispiel PLO 8 or better, erinnere mich zum Beispiel an ein gutes Event, mit 66xx im BB ... denke mir: Scheißdreckshand, ich will sie nicht spielen, wann also spiele ich sie weiter? floppe natürlich 2nd Set und utg limpt die Hand, die das Topsetmacht, obwohl er - wäre er ein vernünftiger Spieler - mit so einer Hand isolieren müsste. Vorhin im SB bekomme ich 1:9, hätte die Nutstraight gefloppt, ein anderer hat eben dies, ein noch anderer hatte Fullhouse runner runner erhalten...

      Okay, viele Beispiele wären noch nennbar, beispielsweise auch in Studspielen wenn niemand die Bet completet, Problem in einem Satz: Man hat eine unspielbare Hand aber unendliche oder sehr gute Potodds und erhält dann zu oft zweitbeste Hände oder gute Draws, wobei das Ende vom Lied meist das ungewünschte Resultat ist - gleichzeitig hat man im Kopf, dass man diese Hand allgemein niemals gespielt hätte.

      Lieber auf EV oder auf psychologische Passung und Spielbarkeit spielen? Ersteres wäre freilich eher dem guten Pokerspiel zuzuordnen, letzteres dient nur der Vermeidung marginaler Situationen, auch wenn der EV positiv ist. Klar, im BB checkt man, aber ich würde dann nur weiterspielen bei absoluten Nuts, leider landet man dann bei Draws die man korrekt spielt oder 2nd Nuts und gibt dem Tablechipleader nicht genug Credit etc.
      Was mache ich oder möchte ich gerne tun? (Unspielbare Hand): openfold, fold trotz 1: zweistellig Potodds. . .

      Natürlich kenne ich die Antwort auf die obige Frage, was "besser ist", bzw. was man machen sollte, schlicht an den Denkprozessen arbeiten, Primat des Profits und der korrekten Calls etc, aber dem würde ich den psychischen Aspekt gerade im Turnierspiel schon entgegenhalten.

      Vielleicht hat hierzu jemand eine entschiedene Meinung, kennt das Problem oder finded es auch diskussionswürdig.
  • 1 Antwort
    • UncleTonyBob
      UncleTonyBob
      Bronze
      Dabei seit: 12.11.2008 Beiträge: 86
      Ich finds diskussionswürdig ;-)

      Ich spiel praktisch nur FL und hin und wieder S'n'Gs.
      Wie du beschreibst weißt du ja was theoretisch richtig ist. Mir geht es auch so. Ich hab an mein Spiel auch die gleiche Frage gestellt und hab mich entschieden in diesen Situationen zu spielen.
      Ich muss mich allerdings immer noch am Riemen reißen, nur wirklich gut gefloppte Hände weiterzuspielen. Du schreibst, dass du z.B. zweitbeste mögliche gefloppte Hände weiterspielst. Das würde ich auch tun. In FL ist das m.E. auch profitabel. Bei marginalen Entscheidungen, das heißt auch gut gefloppte Hände, die dennoch gut geschlagen sein können, muss ich mich zum Folden zwingen auch wenn das schwer fällt.
      Man kommt ja in derlei Situationen praktisch nur wenn wirklich viele Spieler vor dem Flop mitspielen und zumindest die ersten 2-3 dieser Spieler, die notwendigerweise openlimpen bzw. früh limpen haben eine unendliche Range. Das heißt, dass man wirklich nur mit den Nuts oder auf die Nuts drawend weiterspielen kann. (Ist dir wahrscheinlich alles klar.)
      Mein Fazit ist: Man soll diese Situationen durchaus ausnutzen, aber man muss daran arbeiten wirklich vorsichtig bzw. tight weiterspielen. Und das heißt auch, dass man wahrscheinlich anders weiterspielt als es in "normalen Händen" der Fall ist. Das fällt umso schwerer, da die Pott Odds natürlich am Flop immer sehr gut sind. Ich für meinen Teil, glaube das mittlerweile gut im Griff zu haben. Aber ich habe wie gesagt auch hauptsächlich FL Erfahrung. Und wenn man sich auf eine Variante einschießt, wird es natürlich leichter, die dort optimalen Entscheidungen einschätzen zu können, weil man sich in dieser Variante sehr sicher fühlt. Wenn ich viel zwischen den Varianten wechseln würde, würde ich mir wahrscheinlich überlegen, die marginalen +EV Entscheidungen vielleicht wirklich zu vermeiden und auf klare Spots zu warten.
      Vielleicht gibts andere Meinungen!?