Rechtsfrage: Unfall mit Kleinkind

    • leipos
      leipos
      Black
      Dabei seit: 11.10.2006 Beiträge: 730
      Folgendes. Vor ungefähr 4 Monaten hatte ich, auf einer stark befahrenen Strasse, einen Unfall mit einem 4jährigen Kleinkind.

      Dieses lief plötzlich zwischen 2 parkenden Fzg auf die Fahrbahn und prallte gg mein Auto, beziehungsweise gg meinen Aussenspiegel. Anscheinend hatte das Kind seine Mutter auf der anderen Strassenseite gesehen und sich dann laut Vater losgerissen und sei losgerannt. Das Kind trug zum Glück nur oberflächliche Verletzungen davon. Nachdem die Polizei den Schaden aufgenommen hatte, wurde das Kind als Schädiger festgestellt und auch als 1 im Polizeibericht vermerkt.
      Vielleicht noch als Zusatz. Ich war unterhalb der Richtgeschwindigkeit unterwegs ~40kmh, der Verkehr war relativ dicht. Das Kind habe ich gar nicht gesehen, ich vernahm lediglich einen Knall, hielt sofort rechts an und erst dann wusste ich das es ein Kind war. Die Strasse führt an einem sozialen Brennpunkt der Stadt vorbei, wo die Bürgersteige grundsätzlich voller Personen sind.

      So, nun erhalte ich von meiner Pkw- Versicherung die Information, dass sich die Eltern einen Rechtsbeistand genommen haben und dieser Ansprüche geltend machen möchte. Diesen Ansprüchen, bisher lediglich Kosten der Krankenkasse, müsste meine Versicherung lt BGB 828 nachkommen.

      ----

      § 828
      Minderjährige

      (1) Wer nicht das siebente Lebensjahr vollendet hat, ist für einen Schaden, den er einem anderen zufügt, nicht verantwortlich.

      -----

      Zu erwarten sind noch weitere Kosten für den Anwalt, Schmerzensgeld, ... für welche bereits ein Rückstellung -insg in Höhe von 7k Euro- getroffen wurde. Daraus resultiert eine Erhöhung meiner Schadenfreiheitsklasse von 70% auf 100%!

      An meinem Fzg -schrottreifer 96er Polo6N- musste der Aussenspiegel getauscht werden, dieses habe ich auf eigene Rechnung für 20 Euro an einem Schrottplatz durchgeführt. Lackschäden sind auch vorhanden, aber haben mich bisher nicht wirklich gestört. Grundsätzlich war ich glücklich das dem Kind nichts schlimmeres zugestossen war und das das Ganze keinen grossen Aufwand nach sich zog.

      Es geht mir lediglich um die Erhöhung meiner SFK, was kann ich nun unternehmen? Ist die Auslegeung des 828 korrekt?!? Sollte der nicht eher meine Ansprüche regeln?

      tl,dr :

      - unverschuldeter Verkehrsunfall mit Kleinkind
      - meine Versicherung zahlt lt BGB 828
      - Erhöhung meiner SFK
  • 34 Antworten
    • brosef
      brosef
      Bronze
      Dabei seit: 26.11.2009 Beiträge: 395
      du weißt, dass niemand, der qualifiziert genug wäre, dir hier weiterzuhelfen, es dürfte?
    • leipos
      leipos
      Black
      Dabei seit: 11.10.2006 Beiträge: 730
      als volllaie, erwarte ich keine verbindlichen Auskünfte, sondern lediglich Infos ob sich ein Gang zum Anwalt lohnt oder wie die Auslegung des BGB in diesem Zusammenhang zu beurteilen wäre.

      edit: meine allgeimeine Rechtsauffassung sträubt sich gg dieses Vorgehen. Ziel des Treads ist daher, dass mir evt jemand die Auslegung des Rechts so nahebringt, dass ich die Sache akzeptieren kann und keine weitere Zeit darauf verschwende.
    • Sefant77
      Sefant77
      Bronze
      Dabei seit: 10.04.2006 Beiträge: 14.913
      Im ADAC bist du nicht?

      Bei Google nichts gefunden? genau so einen Fall muesste es doch schon Dutzende Male gegeben haben.
    • Pokersaft
      Pokersaft
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 02.03.2006 Beiträge: 25.219
      Hab mich schon länger nicht mehr damit befasst, aber imo hast du vollkommen recht 828 bezieht sich auf deine Schäden, da würd ich dringend nochmal bei meiner Krankenkasse nachfragen.

      Ist ja recht üblich das die Kosten irgendwie teilen, damit beide hochgehen. Scheint wohl eine Win Win Situation für die zu sein.
    • XevilAliveX
      XevilAliveX
      Bronze
      Dabei seit: 30.01.2009 Beiträge: 741
      Das Problem ist eher, dass deine Versicherung, also indir. du zahlst. Folglich steigt deine SF Klasse. Heißt wohl, wenn du das nicht willst, es müsste doch der ursprüngliche Verursacher dafür aufkommen. Vielleicht geht das über:
      - Eltern haften für ihre Kinder (gilt nicht immer)
      - Eltern missachteten evtl. Aufsichtspflicht
      §828 allein ist aber sicherlich noch lange nicht das letzte Wort.
    • Pokersaft
      Pokersaft
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 02.03.2006 Beiträge: 25.219
      olol hab grad bissl gegoogelt ... scheint nicht so gut zu sein für dich, ich finds allerdings ne frechheit und würde mit genug Kohle bist zum höchstengericht klagen:

      Verkehrsunfall von Kind verursacht - Versicherung der Gegenseite zahlt Die Versicherung der Gegenseite muß für Verkehrsunfälle von Kindern oder Gebrechlichen aufkommen, da von Seiten des Autofahrers bei diesen immer mit einem Verhalten, welches nicht der Straßenverkehrsordnung entspricht, gerechnet werden muss. Im der Entscheidung zugrunde liegenden Fall war ein 6-jähriges Kind mit dem Roller vom Gehweg abgekommen und von einem lediglich 10-15 km/h fahrenden LKW erfaßt worden. Das Kind wurde hierbei lebensgefährlich verletzt und erlitt bleibende Schäden. Da der Unfall jedoch vom Kind selbst verursacht worden war, verweigerte die Versicherung des Fahrers jegliche Zahlungen. Weiterhin wurde auf die Verletzung der Aufsichtspflicht seitens der Mutter verwiesen. Das angerufene Landgericht hingegen entschied, dass das Verhalten der Mutter dem Kind nicht zum Nachteil gereichen dürfe. Weiterhin führte das Gericht an, daß der Fahrer das Kind permanent im Auge hätte behalten und notfalls den Gegenverkehr hätte passieren lassen müssen, um einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu gewährleisten. Dem Kind wurde ein Schmerzensgeld über EURO 50.000,00 zugesprochen, die Versicherung hat zudem für Folgeschäden aufzukommen. LG Ansbach - AZ: 2 O 857/97
    • Elazul
      Elazul
      Bronze
      Dabei seit: 29.03.2007 Beiträge: 2.068
      Original von brosef
      du weißt, dass niemand, der qualifiziert genug wäre, dir hier weiterzuhelfen, es dürfte?
      Wieso das bitte?
    • leipos
      leipos
      Black
      Dabei seit: 11.10.2006 Beiträge: 730
      Allgemeine Frage. Ich bin rechtschutzversichert, aber der PKW ist über meine Eltern versichert + die sind Fahrzeughalter. Zieht meine Rechtschutz hier oder müssten meine Eltern eine Rechtschutz haben?

      Die sind gerade im Urlaub und nicht erreichbar.
    • Invidious
      Invidious
      Bronze
      Dabei seit: 07.12.2009 Beiträge: 5.990
      @elazul:
      rechtsberatungen dürfen nicht kostenlos sein. deswegen distanziert man sich auch von einer rechtsberatung, wenn man eine rechtsberatung in einem forum vornimmt.
      dies soll keine rechtsbereitung darstellen sondern stellt nur meine persönlich meinung dar.
    • Pokersaft
      Pokersaft
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 02.03.2006 Beiträge: 25.219
      das hängt natürlich immer von deiner Versicherung ab, ruf halt mal an da :)
      Grundsätzlich denke ich das die dafür einstehen sollte.


      Schildere den Sachverhalt doch mal im http://www.juraforum.de (du musst das ganze allerdings abstrakt erzählen sodass aus dir, dier Person A wird).

      Da hängen einige kompetente Leute rum, und fände iene Diskussion dort recht spannend.
    • tobad
      tobad
      Bronze
      Dabei seit: 19.04.2006 Beiträge: 149
      also deine eltern als halter sind nach §7 stvg verschuldensunabhängig für die verletzungen des Kindes dran.
      du nach § 18 Stvg nach vermuteter verschuldenshaftung

      das kind ist nach § 828 bgb wie festgestellt raus. Eventuell haften aber die Eltern, weil sie ihre aufsichtspflicht verletzt haben (832 bgb)

      deine rechtsschutz sollte also eigentlich eingreifen, aber am besten zum anwalt und dem die sache schildern und sagen du hast rechtsschutz und beauftragst ihn, wenn die kosten übernommen werden ...

      -keine rechtsberatung, nur meine meinung-
    • Stoxx81
      Stoxx81
      Bronze
      Dabei seit: 01.09.2006 Beiträge: 13.879
      Original von Elazul
      Original von brosef
      du weißt, dass niemand, der qualifiziert genug wäre, dir hier weiterzuhelfen, es dürfte?
      Wieso das bitte?
      Du darfst hier keine Rechtsberatung in einem öffentlichen Forum abgeben. Auf jedenfalls keine verbindliche. Das schützt letztlich den Mandanten.


      Was die ursprüngliche Frage angeht:

      Der Rechtsgedanke der dahinter steht ist ja recht einfach: Einem minderjährigen Kind in diesem Alter wird abgesprochen, dass es sich seiner Handlungen vollumfänglich bewusst ist. Daher kann es für diese Handlungen rechtlich auch nicht verantwortlich gemacht werden. Ein rechtlicher Anspruch geht hier aus einem Fehlverhalten hervor, ein solches kann ein Kleinkind aber eben rechtlich gar nicht begehen. Ergo wird man gg das Kind keine Ansprüche geltend machen können.

      Was die Rolle der Eltern angeht kann ich nichts verbindliches sagen. Im Normalfall sollten die Eltern aber wohl nur in der rechtlichen Verantwortung stehen, wenn sie grob fahrlässig an der Sache beteiligt sind (wie gesagt: eine Annahme meinerseits) und dies scheint hier nicht der Fall zu sein. Denn wenn der Vater das Kind an der Hand hatte und sich einfach losreist, dann kann auch der verantwortungsvollste Vater der Welt nichts tun...
    • 00Visor
      00Visor
      Bronze
      Dabei seit: 26.11.2007 Beiträge: 14.438
      Laienantwort: Dass ein 4-jähriges Kind nicht zivil- oder strafrechtlich belangt wird, ist ja wohl klar. Mehr sagt der §828 doch nicht aus. Wieso solltest du deshalb belangt werden? Verantwortlich sind dann die Eltern.
    • Pokersaft
      Pokersaft
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 02.03.2006 Beiträge: 25.219
      Original von 00Visor
      Laienantwort: Dass ein 4-jähriges Kind nicht zivil- oder strafrechtlich belangt wird, ist ja wohl klar. Mehr sagt der §828 doch nicht aus. Wieso solltest du deshalb belangt werden? Verantwortlich sind dann die Eltern.
      allerdings nur eventuell, und eher unwahrscheinlich
    • Phillemon
      Phillemon
      Bronze
      Dabei seit: 08.12.2008 Beiträge: 1.093
      Sieht nicht gut aus für dich. Inwieweit aber die SFK geändert werden kann weiß ich nicht, wobei das ja wieder Versicherungsintern abläuft.
    • kaeptnkuk
      kaeptnkuk
      Bronze
      Dabei seit: 20.06.2006 Beiträge: 993
      Ich habe nichts beizutragen was dir weiterhilft, möchte aber dennoch einwerfen, dass man in so einem fall IMMER direkt die 112\Polizei anruft, auch wenn augenscheinlich dem verursacher nichts passiert ist.
      Bei deinem fall war es ja sowieso klar.

      Bei meinem Bruder sind auch 2 kleine kinder auf fahrrädern zwischen zwei autos rausgekommen und mein bruder konnte rechtzeitig bremsen. er fährt trotzdem rechts ran, steigt aus und die kinder fahren weg und meinen es wäre nichts passiert........ bis mich 4 polizisten aus dem schlaf klingeln, die auf der fahndung nach meinem bruder sind wegen unfallflucht mit personenschaden. gab dann vom netten richter 12 punkte die 5 jahre bleiben +extras.
    • leipos
      leipos
      Black
      Dabei seit: 11.10.2006 Beiträge: 730
      ich ja keine ansprüche gg das kind, die eltern oder sonst wen geltend machen.

      es sieht doch so aus:

      ich bin nicht schuld, das kind ist nicht schuld, die eltern sind nicht schuld (wenn der vater das kind dann wirklich so beaufsichtigt hat, was natürlich mehrere begleitpersonen gesehen haben ;) )

      --> wer zahlt die zeche?!? atm meine kfz versicherung und die legt das in form der sfk erhöhung auf mich um, was doch nicht rechtens sein kann.
    • leipos
      leipos
      Black
      Dabei seit: 11.10.2006 Beiträge: 730
      Original von Phillemon
      Sieht nicht gut aus für dich. Inwieweit aber die SFK geändert werden kann weiß ich nicht, wobei das ja wieder Versicherungsintern abläuft.
      danke für den link
    • fakmaster
      fakmaster
      Bronze
      Dabei seit: 11.03.2007 Beiträge: 2.660
      Wenn ein Kind unter zehn Jahren aus Unachtsamkeit in ein vorbeifahrendes Fahrzeug läuft und verletzt wird, kann das Kind, vertreten durch seine Eltern, nach geltendem Recht von dem Fahrer des Fahrzeugs und dessen Haftpflichtversicherung Schadensersatz und sogar Schmerzensgeld verlangen.

      Dies gilt selbst dann, wenn der Autofahrer den Unfall nicht vermeiden konnte.

      das is ja mal echt sick. lol nichts dafür können und dann noch fett schmerzensgeld ablegen. :s_confused: :s_confused:
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