nl sh Limitaufstieg, Einstellung- festgefahrene Situation

    • dezi
      dezi
      Bronze
      Dabei seit: 13.11.2006 Beiträge: 2.022
      Hi,
      nach langem Überlegen will ich hier einmal posten.

      Ich spiele ca. seit Anfang 2008 intensiv Poker (nl holdem full ring). Zu der Zeit bin ich recht schnell in den limits aufgestiegen, angefangen bei nl50.
      Ich habe eigentlich immer ohne tracking-software und stats gespielt, aber seit dem habe ich wohl ca 1mio Hände auf den limits von 100-400(600 und 1k) gespielt mit guten Gewinnen.

      Anfang diesen Jahres lief es nicht so gut und ich hatte auch kaum noch Lust auf Poker und habe eigentlich fast alles ausgecasht und Pause gemacht.

      Ab ca. April hab ich dann wieder gespielt und versucht eine nl short handed Karriere zu starten, die zunächst auch ganz gut begann. Da ich aber fr recht nitty gespielt habe und dadurch große Problem mit den größeren ranges und dem komplexeren postflopspiel hatte, bin ich allerdings ca. 30 stacks gedropt.

      Durch Artikel (mittlerweile auch Psychologie-Artikel + Buch "The Poker Mindset" , Videos schauen und Coaching bei MiiWiin gings dann aber wieder aufwärts und ich bin jetzt zumindest wieder anständig im Plus.


      Jetzt aber zu meinem Problem:

      Eigentlich hatte ich mir das wie folgt vorgestellt:
      Ich starte sh (hatte da ungefähr 3k online), spiel mit 5k nl200 und probier mit 10k nl400 in Angriff zu nehmen. (Plan war halt mich auf nl400 zu etablieren und mit guter tableselection so viel fish wie möglich zu jagen)

      Da ich aufgrund von Rücklagen nicht auf das beim Pokern gewonnene Geld angewiesen bin, dachte ich könnte ich mit dem brm ganz gut klarkommen.
      Kalkuliert hatte ich so, dass ich mit 25staks fürs neue limit aufsteige, bei Verlust von 2,5-3stacks (hab ich mir pro session als stop loss gesetzt) wieder absteige bis ich erneut die 25 stacks zusammen habe.
      Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich noch viele leaks in meinem Spiel habe, aber da ich dachte, dass ich recht locker mit limit Auf- und Abstiegen umgehen kann, hatte ich gehofft, dass ich diese auch auf dem neuen limit, wo sie wahrscheinlich noch deutlicher werden, aufspüren und bearbeiten könnte.

      Grad habe ich allerdings den dritten shot auf nl200 hinter mir und bin wieder abstiegsreif (trotz diesmal ~30stacks für das limit).
      Das ganze zieht mich extremst runter und ich weiß eigentlich nicht warum, da ich mir das brm und meine strategie eigentlich gut überlegt habe.
      Irgendwie ist aus dem Pokern ein einziger Krampf geworden. Ich will unbedingt aufsteigen, rege mich aber dabei über jeden verlorenen big blind auf, der mich dem limitaufstieg wieder ferner bringt....

      Das eigentlich Schlimme ist, dass ich selbst merke, dass ich fast nie mein a-game spiele. Theretisch weiß ich vieles und so viele Hände erscheinen mir im Nachhinein, wenn ich sie im Pokertracker replaye, schlecht gespielt.
      Sobald ich aber wieder an den Tischen sitze ändert sich eigentlich nichts.

      Irgendwie stehe ich mir selbst im Weg. Und obwohl ich theoretisch Poker locker sehen könnte, tue ich genau das Gegenteil.

      Ich mache mich irgendwie viel zu abhängig von den Ergebnissen, teilweise sehe ich Verluste auch als "persönliche Niederlage" :D an.

      Und wenn ich mal nach einer session sage, "yeah, richtig gut gespielt!", dann wird die nächste meist super schlecht, weil ich einfach overconfident mäßig denke, dass ich alles im Griff habe und dabei nur Mist mache. :s_confused:

      Da muss sich was/vieles ändern! ;)

      Habt ihr Ratschläge für mich?


      Das Einfachste wäre natürlich, ich spiele einfach auf erstmal unbestimmte Zeit nl100 (hab dort bislang ca. 60k Hände, dabei letzen 25 k Hände mit gut 8big blind) und bemühe mich dort besser zu werden.

      Fallen euch andere Maßnahmen ein um das eigentliche Problem zu lösen - also zu einer professionellen Einstellung zu kommen (ka ob ich das durch längeres nl100"grinden" erreichen kann)? Oder was ich sonst tun sollte?

      edit: Spiele eigentlich immer 4-5 tables.
  • 6 Antworten
    • TomGrill
      TomGrill
      Bronze
      Dabei seit: 26.03.2005 Beiträge: 1.842
      ich war mal in einer ähnlichen situation, wo ich immer aufsteigen wollte, dann auch bin, aber sofort wieder runter musste. tjoar jetzt spiel ich 100 stack management und alles lauft prima. glaub die meisten unterschätzen den faktor, wie geil es ist ein 100stack BRM zu haben. ist zwar am anfang hart, wenn man nl50 grinden muss, vorallem wenn man schon deutlich höher gespielt hat, aber BRM >>>>>>>>> rest.
    • zack71
      zack71
      Bronze
      Dabei seit: 10.08.2007 Beiträge: 52
      kann ich nur bestätigen. Spiele selbst mit einem 50 stack brm.
    • Beckstowner
      Beckstowner
      Bronze
      Dabei seit: 23.10.2006 Beiträge: 213
      Kann meinen beiden Vorrednern nur zustimmen wie wichtig ein konservatives BRM ist. Ich glaube du musst dich einfach von dem Gedanken lösen "schnell" aufsteigen zu wollen. Ist bei dir eventuell vom Mindset her ein bisl schwer, wenn du früher einfach nur so die Limits gecrushed hast und halt fix aufgestiegen bist. Denke aber es gibt keinen anderen Weg. Du sagst ja selbst, dass du eigentlich die ganze Zeit tiltest. Du spielst nicht dein A Game und weißt ja auch was du falsch machst, wenn du dir hinterher die Hände anguckst.

      Denke aber dein Problem ist "ich will unbedingt aufsteigen", kenne das selber von mir. Mir fällt ein Limitabstieg auch nicht leicht, da ich doch weiß, dass ich das höhere auch schlagen kann und somit in der selben Zeit mehr Geld machen kann!

      Aber wenn du NL100 mit 8BB/100 h. schlägst und auch gute Rücklagen hast und somit die Kohle nicht brauchst, dann hab etwas geduld und hau Nl 100 weg bis du min. 40 eher 50 Stacks hast. Ich mein die hourly Winrate ist ja auch jetzt nicht so schlecht. Und fang ja nicht an mehr Tische zu spielen, damit du schneller hoch kommst! In deiner Situation wohl nicht das Beste, da du dann wieder mehr in den Automodus kommst und eben nicht die Hände noch genauer analysieren kannst.

      Greetz und viel Erfolg
    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Hallo dezi,

      ich habe den Thread mal in das Forum Selbstmanagement und Gegnerpsychologie verschoben, da es sich hier imo um ein Problem im Selbstmanagement handelt.

      Vielleicht etwas überraschend sehe ich hier kein Problem mit dem BRM wie meine Vorredner. Wenn man als erfahrener Spieler (den sehe ich in Dir mit über 1mio. gespielten Händen und den dabei gespielten Limits) ein aggressives BRM fährt und kein Problem mit Abstiegen hat, kann man durchaus so verfahren wie Du es tust.

      Ich sehe die Problematik woanders: Du schreibst, dass Du Poker locker nehmen könntest, Verluste als persönliche Niederlage ansiehst. Ich würde Dir hier empfehlen, dass Du verschärft mit dem Thema "in BB und nicht in $ denken" auseinandersetzt. Imo liegt hier sowas wie ein "umgekehrtes scared money" vor. Du nimmst die Beträge und möglicherweise die Gegner nicht ernst und obwohl Du die Limits eigentlich schlagen müsstest, tust Du es nicht - und nimmst das dann persönlich.

      Trenne Dich von dem Gedanken an Limits und mach Dir völlig unabhängig von $-Größen klar, ob Du +EV- oder -EV-Entscheidungen triffst. Bei 4-5 Tischen wirst Du vermutlich die Zeit haben, um jede Entscheidung wirklich zu hinterfragen und das solltest insbesondere in Deiner jetzigen Situation auch tunlichst machen.

      Dazu würde ich Dir weitere Coachings empfehlen. Erfahrungsgemäß ist nicht jeder gute FR-Spieler per se auch ein guter SH-Spieler. Wenn Du also die Möglichkeiten hast, such das private Coaching und verbessere Dich auch spielerisch, dann sind sicherlich auch Limits wie NL200 oder NL400 für Dich möglich.

      Viel Erfolg wünsche ich Dir :)
    • dezi
      dezi
      Bronze
      Dabei seit: 13.11.2006 Beiträge: 2.022
      Vielen Dank schonmal an alle! Erster Frust von gestern Abend wieder verflogen :f_biggrin:

      Meine erste Überlegung war ja auch, einfach länger nl100 zu spielen und mich dort um meine leaks zu kümmern. Weiß aber nicht, ob das die "Wurzel des Übels" :D bekämpft.

      @michimanni: Danke und danke fürs Verschieben.
      Ich denke schon, dass ich komplett in bb denke, aber das Problem bleibt über die von mir fest definierten bb-Grenzen zum Austieg aufs nächste limit halt das gleiche, da hast du absolut recht.
      Ich hab absolut kein Problem nl100 zu spielen und die Gegner ernst zu nehmen und denke, dass ich dort auch noch viele leaks habe, sh ist wirklich anders als fr - vor allem mit meinem nit-style und nach so langer Zeit... :)

      Irgendwie muss ich halt a-game und Weiterbildung als erstes Ziel vor Aufstieg in meinen Kopf bekommen. Aufstieg muss zur Randerscheinung werden trotz aggressivem brm.

      Was kann ich tun?

      Um spielerisch besser zu werden:
      - ich hab grad Anschluss an eine Coachinggruppe gefunden und werde versuchen mich dort in nächster Zeit möglichst viel einzubringen
      - evtl könnte ich auch noch einen ps.de Coach zu Rate ziehen
      - Handbewertungen
      - Strategie-Literatur durcharbeiten

      Um dieses Psycho-Ding zu bekämpfen?
      - vielleicht irgendwelche Rituale einführen? Vor jeder session Hände bewerten oder einen Theorieartikel durcharbeiten?
      - mir für jede session ein Thema als Fokus suchen?
      - irgendwelche Konzentrationstechniken :D ?
      - oder immer gleiches Konzept: spielstrategische Überlegungen, session, Hände durchschauen oder Hände der letzten session durchschauen, session, strategiekonzepte durchdenken?

      Irgendwie muss eine rein strategische Sicht des Spielens und des Drumherum als Fokus, statt des rumdonkens her.

      Wie habt ihr das erreicht?
    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Original von dezi
      Um dieses Psycho-Ding zu bekämpfen?
      - vielleicht irgendwelche Rituale einführen?
      Ja, eines. Stell Dir ein paar Fragen, bevor Du anfängst zu pokern:

      1. Habe ich Lust zu pokern?
      2. Bin ich emotional dazu imstande?
      3. Habe ich die Zeit dazu?
      4. Bin ich fit und ausgeruht?
      ...

      Kurzum: Stimmen die Rahmenbedingungen eigentlich, um A-Game zu spielen? Führe Dir vor Sessionbeginn immer vor Augen, dass Du nur mit A-Game den max. EV erreichen wirst. Bist Du z.B. müde, wird sich das auf Dein Spiel früher oder später auswirken und Du wirst Fehler machen. Imo gehört zur Maximierung des EV auch, dass man vor Sessionbeginn checkt, ob man überhaupt zu seinem besten Spiel in der Lage ist. Selbiges wird leider oft und von vielen Spielern vernachlässigt.