Rise And Fall

    • MazeT
      MazeT
      Bronze
      Dabei seit: 29.01.2006 Beiträge: 22
      Ich habe die ßberschrift gewählt, weil es ein alter Helloween-Song aus den 80ern ist und ich beim Pokern gern im Hintergrund meine Metal-Klassiker laufen habe :) Es geht aber eigentlich um den (in meinen Augen fast zu reibungslosen und schnellen) Aufstieg bei PokerStars und einem gehörigen Einbruch mit dem Wechsel auf PartyPoker. Die ganze (Leidens)Geschichte ist für alle Newbies gedacht, die vielleicht ähnliches in ihrem ersten Pokermonat erlebt haben, wie ich.

      Ich bin durch die DSF-Reportage auf PS.de aufmerksam geworden. Ich hatte ganz generell gerade viel Poker im Fernshehen gesehen und war Feuer und Flamme. Am 29.01.06 meldete ich mich auf PS.de und PokerStars an.

      Mit dem Wissen aus der Einsteiger-Sektion und einem Ausdruck der SHC ging's los und es ging richtig gut los. Meine Sessions waren höchstens 2-3 Stunden lang und ich kratzte schnell an den $20, dann war eine kurze Stagnation und am 10.02.06 war ich bei knapp unter $30 angekommen (ich hatte mir die Latte etwas höher gelegt, denn ich wusste ja nicht, was mich bei PP erwartet und ich wollte ein paar Kröten übrig haben, um wieder von vorn anfangen zu können).

      Dann kam der Wechsel auf PP und ich dachte, dass es mit dem kontinuierlichen Bergauf weitergehen würde. Schliesslich hat sich gezeigt, dass die SHC und die tight-aggressive Spielweise funktionieren und auf PP sollten ja noch mehr schlechte Spieler sein als auf PS. Ich spielte also locker und lässig weiter, beflügelt durch den schnellen Aufstieg. Doch nun hatte ich plötzlich kein Glück mehr am Flop. Erst dachte ich, ich hätte nur eine miese Woche, dann ging die zweite Woche aber genau da weiter, wo die erste aufgehört hatte. Ich ging in den Limits runter von den empfohlenen $0.15/$0.30 bis zu den $0.05/$0.10 und sah plötzlich keine Sonne mehr. Meine $125 schrumpften Tag für Tag. Zwischendurch versuchte ich es sogar wieder auf PS ($0.02/$0.04), um mir zu beweisen, dass es nur Pech auf PP war. Aber auch dort konnte ich die Sessions nur mit Verlust abschliessen. Also kamen ganz grosse Zweifel an meinen Fähigkeiten auf und ich begann die PS-Zeit als reines Glück zu sehen und die PP-Zeit als die bittere Realität. Ich war zu schlecht für Poker!

      Bei mittlerweile $80 BR (durch die verschiedenen Limits rund 150 BB Minus) und der Angst alles in den Sand zu setzen, fing ich endlich an über meine Spielweise nachzudenken. Mich verliess vor allem der Drang, alles schnell wieder aufholen zu müssen. Ich setzte bewusst ein paar Tage aus, studierte die ersten Bücher, die mittlerweile von Amazon eintrafen und las mir erneut die Einsteiger-Sektion und die ersten Artikel der Fortgeschrittenen-Sektion durch. Vorher habe ich immer abgewogen, ob ich meine Freizeit zum Lesen oder doch lieber gleich zum Pokern nutze und ich pokerte lieber (weil ja auch auf PS alles so toll gelaufen war).

      Rückblickend kann ich nur sagen, dass ich in den rund 10 Tagen so jeden Anfängerfehler gemacht habe, vor dem hier immer gewarnt wird. Ich war schon nach einigen nicht getroffenen Flops und Second Best Hands ziemlich frustriert. Ich spielte nicht gerade konzentriert, ich beobachtete vor allem nicht, was meine Gegner machten (das war wohl mein grösster Fehler). Und mit der neuen PP-Software und dem Resizing versuchte ich mich auch noch in Multi-Tabling. Als die Verluste grösser wurden, wurde ich mit guten Händen immer zögerlicher, wich vom SHC ab, denn an irgendetwas musste es ja schliesslich liegen und ging sogar für eine kleine Session und den nächsten herben Verlust im Limit rauf. Schön blöd!

      Seit dem 24.02.06 geht es nun endlich wieder vorwärts. Nach der kurzen Auszeit habe ich ein paar wesentliche Dinge geändert. Und zwar in der Art und Weise, wie ich am Rechner sitze. Krankheitsbedingt, habe ich eine Menge Tee getrunken und das ganze wirkte sehr entspannend, was mir unheimlich half, mich besser zu konzentrieren. Ich habe angefangen, nachdem ich zwei Coachings zugehört hatte, mir die möglichen Hände der Gegner (auf Grund deren Betting-Sequence) und meine Entscheidungen im Kopf zu erzählen. Damit blieb ich bei der Sache und war nicht so abgelenkt wie früher. Ebenso achte ich jetzt mehr auf das Spiel der Gegner, wenn ich nicht selber in der Hand bin. Das hält einen davon ab, aus Langeweile an mehreren Tischen zu spielen.

      Insgesamt scheine ich meinen ersten Downswing überstanden zu haben und ich möchte allen Newbies, die in ihrem ersten Downswing stecken, nur dringend raten einmal bewusst das Pokern auszusetzen und über die Art und Weise und die Erwartungen mit denen man sich während eines Downswings vor den Rechner begibt, nachzudenken. Ich glaube, dass gerade der erste Downswing einen vor die essentielle Frage stellt, ob man "nur" Pech hat (und das bezweifelt man, wenn es Tage oder Wochen anhält) oder ob man dem Ganzen nicht gewachsen ist. Ich kann heute die Frage mit "viel Pech" und "einem katastrophalen Verhalten meinerseits" beantworten.

      Ich hoffe, ihr habt genügend Geduld und schafft es aus dem Downswing psychisch unbeschadet wieder raus. Denn das was danach kommt, macht wieder ganz grossen Spass!

      Matthias
  • 2 Antworten
    • Kreatief
      Kreatief
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2006 Beiträge: 13.896
      Vielen Dank! Sehr schön zu lesen.

      Ich habe, bevor ich anfing mit RealMoney, sehr viel gelesen, und mein Anfang ist nicht glücklich. Ich denke aber es liegt daran, dass ich eben nicht so hoch beflügelt in die erste Session stieg, und zuviel Glück hatte, sondern eher nüchtern und konzentriert mein Spiel durchziehen wollte.
      Schade nur dabei, dass ich dennoch Verluste fahre.
      Dein Bericht bestätigt mein Gefühl, und motiviert mich noch mehr zu lernen.

      Dir viel Glück auf höheren Levels!


      Dirk
    • bonifaz
      bonifaz
      Bronze
      Dabei seit: 19.11.2005 Beiträge: 1.149
      Respekt! Wie ich meine, ein toller und wertvoller Artikel!

      Ich finde mich darin schon zT auf 2/4c wieder ;)