Leben "im Wald"

    • Romeryo
      Romeryo
      Bronze
      Dabei seit: 21.10.2008 Beiträge: 12.600
      Oder nicht zwangsläufig im Wald. Vielleicht auch an einem unberührten Strand in der Klimazone seiner Wahl.
      Ich habe letztens "Leben im Wald" von Henry D. Thoreau gelesen, welches zwar um etwa 1840 spielt, aber wo mir erstaunlich viele Parallelen zu heute aufgefallen sind was Alltagsstress und Auswirkungen des Kapitalismus angehen. Der Autor hat sich in einem Selbstversuch 2 Jahre lang aus der Zivilisation (ein Städtchen namens Concorde in Massachusetts) zurückgezogen und am Walden-See sich eine Hütte aufgebaut hat und dort nur für sich gelebt hat, d.h. freie Zeiteinteilung, Landwirtschaft ausreichend für den Eigenbedarf und sogar leichter Überschussproduktion, welche er verkaufen konnte um dafür einige Basislebensmittel zur Abwechslung zu erwerben. Der Rest war freies Philosophieren und die Liebe zur Natur, welche er in allen Einzelheiten in sich aufsaugen konnte.

      Das Buch war wirklich inspirierend und ich frage mich, kann man so etwas heutzutage auch noch problemlos machen? Gehen wir einfach mal davon aus, dieser Lebensstandard nahe am Primitiven, Einfachen (keine Elektrizität, keine Warmwasserzufuhr, keine Abfallbeseitigung etc) wäre annehmbar und man wäre bereit dazu. Kann man irgendwo auf diesem Planeten noch ohne bürokratischen Wirrwarr sich ein Plätzchen aussuchen, welches einem gut gefällt und sich dort selber eine Unterkunft bzw Behausung zusammenzimmern? Denkt ihr, dass man dort wirkliches Glück erleben kann?


      Meine eigene Meinung: Ich finde es durchaus reizvoll. Thoreau hatte auch den Vorteil nicht völlig abgeschieden zu leben, sondern in einem Stundenmarsch zu seinem Dorf zu gelangen und Freunde, Bekannte und Familie zu treffen etc. Außerdem bekam er sehr oft Besuch von allerlei Leuten, folglich also keine krasse soziale Abgeschiedenheit (sehr erheiternd der Gedanke, dass er selbst da vermutlich mehr sozialen Umgang hatte als manch einer von uns, aber egal :D ).
      Also irgendwie würde ich auch das Internet extrem vermissen. Nur sucht man sich ein einsames Plätzchen dürfte es schwierig sein einen Anschluss zu bekommen, vom Strom ganz zu schweigen. Wobei Solartechnik eine verlockende Option darstellt, wenn man davon ausgeht nicht völlig ohne Kapital zu sein.
      Schwierig würde wohl auch werden wenn das Bedürfnis nach Familie auftritt, was allerlei organisatorische Probleme mit sich bringt. Andererseits erinnert mich dies wieder an diesen Typ, der in Deutschland irgendwo im Wald lebt und auch Familie hat, die es ihm gleich tut.

      Wie seht ihr das?
      Und vor allem auch, hat jemand eine Ahnung ob es so einfach möglich wäre? Ich mein, es wäre traurig wenn man auf dieser Welt nichtmal das durchziehen könnte wenn man sich schon dazu entschließt dem Kapitalismus-Wahn zu entfliehen...
  • 85 Antworten
    • Cuoco199
      Cuoco199
      Bronze
      Dabei seit: 23.02.2009 Beiträge: 7.394
      guter post/gute frage.

      wär schade wenn es nicht gehen würde, schließlich wären wir dann wirklich nichts anderes als sklaven wie manche behaupten...
    • TucoElTaco
      TucoElTaco
      Bronze
      Dabei seit: 17.10.2007 Beiträge: 3
      So einfach ginge das wohl heute nicht. Übrigens auch damals nicht. Das Grundstück auf dem er sein Haus gebaut hat gehörte seinem Freund Emerson.
    • SevenTwoOff
      SevenTwoOff
      Bronze
      Dabei seit: 02.02.2007 Beiträge: 5.953
      ist möglich machen auch manche

      http://www.schenkerbewegung.net/viewforum.php?f=30

      wenn du komplett aussteigen möchtest kannst z.B. deinen pass abgeben und bist nirgendswo gemeldet etc.
    • Paxis
      Paxis
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 01.11.2006 Beiträge: 37.220
      kommt drauf an wo du hin machst, also wenn du in einen riesigen wald gehst, is das IMO kein prob.
      darf eben niemand weiter davon wissen, dann kannst auch einfach in ein anderes land fliegen und dich dort einnisten.
      wäre aber mit einigem aufwand verbunden.
    • masa88x
      masa88x
      Bronze
      Dabei seit: 05.01.2009 Beiträge: 1.928
      das dümmste was ich in den letzten tagen gelesen hab
    • Paxis
      Paxis
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 01.11.2006 Beiträge: 37.220
      bist ja auch erst seit 2009 hier
    • Predi87
      Predi87
      Bronze
      Dabei seit: 06.11.2006 Beiträge: 113
      Original von Romeryo
      [...]aber wo mir erstaunlich viele Parallelen zu heute aufgefallen sind was Alltagsstress und Auswirkungen des Kapitalismus angehen.
      Original von Romeryo[...]und sogar leichter Überschussproduktion, welche er verkaufen konnte um dafür einige Basislebensmittel zur Abwechslung zu erwerben.
      merkste was?
    • Pokerfeund
      Pokerfeund
      Global
      Dabei seit: 13.02.2008 Beiträge: 2.873
      lasst uns ein projekt aufstellen. Wir kehren dem Kapitalismus den Rücken zu. Wir holen uns die Wälder wieder und leben wie unsere vorfahren! Wer macht mit?
    • Dustwalker
      Dustwalker
      Bronze
      Dabei seit: 29.07.2006 Beiträge: 5.541
      hf arztrechnung zu bezahlen wenn du dir beim Holzhacken ins BEin haust..

      Gehen tut das sicher noch "irgendwo" aber vollkommen aussteigen dürfte mehr Probleme bringen als Freiheiten.
    • TucoElTaco
      TucoElTaco
      Bronze
      Dabei seit: 17.10.2007 Beiträge: 3
      Aber darum gings Thoreau ja garnicht. Also "zurück in die Wälder" oder "Leben wie die Vorfahren".
      Der war kein Stück rückwärtsgewandt.
      Eigentlich gings wohl eher um die Frage, wieviel der Mensch zum Leben braucht und obs sinnvoll ist, sein Leben damit zu fristen jeden Tag von früh bis spät arbeiten zu gehen, wenn man eigentlich doch nur Grundbedürfnisse erfüllen muss (Nahrung,Wärme, etc...)
    • eric84888
      eric84888
      Bronze
      Dabei seit: 24.09.2008 Beiträge: 708
      Original von TucoElTaco
      Aber darum gings Thoreau ja garnicht. Also "zurück in die Wälder" oder "Leben wie die Vorfahren".
      Der war kein Stück rückwärtsgewandt.
      Eigentlich gings wohl eher um die Frage, wieviel der Mensch zum Leben braucht und obs sinnvoll ist, sein Leben damit zu fristen jeden Tag von früh bis spät arbeiten zu gehen, wenn man eigentlich doch nur Grundbedürfnisse erfüllen muss (Nahrung,Wärme, etc...)
      Die Frage ist nur, ob das ausreichend ist. Es strebt doch in der heutigen Welt jeder irgendwie nach einem gewissen Wohlstand, wenn man dann im Wald haust und nur die eigenen Grundbedürfnisse deckt, wird das wohl den Freundeskreis arg dezimieren, man wird wohl eher als Sonderling oder geisteskrank abgestempelt. Wenn das denjenigen jedoch glücklich macht und er auf soziale Kontakte mehr oder weniger verzichten kann, warum nicht. Wenn man das ganze aber nur mal ein paar Wochen macht, als erweiterten Survival - Kurs, macht das bestimmt mal ne Menge Spass, aber dauerhaft könnte ichs mir nicht vorstellen.
    • ThePhantom
      ThePhantom
      Bronze
      Dabei seit: 13.03.2007 Beiträge: 14.615
      kugg ma

      der waldmensch
      into the wild

      das müssste dem so in ansätzen entsprechen, es gibt noch so nen zweiteiler wo einer versuch 2 oder 3 monate in alaska zu überleben

      das physische überleben an sich scheint nicht so schwer zu sein, aber wenn du an gesellschaft gewöhnt bist bekommst du auf kurz oder lang einfach nen dachschaden und drehst durch .... nicht umsonst gehört sozialer umgang und kommunikation zu den grundbedürfnissen des menschen

      ich selber würde das gerne mal machen, in alaska oder in sibirien oder so auf jedenfall machbar ... allerdings kannst du das niemals von heute auf morgen machen, zunächstmal musst du dir einen haufen survival skills aneignen ... pflanzenkunde, landwirtschaftliche grundlagen usw..
    • Majes
      Majes
      Bronze
      Dabei seit: 14.08.2006 Beiträge: 5.831
      ich denke thoreau wollte uns wichsern nur einen kleinen denkansatz geben
      und wenn man bedenkt, daß er 1862 gestorben ist - und nicht wirklich
      wissen konnte, daß wir inzwischen durch die gegend twittern und echte
      muschis mit youporn-muschis verwechseln - lag er doch gar nicht so falsch

      dann halte ichs doch lieber mit "Irving Feffer" von "und dann kam polly":
      es kommt auf den weg an, verdammt nochmal, wenn der keinen spaß macht
      ist alles andere egal...
    • Pokerfeund
      Pokerfeund
      Global
      Dabei seit: 13.02.2008 Beiträge: 2.873
      Die Medallie hat wie immer zwei Seiten. Einerseits geht's uns heute ALLEN besser als zu Zeiten als die Menschen hauptsächlich auf dem Land lebten. Wenigstens materiell - jeder Sozialhilfeempfänger kann ab 20.00 uhr DSDS gucken ohne sich sorgen über das Essen am nächsten Morgen machen zu müssen.
      Was andere Bedürfnisse angeht sind wir allerdings sehr viel ärmer als früher. Man darf den Einwand 'keiner muss verhungern' nicht dafür benutzen zu behaupten, es ginge uns heute besser. Was das Materielle angeht ja schon, auch was die medizinische Versorgung angeht. Das Problem an heute ist (die Liste ist sehr lang, ich versuche mich so kurz wie möglich zu halten)

      -dass wir unsere Verbundenheit zur Natur (jedenfalls wer sie empfindet) völlig aufgeben müssen, wenn wir uns finanziell nicht das Gegenteil leisten können,
      -dass unser Lebensraum heute gößtenteils auf eine maximal 60 qm Wohnung (wenigstens der Durchschnittlich) begrenzt ist; wer kein Geld hat muss sogar in einer noch kleineren Zelle wohnen,
      -trotz materieller Grundsicherheit können wir diese nicht genießen oder wenigstens befriedigend erleben, da das Denken der Menschen um uns herum hauptsächlich auf Reichtum konzentriert ist, und jeder dich wie ein Stück Dreck anguckt wenn du kein Geld hast,
      -wir tagtäglich dem ausgesetzt sind wie es ist reich zu sein: Werbung, Models etc.
      d.h., dass wir nichtmal unseren gesellschaftlichen Status (ich rede nicht von mir; ja ich muss mich rechtfertigen in unserer Gesellschaft) für eine Minute mal vergessen können weil er uns sekündlich vorgehalten wird,
      -trotz, dass die meißten finanziell aufsteigen würden, haben die meisten nicht die chanze dazu
      - 'gleiche Chanzen für alle' ist also eine große Lüge,
      -der Zeitdruck der um uns rum herrscht,
      -die gestressten Leute; jeder ist auf 180,
      -man ist zwar Mensch, darf sich aber heute keine menschlichen Fehler mehr erlauben,
      -alles ist auf Strafe ausgerichtet,

      Und der größte Beweis dafür, dass es den Menschen heute scheiße geht ist, dass sie alle reich sein wollen um den Druck und der Scheiße zu entfliehen.

      Sogar das Denken mit em zufrieden zu sein was man hat wird heute verworfen; weil man dadurch zur Last wird. Nur wer nochmehr will, wer alles gibt, wer bis ans äußerste Geht wird akzeptiert...

      Daher kann ich sehr gut verstehen wenn manche auf das bischen finanzielle Grundsicherheit verzichten wollen für ein leben im Einklag mit sich selbst und der Natur.
    • Majes
      Majes
      Bronze
      Dabei seit: 14.08.2006 Beiträge: 5.831
      Original von Pokerfeund
      Die Medallie hat wie immer zwei Seiten. Einerseits geht's uns heute ALLEN besser als zu Zeiten als die Menschen hauptsächlich auf dem Land lebten. Wenigstens materiell - jeder Sozialhilfeempfänger kann ab 20.00 uhr DSDS gucken ohne sich sorgen über das Essen am nächsten Morgen machen zu müssen.
      Was andere Bedürfnisse angeht sind wir allerdings sehr viel ärmer als früher. Man darf den Einwand 'keiner muss verhungern' nicht dafür benutzen zu behaupten, es ginge uns heute besser. Was das Materielle angeht ja schon, auch was die medizinische Versorgung angeht. Das Problem an heute ist (die Liste ist sehr lang, ich versuche mich so kurz wie möglich zu halten)

      -dass wir unsere Verbundenheit zur Natur (jedenfalls wer sie empfindet) völlig aufgeben müssen, wenn wir uns finanziell nicht das Gegenteil leisten können,
      -dass unser Lebensraum heute gößtenteils auf eine maximal 60 qm Wohnung (wenigstens der Durchschnittlich) begrenzt ist; wer kein Geld hat muss sogar in einer noch kleineren Zelle wohnen,
      -trotz materieller Grundsicherheit können wir diese nicht genießen oder wenigstens befriedigend erleben, da das Denken der Menschen um uns herum hauptsächlich auf Reichtum konzentriert ist, und jeder dich wie ein Stück Dreck anguckt wenn du kein Geld hast,
      -wir tagtäglich dem ausgesetzt sind wie es ist reich zu sein: Werbung, Models etc.
      d.h., dass wir nichtmal unseren gesellschaftlichen Status (ich rede nicht von mir; ja ich muss mich rechtfertigen in unserer Gesellschaft) für eine Minute mal vergessen können weil er uns sekündlich vorgehalten wird,
      -trotz, dass die meißten finanziell aufsteigen würden, haben die meisten nicht die chanze dazu
      - 'gleiche Chanzen für alle' ist also eine große Lüge,
      -der Zeitdruck der um uns rum herrscht,
      -die gestressten Leute; jeder ist auf 180,
      -man ist zwar Mensch, darf sich aber heute keine menschlichen Fehler mehr erlauben,
      -alles ist auf Strafe ausgerichtet,

      Und der größte Beweis dafür, dass es den Menschen heute scheiße geht ist, dass sie alle reich sein wollen um den Druck und der Scheiße zu entfliehen.

      Sogar das Denken mit em zufrieden zu sein was man hat wird heute verworfen; weil man dadurch zur Last wird. Nur wer nochmehr will, wer alles gibt, wer bis ans äußerste Geht wird akzeptiert...

      Daher kann ich sehr gut verstehen wenn manche auf das bischen finanzielle Grundsicherheit verzichten wollen für ein leben im Einklag mit sich selbst und der Natur.
      wundervoll gesehen - nh sir
    • Romeryo
      Romeryo
      Bronze
      Dabei seit: 21.10.2008 Beiträge: 12.600
      Original von Predi87
      Original von Romeryo
      [...]aber wo mir erstaunlich viele Parallelen zu heute aufgefallen sind was Alltagsstress und Auswirkungen des Kapitalismus angehen.
      Original von Romeryo[...]und sogar leichter Überschussproduktion, welche er verkaufen konnte um dafür einige Basislebensmittel zur Abwechslung zu erwerben.
      merkste was?
      Ja, mag in seinen Grundzügen kapitalistisch sein, aber hat nichts mit Ausbeutung zu tun, womit der Begriff Kapitalismus imho aus heutiger Sicht erweitert wurde. Handel ist nicht das Problem, soviel zu Produzieren, dass die Produkte dann nur Abfall werden weil sie keiner braucht ist es meiner Meinung nach.

      Anyway, find's gut, dass sich ein paar auch solche Gedanken machen :) Natürlich ist es schwer zu realisieren, ich denke man sollte sich allein schon damit beschäftigen um vielleicht einen Mittelweg zu finden, Respekt vor der Natur und zufrieden leben, aber auch dem sozialen Grundbedürfnis nachgehen zu verbinden.
      Wenn man irgend etwas bewegen will, so sollte man immer bei sich anfangen. Statt die Leute zu beschwatzen und ihnen den eigenen Glauben aufzuzwingen sollte man einfach mit gutem Beispiel voran gehen.
    • Nemanja1977
      Nemanja1977
      Global
      Dabei seit: 11.08.2008 Beiträge: 11.069
      Ich wollt gerade schreiben in before: Öff Öff der Schenkerwaldmensch aber man ist mir schon zuvorgekommen...
    • Romeryo
      Romeryo
      Bronze
      Dabei seit: 21.10.2008 Beiträge: 12.600
      Original von Nemanja1977
      Ich wollt gerade schreiben in before: Öff Öff der Schenkerwaldmensch aber man ist mir schon zuvorgekommen...
      Hab ich den nich selber schon im ersten post erwähnt? Zumindest kurz?^^
    • breathingslow
      breathingslow
      Bronze
      Dabei seit: 21.02.2006 Beiträge: 4.001
      Hier die hat sogar Internetz im Walde ;)

      http://dieimwaldlebt.myredlib.de