Feedback zur Kolumne: Das Freeplay

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    • JayGatsby
      JayGatsby
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 27.07.2006 Beiträge: 8.968
      Hallo Steinek,

      insgesamt ist dein Artikel sehr gut und enthält sehr schlüssige strategische Überlegungen.

      Mir sind gerade nur ein Paar Kleinigkeiten aufgefallen.

      Ein Nachteil der Bet ist, dass gerade aufgrund des trockenen Boards auch dir kaum etwas geglaubt wird und daher auch Pocketpairs, die ja gerade bei MP3 nicht unwahrscheinlich sind, noch einmal callen werden.


      Das sehe ich anders. Wir können hier sehr viele Mittelstarke-Starke Hände getroffen haben, da wir hier ja im BB sitzen.

      Weiterhin ist die Hand hier aus einem 6,50$ SNG, wo die meisten Gegner sowieso nicht wirklich auf die Boardstruktur achten.

      Bettet zum Beispiel MP3 45 Chips und SB callt, so kannst du bei 45 zu zahlenden Chips in einen Pot von 180 profitabel auf Flushvalue callen, da du am Turn zu knapp 20% hitten wirst und dir auch noch gute Implied Odds geben kannst


      Hier würden mich genaue EV Berechnungen interessieren (Was gar nicht zum Anspruch des Artikels gehört), denn logischerweise brauchen wir bessere Pot Odds, oder Implied Odds als 4:1, da der $EV nicht dem CEV entspricht, wie du ja auch erwähnt hast.

      Diese Bemerkung soll eigtl als Vorschlag für einen Artikel dienen, "EV Berechnunge von Draws in SNGs", oder "EV Berechnungen von Draws mit ICM". Würde den Artikel ja gerne selber schreiben, aber habe leider keine Zeit :( .

      In dieser Situation wäre gegen sehr viele Gegner ein Semibluff ein angebrachter Spielzug.


      Hier könnte man noch ein wenig präziser werden, gegen welche Gegner ein Semibluff hier gut ist. Prinzipiell aber natürlich völlig korrekt.

      Selbiges trifft auf die Spielfreudigkeit der Gegner zu.


      "Spielfreudikeit" finde ich ein etwas seltsames Merkmal, irgendwie sehr diffus und daher nutzlos. Du scheinst damit Calling Stations zu meinen oder? Dieses Konzept ist viel präzieser, weil es mehr über den Gegner aussagt bezgl Passivität/Aggressivität und Ranges.

      Zu Hand 3:

      Ein unbekannter Gegner wird den Pot sehr oft attackieren und ein Call vom SB würde dir dann noch zusätzliche Chips in den Pot bringen, so dass diese Line ohne passive Reads zu bevorzugen ist


      Wieso sollte ein unknown Gegner gerade dieses Board häufig attackieren?

      Man kann hier zwar sehr viel repräsentieren, aber Hier hat man dafür sehr wenig FE.

      Und warum gerade Unknowns?

      Ah ok du meinst hier werden die Gegner oft betten, weil sie häufig irgendwas getroffen haben. Wobei ich zumindest HU hier auch oft behind checke um nicht gecraised zu werden...

      Und nochmal die Frage warum gerade Unknowns? :D

      Insgesamt aber wie gesagt ein Artikel der imo sehr schön die Faktoren aufzeigt von denen unsere Entscheidungen in diesen Fällen abhängen.
    • steinek
      steinek
      Bronze
      Dabei seit: 04.12.2006 Beiträge: 5.461
      Hi JayGatsby,
      vielen Dank für dein Feedback!
      Ich kann dein Nachhaken durch die Bank verstehen. Die Problematik ist einfach, dass beim Postflopspiel derart viele Faktoren unsere Entscheidung beeinflussen, dass so ein Artikel, wenn er denn einigermassen stringent sein möchte, immer nur Anregungen geben kann und die Sache nie komplett ausschöpfen kann.
      Nun gehe ich mal die Punkte durch:

      -Boardstruktur: Hier könnte man jetzt ewig über Fischgedanken philosophieren. Ich gebe dir vollkommen recht, dass eine wirkliche Boardanalyse seitens der Fische so gut wie nie stattfindet. Dennoch habe ich schon das Gefühl, dass sie zumindest oft auf Overcards zu ihrem Pair schauen und sich dann Gedanken der Art "Na die Dame wird er schon nicht haben" haben. Das ist absolut kein Denken in Ranges etc. und ich glaube auch kaum, dass ein Fisch versteht, dass wir im BB eine viel weitere Range haben als wenn wir Limpen. Das beruht eben nur auf meiner Empathie und meiner Erfahrung und ich erhebe keinen Anspruch auf Korrektheit, zumal es ja eh nicht "DEN Fisch" gibt.
      Insgesamt denke ich schon, dass wir auf so einem trockenen Board die Pockets oft nicht rausbekommen.

      -Odds in SnGs: Definitiv ein interessanter Punkt! Wobei ich gerade bei den kleineren Betsizes denke, dass die durchs ICM entstehenden Unterschiede vergleichsweise klein sind. Letztendlich ist ja alles mit den Implieds auch immer etwas über den Daumen gepeilt und ich würde mal ganz salopp behaupten, dass man in den allermeisten Fällen im SnG mit der Einstellung "Wenn der Call auch mit Implieds sehr knapp wird, lasse ich ihn im Zweifel wegen des ICMs weg" ziemlich gut fährt. Zumal ja auch hinzu kommt, dass auch das ICM nicht zu 100% akkurat ist und man mit Argumenten a la "Aber mit einem doppelten Stack habe ich deutlich mehr Edge" schon wieder sehr knappe Calls rechtfertigen könnte.
      Du siehst, ich kann mich hier um Kopf und Kragen schreiben. Fakt ist: Man sollte den von dir angesprochenen Punkt auf jeden Fall im Kopf haben und in seine Überlegungen einbeziehen.

      -Gegner für Semibluff: Der Artikel stösst halt schnell an seine Grenzen bezüglich des Umfangs, wenn ich hier alle möglichen Gegnertypen durchgehe, da es ja dort beliebig viele Kombinationen gibt. Generell meinte ich hier so etwas wie "ehrliche Gegner", "Gegner, die kaum raisen werden", "Gegner, denen man hier eine so weite Range geben kann, dass sie sehr oft aufgeben werden."

      -Mit spielfreudig meine ich so etwas wie "preflop weite Ranges", "jedem Draw nachjagen", "sehr showdownbound", "zu Bluffs und völlig unverständlichen Raises in der Lage". Kurzum: Jemand, der begeistert und mit Freude die Vielfalt der drei angebotenen Buttons ausnutzt.

      -Mit dem oft betten meine ich nicht einmal das Board, sondern einfach die Situation, in der zu ihm hingecheckt wird. Statt "unknown" hätte ich auch "wenn keine gegenteiligen Reads vorliegen" sagen können. Das ist abermals nur meine Erfahrung, dass einfach sehr oft durchgecheckte Pötte attackiert werden, unabhängig davon, ob spieltheoretische Aspekte dafür oder dagegen sprechen.

      Zusammenfassend sage ich nur noch einmal, dass das Ganze auf Modellen und Denkweisen beruht, die ich den typischen Gegnern unterstelle. Es ist also keinesfalls die absolute Wahrheit, sondern vielmehr eine Anregung. Und wenn man selber ein anderes Modell aufstellt, kann schnell ein anderer Spielzug optimal werden.
      Danke noch einmal :)