Zeitmanagement, Disziplin, Einreißenlassen

    • dezi
      dezi
      Bronze
      Dabei seit: 13.11.2006 Beiträge: 2.022
      Hi Leute,

      folgendes Problem:
      Ich hatte in der letzten Zeit durch Wechsel zu Nl SH nach ewig langer Zeit Nl FR ein paar Probleme mit skill und vor allem Anwendung von a-game.(nl sh Limitaufstieg, Einstellung- festgefahrene Situation)

      Mittlerweile habe ich mich imho zumindest vom skill her anständig weiter entwickelt und mich wirklich sehr viel und auch sehr gern mit Theorie beschäftigt.

      Ich denke, ich weiß jetzt auch wesentlich genauer was ich tun kann um besser zu werden und das beste Wissen aka a-game auch anzuwenden.
      Für mich bedeutet das vor allem nicht zu viel zu spielen, exakt:

      - 4-5tables
      - ~1h session
      - 2-max. 3 sessions am Tag
      - daneben halt möglichst viel theoretische Arbeit.

      Mit diesem Ansatz hab ich jetzt die letzten 25k Hände nl100sh gespielt und es lief sehr gut.
      Allerdings merke ich, dass ich schon wieder anfange diesen für mich optimalen Rahmen zu verlassen. (Wenn in der waiting list ein 6. Tisch aufpoppt hab ich extreme Problem ihn nicht zu spielen, ich spiel viel länger als 60min, ich zock teilweise 4-5h am tag,....) Alles an sich nicht so schlimm und lange Zeit bin ich damit zumindest bei nl fr auch sehr gut gefahren, aber im Moment leidet die winrate extrem darunter und zu allem Überfluss kam heute auch der alt bekannte jedoch die letzten 25k Hände abgestellte tilt wieder ins Spiel.
      Der akute Frust ist groß.. :f_cry: :D


      Ich will dieses beschissene Problem jetzt endgültig abstellen, da mir recht sicher bin zu wissen wie ich es besser machen kann.
      Und ich weiß ganz sicher, dass im Moment hohes Spielvolumen für mich negativ mit meiner winrate korreliert.

      Wie kann ich mich selbst dazu bringen die o.g. Rahmenbedingungen einzuhalten?
      - Hab mir schon Zeitpläne aufgestellt, aber halte sie nach einigen Tagen einfach nicht mehr ein.
      - Wecker stellen in Nachbarzimmer, so dass ich die Tische eh ausblinden lassen muss? :D
      - Gibt es da irgendeine software-Lösung?
      - schöner wäre es natürlich, wenn es nicht so ein künstlicher Zwang wäre


      Schlimm ist auch, dass sich dieses "Einreißenlassen" von Disziplin :D mittlerweile auch auf andere Lebensbereiche auswirkt.
      Ich betreib Leistungssport und hab da sonst teilweise ohne Problem Trainingspläne von knapp 20h/w absolviert. In den letzten Monaten habe ich damit extreme Probleme.
      Ähnlich sieht es in der Uni aus.... :rolleyes:


      Deshalb formulier ich es hier nochmal allgemeiner:

      - Wie verhindere ich, dass ich Sachen, die für mich Sinn machen und die ich mir vorgenommen habe, wieder einreißen lasse
      - Wie schaffe ich es mir klare Zeitfenster für bestimmte Tätigkeiten zu setzen
      - Wie switche ich problemlos von einem ins andere Zeitfenster
      - Wie schaffe ich es mit meinen Gedanken immer optimal bei der Sache zu sein, mit der ich mich grad beschäftige?

      Manche von diesen Wunschvorstellungen klingen für mich selbst im Moment eher nach Utopie, aber vielleicht habt ihr sinnvolle Vorschläge zur Umsetzung :D .

      Ich würde mich sehr freuen!
  • 4 Antworten
    • Jetta
      Jetta
      Bronze
      Dabei seit: 06.11.2007 Beiträge: 669
      also zum Thema Zeitmanagement und Zeitfenster einhalten, habe ich (für mich) einen Weg gefunden, der jetzt schön länger gut funktioniert.

      Wenn ich nach hause komme, von der Arbeit oder von Kumpels, usw., wird niemals sofort losgepokert. Es wird mindestens eine Stunde was anderes gemacht, um die "Alltagsgedanken" oder Stress abzubauen. Vorallem Stress wirkt sich bei mir extrem negativ auf die Winrate und Tiltresistenz aus.

      Ich beschäftige mich jeden Tag beim frühstück mit meinen Sessions vom Vortag, mit Theorie und mit Forumsbeiträgen.
      Dadurch habe ich einen recht festen Rahmen, wann is Zeit für Theorie und Reflektion, wann ist Zeit zum Pokern.

      Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, das meine Winning Kurve oft die Form eines umgedrehten U hat.
      Das hat sicher mehrere Gründe.
      Einer ist die Zeit, weil ich mich nicht unendlich lang gut konzentrieren kann. 1,5 Stunden SSS 10-15 Tische Multitabling schlaucht mich. Anfangs habe ich mir tatsächlich einen Wecker gestellt und dann die Session beendet.
      Mittlerweile hab ich "gelernt" zu merken, wenn meine Konzentration den Bach runter geht.
      Ein anderer Punkt, dem umgedrehten U entgegen zu wirken war ein persönliches "Stopp-Loss-Win-Limit".
      Das soll heissen, ich beende meine Session nicht nur, wenn ich 5 Stacks down bin, sondern auch wenn ich 5 Stacks up bin.
      So gleicht sich das Festschreiben von Verlusten mit dem Festschreiben von Gewinnen langfristig aus. Denn auch so ein mini Upswing innerhalb einer Session hält ja nicht ewig... leider :f_cry:
      Ausserdem gibts ja den tollen Spruch, man soll aufhören wenns am schönsten ist.
      Wenn ich dann später (mindestabstand 1 Stunde zur beendeten Session) doch noch Zeit und Konzentration hab, dann starte ich noch eine zweite oder auch dritte Session.

      So habe ich mich selber diszipliniert im Laufe der Zeit.
      Zusammengefasst ergeben sich so die Zeitfenster, in denen ích Poker oder Lerne. Die Sessions werden durch das Setzen der "Loss-Win" Limits automatisch kürzer, sodaß ich selten nach "Zeit" die Session beende.
    • fischief
      fischief
      Bronze
      Dabei seit: 20.08.2006 Beiträge: 4.801
      Original von Jetta
      also zum Thema Zeitmanagement und Zeitfenster einhalten, habe ich (für mich) einen Weg gefunden, der jetzt schön länger gut funktioniert.

      Wenn ich nach hause komme, von der Arbeit oder von Kumpels, usw., wird niemals sofort losgepokert. Es wird mindestens eine Stunde was anderes gemacht, um die "Alltagsgedanken" oder Stress abzubauen. Vorallem Stress wirkt sich bei mir extrem negativ auf die Winrate und Tiltresistenz aus.

      Ich beschäftige mich jeden Tag beim frühstück mit meinen Sessions vom Vortag, mit Theorie und mit Forumsbeiträgen.
      Dadurch habe ich einen recht festen Rahmen, wann is Zeit für Theorie und Reflektion, wann ist Zeit zum Pokern.

      Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, das meine Winning Kurve oft die Form eines umgedrehten U hat.
      Das hat sicher mehrere Gründe.
      Einer ist die Zeit, weil ich mich nicht unendlich lang gut konzentrieren kann. 1,5 Stunden SSS 10-15 Tische Multitabling schlaucht mich. Anfangs habe ich mir tatsächlich einen Wecker gestellt und dann die Session beendet.
      Mittlerweile hab ich "gelernt" zu merken, wenn meine Konzentration den Bach runter geht.
      Ein anderer Punkt, dem umgedrehten U entgegen zu wirken war ein persönliches "Stopp-Loss-Win-Limit".
      Das soll heissen, ich beende meine Session nicht nur, wenn ich 5 Stacks down bin, sondern auch wenn ich 5 Stacks up bin.
      So gleicht sich das Festschreiben von Verlusten mit dem Festschreiben von Gewinnen langfristig aus. Denn auch so ein mini Upswing innerhalb einer Session hält ja nicht ewig... leider :f_cry:
      Ausserdem gibts ja den tollen Spruch, man soll aufhören wenns am schönsten ist.
      Wenn ich dann später (mindestabstand 1 Stunde zur beendeten Session) doch noch Zeit und Konzentration hab, dann starte ich noch eine zweite oder auch dritte Session.

      So habe ich mich selber diszipliniert im Laufe der Zeit.
      Zusammengefasst ergeben sich so die Zeitfenster, in denen ích Poker oder Lerne. Die Sessions werden durch das Setzen der "Loss-Win" Limits automatisch kürzer, sodaß ich selten nach "Zeit" die Session beende.

      so ähnlich mach ichs auch gerade mal sehen ob ichs bis nächstes Jahr richtig gut umgesetzt habe. Aber quitten bei Tilt oder Müdigkeit/mangelnder Konzentration ist einfach mal sauwichtig.
    • pokerr4b3
      pokerr4b3
      Bronze
      Dabei seit: 07.06.2007 Beiträge: 1.956
      Hi Dezi , ich beschäftige mit ähnlichen Themen auch sehr ausgiebig in meinem Thread Balance und Lernerfolg.


      Gerade bin ich auch wieder in einer Phase, wie du sie beschreibst und mein aktuelles Fazit ist, dass es an falsche Zielsetzung liegt.

      Was ist die Motivation, dass du mehr Tische spielst?
      ...,dass du mehr spielst und weniger Theorie machst?

      Meine Vermutung: Dir geht es dann zu sehr um Winnings. Man nimmt es als gegeben hin, dass man x BB/100 Winningplayer + Boni ist und denkt, dass man durch mehr Tische und längeres Spielen mehr gewinnen kann.
      Ich kann 30$/h machen...
      Das ist sehr subtil, wie ich finde und hat viel mit der Psychologie des Pokern zu tun.

      Aber die Realität:
      -> mehr Stress
      -> weniger Reads auf die Gegner
      -> schlechtere Entscheidungen
      -> Unzufriedenheit wegen suboptimalem Spiel

      Möglicherweise Kontrollverlust...

      Wenn du 5 Tische aufhast und ein 6. poppt auf, was hindert dich daran auf Sitout zu klicken??

      Die Angst eine profitable Situation zu verpassen.
      Aber: Wenn man für sich sagt: Ich spiele optimal, wenn ich 2 Tische spiele, dass verpasst du in Wirklichkeit nichts. Lass den schlechtesten Tisch austimen und dann fang an zu spielen. Ist der Fisch wieder weg hat man halt Pech.

      Zur Zeitplanung:
      Würde ich von 2 Dingen abhängig machen: was hast du noch an anderen Aktivitäten vor dir?
      Wie sehr strengt dich das spielen an? Vor allem den Zustand muss man ein gutes Gefühl für kriegen.
      Sich wirklich genau einschätzen können finde ich viel besser als Stopp-Loos Grenzen. Entweder es ist +EV oder eben -EV.


      Die Disziplin lässt du wahrscheinlich einreißen, weil du dir eine zu hohe Belastung auferlegst und du mit dir kämpfen musst. Das kostet noch zusätzlich Engergie.

      Viel Glück!
    • daemail
      daemail
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2009 Beiträge: 77
      Original von dezi
      Schlimm ist auch, dass sich dieses "Einreißenlassen" von Disziplin :D mittlerweile auch auf andere Lebensbereiche auswirkt.
      Ich betreib Leistungssport und hab da sonst teilweise ohne Problem Trainingspläne von knapp 20h/w absolviert. In den letzten Monaten habe ich damit extreme Probleme.
      Ähnlich sieht es in der Uni aus.... :rolleyes:
      Ich würde mich sehr freuen!
      Was ich so rauslese ist, dass du alles ziemlich "extrem" betreibst.
      Bei all der Action solltest du auf jeden Fall für ausreichend Ausgleich in Form von Ruhephasen sorgen. Das kllingt banal aber wer viel Leistung bringt brauch einfach auch Ruhe, einen Ausgleich - wie auch immer der bei dir aussehen mag.

      greez