thema macht-/hilflosigkeitd

    • kobeyard
      kobeyard
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 02.02.2006 Beiträge: 2.749
      ich möchte hier auch einmal etwas posten, vielleicht kann mir ja doch jemand helfen.

      wie der ein oder andere sicher weiß, habe ich des öfteren tiltprobleme. diese äußern sich nur teilweise darin, dass ich schlechter spiele - ich werde zwar etwas looser, aber es ist wohl noch im rahmen. größere probleme sind shots, spielen gegen andere gute reg fernab des eigenen a-games und rumschreien/frustration.

      hauptauslöser sind dabei vor allem 2 dinge, weniger die bad beats selbst, damit komme ich recht gut klar. viel schlimmer sind folgende dinge: 1. die machtlosigkeit, wenn ich zb HU spiele und es einfach phasen gibt, in denen man absolut nichts am ergebnis ändern kann. wenn der gegner gut runnt, kann er noch so schlecht sein, er macht gewinn. man ist praktisch dem schicksal hilflos ausgeliefert. dies widerspricht wohl meiner unterbewussten erwartung, dass ich meine gegner durch skill schnell schlagen kann. 2. ist im prinzip ähnlich: mein gegner spielt ziemlich schlecht und wird dann für einen schlechten call oder semibluff oder auch pure bluff durch die riverkarte "belohnt".

      diese ungerechtigkeit im pokern regt mich in solchen situationen unendlich auf und verursacht teilweise major tilt...

      ich habe jetzt auch schon versucht diesbezüglich an meinem mindset zu arbeiten, aber ich mache einfach keine fortschritte.

      es ist auch nur geringfügig besser geworden dadurch, dass ich die stakes verringert habe, da ich losingsessions scheinbar immernoch nicht akzeptieren kann. wenn ich logisch über solche sachen nachdenke, ist mir im prinzip alles klar: ein casino regt sich ja auch nicht auf, wenn ein zocker mal im roulette groß abräumt - im gegenteil: sie freuen sich vermutlich, dass dieser kunde bald wieder kommen wird und je öfter er spielt, desto besser fürs haus. diese erkenntnis sickert aber nur in mein bewusstsein durch, wenn ich gerade abseits der pokertische bin und dementsprechend ganz rational und unvoreingenommen über die situation nachdenken kann.

      wie schaffe ich es nun also, dass ich die machtlosigkeit bei schlechten runs einfach besser akzeptieren kann und von der erwartungshaltung abkomme, dass ich in jeder session gewinnen "sollte"?
  • 10 Antworten
    • Sim87
      Sim87
      Black
      Dabei seit: 29.10.2006 Beiträge: 8.692
      ich hab mir da früher immer mein lifetimegraphen vorgestellt und dann überlegt was für ein winziges stück pixel jetz badbeat nr. 1589 auf diesem graphen eigentlich nur ist. relativ betrachtet geht die bedeutung einer einzelnen hand vom ergebnis her gegen null, also warum drüber aufregen.

      (ich weiß dass es 1000x leichter gesagt als umgesetzt ist)

      irgendwann hab ich dann poker schlichtweg verweigert mein gefühlsleben zu beeinflussen. das war so ne art ego-sache, ich konnte nich akzeptieren dass mich badbeats etc tilten und damit ein spiel sozusagen souveränität über mich besitzt. keine ahnung ob das für irgend jemand außer mir funktioniert..
      NLPler würden das wahrscheinlich frame nennen. ob ich die varianz damit akzeptiere oder nur die gefühle dazu unterdrücke kann ich garnicht genau sagen, es funktioniert jedenfalls soweit sehr gut.
    • wespetrev
      wespetrev
      Bronze
      Dabei seit: 14.01.2008 Beiträge: 2.384
      Hallo kobeyard,

      eigentlich bist du es ja, der mir etwas über das Pokerspiel beibringt. Also kann dein Problem nicht am fehlenden Wissen darüber liegen, woher deine Gewinne kommen. Ich poste mal ein paar Gedanken eines Low Limit-Spielers; weiß nicht, ob du etwas damit anfangen kannst.

      … weniger die bad beats selbst, damit komme ich recht gut klar…

      …er macht gewinn. man ist praktisch dem schicksal hilflos ausgeliefert…

      …mein gegner spielt ziemlich schlecht und wird dann für einen schlechten call oder semibluff oder auch pure bluff durch die riverkarte "belohnt".

      diese ungerechtigkeit im pokern regt mich in solchen situationen unendlich auf und verursacht teilweise major tilt...
      Also wenn ich das richtig verstehe, geht es doch irgendwie um bad beats!

      Es gelingt dir nicht zu deiner Zufriedenheit, mit deinem Wissen deine Emotionen zu steuern.Mit deinen negativen Emotionen kannst du dein Können nicht zuverlässig in die am Tisch erforderlichen Handlungen umsetzen. Das Problem dürften wohl alle Pokerspieler haben; bei dir eben auf sehr hohem Niveau.

      Meine Meinung dazu: Poker ist psychologisch gesehen ein unmögliches Spiel!

      Du musst nämlich ständig Dinge miteinander vereinbaren, die den normalen menschlichen Erfahrungen und den evolutionär ererbten Handlungsschemata widersprechen. Das fängt bei der Ausbildung zum TAG-Style an: geduldig auf die besten Hände warten, diese aggressiv spielen und doch wieder loslassen, wenn ein anderer wahrscheinlich eine noch bessere Hand hält. In einem großen FL-Pot einen River callen, wenn man sich geschlagen fühlt auf die kleine Chance, doch vorn zu liegen (wenn der Call mathematisch gesehen noch +EV erscheint). Umgekehrt den kleinen Pot aufgeben, auch wenn man denkt, dass er doch nicht schon wieder die Straight getroffen haben kann. Dauernd müssen wir unsere Psyche überzeugen, nicht den Instinkten zu folgen.

      Genauso unmöglich ist es, was unserer Psyche bei bad beats abverlangt wird. Du gewinnst dauerhaft nur, wenn du sehr viel Kraft und Energie in dein Spiel steckst. Poker ist selbst auf den micro stakes schon anstrengend, ab den low stakes richtig Arbeit. Jetzt führt diese harte Arbeit in eine Serie von Verlusten, an denen du ganz schuldlos bist. Und du sollst dafür auch noch Dankeschön sagen. Ich finde es ganz normal, dass da irgendwann die Psyche streikt.

      Der Empfehlung, die Emotionen einfach abzuschalten, misstraue ich (würde aber gerne mit erfahrenen und besseren Spielern darüber diskutieren). Erstens geht imo eine vollständige Unterdrückung der Emotionen nicht. Zweitens glaube ich, dass sich das negativ auf das Spiel auswirken würde. Denn zum richtig guten Spiel gehört es doch auch, Stimmungen des Gegners wahrzunehmen. Wie will ich aber dafür eine feine Antenne ausfahren, wenn ich meine Gefühle betäubt oder ihnen zu enge Fesseln angelegt habe? Gerade im HU kannst du doch nicht bestehen, wenn du nicht wahrnimmst, wie der Gegner gerade tickt.

      wenn ich logisch über solche sachen nachdenke, ist mir im prinzip alles klar: ein casino regt sich ja auch nicht auf, wenn ein zocker mal im roulette groß abräumt - im gegenteil: sie freuen sich vermutlich, dass dieser kunde bald wieder kommen wird und je öfter er spielt, desto besser fürs haus. diese erkenntnis sickert aber nur in mein bewusstsein durch, wenn ich gerade abseits der pokertische bin und dementsprechend ganz rational und unvoreingenommen über die situation nachdenken kann.
      Hier liegt wohl das Hauptproblem. An den Tischen müssen wir unter Zeitdruck entscheiden. Und wir haben in jeder Session irgendwie eine Vorgeschichte. Oft genug liegt ja gerade darin der Vorteil des guten und geübten Spielers, aber eben nicht immer.

      Du musst also, denke ich, akzeptieren, dass es da auch für dich Grenzen gibt und du eben nicht völlig rational und unvoreingenommen handelst. Nochmals: diese Tatsache ist durchaus ambivalent, nicht nur Belastung sondern auch Fähigkeit. Du demonstrierst in deinen Videos ja schon gelegentlich so etwas wie einen sechsten Sinn für das, was deine Gegner in Händen halten können. Auch wenn Erfahrung und Können die Hauptrolle spielt: ist das im Nachhinein immer rein rational zu erklären?

      Oder nach einer Session voller Suckouts gefragt: wann geht ein Table Read, der einem noch hilft den toughen Fold zu finden, in einen grenzwertig-paranoiden Tilt über?

      Es geht also nicht um Unterdrückung sondern um Regulierung von Emotionen. Das ist wohl immer noch eine Binsenweisheit. Der Pokertisch ist nun eine ziemlich schlechte Umgebung, um Emotionen wieder einzufangen, die außer Kontrolle zu geraten drohen.

      Deshalb lautet meine Schlussfolgerung:

      Pause.

      Das möchte ich selbst nicht gerne hören, wenn ich in Position auf einen Edelfisch sitze. Ich weiß, die Situation ist theoretisch +EV. In der Praxis wandern die Kröten schneller in seine Taschen, als ich gucken kann. (Einmal in zehn Jahren verliert eben Spanien gegen die Schweiz mit 0:1).

      Dann sperrt sich alles gegen das Aufhören. Ich weiß, dass sich das Glück jederzeit wenden kann und dass ich bei halbwegs normaler Kartenverteilung gewinnen müsste. Das passiert ja dann auch manchmal.

      Mindestens ebenso häufig sind das aber meine größten Verlustsessions. Weil meine Edge eben auch bei „normaler“ Kartenverteilung nicht so groß ist. Und weil meine Edge sich im Tilt in Luft auflöst.

      Die Dauer der Pause wird unterschiedlich sein. Vielleicht reicht ein kurzes Sitout. Vielleicht gehst du besser an die frische Luft. Du kennst dich selbst gut genug, um zu wissen, wann du wieder auf dem Boden bist.

      Cliff notes:
      • Du kannst und sollst dein Mindset stetig verbessern. Das „unmögliche“ Spiel Poker wirst du dennoch auch psychisch nie vollständig beherrschen.
      • Sobald du merkst, dass du psychisch instabil wirst, nimmst du dir außerhalb des Pokertischs Zeit, dich wieder einzufangen. Dieser „Spielzug“ ist wohl fast immer +EV.


      Wohl nicht so viel aufregend Neues, vielleicht hilft’s trotzdem.

      Gruß
      wespetrev
    • xHexerx
      xHexerx
      Bronze
      Dabei seit: 22.02.2008 Beiträge: 294
      Irgendwie bin ich Dir für Dein Post sehr dankbar, Kobeyard.

      Denn auch wenn ich mich mit Spielern wie Dir nicht messen oder gar gleichstellen
      kann, so finde ich es irgendwie tröstend und erwärmend, dass es auch
      Könnern wie Dir ähnlich ergeht wie Low- und Midstacks-Spielern wie mir.

      Einen wirklich guten Rat kann ich Dir leider nicht geben, weil es mir auch so
      geht wie Dir - ausser vielleicht folgende Gedankenanregungen:

      Poker ist zu einem guten Teil leider doch Glückssache (aber das wusstest
      du vermutlich schon... ;) ).

      Das Können wirkt sich nur im Kleinen beim Cash-Game aus - auf Dauer aber
      dann angeblich doch erheblich.

      Wer (schnell) viel Geld gewinnen will, wird wohl MTT´s spielen müssen und
      wenn sein Tag kommt, wo sein Können und das Glück gut zusammen spielen,
      dann wird man viel Geld gewinnen. :]

      Wenn Poker zur Qual wird, zur harten Arbeit, dann wird es Zeit etwas zu ändern:
      Entweder eine andere Variante, die einem in Wirklichkeit besser liegt (mehr
      Spass macht) oder auf ein Limit gehen, auf dem man mit den Swings besser
      klar kommt.

      Zum Thema "Spass beim Pokern": Ich habe bei der IX. Blackmember-Party in
      München einen Diamond (unten in den Katakomben) beim Essen am Tisch
      sitzen gehabt, der eine so unglaubliche Positivität und ein Strahlen in seinen
      Augen hatte, als er von seinem Spiel und von seinen Bad-Beats erzählt hatte,
      dass ich mir dacht: "Ja, der Junge hat die richtige Einstellung zu Poker.
      Hoffentlich finde ich zu dieser inneren Freude auch wieder." :)

      Ich persönlich versuche es jetzt, indem ich wieder SnG´s und MT-SnG´s spiele
      und kein Cash-Game mehr. Ob´s hilft, wird man sehen.

      Good luck.


      P.S: Falls Dir mein Post etwas gebracht hat, kannste mich ja als Freund adden... :D
    • Dodadodadodada
      Dodadodadodada
      Black
      Dabei seit: 25.02.2006 Beiträge: 4.461
      Hmm... Ich rate ma bisl rum:

      Du willst Menschen, die dir viel bedeuten beweisen, wie erfolgreich du deine Fähigkeiten ausleben kannst.
      Du steckst mehr Zeit, Kraft, Ausdauer, Emotionen in das Spiel Poker als es dir lieb ist, denn du hast viele andere Interessensgebiete, für die du gerne mehr investieren würdest.
      Du siehst Poker grundsätzlich als Zwischenstation und Nebenhobby, was du gerne spielst, du aber nicht von abhängig sein willst.
      In der Realität investierst du zu viel dafür und du hast Angst, dass es lange so weitergeht, du andere Sachen im Leben zu wenig durchführen kannst, eher auf der Stelle trittst, wichtige Menschen in deinem Leben nicht ausreichend beeindruckst.
      Diese vielen negativen Bestände bauen sich in negative Emotionen um, die du auslebst immer dann, wenn sich die Ängste in deinem Unterbewusstsein bewahrheiten.
      Dies verstärkt sich in Situationen, in denen du dich machtlos fühlst, da du dort das Gefühl bekommst, nichts aus eigener Hand tun zu können und deine Zeit, die du bereits aufopfertest, verschwendet war, da dir die Gedanken, die du für das Spiel bereitet hast nicht auf sicherem Boden gestreut erscheint und du dich wie eine Billardkugel durch die Gegend rollen siehst.
    • OrcaAoc
      OrcaAoc
      Gold
      Dabei seit: 06.08.2006 Beiträge: 4.819
      #2 Ich würde das aber positiver formulieren wollen.

      Beim ständigen Argumentieren mit Freunden/Bekannten etc. das man mit Pokern niemandem schadet vergisst man eins allzu oft. Mit der Tätigkeit die man ausübt hilft man niemandem.

      Das mag jetzt für viele von euch relativ belanglos klingen da unsere Gesellschaft über alle Massen Ich-Bezogen ist und es daher erstmal relativ normal erscheint das jeder zunächst nur ansich denkt.

      Man sollte sich dadurch aber nicht blenden lassen, das natürliche Wesen fast aller Menschen ist nicht so, d.h. Wut und Frustration ist aus meiner Sicht eine nachvollziehbare Reaktion auf die Tatsache das man zuviel Zeit mit etwas verschwendet was in keinster Weise jemandem hilft noch sonst irgendwie Sinnvoll ist.
    • K4liman
      K4liman
      Black
      Dabei seit: 26.10.2008 Beiträge: 2.219
      Fands ja sowieso immer sick, wie du mit dem Mindset soweit gekommen bist. Gerade weil es bei mir auch seit geraumer Zeit halt nicht so lief und ich auch schon ein halbes Jahr durchaus meine Psyche als hauptverantwortlich dafür identifiziert habe und ich denke, dass ich halt so ziemlcih meine gesamt Edge damit gekillt hatte, genau gegen solche Spieler die dann halt ohne FE mal den Turn 3b oder cappen um am River die Miracle Card zu hitten, mit dem Gutshot natürlich. Das Problem ist dann nicht diese Hand, es wurde bei mir der gesamte Gegner, für eine gewisse Zeit vielleicht der gesamte Tisch oder gar die gesamte Session.

      Ich bin also schon seit geraumer Zeit, über einem halben Jahr daran zu arbeiten, oder dachte, dass ich daran arbeite, weil diese Phasen traten immer und immer wieder auf. Im Endeffekt gibts auch keinen bestimmten Rat den man hier formulieren könnte. Nicht umsonst wurden dabei schon ganze Bücher, Videoserien, Artikel etc. gefüllt. Ich denke auch, dass der psychologische Aspekt einen enorm großen Einfluss auf die Egde/Winrate haben.
      Inzwischen bin ich mir auch sicher, dass es sogar deutlich schwieriger ist und auch länger dauert, sein Mindset aufzubessern, als z.B die Pokerskills. Also musst du halt daran genauso hart arbeiten, wie du es vor Jahren sehr intensiv, bzw. auch jetzt ständig noch an deinen Pokerskills getan hast. Und gerade, weil in diesem Mindset Punkt jeder anders ist, reagiert etc. ist es meiner Meinung auch schwieriger, als sein Pokerspiel zu verbessern. Wenn man aber mal überlegt, wie sich die verbesserungen auf die Winrate auswirken, wird man ziemlich schnell nur noch an der Psyche arbeiten.

      So als ersten Baustein würd ich dir mal den Rat mitgeben, dass du den Bad Beat versucht rational und nicht emotional zu erfassen und sofern du emotional darauf reagierst, diese bewusst wahrzunehmen. Das heißt, die semibluff3b am Turn, die er da deiner Meinung nach am Turn ohne FE gemacht hat, kostet ihn zusätzliche 2BB die er mit 10%EQ macht, womit dir bei diesem Move ein EV von +1,8BB beschwert wird. ALLERDINGS gewinnt er halt in 10% der Fälle die Hand. Das heißt, wenn er gewinnt, ist es lediglich der eine aus 10 Fälle und nicht die Miracle Card. Du hast halt das Pokerwissen um am Tisch genau zu wissen, ob das Play gut oder nicht ist. Du kannst dir sogar den EV ungefähr berechnen. Du musst es nur auf die technische Ebene ziehen, analysieren, akzeptieren und weiter zur nächsten Hand. Die nächste Hand bewusst wahrnehemen und versuchen bestmögilch zu spielen. Du kannst an der Vergangenheit nichts ändern, du kannst an den gedealten Karten nix ändern, du kannst an keiner Street die Karte beeinflussen. Du kannst lediglich an sämtlichen Aspekten die dein eigenes Spiel beeinflussen arbeiten bzw. diese mit bester Performance an den Tisch bringen.

      Wie gesagt, ist nur ein kleiner Baustein, wird dir jetzt vermutlich nicht soviel bringen. Aber vieler dieser Bausteine, machen ein gutes Mindset aus, so wie viele Bausteine auch ein gutes Pokerspiel ausmachen.
    • Makomar
      Makomar
      Black
      Dabei seit: 30.04.2006 Beiträge: 2.368
      hey,

      zuerst mal: ich finde es sehr gut, und auch sehr professionell, sich seine Schwachstellen einzugestehen und zu versuchen, daran zu arbeiten.

      Da das Problem anscheinend tiefer liegt, und du es nicht einfach dadurch lösen kannst, dass es dir bewusst ist, sehe ich zwei Möglichkeiten:

      Zum Einen die langfristige, und wahrscheinlich bessere: eine Therapie (z.B. Gestalt-, Gesprächstherapie, etc.). Diese würde ich sowieso jedem Menschen nahelegen, egal ob Tiltproblem oder nicht. Es geht mehr darum, sich selbst kennenzulernen, herauszufinden, was für eine Geschichte man mit sich herumträgt. Der Grund der Probleme wird in Folge dessen versucht zu eruieren. Bei uns leider oft stigmatisiert, in anderen Ländern Alltag.

      Zum Anderen die kurzfristige: eine Verhaltenstherapie. Diese ist auf die Gegenwart gerichtet, versucht weniger die Ursache, als vielmehr die Symptome zu behandeln. Z.B.: Ein Geschäftsmann muss viel durch die Welt jetten, hat aber Flugangst. Er will aber seinen Beruf auch nicht aufgeben. In der Verhaltenstherapie wird ihm in möglichst kurzer Zeit beigebracht, wie er mit dieser Angst umgehen kann. Da gibt es auch kein Standardrezept, sondern ist individuell völlig unterschiedlich, aber die Ursache, warum er Flugangst hat, wird nicht näher untersucht.

      Der Vorteil ist, dass die Therapie normalerweise sehr wenig Zeit in Anspruch nimmt. Der Nachteil ist, dass sie nicht immer funktioniert (weil eben die Ursache nicht der Fokus ist), und dass andere Symptome anstatt des behandelten auftreten können.

      Einen guten Therapeuten finden, ist nicht immer leicht. Vielleicht hast du Bekannte, die dir jemanden empfehlen können.

      Du kannst mich auch gerne anskypen (oder an den tables anflamen ;) )
    • IronPumper
      IronPumper
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 03.01.2008 Beiträge: 14.843
      Original von Makomar
      hey,

      zuerst mal: ich finde es sehr gut, und auch sehr professionell, sich seine Schwachstellen einzugestehen und zu versuchen, daran zu arbeiten.

      Da das Problem anscheinend tiefer liegt, und du es nicht einfach dadurch lösen kannst, dass es dir bewusst ist, sehe ich zwei Möglichkeiten:

      Zum Einen die langfristige, und wahrscheinlich bessere: eine Therapie (z.B. Gestalt-, Gesprächstherapie, etc.). Diese würde ich sowieso jedem Menschen nahelegen, egal ob Tiltproblem oder nicht. Es geht mehr darum, sich selbst kennenzulernen, herauszufinden, was für eine Geschichte man mit sich herumträgt. Der Grund der Probleme wird in Folge dessen versucht zu eruieren. Bei uns leider oft stigmatisiert, in anderen Ländern Alltag.

      Zum Anderen die kurzfristige: eine Verhaltenstherapie. Diese ist auf die Gegenwart gerichtet, versucht weniger die Ursache, als vielmehr die Symptome zu behandeln. Z.B.: Ein Geschäftsmann muss viel durch die Welt jetten, hat aber Flugangst. Er will aber seinen Beruf auch nicht aufgeben. In der Verhaltenstherapie wird ihm in möglichst kurzer Zeit beigebracht, wie er mit dieser Angst umgehen kann. Da gibt es auch kein Standardrezept, sondern ist individuell völlig unterschiedlich, aber die Ursache, warum er Flugangst hat, wird nicht näher untersucht.

      Der Vorteil ist, dass die Therapie normalerweise sehr wenig Zeit in Anspruch nimmt. Der Nachteil ist, dass sie nicht immer funktioniert (weil eben die Ursache nicht der Fokus ist), und dass andere Symptome anstatt des behandelten auftreten können.

      Einen guten Therapeuten finden, ist nicht immer leicht. Vielleicht hast du Bekannte, die dir jemanden empfehlen können.

      Du kannst mich auch gerne anskypen (oder an den tables anflamen ;) )
      Aber ist hier nicht das Problem, dass der ganz normale Psychologe von der speziellen Materrie "Poker" null Plan hat und solche Therapie dann an Value verliert, wenn man Allgemeines zum Ende auf Poker projezieren will?

      @Kobe:

      jeder hat verschiedene Auslöser, oder vielmehr wirkt Auslöser X zb. bei Person A stärker, als Person B.

      Im Schnitt sind Badbeats/Setups aber irgendwann kein Problem mehr.

      Mir fällt es zb. noch schwierig mir Fehler zu verzeihen, was nat. auch während dem Spiel zu Unsicherheit führt. - aber ich arbeite daran.

      Zu deinen Auslösren:

      zu 1.) Kann ich ein Stück weit nachvollziehen, wobei ich hauptsächlich 6max spiele.
      Wenn ich aber mal HU spiele, dann quitte ich zb. , wenn es für meinen Gegner in allem (hitten, improven, mich readen...) sehr gut läuft,
      weil sich dann oft für ihn das Momentum verbessert (er hat oft mehr Infos), aber vor allem seine Zufriedenheit und sein Selbstbewusstsein steigt an.
      Hier komtm es dann auch zu Ausschüttungen von Botenstoffen wie zb, Dopamin, was dann auch noch bei ihm die Konzentration, Fokusierung ehröht -> er spielt besser als normal.

      Ev. ist es dann sinnvoll rein technisch öfter, schneller zu quitten, da Villain`s Winrate steigt...

      zu 2.) Ich kann diesen Trigger nachvollziehen, aber bei mir löst was seltenst was aus.
      Ist ja eher im Schnitt von der Intsität ein leichter Trigger - eher Badbeat-Charakter.
      Ich mein, hier trifft dich ja null Schuld, sondern es machen sich einfach die Realitäten von Poker (Pokermindset: Luck is King in short run, Skill is King in the long run, hohe Varianz halt, - das verbunden mit nur kleinen kurzfristigen Edges (egal gegen wen!) + hoher Fluktuation.


      Letzte Frage:

      Du hast gesagt, du verbesserst dein Mindset, was nat. sehr gut ist.
      Welchen Stellenwert hat das bei dir?
      Genauso hoch wie Theoriestudium, Analysen? Oder eher etwas, was halt dann doch gemacht werden muss?


      Ich glaub, dass wir alle wenn wir von Pokerweiterbildung sprechen,
      der Mindsetarbeit/Weiterentwicklung einen zu geringen Stellen wert geben.

      Ok, das was^^

      Lg,
      IronPumper =)
    • Makomar
      Makomar
      Black
      Dabei seit: 30.04.2006 Beiträge: 2.368
      Original von IronPumper
      Aber ist hier nicht das Problem, dass der ganz normale Psychologe von der speziellen Materrie "Poker" null Plan hat und solche Therapie dann an Value verliert, wenn man Allgemeines zum Ende auf Poker projezieren will?

      Nein, überhaupt nicht. Ein Therapeut (Psychologe ist eigentlich was anderes) kann, wie jeder andere Mensch, nie eine genaue Ahnung von jedem Berufsfeld haben. Er ist ja auch nicht dazu da, einen Vortrag zu halten, sondern lässt das meiste vom Patienten kommen (schließlich bedeutet z.B. Poker auch für jeden etwas anderes) bzw. führt diesen durch ein Gespräch.

      Das Entscheidende ist eben, was jemand mit Poker verbindet, warum er die Emotionen in diesem Bereich nicht unterdrücken kann, und nicht Poker als Materie selbst. Oft geht es vielleicht auch gar nicht um Poker, da der Tilt dort nur ein Symptom von etwas ganz anderem, einem anderen Bereich des Lebens ist.

      Jemanden mit Expert-Wissen brauchst du, wenn du einen Coach haben willst. Viel wichtiger ist, dass man Vertrauen zum Therapeuten hat und sich dort in einer geschützten Umgebung vorfindet.

      Eine Therapie halte sowieso für jeden empfehlenswert, auch ohne ein Problem, an dem man arbeiten will. Sie besitzt nur leider einen schlechten Ruf ("ich bin ja schließlich nicht verrückt"), so dass es manchmal von vornherein keine Option darstellt, bzw. man bei Interesse nur schwer Informationen bekommt, weil keiner darüber reden oder es zugeben will.

      Mehrere meiner Freunde machen Therapie, und sind alle mit dem Prozess (auch wenn er ein langwieriger ist), sehr happy. In Argentinien z.B. habe ich sowieso unglaublich viele Menschen getroffen, die eine Therapie machen. Dort wird auch viel offener und lockerer darüber gesprochen, und ein Therapeut den Freunden einfach weiter empfohlen.

      Natürlich kann es für einige genügen, ein Buch über (Poker-)Mindset zu lesen, aber wenn sich alle Dinge mit Büchern lösen lassen würden...
    • IronPumper
      IronPumper
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 03.01.2008 Beiträge: 14.843
      Original von Makomar
      Original von IronPumper
      Aber ist hier nicht das Problem, dass der ganz normale Psychologe von der speziellen Materrie "Poker" null Plan hat und solche Therapie dann an Value verliert, wenn man Allgemeines zum Ende auf Poker projezieren will?

      Nein, überhaupt nicht. Ein Therapeut (Psychologe ist eigentlich was anderes) kann, wie jeder andere Mensch, nie eine genaue Ahnung von jedem Berufsfeld haben. Er ist ja auch nicht dazu da, einen Vortrag zu halten, sondern lässt das meiste vom Patienten kommen (schließlich bedeutet z.B. Poker auch für jeden etwas anderes) bzw. führt diesen durch ein Gespräch.

      Das Entscheidende ist eben, was jemand mit Poker verbindet, warum er die Emotionen in diesem Bereich nicht unterdrücken kann, und nicht Poker als Materie selbst. Oft geht es vielleicht auch gar nicht um Poker, da der Tilt dort nur ein Symptom von etwas ganz anderem, einem anderen Bereich des Lebens ist.

      Jemanden mit Expert-Wissen brauchst du, wenn du einen Coach haben willst. Viel wichtiger ist, dass man Vertrauen zum Therapeuten hat und sich dort in einer geschützten Umgebung vorfindet.

      Eine Therapie halte sowieso für jeden empfehlenswert, auch ohne ein Problem, an dem man arbeiten will. Sie besitzt nur leider einen schlechten Ruf ("ich bin ja schließlich nicht verrückt"), so dass es manchmal von vornherein keine Option darstellt, bzw. man bei Interesse nur schwer Informationen bekommt, weil keiner darüber reden oder es zugeben will.

      Mehrere meiner Freunde machen Therapie, und sind alle mit dem Prozess (auch wenn er ein langwieriger ist), sehr happy. In Argentinien z.B. habe ich sowieso unglaublich viele Menschen getroffen, die eine Therapie machen. Dort wird auch viel offener und lockerer darüber gesprochen, und ein Therapeut den Freunden einfach weiter empfohlen.

      Natürlich kann es für einige genügen, ein Buch über (Poker-)Mindset zu lesen, aber wenn sich alle Dinge mit Büchern lösen lassen würden...

      Alles klar, interessant - danke;)

      Ich hab zwar keine Erfahrungen auf dem Gebiet, aber ich kann mir schon gut vorstellen ,
      dass eine Therapie bei jeder Person (auch ohne gravierende Probleme) die Lebensqualität heben kann <-> Sport als körperliche Auseinandersetzung mit der eigenen Physis tut dies ja auch.