Set-Slowplaying in winzigen Pötten (Lang)

    • Wuermchen300
      Wuermchen300
      Bronze
      Dabei seit: 24.08.2006 Beiträge: 984
      Der Threadtitel hört sich zugegebenermaßen etwas unkonventionell an. Er steht für eine Idee von mir, die ich hier zur Diskussion stellen will. Stellt euch vor, wir limpen 5 :club: 5 :spade: an einem tighten tisch UTG, ein weiterer Limper (CO) und der BB schauen sich den Flop an (7SB). Er kommt 5 :heart: 6 :diamond: T :heart: . Der BB checkt. Wir haben nun mehrere Möglichkeiten: 1. Große bet von zB 3-4BB. Wir protecten unser Set gegen das drawheavy Board und bringen in den allermeisten Fällen unsere Gegner zum folden, es sei denn, einer von ihnen hat top pair, 2pair oder einen starken Draw gefloppt. Da der BB checkt und 2pair/top pair häufig gebettet hätte, ist dies relativ unwahrscheinlich. Wir könnten diese Leading Bet sogar mit Air als Potmove durchführen. Vorteil: Wir bekommen guten Value aus 2pair, je nach Turn und River auch noch aus top pair heraus und machen es möglichst unattraktiv zu drawen. Nachteil: Die vorteilhaften Situationen sind selten, im Regelfall bekommen wir nur den kleinen Pot am Flop, spätestens bei unimproved Turn geben die Draws auf. 2. Kleine bet von max 1/2 Potsize. Hier könnte uns auch ein middle pair noch callen, das am Turn auf 2pair oder trips spekuliert. Die meisten Draws werden in der Hand bleiben, insbesondere wenn keiner seiner beide Gegner am Flop foldet. In etwas größeren Pötten ist das eine vertretbare Line. Sklansky schreibt hierzu sinngemäß "keep your opponents in the hand if they might still have the second best hand after hitting their draw". Wir müssen also weniger als Protection betten, weil der call für einen Draw einen schlechteren EV hat. Für den Fall, dass beide Parteien nichts treffen, haben wir den Gegner nicht kostenlos drawen lassen. Starke, gefloppte Hände würden uns am drawheavy Flop raisen und uns die Line ändern lassen. Vorteil: Zusätzlicher Value aus schwachen Händen wie middle- und bottompair, Aussicht auf den Gewinn einer sehr großen Bet (im Vergleich zur Potsize) im Falle einer FH vs made hand Situation. Ähnlicher Value aus starken Händen wie 2pair, die uns am Flop mit einem Raise herausfordern. Draws müssen immer noch ein wenig zahlen, um den Turn/River zu sehn. Nachteil: Straight- und Flushdraws sind eine Gefahr, wenn kein FH ankommt. Wir müssen uns dessen bewusst sein und keine zu großen Bets callen, wenn sich ein offensichtlicher Draw materialisiert. In diesem Fall verlieren wir neben dem Flop-Pot auch den gesamten Value, den wir aus schwächeren Händen (middle pair, manchmal top pair) am Flop rausgeholt hätten. 3. check/call Eine - in meiner Erfahrung - unkonventionelle Line, aber jene, um die es mir in diesem Artikel geht. Da wir hier die Entscheidung der Betsize dem Gegner überlassen, spaltet sich der mögliche Hergang der Hand auf. Ich werde dahingehend vereinfachen, dass einer der beiden Gegner (der checkende BB) nur eine kleine Bet callen würde, aber keine große. I. CO bettet 2/3-1/1, BB foldet. Solch eine Bet bedeutet Top pair, 2pair, Potmove oder aggressiv gespielten Draw. Also eigentlich alles. Egal ob wir oop strongcallen oder (check-)raisen, ein nicht ganz bekloppter Gegner wird hier Ärger riechen. Ein call hätte den Vorteil, dass der Gegner den Turn vielleicht noch mal bettet, um einen von uns dumm gespielten Draw aus der Hand zu scheuchen. Gegen einen flop-checkraise foldet er nur 2pair nicht. Kompliziert wird es, wenn der Turn einen möglichen Draw completed. Wir können hier wieder checken und sehen ob der Gegner check behind spielt. Wenn ja, können wir den River leicht betten und einen call von top pair/2pair einsammeln, wenn nein, können wir mit check/call den River anschauen, im Falle eines FHs stark overbetten und auf eine made Hand beim Gegner hoffen, der uns eher auf trips/andere made Hand als auf FH setzt. Der Fall, dass der Gegner einen Draw am Flop aggressiv spielt, am Turn oder River improved und wir kein FH bekommen, ist der worst case der check/call-Flop-Line. II. CO bettet max 1/2 Potsize, BB callt. Wird selten vorkommen. Draws werden von Fischen manchmal mit einer Art Blockingbet gespielt, fast alle Gegner werden stärkere Made Hands auf solch einem Board härter anspielen. Falls es doch mal passiert, ist es vergleichbar mit Situation III: III: Es wird zum Turn durchgecheckt, evtl. bis zum River. Auf dem Weg zum Showdown (Turn/River) werden wir vielleicht Bluffs/Potmoves/"Value"Bets inducen, die uns ein bisschen für den verlorenen Value entschädigen, wenn wir unser Set nicht aggressiv spielen. Sollte Turn und River keine Draws completen, können wir mit einer River-Overbet gegen 2pair noch etwas Schadensbegrenzung betreiben. Diese haarige Situation hat jedoch einen massiven Vorteil, der selten auftritt: Turn und River completen neben Draws auch Backdoordraws oder neue 2pairs/trips, die sich gegen jegliche Bet am Flop die späteren Streets nicht angesehen hätten. Die Gegner werden nach einem drawheavy board kaum ein Set vermuten, sodass wir in seltenen Fällen ein gut getarntes Monster gegen eine Made Hand halten; insbesondere FH over straight / FH over Flush. Wir erhöhen also die Wahrscheinlichkeit einer (im Vergleich zur Potsize) sehr profitablen Situation, im Austausch verlieren wir Valuebets und vernachlässigen Protection nahezu völlig. Das Hauptargument ist nun, dass der Valueverlust eindeutig proportional zur (kleinen) Potsize ist und damit klein bleibt, während eine made hand vs made hand Situation je nach Gegner weniger abhängig von der Potsize zu großen Gewinnen führen kann. Fazit Die Effektivität der Line hängt davon ab, wieviel ich im angestrebten Fall von made hand vs made hand aus dem Gegner rausholen kann, und zwar im Vergleich zur Potsize (Im Klartext: Ein Fisch callt hier vielleicht noch einen Push, ein guter Spieler wird sich das schon bei Overpotsize überlegen). Ich stelle also zur Diskussion, ob diese wenig intuitive Line gegen Fische (NL100) langfristig profitabel ist, oder ob der Valueverlust überwiegt. Danke fürs Lesen, freue mich über Meinungen.
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    • sammy
      sammy
      Bronze
      Dabei seit: 16.01.2005 Beiträge: 5.315
      Ich fang mal vorne an: An einem tighten Tisch raise ich 55 an einem SH Tisch aus jeder Position first-in. An einem Full-Ring Tisch folde ich es in der Regel ;) Ich finde, du vernachlässigst hier einen wichtigen Aspekt beim selber betten, nämlich die Möglichkeit, dass dich der CO raisen wird. Es sind viele Draws auf dem Board möglich, dementsprechend raisen hier viele ihre Draws. Dieses wäre natürlich eine sehr gute Situation für uns, da wir so direkt 3-betten könnten. Zu Check: Der Pot ist unraist, sprich klein. Hier wirst du nahezu nie einen großen Bluff eines Gegners erleben (2 Barrel oder gar mehr). Du bekommst hier also im besten Fall 1 Bet, was in einem unraist Pot einfach mal kaum etwas ist. Bei aggressiven Gegnern hinter dir ist bet/raise/3bet auf jeden Fall deutlich besser als check/raise. Natürlich bekommst du durch check/raise noch die eine Bet des Gegner, aber es zeigt eine Menge Stärke und er wird hier fast alles folden. Seine Raising Range ist sicherlich größer, als seine Check/Raise Calling Range. Dazu kommt, dass wird durch die 3-Bet sehr effizient protecten können und dazu haben wir Value bekommen. Zu NL 100: Meiner Erfahrung ist das Limit einfach ultra weak lose, also ideal zu spielen. Es wird hier am Flop meistens check, check behind gehen. Wenn der Gegner etwas hat, wird er es auf diesem board protecten wollen. Sprich ich glaube, wenn er selber betten würde, würde er auch oft deine Bet callen oder sogar selber raisen.