Verständnisfrage zum Wahlrecht

    • CubaLibre10cl
      CubaLibre10cl
      Bronze
      Dabei seit: 28.04.2009 Beiträge: 45
      Ich hab da mal ne Frage zum Bundestagswahlrecht:

      Und zwar geht es um den Sinn der Erststimme.

      Ist es nicht fast Sinnlos mit der Erststimme z.B. die FDP oder die Grünen zu wählen, da der Direktkandidat diese Parteien in normalen Wahlkreisen eh keine Chance hat. Sollte man stattdessen nicht eher sich nur auf CDU oder SPD konzentrieren?

      Oder welchen Denkfehler mache ich grade, bzw. was bewirkt die Erststimme sonst noch?
  • 15 Antworten
    • ButterflyEffect619
      ButterflyEffect619
      Global
      Dabei seit: 10.05.2009 Beiträge: 3.281
      Du sollst diese Person wählen, die deine Interessen auf Lokaler ebene am besten vertritt. Egal ob Grün, FDP, SPD, CDU... deine Interessen sollen vertreten werden, sonst hat die Wahl ja sowieso keinen Sinn.
    • bumblebeebee
      bumblebeebee
      Bronze
      Dabei seit: 06.06.2006 Beiträge: 2.026
      Das deutsche Wahlrecht ist sowieso paradox, siehe: http://de.wikinews.org/wiki/Wahlrecht_paradox:_Wenn_eine_Stimme_der_Partei_schadet
    • CubaLibre10cl
      CubaLibre10cl
      Bronze
      Dabei seit: 28.04.2009 Beiträge: 45
      Original von ButterflyEffect619
      Du sollst diese Person wählen, die deine Interessen auf Lokaler ebene am besten vertritt. Egal ob Grün, FDP, SPD, CDU... deine Interessen sollen vertreten werden, sonst hat die Wahl ja sowieso keinen Sinn.
      Aber es geht doch darum, dass ich weiß, dass ich mit einer Erststimmme für die FDP eh nichts bewegen kann (mal abgesehen davon, dass eine Stimme meistens sowieso Wayne ist), da in meinem Wahlkreis die zu 100% kein Direktkandidat der FDP gewählt werden würde. Da es in meinem Wahlkreis da immer nur zwischen CDU und SPD entschieden wird, wäre es doch schlauer, die CDU mit der Erststimme zu wählen.
    • bibersuperstar
      bibersuperstar
      Bronze
      Dabei seit: 14.01.2007 Beiträge: 15.241
      Original von CubaLibre10cl
      Ich hab da mal ne Frage zum Bundestagswahlrecht:

      Und zwar geht es um den Sinn der Erststimme.

      Ist es nicht fast Sinnlos mit der Erststimme z.B. die FDP oder die Grünen zu wählen, da der Direktkandidat diese Parteien in normalen Wahlkreisen eh keine Chance hat. Sollte man stattdessen nicht eher sich nur auf CDU oder SPD konzentrieren?

      Oder welchen Denkfehler mache ich grade, bzw. was bewirkt die Erststimme sonst noch?
      Du machst keinen denkfehler. Wenn die wahl des direktkandidaten aussichtslos ist, würde ich auch was anderes wählen (sofern man denkt, dass die stimme dort gut aufgehoben ist)
    • mcashraf
      mcashraf
      Silber
      Dabei seit: 18.08.2006 Beiträge: 12.352
      aus erfahrung weiß ich, dass die kandidaten immer unheimlich stolz auf ihr erststimmenergebnis sind - egal von welcher partei. D.h., wenn ein FDPler, der ja nun aus erwähnten gründen keine chance hat, ein direktmandat zu holen, trotzdem eine verhältnismäßig hohe stimmanzahl erhält (in diesem bsp. wäre das z.b. alles über 5%), dann weiß er, dass viele bürgerinnen und bürger seine arbeit mit ihrer stimme würdigen wollten, obwohl die stimme damit auf den wahlausgang bezogen verschenkt wurde.

      deswegen beteilige ich mich nicht an den taktik-spielchen mit der erststimme ("man kann ja eh nur spd oder cdu wählen"), sondern wähle den kandidaten, den ich am besten finde. wenn das mehr leute tun würden, hätten wir vielleicht auch mal nen anderen direktmandats träger als immer nur CDUler, SPDler und Ströbele...
    • RJEwing
      RJEwing
      Bronze
      Dabei seit: 03.06.2006 Beiträge: 1.548
      Original von bumblebeebee
      Das deutsche Wahlrecht ist sowieso paradox, siehe: http://de.wikinews.org/wiki/Wahlrecht_paradox:_Wenn_eine_Stimme_der_Partei_schadet
      Schon verrückt...
    • SEdoubleP
      SEdoubleP
      Bronze
      Dabei seit: 23.06.2006 Beiträge: 6.676
      Original von RJEwing
      Original von bumblebeebee
      Das deutsche Wahlrecht ist sowieso paradox, siehe: http://de.wikinews.org/wiki/Wahlrecht_paradox:_Wenn_eine_Stimme_der_Partei_schadet
      Schon verrückt...
      das BVerfG hat zum glueck schon beschloessen, dass dies bis 2011 geaendert werden soll
    • moonblue
      moonblue
      Bronze
      Dabei seit: 17.07.2007 Beiträge: 385
      Original von CubaLibre10clIst es nicht fast Sinnlos mit der Erststimme z.B. die FDP oder die Grünen zu wählen
      Unabhängig davon, für welche Partei Du Dich entscheiden würdest, kann ich Dir nur empfehlen, den Kandidaten zu wählen, von dem Du auch überzeugt bist.

      Je mehr Menschen das so halten, desto eher gewinnt auch ein Direktkandidat einer kleinen Partei einmal das Mandat.

      Den beiden "großen" Parteien ist es natürlich recht, wenn alle denken, ihre Stimme wäre vergebens, wenn sie mit der Erststimme eine kleine Partei wählen würden.
      Aber:
      Je mehr Wähler ihre Erststimme den kleinen geben, umso mehr andere Wähler fühlen sich ermutigt, dies bei der nächsten Wahl auch so zu machen.


      Der letzte Sonntag sollte doch gezeigt haben, dass die "Großen" in den Ländern längst nicht mehr so groß sind.
      Und bei Kommunalwahlen gewinnen immer häufiger Kandidaten der "kleinen" oder freien Wählergemeinschaften.
      (In Monheim/Rheinland wurde z.B. der Kandidat der "Schülerpartei" zum Bürgermeister gewählt! (http://www.wz-newsline.de/?redid=617295), in Köln haben die Grünen alle Direktmandate in der Innenstadt gewonnen, in der Spitze mit bis zu 41%)


      Bei der Bundestagswahl ist das natürlich noch schwierig, weil dort auch die Wahlbezirke größer sind, aber in meinen Augen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich auch hier andere Direktkandidaten durchsetzen werden.
    • LittleSorcerer
      LittleSorcerer
      Bronze
      Dabei seit: 08.03.2008 Beiträge: 77
      Original von SEdoubleP
      Original von RJEwing
      Original von bumblebeebee
      Das deutsche Wahlrecht ist sowieso paradox, siehe: http://de.wikinews.org/wiki/Wahlrecht_paradox:_Wenn_eine_Stimme_der_Partei_schadet
      Schon verrückt...
      das BVerfG hat zum glueck schon beschloessen, dass dies bis 2011 geaendert werden soll
      Falls das Thema noch jemanden interessiert: Diesen Vortrag fand ich ganz interessant - http://de.sevenload.com/videos/G1pEf1W-24C3-Wahlchaos
    • CubaLibre10cl
      CubaLibre10cl
      Bronze
      Dabei seit: 28.04.2009 Beiträge: 45
      Original von moonblue
      Original von CubaLibre10clIst es nicht fast Sinnlos mit der Erststimme z.B. die FDP oder die Grünen zu wählen
      Unabhängig davon, für welche Partei Du Dich entscheiden würdest, kann ich Dir nur empfehlen, den Kandidaten zu wählen, von dem Du auch überzeugt bist.

      Je mehr Menschen das so halten, desto eher gewinnt auch ein Direktkandidat einer kleinen Partei einmal das Mandat.

      Den beiden "großen" Parteien ist es natürlich recht, wenn alle denken, ihre Stimme wäre vergebens, wenn sie mit der Erststimme eine kleine Partei wählen würden.
      Aber:
      Je mehr Wähler ihre Erststimme den kleinen geben, umso mehr andere Wähler fühlen sich ermutigt, dies bei der nächsten Wahl auch so zu machen.


      Der letzte Sonntag sollte doch gezeigt haben, dass die "Großen" in den Ländern längst nicht mehr so groß sind.
      Und bei Kommunalwahlen gewinnen immer häufiger Kandidaten der "kleinen" oder freien Wählergemeinschaften.
      (In Monheim/Rheinland wurde z.B. der Kandidat der "Schülerpartei" zum Bürgermeister gewählt! (http://www.wz-newsline.de/?redid=617295), in Köln haben die Grünen alle Direktmandate in der Innenstadt gewonnen, in der Spitze mit bis zu 41%)


      Bei der Bundestagswahl ist das natürlich noch schwierig, weil dort auch die Wahlbezirke größer sind, aber in meinen Augen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich auch hier andere Direktkandidaten durchsetzen werden.
      Ist in meinem Wahlkreis nur halt völlig unmöglich, dass FDP gewinnt und da es immer extrem knapp ist zwischen CDU und SPD und ich halt für Schwarz/Gelb bin, ist die Sache für mich klar.
    • Erzwolf
      Erzwolf
      Bronze
      Dabei seit: 25.01.2006 Beiträge: 2.470
      Bekommen die Parteien nicht auch für die Erststimme Geld? Dann wäre die Stimme bei den kleineren Parteien mit Blick auf die Zukunft ja auch nicht verschenkt.
    • Ignite
      Ignite
      Bronze
      Dabei seit: 15.02.2006 Beiträge: 5.345
      Original von Erzwolf
      Bekommen die Parteien nicht auch für die Erststimme Geld? Dann wäre die Stimme bei den kleineren Parteien mit Blick auf die Zukunft ja auch nicht verschenkt.
      nee...Kohle gibts für die Stimmen über die Listen...

      für die ersten 4 Mio Stimmen 85 Cent/Stimme....für den Rest der Stimmen 70 Cent/Stimme...

      darf aber nie mehr als 49,9999...% der gesamten Parteifinanzierung darstellen...
    • Merlinius
      Merlinius
      Platin
      Dabei seit: 30.06.2006 Beiträge: 3.519
      http://de.wikipedia.org/wiki/Erststimme

      Im Gegensatz zur Zweitstimme bestimmt man damit aber nicht direkt die Stärke einer Fraktion, sondern tauscht nur einen Kandidaten von der Liste gegen den derzeitigen Wahlkreiskandidaten. Wenn mehr Kandidaten einer Partei durch die Erststimme in das Parlament gewählt werden, als der Partei prozentual durch die Zweitstimmen zustünden, entstehen zusätzliche Mandate, die Überhangmandate. Da die Erststimme bis auf das Phänomen der Überhangmandate, die auch nur bei der Bundestagswahl und einigen wenigen Landtagswahlen eine den Proporz verzerrende Wirkung haben, keine Rolle für die parteipolitische Sitzverteilung des Parlamentes hat, wird sie häufig als „wertlose“ Stimme bezeichnet, und ihre Abschaffung wird gefordert. (Bei den übrigen Landtagswahlen mit Erststimme werden Ausgleichsmandate verteilt, die die Verhältnismäßigkeit der Zweitstimmenanteile wiederherstellen). Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fehlen einer Stichwahl, wodurch sich der Gewinner eines Wahlkreises nicht sicher sein kann, dass eine Mehrheit der Wähler ihn favorisiert und die Wähler auf der anderen Seite antizipieren müssen, welcher Kandidat überhaupt eine Chance hat, um ihre Stimme nicht zu verschwenden und damit einem ihnen unliebsamen Kandidaten einen Vorteil zu verschaffen.
    • moonblue
      moonblue
      Bronze
      Dabei seit: 17.07.2007 Beiträge: 385
      Wie Merlinius schon zitiert:

      Man kann sicher über den Sinn und Unsinn der Erststimme, so wie sie im Augenblick funktioniert, sicher streiten.
      Denn letztlich wird durch Überhang- und Ausgleich- Mandate doch wieder die Sitzverteilung im Bundestag erreicht, die durch die Zweitstimme bestimmt wird.
      (Allerdings bietet ein gewonnes Direktmandat auch die Möglichkeit, die 5%-Hürde auszuhebeln, wie damals bei der PDS.)


      Für mich ein Grund mehr, mit meiner Erstimme einen Kandidaten zu unterstützen, der mich überzeugt.
      Selbst wenn dieser Kandidat nicht gewinnt, so hat doch zumindest dadurch (positive) Rückmeldung für seine Arbeit erhalten.
      (Mit meiner Zweitstimme wähle ich natürlich weiterhin die Partei, die ich in der Regierung sehen möchte.)


      Insgesamt würde ich mir ein verändertes Wahlrecht mit Kumulieren und Panaschieren wünschen, so dass man auch innerhalb einer Partei einen bestimmten Kandidaten wählen/bevorzugen kann, und nicht unbedingt den, der den besten Listenplatz hat.
    • CubaLibre10cl
      CubaLibre10cl
      Bronze
      Dabei seit: 28.04.2009 Beiträge: 45
      Hab noch mal einen sehr interessanten Link gefunden. Es geht darum, wie man seine Stimme am besten einsetzen, um seiner Partei in die Regierung zu verhelfen.

      http://www.wahlrecht.de/bundestag/2009/parteien.html#fdp