furchtbare Anglizismen

    • AssImAermel
      AssImAermel
      Bronze
      Dabei seit: 25.05.2007 Beiträge: 436
      Hallo,

      ich kann mich zwar entsinnen, hier schon einmal eine ähnliche Diskussion gesehen zu haben, habe aber über die Suche auf die Schnelle nichts gefunden. Der Anlass für meinen Beitrag ist ein Strategieartikel, den ich eben lese. Darin heißt es u.a.:


      Gegen diese Gegenspieler ist es unerlässlich, viele Bets zu setzen, um sie maximal zu exploiten und den größtmöglichen Value zu extrahieren. Andererseits kannst du als thinking Player in einem shorthanded Pot deine Handreadingskills nutzen und selber lighter downcallen, als in einem 4-Way-Pot.


      Mir ist schon klar, dass Poker rein sprachlich extrem Englisch geprägt ist und es für einiges keine gut klingende Übersetzung gibt. Aber obige Textpassage finde ich einfach nur furchtbar, obwohl mein Englisch gut ist und ich alles verstehe. Auf einer deutschsprachigen Internetseite bzw. Forum sollte es doch möglich sein, sich ein wenig um die deutsche Sprache zu bemühen. Sicher kann man die einzelnen Mitglieder nicht dazu zwingen. Aber gerade in offiziellen Veröffentlichungen (Nachrichten, Strategieartikel) sollte man sich meiner Meinung schon etwas Mühe geben, das ganze auch sprachlich ansprechend zu gestalten. Zugegeben, ich lese hier nur sehr wenig davon und habe vielleicht ein etwas krasses Beispiel entdeckt und der Rest ist gar nicht so schlimm.

      Wie denkt Ihr darüber?


      Bevor es jemand verlangt: ich habe nicht unbedingt vor, die obige Passage zu "übersetzen". :)

      Ach ja: Meine Signatur ist natürlich ein Zitat aus dem Original von Herrn Orwell und muss daher Englisch sein. ;)
  • 91 Antworten
    • Pulsi247
      Pulsi247
      Black
      Dabei seit: 24.10.2007 Beiträge: 1.833
      ich finde, dass sich die erzwungenen deutschen übersetzungen allesamt dümmlich und vor allem ungelenk anhören.

      aber is halt auch nur ne meinung :)


      /edith sagt, "erwzingenen" hört sich ebenso scheisse an wie übersetzte fachbegriffe ;)
    • daegga
      daegga
      Bronze
      Dabei seit: 11.02.2007 Beiträge: 2.255
      ist halt eine art fachsprache. in vielen ländern werden sogar offiziell in vielen bereichen die englischen termini verwendet. das erleichtert unter anderem auch das verstehen fremdsprachiger texte bzw. die kommunikation mit anderssprachigen. dass es nicht immer in das vorrherrschende sprachsystem passt (zB englische partizipe als adjektiv im deutschen bzw. perfektbildung eines englischen verbes im deutschen), ist natürlich unschön. aber man hat das auch früher schon gemacht, jedoch mit latein, daran stören sich nicht so viele, heute fällt das oft gar nicht auf. hier in österreich ist zB "parat" statt "bereit" durchaus noch verbreitet. in medizin, biologie etc. herrschen hauptsächlich lateinische termini vor. auch anderswo wurden noch in den letzten jahrzehnten (oder zumindest im letzten jahrhundert) viele begriffe latinisiert bzw. grekisiert. heute wäre eine einführung von lateinischen termini jedoch unzeitgemäß, die heutige lingua franca ist eben das englische, und meist ist das original wort ja auch englisch, da va. in der unterhaltungsindustrie und im technischen bereich die USA durchaus federführend ist.

      edit: ich mach mir viel mehr sorgen um den verfall der deutschen sprache durch das "gendern". furchtbare entwicklung..
    • Frufru007
      Frufru007
      Bronze
      Dabei seit: 19.04.2006 Beiträge: 921
      Original von Pulsi247
      ich finde, dass sich die erzwungenen deutschen übersetzungen allesamt dümmlich und vor allem ungelenk anhören.

      )
      Im Prinzip findest du also die Deutsche Sprache scheiße? So arg wie auf ps.de ist es eh fast nirgends, hab mich schon immer gefragt warum hier jeder so arg Denglisch spricht. Das die Artikel anscheinend auch im ärgsten Denglisch sind erklärt so einiges.

      Ich mein ich denke auch so das einige Sachen ok sind, andere Sachen wiederum eher weniger.

      Sowas wie, ich raise, er callt und was soll ich jetzt am Flop machen? Sowas ist ok, aber exploiten, skills u.s.w könnte man ruhig in Deutsch schreiben. Das hört sich doch einfach lächerlich an. Genauso wenn ich mit wem anderen über eine Hand rede und er meint er hat Ace Jack. Bei mir heißt das noch immer Ass und Junge, bei mir sind das auch keine Queens sondern noch immer Damen. Komischerweise wird aber zu einer 8, auch acht gesagt und net eight.
    • eplc
      eplc
      Bronze
      Dabei seit: 22.01.2005 Beiträge: 8.667
      Ich habs mir auch mit der Zeit angewöhnt und sehe es eben als Fach-Termini. Jeder weiß, was damit gemeint ist und man hört und liest es eben auch sehr oft in Videos, bzw. Artikeln.

      Ich finds nicht schlimm, im Gegenteil - Ass Junge klingt für mich eigenartig, nicht zuletzt, da auch die Kartenspiele englisch sind - Q steht ja auch für Queen und nicht für Dame. J ist btw auch Bube und nicht Junge, wenn schon denn schon.
    • wusah
      wusah
      Bronze
      Dabei seit: 06.02.2006 Beiträge: 15.792
      Poker-Deutsch hört sich halt scheiße an.

      Den Satz im ersten Post sollte man einfach nicht anders schreiben.
    • amayaner
      amayaner
      Bronze
      Dabei seit: 21.01.2009 Beiträge: 2.267
      Ach, die Amerikaner benutzen doch auch Worte wie Kindergarten, Doppelgänger oder auch gerne mal Blitzkrieg. Da beschwert sich doch auch keiner.

      Pokern ist eben wie die Luftfahrt: Viele Nationen, alle benutzen englische Fachbegriffe, und wenn die Anzeige auf 0 ist, ist man soeben aufgeschlagen (oder sollte ich lieber broke(n) sagen?).
    • amayaner
      amayaner
      Bronze
      Dabei seit: 21.01.2009 Beiträge: 2.267
      Original von daegga
      ist halt eine art fachsprache. in vielen ländern werden sogar offiziell in vielen bereichen die englischen termini verwendet. das erleichtert unter anderem auch das verstehen fremdsprachiger texte bzw. die kommunikation mit anderssprachigen. dass es nicht immer in das vorrherrschende sprachsystem passt (zB englische partizipe als adjektiv im deutschen bzw. perfektbildung eines englischen verbes im deutschen), ist natürlich unschön. aber man hat das auch früher schon gemacht, jedoch mit latein, daran stören sich nicht so viele, heute fällt das oft gar nicht auf. hier in österreich ist zB "parat" statt "bereit" durchaus noch verbreitet. in medizin, biologie etc. herrschen hauptsächlich lateinische termini vor. auch anderswo wurden noch in den letzten jahrzehnten (oder zumindest im letzten jahrhundert) viele begriffe latinisiert bzw. grekisiert. heute wäre eine einführung von lateinischen termini jedoch unzeitgemäß, die heutige lingua franca ist eben das englische, und meist ist das original wort ja auch englisch, da va. in der unterhaltungsindustrie und im technischen bereich die USA durchaus federführend ist.

      edit: ich mach mir viel mehr sorgen um den verfall der deutschen sprache durch das "gendern". furchtbare entwicklung..
      Ja, nur mit der Anmerkung, dass Englisch zu 95% aus Latein und Deutsch besteht. Daher ist man vom Wortstamm wieder entweder bei unserer schönen Sprache oder beim Latein angekommen.
    • RatofDeath
      RatofDeath
      Bronze
      Dabei seit: 26.04.2007 Beiträge: 2.357
      Original von AssImAermel
      Hallo,

      ich kann mich zwar entsinnen, hier schon einmal eine ähnliche Diskussion gesehen zu haben, habe aber über die Suche auf die Schnelle nichts gefunden. Der Anlass für meinen Beitrag ist ein Strategieartikel, den ich eben lese. Darin heißt es u.a.:


      Gegen diese Gegenspieler ist es unerlässlich, viele Bets zu setzen, um sie maximal zu exploiten und den größtmöglichen Value zu extrahieren. Andererseits kannst du als thinking Player in einem shorthanded Pot deine Handreadingskills nutzen und selber lighter downcallen, als in einem 4-Way-Pot.
      Schreib doch bitte mal den von dir gequoteten (sorry, zitierten.) Satz in einem dir genehmen Deutsch.

      Würde mich sehr interessieren. =)
    • OrcaAoc
      OrcaAoc
      Gold
      Dabei seit: 06.08.2006 Beiträge: 4.818
      Schreib doch bitte mal den von dir gequoteten (sorry, zitierten.) Satz in einem dir genehmen Deutsch.


      Naja das geht doch schon, man könnte z.b. schreiben :

      Gegen diese Gegenspieler ist es unerlässlich viele Einsätze zu tätigen, um deren schwächen maximal Auszunutzen und den größtmöglichen Gewinn aus der Hand zu ziehen. Andererseits kannst du als mitdenkender Spieler in einer Hand gegen wenige Gegner deine Fähigkeiten Gegner gut auf bestimmte Hände zu setzen nutzen und selber oft in marginalen Situationen zum Showdown gehen, als in einer Hand in der du gegen viele Gegner spielst.

      Hört sich jetzt aus meiner Sicht nicht so extrem schlimm an.
    • kearney
      kearney
      Global
      Dabei seit: 13.04.2007 Beiträge: 6.694
      "Die Blinden waren $10/$25 mit einer gezwungenen $50 - Überbrückung und die effektiven Stapel waren sehr tief - über 20.000! John hinkte unter dem Gewehr. Der Rest des Tisches hörte auf beim grosse Blinde zu spielen"

      War mal im Bluff-Magazine zu lesen, alternativ gabs ja auch mal ein Buch welches hier verrissen wurde wo herrliche Übersetzungsunfälle vorkamen...

      Manche Dinge lässt man einfach unberührt während andere sehr gut durch deutsche Vokabeln ersetzt werden könnten (exploiten ist da so ein Fall denke ich).
    • RatofDeath
      RatofDeath
      Bronze
      Dabei seit: 26.04.2007 Beiträge: 2.357
      Original von OrcaAoc
      Schreib doch bitte mal den von dir gequoteten (sorry, zitierten.) Satz in einem dir genehmen Deutsch.


      Naja das geht doch schon, man könnte z.b. schreiben :

      Gegen diese Gegenspieler ist es unerlässlich viele Einsätze zu tätigen, um deren schwächen maximal Auszunutzen und den größtmöglichen Gewinn aus der Hand zu ziehen. Andererseits kannst du als mitdenkender Spieler in einer Hand gegen wenige Gegner deine Fähigkeiten Gegner gut auf bestimmte Hände zu setzen nutzen und selber oft in marginalen Situationen zum Showdown gehen, als in einer Hand in der du gegen viele Gegner spielst.

      Hört sich jetzt aus meiner Sicht nicht so extrem schlimm an.
      Stimmt! Hört sich wirklich nicht schlimm an, und ist auch Verständlich.

      Man muss halt einfach meiner Meinung nach eine klare Linie in den Artikel haben, einmal "Bet" zu sagen und dann "Einsatz", bzw einmal von "exploit" reden und im anderen Artikel von "Ausnutzen" kommt auch nicht gut rüber.

      Aber ich muss sagen, ich bin positiv überrascht, dass sich der Satz in reinem Deutsch wirklich so gut schreiben und lesen lässt. :)

      Aber "Showdown"? :f_o: ;)
    • AssImAermel
      AssImAermel
      Bronze
      Dabei seit: 25.05.2007 Beiträge: 436
      Original von OrcaAoc

      Gegen diese Gegenspieler ist es unerlässlich viele Einsätze zu tätigen, um deren schwächen maximal Auszunutzen und den größtmöglichen Gewinn aus der Hand zu ziehen. Andererseits kannst du als mitdenkender Spieler in einer Hand gegen wenige Gegner deine Fähigkeiten Gegner gut auf bestimmte Hände zu setzen nutzen und selber oft in marginalen Situationen zum Showdown gehen, als in einer Hand in der du gegen viele Gegner spielst.

      Ausgezeichnet. =)
    • ForTheLove
      ForTheLove
      Bronze
      Dabei seit: 19.08.2007 Beiträge: 8.063
      Original von eplc
      Ich habs mir auch mit der Zeit angewöhnt und sehe es eben als Fach-Termini. Jeder weiß, was damit gemeint ist und man hört und liest es eben auch sehr oft in Videos, bzw. Artikeln.

      Ich finds nicht schlimm, im Gegenteil - Ass Junge klingt für mich eigenartig, nicht zuletzt, da auch die Kartenspiele englisch sind - Q steht ja auch für Queen und nicht für Dame. J ist btw auch Bube und nicht Junge, wenn schon denn schon.
      #, sehe ich absolut genauso
    • kearney
      kearney
      Global
      Dabei seit: 13.04.2007 Beiträge: 6.694
      Original von eplc
      Ich habs mir auch mit der Zeit angewöhnt und sehe es eben als Fach-Termini. Jeder weiß, was damit gemeint ist und man hört und liest es eben auch sehr oft in Videos, bzw. Artikeln.

      Ich finds nicht schlimm, im Gegenteil - Ass Junge klingt für mich eigenartig, nicht zuletzt, da auch die Kartenspiele englisch sind - Q steht ja auch für Queen und nicht für Dame. J ist btw auch Bube und nicht Junge, wenn schon denn schon.
      In Wien wird beim Livepoker der J oft als "Jude" bezeichnet, nur so am Rande... :s_mad:
    • Jh2911
      Jh2911
      Bronze
      Dabei seit: 13.11.2007 Beiträge: 563
      Original von AssImAermel
      Original von OrcaAoc

      Gegen diese Gegenspieler ist es unerlässlich viele Einsätze zu tätigen, um deren schwächen maximal Auszunutzen und den größtmöglichen Gewinn aus der Hand zu ziehen. Andererseits kannst du als mitdenkender Spieler in einer Hand gegen wenige Gegner deine Fähigkeiten Gegner gut auf bestimmte Hände zu setzen nutzen und selber oft in marginalen Situationen zum Showdown gehen, als in einer Hand in der du gegen viele Gegner spielst.

      Ausgezeichnet. =)
      noch groß- und Kleinschreibeung, sowie Kommasetzung und perfeCt!
    • sarc
      sarc
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 06.06.2008 Beiträge: 12.196
      Na ja, sind Fachbegriffe. Ist ein bisschen wie bei wissenschaftlichen Texten, viele Begriffe übersetzt da einfach auch keiner... Das hat den gnadenlosen Vorteil, dass man immer sofort weiß, was gemeint ist. Allein "exploiten": Jeder hat da n Verständnis davon. Wenn ich jetzt "Schwäche ausnutzen" schreibe, dann ist das unter Umständen missverständlich: Möchte mir der Autor vielleicht damit sagen, dass der Spieler bereits Schwäche gezeigt hat und ich das ausnutzen will? Oder ist es allgemein ein schwacher Spieler, den ich mit meinem nun folgenden Move abstrafen kann, der gegen einen guten Spieler aber möglicherweise nicht funktionieren wird? Oder noch was anderes?
    • Marvl
      Marvl
      Bronze
      Dabei seit: 12.03.2005 Beiträge: 3.556
      Sie sagen ja auch "the zugzwang"...

      Wenn jemand einen totalübersetzten Text der Kategorie "Unter der Kanone ruft die Erhöhung, er könnte einen Bauchschuss oder einen Flaschenzug haben" scheußlich findet, ist das natürlich rein subjektiv.

      Aber welche Fachtermini übersetzt werden sollten und welche nicht, ist Gewöhnungssache und über Geschmack lässt sich nicht streiten.

      Beim Tennis heißt es ja auch "Matchball" und "Breakball", aber "Spielball" und keiner regt sich darüber auf.
    • RuthlessRabbit
      RuthlessRabbit
      Bronze
      Dabei seit: 13.03.2007 Beiträge: 9.531
      Englisch sollte man halt klein schreiben und nicht mal klein mal groß. Ansonsten kann man mit englischen Wörtern einfach viel schneller und präzise ausdrücken was man meint.
    • Leihfisch
      Leihfisch
      Bronze
      Dabei seit: 19.08.2006 Beiträge: 3.063
      Ich schließe mich der Meinung an dass es sich um Fachsprache handelt und es absurd ist diese einzudeutschen.

      Aber unabhängig davon, kann ich nicht nachvollziehen warum einige Leute etwas gegen Anglizismen haben.
      Sprache ist etwas lebendiges und entwickelt sich ständig weiter. Vor 100 Jahren hat man anders geredet als heute und in 100 Jahren wird man wiederrum anders reden.
      Oft liegen die Gründe für die Veränderungen am Einfluss einer anderen Sprache. Die Römer haben lateinische Vokabeln in der Welt verbreitet, Napoleon französische, und nun ist es halt die englische Sprache die Einzug hält in den deutschen Wortschatz.
      Es ist ja nicht so als ginge dabei deutsches Kulturgut verloren, oder als würden Traditionen aussterben, da die meisten Anglizismen sich sowieso auf neue Begriffe beziehen oder auf neue Interpretationen.
      Und selbst wenn Kultur verloren gehen würde... who fucking cares?

      Just my 2 cents