Mit welchen Gedankengängen bestimme ich meinen EV im Spiel ? ( Raised Pot )

    • D4niD4nsen
      D4niD4nsen
      Bronze
      Dabei seit: 14.11.2007 Beiträge: 9.275
      *** Vor uns hat ein Spieler erhöht und wir haben jetzt einen potentiell spielbare Hand ( Tendenziell eine wo ich mir nicht sicher bin ob sie + oder - EV wird wenn ich pushe )

      Welche Gedankengänge sollte ich /kann ich mir Ingame in kurzer Zeit stellen/machen ???

      Ich glaube das man theoretisch immer 3 Überlegungen/Rechnungen anstellen muss um die perfekte spielbare Range zu finden.


      1. Ein +-BB-Wert für die Spieler die nach einem kommen. Ein gutes Konzept dafür könnte sein das man jedem Spieler der zwischen meinem AllIn und dem Preflopraise kommt eine bestimmte Range gibt, und dann aus der WSK dieser Range und dem BB-Verlust(Gewinn) dagegen einen Wert errechnet.

      Als Ergebnis einer solchen Überlegung kommt z.B. -4BB raus ( Beispielrechnung unten )


      2. Die eigentliche FEQ gegen den Openraiser ( Im gleichen Schrit haben wir natürlich auch die Range mit der er Broke geht ) Wir schätzen ( bzw. bestimmen mit dem Fold23bet Wert ) die Foldequity gegen den Openraiser und ermitteln damit einen longterm Deadmoney Wert.

      Als Ergebnis einer solchen Überlegung kommt man z.B. auf +6BB raus. ( Beispielrechnung unten )


      3. Wir addieren die Wert von 1 & 2 zusammen. Kommen wir damit bei 0 raus brauchen wir gegen die Callingrange des Gegners die logischerweise das "Gegenereigniss" zur FEQ ist ( Beispielsweise raised der Openraiser 10% Range und wir schätzen das er in dem Spot 60% auf eine 3bet foldet => 4% Range ) genau 50% Equity.

      Zur genauen Bestimmung der benötigten Equity gehen wir wie folgt vor ...



      ( Unser Stack ) /* ( CallVomPFR + Unser Stack + Deadmoney + ErgebnissAus1und2 ) = Benötigte Equity für Breakeven ( Beispiel unten )

      Wenn unser Stack größer als der des Gegner ist ( ist er ja fast immer ) kann man glaube auch diese Formel verwenden

      Unser Stack /* ( UnserStack + Unser Stack + DM + EG12 ) = BreakevenEQ

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      Beispiele :

      zu 1 : Angenommen UTG+1 raised und wir Pushen in UTG+2. Wir suchen jetzt eine durchschnittliche Callingrange der Spieler die nach uns kommen ( UTG+3 bis BigBlind )

      In diesem Beispiel könnte eine solche Range z.B. {QQ+ AKs} ( 1,6% ) sein. Jetzt nehmen wir unsere Hand und lassen sie gegen diese Range laufen und kommen auf eine bestimmte Equity ( z.B. QQ 30% ) Wir haben etwa 20BB in einen 45BB Pot getan und gewinnen mit unser 30% EQ gegen die Range jetzt allerdings nur 13,5BB wieder zurück.

      Jetzt haben wir z.B. -6,5BB Diesen Wert teilen wir jetzt durch die WSK das das ganze eintritt ( In diesem Fall kommen nach uns 8 Spieler, also 8*1,6% = ~10% )

      Wir teilen die -6,5BB jetzt also /* 10 und erhalten -0,65 BB. Das wäre das Ergebniss für Teil1

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      zu 2 : Die Überlegungen das andere Spieler zwischen uns und dem Preflopraiser kommen haben wir jetzt also in Teil1 abgedeckt. Jetzt bestimmen wir die FoldEquity gegen den Preflopraiser. Hilfreiche Stats/Werte hierfür sind der Fold23bet-Wert. Wichtig ist, dass dieser natürlich nur ein Grundwert ist. Wir können ihne natürlich nicht 1zu1 übernehmen, sondern müssen uns immer überlegen wie es im speziellen Spot aussieht. Wir müssen immer auf seine Range schauen und dann überlegen.

      Hat er z.b. einen Fold23bet-Wert von 70% und Raised aus UTG+1 10% seiner Range, haben wir mit einem Push aus UTG+2 schon einen sehr krassen Extremfall. Er wird hier also vermutlich deutlich mehr als seine durchschnittlichen 70% folden.
      Wenn er hingegen am BUtton raised und wir Pushen aus den Blinds wird der Wert wahrscheinlich unter den 70% liegen.

      Auf jedenfall geben wir ihm jetzt eine bestimmte FEQ. In diesem Beispiel 80%. Wir errechnen erstmal das was wir gewinnen würden wenn er foldet ... Das wären 1,5BB Blinds + 3,5BB Openraise, also 5 BB ... Diese teilen wir jetzt durch die Wahrscheinlichkeit das er foldet, und kommen in diesem Beispiel z.B. auf 4BB gewinn. Wenn er% 0 auf unsere 3bet foldet logischerweise 0BB und bei 20% z.B. 1BB

      Dies ist jetzt der zweite Wert den wir ermitteln sollten.

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      zu 3 : Als letzten Schritt addieren wir jetzt diese beiden Werte. In unserem Beispiel kommen wir auf einen Gewinn +3,35BB. Was bringt uns das jetzt ?

      Wir setzen es in die Formel von oben ein.

      ( Unser Stack ) /* ( CallVomPFR + Unser Stack + Deadmoney + ErgebnissAus1und2 ) = Benötigte Equity für Breakeven

      Im konkreten bei einem Stack von Hero 20BB

      ( 20BB ) /* ( 20BB + 20BB + 1,5BB + 3,35BB ) = 44,59 % EQ

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      Macht das Sinn ???
  • 6 Antworten
    • D4niD4nsen
      D4niD4nsen
      Bronze
      Dabei seit: 14.11.2007 Beiträge: 9.275
      hier stand mist
    • goldflair03
      goldflair03
      Bronze
      Dabei seit: 21.08.2008 Beiträge: 1.957
      deine showdownequity gegen seine komplette openraisingrange bei 3betgeschichten ist eigentlich total unbedeutend.

      die wichtigen faktoren sind sdeq vs. die 3betcallingrange und FEQ

      bsp:

      3.5bb openraise /20bb effektiv-stack / 40% fe -> brauchst 41.25% sdeq
      mit 60% fe brauchst du nur 31.25% sdeq

      der unterschied gegen eine 6% callingrange:

      http://www.PokerStrategy.com
      Operation completed... 163,610,647,200 games processed in 1 seconds.

      Handrange with greater equity than 31.25%:

      Player 1: 88+, AJs+, AQo+
      22+
      ---
      A9s+, A5s-A4s
      K9s+
      Q9s+
      J9s+
      T9s
      ---
      AJo+
      KTo+
      JTo

      () : might not exceed the defined minimum equity limit


      ----------------------------------------


      http://www.PokerStrategy.com
      Operation completed... 163,610,647,200 games processed in 2 seconds.

      Handrange with greater equity than 41.25%:

      Player 1: 88+, AJs+, AQo+
      99+
      ---
      AQs+
      ---
      AKo

      () : might not exceed the defined minimum equity limit


      ----------------------------------------
    • D4niD4nsen
      D4niD4nsen
      Bronze
      Dabei seit: 14.11.2007 Beiträge: 9.275
      Ein weiteres Beispiel zu der Rechnung.

      UTG+1 raised 14% aus seiner Position und wir haben AJo. Der Gegner hat also eine weite Range, nach einer PushNachRaise-Tabelle liegen wir hier gegen ihn erstmal vorne und dürften gegen ihn alleine wohl profitabel Pushen.

      zu1 : Wir geben den Gegnern wieder {QQ AKs} ( 1,6% ) ... Dagegen haben wir mit AJo 23% EQ, gewinnen vom 45BB Pot also etwa 10BB und verlieren ( -10BB ). 8 Spieler mit 1,6% Range wären logischerweise wieder ~10% WSK, also kommen wir auf -1BB

      zu2 : Wir gehen von einer Foldequity von 50% aus. Bei einem OR von 3,5BB ist das DM 5BB, kriegen wir zu 50%, also +2,5BB

      zu 3 : Wir kommen auf +1,5BB, das ganze setzen wir jetzt in die Formel ein

      20BB /* (20BB+20BB+1,5BB+1,5BB ) = 46,5% EQ ( gegen die Callingrange )

      Da wir gegen eine 14% Range eine FEQ von 50% "ermittelt" haben callt er mit 7% seiner Range {88+, ATs+, AJo+} Dagegen haben wir mit AJo nur ~35% EQ

      => Fold
    • Diamat
      Diamat
      Bronze
      Dabei seit: 15.04.2007 Beiträge: 433
      Original von D4niD4nsen


      Da wir gegen eine 14% Range eine FEQ von 50% "ermittelt" haben callt er mit 7% seiner Range {88+, ATs+, AJo+} Dagegen haben wir mit AJo nur ~35% EQ

      => Fold
      Und wo ist jetzt das Problem, mit AJ aus early-middle einfach nicht mehr zu 3betten? goldflair hats doch schon gesagt: du musst gegen seine callrange weit genug vorne liegen und nicht gegen seine openraise-range.

      Aber falls es dein Threadthema ist, dass 50% fold to 3bet eine Art "Idealwert" ist: Dem ist so, allerdings hauptsächlich für early.
    • D4niD4nsen
      D4niD4nsen
      Bronze
      Dabei seit: 14.11.2007 Beiträge: 9.275
      Original von Diamat
      Original von D4niD4nsen


      Da wir gegen eine 14% Range eine FEQ von 50% "ermittelt" haben callt er mit 7% seiner Range {88+, ATs+, AJo+} Dagegen haben wir mit AJo nur ~35% EQ

      => Fold
      Und wo ist jetzt das Problem, mit AJ aus early-middle einfach nicht mehr zu 3betten? goldflair hats doch schon gesagt: du musst gegen seine callrange weit genug vorne liegen und nicht gegen seine openraise-range.
      Ist halt so nicht richtig, wenn er z.B. immer nur {AA} callt liegen wir gegen seine callrange nie weit genug vorne ;)

      ---

      Geht halt darum wie ich aus FEQ, den Overcallranges, der EQ gegen seine Callingrange und als 4ten sehr advanced point natürlich den aspekt das sich 2 gegner mit equity rauskicken was für uns ja immer profitabel ist mir einen guten gameplan zurecht lege.

      :diamond: D4niD4nsen :diamond:
    • Diamat
      Diamat
      Bronze
      Dabei seit: 15.04.2007 Beiträge: 433
      Original von D4niD4nsen
      Original von Diamat
      Original von D4niD4nsen


      Da wir gegen eine 14% Range eine FEQ von 50% "ermittelt" haben callt er mit 7% seiner Range {88+, ATs+, AJo+} Dagegen haben wir mit AJo nur ~35% EQ

      => Fold
      Und wo ist jetzt das Problem, mit AJ aus early-middle einfach nicht mehr zu 3betten? goldflair hats doch schon gesagt: du musst gegen seine callrange weit genug vorne liegen und nicht gegen seine openraise-range.
      Ist halt so nicht richtig, wenn er z.B. immer nur {AA} callt liegen wir gegen seine callrange nie weit genug vorne ;)

      [...]

      :diamond: D4niD4nsen :diamond:

      Wenn er nur mit AA callt, kommt villain aber auf keine 50% foldequity; außer er openraised nur 2 Hände... Und callt er nur mit KK+ bei einer openraisingrange von 10%, dann hat er fold to 3bet von ~85% und wir werden durch die deadmoney reich.