[NL100/200 SH] Durststrecke beeinflusst die Spielqualität zunehmend

    • Nihiliste
      Nihiliste
      Bronze
      Dabei seit: 07.03.2008 Beiträge: 468
      Eigentlich wollte ich gerade nur Dampf ablassen, aber ich merke, dass es da um etwas mehr geht. Also mein erster Post hier.

      Spiele NL100SH und habe mir von 100$ Startkaptal ne BR für NL200SH erspielt (knapp 50 Buyins), aber ich merke dass ich seit 3-4 Monaten stagniere. Hänge nun seit gut 5 Monaten (100K Händen!!) auf NL100 und traue mich förmlich nicht auf NL200.

      Im Juni erwischte mich eine Durststrecke um nicht zu sagen ein ganz netter Downswing. Völlig vorrüber ist er nicht, aber da gab es schlimmeres. Das Problem ist aber, dass meine Spielqualität- und noch wichtiger meine Spiellust massiv darunter gelitten haben. Ich nehme das Pokern schon ziemlich ernst und möchte es zumindest zu einem festen Nebenverdienst machen. Das Wichtigste aber ist, dass mir dieses Spiel unglaublich viel Freude bereitet hat. Freude ist immer noch da, aber "unglaublich" würde ich sie nicht mehr nennen. ;)

      In den letzten 60K Händen laufe ich mittlerweile 26 Buy Ins unter dem Erwartungswert. Das ist aber nicht so schlimm.

      Mit Händen wo ich am Flop broke gehe und 98:2 vorne liegend noch ausgesuckt werde, gehe ich mittlerweile echt locker um. Ich kann mittlerweile auf das Denken umschalten, dass ich eigentlich gewonnen habe, sofern ich die Sache longtherm betrachte. Die Mathematik ist da ein großer Helfer.

      Schlimmer sind nicht so eindeutige Situationen, wo das Spiel über alle Strassen geht und es mich am Ende doch zersägt, oder wo ich mit 2nd Nuts auf die absoluten treffe. Gerade diese Situationen häufen sich in letzter Zeit so extrem, dass es langsam aber sicher auf mein Spiel abfärbt... :(

      A) mein Spiel ist von einem sehr bewussten 21/19 mit 8% 3Bet zum 18/14 mit 6% 3B mutiert
      B) Mein Spiel ist Postflop deutlich weaker geworden, womit ich viel Value lasse und einfacher auszurechnen bin.
      C) Ich tilte mittlerweile schneller ab, was zu noch mieserem Spiel führt (meist werde ich noch weaker, manchmal calle ich dann zu viel)
      D) ich werd innerlich unruhig und aggressiv (was so nach 4 Stacks down dazu führt, dass ich im Chat entweder beleidigend werde oder noch schlimmer - wehleidig - "Oh mimimi, ich hab sooo viele Stacks wieder verloren, mimimi..." - Sorry an alle die es getroffen hat... ;) )

      Natürlich ist es eine Hilfe die Hände zu posten, aber nach einer Session sehe ich die meisten Fehler selbst. Sobald ich ne Hand poste kann ich zu 95% mir ne fundierte Antwort geben.
      Oft bemerke ich mein falsches Spiel bereits am Tisch! Aber es ist so was wie eine innere Blockade, die dazu führt, dass ich vom optimalen Spiel abweiche. Mein Turn-Spiel ist mittlerweile zum "Trauer-Spiel" geworden :D
      Für Valuebets über 3 Strassen brauche ich nu schon ein Monster und bin somit ganz easy auszurechnen für die anderen Regs. Langsam komme ich mir schon vor wie das, was man Reg-Fish oder Rakeback-Hure nennt ;)
      Das Vertrauen in das eigene Spiel ist einfach nicht mehr da.

      OK. Genug der Heulerei, denn dies ist nicht der Grund für das Postig (sonst wäre es im Frustabbau gelandet)

      Was ich brauche/möchte, ist: Zurück zu meinem Spiel von vor 4 Monaten - sicher, bewusst mit Freude und Durchblick.

      Wer kann hier ein paar Tipps geben, die über meine Erkenntnisse gehen?
      Interessant wären:
      - Artikel die sich mit dieser Thematik befassen
      - praktischer Rat mit sofortiger Wirkung (wie z.B. Chat abschalten)
      - und das gleiche mit langfristiger (Psychologie, weitere mathematische Beweise)
      - Tipps für die Spielvorbereitung und Nachbreitung
      - Na ja und eben alles andere ;)

      Hmmm... Eigentlich bin ich wieder sehr entspannt, nachdem ich das geschrieben hab :) Aber den ellenlangen Text jetzt zu löschen will ich auch nicht. Also...
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  • 5 Antworten
    • promyk82
      promyk82
      Bronze
      Dabei seit: 22.08.2006 Beiträge: 1.281
      Sehr ausführliche Schilderung. Jeder wird wohl sowas oder Ähnliches schon erlebt haben. Mein Spiel verändert sich auch oft unbewusst. Was mir dann hilft, ist mal eine oder zwei h nur ein Tisch zu spielen, die Hand NEBEN die Maus zu legen und mich vot jeder Aktion ganz bewuust zu fragen: " Was möchte ich damit erreichen? Gibt es eine andere Spielweise, welche ich in Betracht ziehen sollte?...." Nach der Session klappt es ja scheinbar mit diesen Gedankengängen bei dir. Wenn man viel zockt, dann schleichen sich m.M.n aber zu viele Automatismen ein...
    • Nihiliste
      Nihiliste
      Bronze
      Dabei seit: 07.03.2008 Beiträge: 468
      Danke. Ein sehr einfach umzusetzender, aber doch wirksamer Rat. Ist schon länger her, dass ich sehr bewusstes 1-Table Poker gespielt habe. Spiele zwar sowieso nur 4 Tische gleichzeitig, aber gewisse Automatismen sind auf jeden Fall drin.

      Habe mir die Sessions nochmals angeschaut und wenn ich mal wegen starker Tableselection nur zwei Tische gleichzeitig gespielt habe, waren die Ergebnisse besser und enthielten deutlich weniger (wegen Unsicherheit/schlechten Spiel) vormarkierter Hände.

      Vielleicht wird es Zeit für eine gewisse Zeit "back to the roots" zu gehen und quasi frisch anfangen (1-2 Tische) und dabei jede Hand genau durchdenken...

      Habt ihr Empfehlungen für Entspannungs-, Konzentrationsübungen etc.?
      Ich merke, dass mein inneres Gleichgewicht etwas aus dem Runder ist und ich mich echt schnell aufrege/ärgere. Das schlägt sich vor allem beim Poker-Tilt nieder, aber nicht nur.

      Treibe zwar 3-4x mal die Woche Sport, aber das Wohlgefühl ist eher kurzfristig und wirkt meist belebend, als beruhigend/entspannend.
      Habe es mit Atemübungen versucht, aber leider nicht lange durchgehalten (vielleicht auch mangels Erfolg). Für Tipps wäre ich dankbar.
    • Pokerfeund
      Pokerfeund
      Global
      Dabei seit: 13.02.2008 Beiträge: 2.873
      doofe frage wie wird eigentlich der expectet gewinn ausgerechnet?
    • stormking666
      stormking666
      Bronze
      Dabei seit: 16.01.2008 Beiträge: 3.572
      Sessions mit wenig Tischen zu spielen ist schon ein ganz guter Schritt. Wenn ich nur 3Table weil da gerade die geilen Fische sitzen ist mein Game auf jedenfall auch leicht besser (und ich spiele FR also da sind 3 Tische nix)

      Was imo noch mehr hilft ist sich mal einen u2u Partner zu suchen und gemeinsam sich zu coachen.
      Die Ergebnisse sind dann extrem nebensächlich weil man über die besten Lines redet und auch selbstbewußter wird weil man immer Feedback bekommt.

      Das hat mein Game damals auf jedenfall extrem verbessert
    • promyk82
      promyk82
      Bronze
      Dabei seit: 22.08.2006 Beiträge: 1.281
      Einen körperlichen Ausgleich wie Sport braucht man unbedingt. Sollte auch zur Entspannung dienen. Ansonsten trinke ich ein oder zwei Bier wenn mich etwas zu sehr ankotzt (da schaut die Welt doch gleich wieder viel besser aus =) ). Über mangelnde Konzentration kann ich nicht wirklich etwas konstruktives sagen, da ich nur rd. 1,5 h / Session spiele. Solang ist die eigentlich immer vorhanden.