HU - % raise aus dem SB

    • playboychess
      playboychess
      Bronze
      Dabei seit: 04.02.2007 Beiträge: 1.127
      Hallo,

      da man den HU Forum nur ab Gold benutzen kann, und mein PokerStars account nicht mit PS verbunden ist, schreibe ich ihr. Ich spiele eigentlich nur FL FR 1/2, aber wenn ich keinem guten Tisch finde, gehe ich gern an einem lehren Tisch und warte auf einen Gegner. Wir spielen dann HU bis mehr Leuten am Tisch kommen. Ich raise dann Standardmäßig etwa 80% der Zeit aus dem Bu. Habe mal meine HU stats geschaut und bin Gut im Plus (etwa 3BB/100).

      Anderseits bin ich sehr in Mathematische-Poker-Theorie interessiert und habe mich gefragt was der genaue optimale % sein könnte. Habe die Nash-Spieltheorie benutzt und versucht ein Equilibrium zu finden. In mein Model habe ich gerechnet, dass Bu 1SB verliert wenn er foldet, und 1BB gewinnt wenn er den Gegner zum folden bringt. Wenn keiner foldet, habe ich die equity vom Range vom Bu gegen BB genommen (zum Beispiel wenn SB 70% raised und BB 70% called, ist die equity genau 50%, wenn BB aber 90% defend, geht die equity von SB nach oben). Habe auch ein Durschnittspot-size festlegen müssen wenn Postflop Aktion stattfindet, und gerechnet wieviel % davon SB gewinnt/verliert. Wenn SB z.B 53% equity gegen die Range von BB ist, gewinnt er dann im Schnitt 6% vom Durschnittspot.

      Mit diesem Model kam ich zum Schlussfolgerung dass SB genau 50% raisen soll (und BB genau 50% defend soll). Mein Model macht aber nur die Rechnungen ohne den Postflopvorteil vom Bu mitzurechnen. Dieses Vorteil ist aber schwer zu rechnen, da in Hu sogar oop sein Vorteile hat (mann kann ein donkbet machen, man kann c/r spielen). Selbst wenn man sich ein 5% Vorteil mit dem Bu rechnet, muss man immer noch nicht so extrem viel mehr als 50% raisen (vielleicht etwa 55%).

      Im HU Artikel steht aber dass weniger als 60% raisen ein leak ist. Schwere Frage also, kann mir einer erklären woher dass kommt. Interessant zu erwähnen ist dass mein Model auch ein Vorteil sieht wenn man 80% der Hände raist, nur ein grössere mit nur 50%.
  • 4 Antworten
    • LOncleSoul
      LOncleSoul
      Silber
      Dabei seit: 15.12.2007 Beiträge: 3.994
      kommt immer auf den gegner an, pauschal kann man das nicht sagen aber gegen unknown or ich 90%
    • playboychess
      playboychess
      Bronze
      Dabei seit: 04.02.2007 Beiträge: 1.127
      Ich wäre mehr auf eine Mathematische Erklärung interessiert.

      Der Sinn vom ersten Teil von meinem Text war zu zeigen dass ich schon gemerkt habe dass 80% raisen, und sich dann am Gegner anpassen, praktisch funktioniert. Für 99,9% der Leuten reicht dass auch schon zu wissen dass es praktisch klappt, aber ich würde lieber noch verstehen woher die Edge dann kommt.

      Mathematisch gesehen, wenn beide 80% der Hände spielen, hat keiner ein preflop edge. Beide Spieler versuchen also zu beweisen dass die ein Postflop Edge auf dem Gegner haben. Wenn ich jetzt anfangen würde 50% gegen dich zu spielen, würdest du wahrscheinlich 100% spielen. Damit wäre klar dass du preflop viele kleine Pot gewinnst, und dass ich beweisen muss dass die Tatsache dass ich eine bessere Range als du spiele, mehr als dieses kleine Pötte kompensiert ...
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Gute Theorie dazu wirst du vor allem bei den hochkarätigen Botprogrammierern finden. Menschliches Nash-Betting wird meines Wissens nur bei NL mit hohen Blinds gegenüber der Stacksize angewendet, weil sie dort besonders einfach ist. Da geht es darum, preflop all-in zu gehen oder nicht.

      Alle guten Limit Bots (Polaris, Sonia, Hyperborean usw.) raisen auf dem Button ca. 90% aller Hände und verteidigen 100% oder fast 100%.

      Zum derzeitigen Stand versucht man, eine einschränkende Nashstrategie zu entwickeln (nash restricted response), die sowohl gegen unbekannte Gegner als auch gegen bekannte Gegner mit sich dynamisch verändernden Strategien gute Ergebnisse erzielen. Das Ziel ist es natürlich, möglichst schnell aus den unbekannten Gegnern bekannte zu machen und dann die Equilibriumstrategie (also die Nash-Strategie) durch eine Schwächen ausbeutende Strategie zu ersetzen. Moderne Bots arbeiten daher mit mehreren Agenten, die jeweils unterschiedliche Strategien anwenden und je nach Gegner zur Anwendung kommen.

      Hier z. B. ein deutsches Paper aus der Uni Darmstadt für den Überblick:
      http://www.ke.tu-darmstadt.de/lehre/archiv/ss08/challenge/Ausarbeitungen/Eismann.pdf

      Weiterführende Details werden ziemlich schnell ziemlich heftig und ich verstehe sie nicht. Für den menschlichen Gebrauch sind sie schlecht anzuwenden, da sie sehr technisch sind.
    • playboychess
      playboychess
      Bronze
      Dabei seit: 04.02.2007 Beiträge: 1.127
      Danke für deinen tollen Antwort ... ich gehe den Link sofort besuchen.